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Die Zeitung ist ein idealer Partner Ein Plädoyer fürs Lesen

© David Heker

Interview zur "Woche der Zeitung"

mit Prof. Dr. Klaus Ring,

Geschäftsführer der Stiftung Lesen

 

 

1. War die Stiftung Lesen eigentlich von den Ergebnissen der PISA-Studie überrascht?

Dass die deutschen Schülerinnen und Schüler dermaßen schlecht abgeschnitten haben, hat mich durchaus schockiert - obwohl viele unserer Untersuchungen bereits darauf hingedeutet hatten. Leider werden die PISA-Befunde bereits wieder mit einem Berg aktionistischer Phrasen zugedeckt. Nach der Bundestagswahl muss schleunigst die Spreu der Vorschläge vom Weizen getrennt werden, damit gehandelt werden kann. Wenn nach der PISA-Studie jeder fünfte deutsche Schüler nur simpelste Texte verstehen kann, ist das nicht nur eine Katastrophe für die Betroffenen selbst, sondern Anlass, unverzüglich zu handeln und vor allem Präventivmaßnahmen zu entwickeln, um den künftigen Schülergenerationen dieses Schicksal zu ersparen.

 

2. Wieso wurde ausgerechnet in einem Land wie Deutschland, wo Bildung an sich doch einen hohen Wert besitzt, nicht längst etwas unternommen?

Dieses Image ist - freundlich gesagt - sehr schmeichelhaft: Im internationalen Vergleich ist Deutschland schon lange kein Bildungs-Land mehr. Das zeigen nicht nur die Ergebnisse der PISA-Studie, sondern es lässt sich auch an der "Investitionsbereitschaft" der öffentlichen Hand ablesen, wie aus einer anderen, eher verschwiegenen OECD-Studie des vergangenen Jahres hervorgeht. Danach investieren die rund 30 Mitgliedsländer im Durchschnitt fast 13 Prozent ihrer gesamtstaatlichen Ausgaben in Bildungseinrichtungen. Deutschland findet sich mit weniger als 10 Prozent an drittletzter Stelle. Wir haben unser Bildungssystem krank gespart. Ein Wirtschaftsunternehmen in gleicher Position könnte seine Produkte schon längst nicht mehr verkaufen und wäre ein Sanierungsfall.

 

3. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gegenmaßnahmen? Wie lässt sich Kindern und Jugendlichen die Lust am Lesen vermitteln?

Indem wir so früh wie möglich ansetzen: Ob ein Kind zum guten und vielleicht sogar begeisterten Leser wird, das entscheidet sich spätestens in der Grundschulzeit, eigentlich sogar schon davor. Vorlesen und Erzählen fördern maßgeblich die Sprach- und die Denkfähigkeit der Kinder, und beide bilden die Grundlage für Lesekompetenz. Die Stiftung Lesen setzt daher hier bewusst einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Ebenso wichtig ist es, dass Kinder und Jugendliche dann später die Lust nicht wieder verlieren, sondern im Gegenteil ganz selbstverständlich als aktive und kompetente Leser in das Berufsleben starten. Hier sind die Schulen gefordert. Wir bieten daher gezielt Ideen für kreative Projekte zur Lese- und Medienerziehung an.

 

4. Wie schätzen Sie Schul-Projekte zum Thema Zeitung ein?

Das Medium Zeitung ist ein idealer Partner bei der Leseerziehung. Zeitungen sind aktuell, wenden sich an eine breite Leserschaft, sind in zahlreichen Haushalten präsent und in vielerlei Hinsicht mit der Lebenswirklichkeit der Schüler verknüpft: Sei es die Berichterstattung zum Sport, sei es der Kinotipp. Es muss allerdings sehr viel mehr getan werden, um Kinder und Jugendliche in die Welt der Zeitungen rechtzeitig einzuführen, und auch hier gilt: Je früher umso besser. Schon Grundschulkinder machen da durchaus gerne und engagiert mit.

 

5. Was können die Zeitungen darüber hinaus gegen den PISA-Schock tun?

Printmedien brauchen kompetente Leser und sie können sie sich auch schaffen. Schon aus schierem Eigeninteresse sind Zeitungen daher unsere Partner, wenn wir uns darum bemühen, Politik, Wirtschaft und nicht zuletzt den Bürgern die Bedeutung des Themas "Lesekompetenz" nahe zu bringen: Lesen muss zu einem Top-Thema werden - und ich würde mir wünschen, dass die Zeitungen immer wieder den Finger in die PISA-Wunde legen.

 

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