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Zeitungen und ihre Leser in Stichworten

Von Anja Pasquay

 

1. Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 349 Tageszeitungen mit 1.567 lokalen Ausgaben in einer Gesamtauflage von 23,3 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 24 Wochenzeitungen mit 1,9 Millionen Exemplaren und acht Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 4,5 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner über 14 Jahre kommen in Deutschland 371 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 40 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf; die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger.

 

2. Deutschland war immer schon ein Zeitungsland: Die älteste Tageszeitung der Welt kommt aus Leipzig. Am 1. Juli 1650 brachte hier der Drucker und Verleger Timotheus Ritzsch erstmals die "Einkommenden Zeitungen" heraus, die sechs-, zeitweilig sogar siebenmal die Woche erschienen.

 

3. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Knapp 15 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Mehr als eine Million Exemplare pro Tag gehen am Kiosk oder im Laden über die Theke. Die überregionalen Zeitungen verkaufen gut 1,1 Millionen Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 341.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen dagegen wird der Umsatz mit 5,2 Millionen Exemplaren täglich am Kiosk gemacht, immerhin 118.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.

 

4. Wer seine Tageszeitung nicht abonnieren möchte, kann sie auch an einer der knapp 118.000 Verkaufsstellen des Einzelhandels in Deutschland erwerben. Das bedeutet eine "Händlerdichte" von 1,43 Einzelhändlern pro 1.000 Einwohner. In Deutschland gibt es damit das dichteste Händlernetz der Welt. An rund 5.000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse angeboten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 400 Verkaufsstellen weit über die Hälfte der internationalen Presse ab.

 

5. Mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (77,3 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Das sind knapp 50 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (66,8 Prozent) sogar leicht vor den Lesern (65,9 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (27,3 Prozent beziehungsweise 6,7 Prozent) als von Frauen (18,0 Prozent beziehungsweise 4,3 Prozent) genutzt.

 

6. Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern, nämlich zwischen 80,8 und 85,7 Prozent. Auch von den über 70-Jährigen greifen 84 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 73,4 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau. Von den 20- bis 29-Jährigen werden 65,0 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19-Jährigen sind es immerhin 55,8 Prozent.

 

7. Die Netto-Werbeeinnahmen der Tages- und Wochenzeitungen lagen 2001 bei 6,00 Milliarden Euro. In weitem Abstand folgten das Fernsehen (4,47 Milliarden Euro), Werbung per Post (3,25 Milliarden), Publikumszeitschriften (2,09 Milliarden) und Anzeigenblätter (1,74 Milliarden). Damit sind die Zeitungen unangefochten der Werbeträger Nummer Eins. Ihr Anteil am Werbemarkt allerdings geht seit Jahren zurück. 2001 betrug er 27 Prozent, 1989 hatte er noch knapp 33 Prozent betragen. Das Fernsehen machte im selben Zeitraum einen Sprung von neun Prozent auf 21 Prozent Marktanteil.

 

8. Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 85 Prozent lesen sie "im Allgemeinen immer". Auf den nächsten Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (68 Prozent) und dem Ausland (53 Prozent) sowie die Anzeigen (49 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Leitartikel, Tatsachenberichte aus dem Alltag, und Sportnachrichten. Nur ein Drittel widmet sich dagegen regelmäßig der Kultur (34 Prozent), 29 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft, und gerade einmal acht Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.

 

9. Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach dem Lokalteil und der Politik nehmen Anzeigen in der Lesergunst den dritten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 53 Prozent der Befragten auf Werbung im privaten Fernsehen gut verzichten könnten, legen 82 Prozent der Leser Wert auf Information durch Anzeigen in der Tageszeitung. Dabei profitieren die Anzeigen gewiss auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils in den Tageszeitungen.

 

10. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen genießen bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Einer forsa-Umfrage zufolge hielten 41 Prozent der Befragten die Tageszeitung für das glaubwürdigste Medium. Dagegen erzielte das öffentlich-rechtliche Fernsehen nur einen Wert von 31 Prozent, weit abgeschlagen folgten der öffentlich-rechtliche Hörfunk (11 Prozent) und das private Fernsehen (7 Prozent). Die Schlusslichter bildeten der private Hörfunk (2 Prozent) und Internet und Online-Dienste (1 Prozent). Immerhin 6 Prozent der Befragten wollten sich für keines der genannten Medien als das glaubwürdigste entscheiden.

 

11. In den Ländern der Europäischen Union erscheinen täglich 1.131 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von gut 78,6 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 349 Tageszeitungen (davon 135 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.567 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 136 Zeitungen. Es folgen: Großbritannien (109), Schweden (94), Italien (89), Norwegen (81), Finnland (54), Niederlande (34) und Griechenland (32) sowie Dänemark (30). Österreich (15), Luxemburg (7) und Irland (6) bilden die Schlusslichter.

 

12. Bei rund 380 Millionen West-Europäern kommen im Durchschnitt auf 1.000 Einwohner (über 14 Jahre) 300 Zeitungsexemplare. Diese vergleichsweise geringe Zeitungsdichte ist vor allem auf die eher unterentwickelte Lesekultur bei den südlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zurückzuführen. So kommen in Griechenland lediglich 81 Exemplare auf 1.000 Einwohner, in Portugal 91, in Italien sind es 128 Zeitungsexemplare; die höchsten Auflagen per 1.000 Einwohner weisen Norwegen (705), Finnland (544) und Schweden (543) auf. Im guten Mittelfeld liegen die Schweiz (444), Deutschland (371) und die Niederlande (363).

 

13. Nach Auflage stellen die deutschen Tageszeitungen mit knapp 23,3 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa, gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 17,9 Millionen Zeitungen täglich. So genannte "Mittelmärkte" sind bei den Tageszeitungen Frankreich (8 Millionen Exemplare), Italien (6,1 Millionen) und die Niederlande (4,4 Millionen). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um "Kleinmärkte" mit Zeitungsauflagen von 120.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,5 Millionen Exemplaren in Belgien. Weltweit stellen die Chinesen den größten Zeitungsmarkt mit weit über 100 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz zwei belegen die Japaner mit 71,1 Millionen Exemplaren. Deutschland steht - nach den USA und Indien - an fünfter Position.

 

14. In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden. In Deutschland greifen gut 77 Prozent der über 14-Jährigen regelmäßig zur Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Schweden (88 Prozent), Finnen (86 Prozent) und Norwegern (86 Prozent). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahre gibt es dagegen in Spanien (36 Prozent), Italien (40 Prozent) und Griechenland (19 Prozent).

 

15. Bereits sehr früh waren die deutschen Zeitungen im Internet präsent. Als erste machten 1995 die "tageszeitung" (taz, Berlin), "Die Zeit" (Hamburg), die "Süddeutsche Zeitung" (München) und die "Rheinische Post" (Düsseldorf) eigene Online-Angebote. Im Sommer 1996 waren nach einer Zählung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bereits 41 Zeitungen auch online; im September 2002 sind es 401. Und ihre Zahl nimmt immer noch zu.

 

16. In Deutschland besteht eine erhebliche Nachfrage nach internationaler Tagespresse. Etwa 125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen, allein "Hürriyet" hat eine in Deutschland vertriebene Auflage von rund 50.000 Exemplaren. Den Löwenanteil machen jedoch englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich aus. Gleichzeitig gibt es im Ausland aber auch einiges Interesse an deutschen Tageszeitungen. 1,3 Prozent der Auflage - also erscheinungstäglich knapp 400.000 Exemplare - werden jenseits der Grenzen vertrieben.

 

Anja Pasquay (BDZV)

Tel: 030/72 62 98 214

Fax: 030/72 62 98 217

pasquay(at)bdzv.de

 

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