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52 Journalisten im Jahr 2000 getötet

Die im folgenden genannten 52 Journalisten und sonstigen Medienbeschäftigten kamen im Jahr 2000 ums Leben.

 

BANGLADESCH (2):

Mir Illias Hossain, Dainik Bir Darpan, 15. Januar

Hossain (43), Redakteur der Zeitung "Dainik Bir Darpan", wurde in der im Südwesten des Landes gelegenen Kleinstadt Jhenaidah von drei Attentätern erschossen. Sein Blatt hatte die Aktionen linksgerichteter Milizen im Gebiet um die Stadt unverhohlen kritisiert, sich gegen Gewaltanwendung ausgesprochen und die Teilnahme der Milizen am Demokratieprozess gefordert.

Shamsur Rahman, Janakantha, 16. Juli

Rahman (43), Sonderkorrespondent der überregionalen Zeitung "Janakantha" und häufig für den bengalischsprachigen Dienst der BBC tätig, wurde in seinem Büro von zwei be- waffneten Männern aus nächster Nähe erschossen. Rahman hatte wegen seiner Berichte über kriminelle Banden und be- waffnete politische Gruppen in der Region wiederholt Morddrohungen erhalten. Die Polizei lastete seine Ermordung einer Schmugglerbande an. Es wurden mehrere Verdächtige verhaftet, die jedoch nach und nach wieder freigelassen wurden.

 

BRASILIEN (1):

Zezinho Cazuza, Rádio Xingó FM, 13. März

Cazuza, Journalist des lokalen Rundfunk-senders Rádio Xingó FM in der Stadt Canindé de São Francisco, wurde nach Verlassen einer Party erschossen. Cazuza hatte dem Bürgermeister der Stadt, Genivaldo Galinda da Silva, wiederholt Bestechlichkeit vorgeworfen. Einem Bericht der Zeitschrift "Istoé" zufolge hatte Galindo öffentlich eine Morddrohung gegen den Journalisten ausgesprochen. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen Mann fest, der behauptete, der Bürgermeister habe ihn für 1.500 Dollar mit der Ermordung Cazuzas beauftragt.

 

GAMBIA (1):

Omar Barrow, SUD FM, 10. April*

Quellen in der gambischen Hauptstadt Banjul zufolge wurde Barrow, Nachrichtenredakteur bei dem privaten senegalesischen Rundfunksender SUD FM, der sein Programm in Gambia ausstrahlt, am 10. April von einem uniformierten Mitglied der Antiterroreinheit der gambischen Armee erschossen. Die Tat ereignete sich im Lager des Roten Kreuzes in Kanifing, einem Vorort Banjuls, wo Barrow während einer gewaltsam verlaufenen Studentendemonstration freiwillig als Erste-Hilfe-Sanitäter tätig war. Barrow (28) wurde von zwei Schüssen in die Achselhöhle getroffen. Neben Barrow fanden bei dem Anschlag elf weitere Menschen den Tod.

 

GEORGIEN (1):

Antonio Russo, Radio Radicale, 17. Oktober*

Der italienische Kriegskorrespondent Antonio Russo, der für den Rundfunksender Radio Radicale tätig war, wurde am 17. Oktober auf einer Strasse in der Nähe der georgischen Hauptstadt Tiflis tot aufgefunden. In die Wohnung Russos in Tiflis, die er zwei Monate zuvor bezogen hatte, war Polizeiangaben zufolge eingebrochen worden. Zum Zeitpunkt seines Todes war Russo mit Recherchen über tschetschenische Flüchtlinge in Ost-Georgien beschäftigt. Dem Vernehmen nach hatte er Ende des Monats mit einem Filmbericht über Tschetschenien nach Italien zurückkehren wollen.

 

GUATEMALA (1):

Roberto Martínez, Prensa Libre, 27. April

Martínez (37), Fotograf der in Guatemala City erscheinenden Tageszeitung "Prensa Libre", wurde getötet, als Angehörige eines privaten Wachdienstes während einer Demonstration gegen höhere Busfahrpreise das Feuer auf randalierende Demonstranten eröffneten. Eine neben Martínez stehende Frau kam ebenfalls ums Leben. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter auch zwei Journalisten. Martínez und seine Kollegen hatten Fotoapparate und andere berufsübliche Gegenstände bei sich, anhand derer sie eindeutig als Journalisten zu erkennen waren.

 

HAITI (3):

Jean Léopold Dominique und Jean Claude Louissaint *, Radio Haïti Inter, 3. April

Dominique (69) der als Alleingesellschafter und Geschäftsführer von Radio Haïti Inter kein Blatt vor den Mund nahm, wurde in den frühen Morgenstunden des 3. April bei seiner Ankunft vor dem Sender erschossen. Jean-Claude Louissant, der Wachmann von Radio Haïti Inter, kam bei dem Anschlag ebenfalls ums Leben. Dominique war der bekannteste politische Journalist Haitis und zeitlebens ein Verfechter der Redefreiheit.

Gerard Denoze, Radio Plus, 15. Dezember*

Denoze, Sportreporter bei Radio Plus, wurde von zwei unbekannten Männern erschossen, als er im Stadtteil Carrefour der Hauptstadt Port-au-Prince aus einem Taxi stieg. Dem Vernehmen nach hatte Denoze zuvor Morddrohungen erhalten.

 

INDIEN (3):

V. Selvaraj, Nakkeeran, 31. Juli*

Selvaraj, Reporter der Zeitung "Nakkeeran", wurde in der Nähe des Busbahnhofs von Perambalur im Bundesstaat Tamil Nadu erschossen. Binnen 45 Minuten nach der Tat nahm die Polizei auf der Strasse zwischen Perambalur und Chennai acht Verdächtige fest. Obwohl Polizeiangaben zufolge kein Tatmotiv ermittelt werden konnte, sagte der Herausgeber von "Nakkeeran", dass der Anschlag "vorsätzlicher und kaltblütiger Mord" und "eine Warnung an jene ist, die sich für die Aufdeckung der Wahrheit einsetzen".

Pradeep Bhatia, The Hindustan Times, 10. August

Bhatia (31), Fotograf bei der Zeitung "The Hindustan Times", fiel einem Bombenanschlag in Srinagar, der Hauptstadt des Unionsstaates Jammu und Kaschmir, zum Opfer. Der Anschlag, für den die militante Rebellengruppe Hezb-ul Mujahedeen die Verantwortung übernahm, forderte über ein Dutzend Menschenleben. Sechs Journalisten wurden verletzt. Die meisten von ihnen wollten über eine andere Bombenexplosion zu berichten, die sich 15 Minuten zuvor an demselben Ort ereignet hatte.

Brajamani Singh, Manipur News, 20. August*

Singh, Redakteur der Tageszeitung "Manipur News" und Präsident des Journalistenverbandes des Bundesstaates Manipur, wurde am 20. August von zwei Tätern, die ihm auf einem Motorrad folgten, kurz nach Verlassen des Zeitungs-gebäudes durch Schüsse in den Kopf ermordet. Einen Mitarbeiter Singhs, der ihn begleitete, liessen sie unbehelligt. Wie die Polizei mitteilte, konnte zwar noch kein Tatmotiv ermittelt werden, doch habe Singh fünf Tage vor dem Anschlag Morddrohungen erhalten. Singh galt als einer der Wegbereiter des englischsprachigen Journalismus' im Nordosten Indiens.

 

KOLUMBIEN (10):

John Restrepo Abello, 7. Februar*

Abello, Kameramann eines in Barrancabermeja ansässigen lokalen Fernsehsenders, wurde von Unbekannten in Girón in der Provinz Santander erschossen. Das Verbrechen ereignete sich im Haus seines Bruders Fabio Leonardo Abello, der ebenfalls ermordet wurde. Die Behörden haben zwar keine Hinweise auf das Tatmotiv, doch werden als Drahtzieher die Bewaffneten Revolutionären Kräfte Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) vermutet.

Antonio Gomez Gomez, Ecos de la Sierra, 12. Februar*

Gomez, Inhaber des Rundfunksenders Ecos de la Sierra in Palmor, wurde nach Angaben der kolumbianischen Presseorganisation "Prensa Libre" von vermummten Tätern in seinem Haus erschossen. Der Sender unterstützte Bürgerbewegungen in der Region Santa Marta, wo Gruppierungen wie die FARC, die Nationale Befreiungsarmee (Ejercito de Liberación Nacional, ELN) und die Vereinigten Selbstschutzgruppen (Autodefensas Unidas de Colombia, AUC) aktiv sind.

María Elena Salinas Gallego, 5. März*

Salinas, die als Journalistin für mehrere lokale Rundfunksender sowie als Dozentin der Fakultät für Gesellschaftliche Beziehungen an der Universität Medellin arbeitete, wurde in der Justizvollzugsanstalt "The Capotal" in Antioquia tot aufgefunden. Die Leiche der Journalistin lag neben zwei toten Guerillakämpfern der ELN, die bei einem Zusammenstoss mit Regierungs-truppen ums Leben gekommen waren. Salinas war am 2. März als vermisst gemeldet worden, nachdem sie in die Stadt San Carlos beordert worden war, um die Zustände im Distrikt Antioquia zu untersuchen.

Humberto Bueno Garces Angulo, Presencia Colombiana, 18. März*

Garces wurde in einer Diskothek in Acopi-Yumbo im Cauca-Tal von Unbekannten mit fünf Schüssen getötet. In seinem Auto, das von den Tätern gestohlen und dann zurückgelassen wurde, fand die Polizei einen zerrissenen Mitgliedsausweis der Organisation "Reporter ohne Grenzen". Zwei Verdächtige wurden festgenommen.

Marisol Rebelo Baron, 4. Juli*

Rebelo (25) wurde vor ihrem Haus in Tumaco Port an der Pazifikküste von einem Unbekannten mit drei Schüssen in den Bauch getötet. Rebelo war für einen örtlichen Fernsehsender tätig gewesen, der von der Umweltbehörde Regional Autonomous Agency finanziert wurde. Bislang hat niemand die Verantwortung für die Tat übernommen.

Carlos José Restrepo Rocha, Tangente und Usocoello, 9. September*

Restrepo, Geschäftsführer der Tageszeitung "Tangente" und Herausgeber der Tageszeitung "Usocoello" in San Luis im Distrikt Tolima, wurde am Abend des 9. September ermordet aufgefunden. Augenzeugen zufolge war ihm von 20 Angehörigen der AUC, die ihn der Zusammenarbeit mit linksgerichteten Guerillas beschuldigt hatten, elfmal in Hals und Brust geschossen worden. Restrepo hatte sich als Kandidat um einen Sitz im Stadtrat beworben.

Juan Camilo Restrepo Guerra, 31. Oktober

Restrepo (26), Leiter eines lokalen Rundfunk-senders, wurde von einem mutmasslich rechts-gerichteten Paramilitär erschossen. Wie die staatlichen Untersuchungsbehörden dem Komitee zum Schutz von Journalisten mitteilten, handelte es sich bei dem Mordanschlag offenbar um einen Vergeltungsakt für Restrepos scharfe Kritik an der örtlichen Verwaltung. Restrepos Bruder, der die Tat mit ansehen musste, ist untergetaucht. Eine inländische Quelle lehnte die Herausgabe von Informationen über den Täter ab mit den Worten: "Das wäre, als würde ich mein eigenes Todesurteil unterschreiben." Verhaftet wurde niemand.

Gustavo Rafael Ruiz Cantillo, Radio Galeón, 15. November

Ruiz, Korrespondent des regionalen Rundfunk-senders Radio Galeón, wurde mitten auf dem Marktplatz der Ortschaft Pivijay von zwei Attentätern erschossen. Kollegen zufolge handelte es sich bei den Schützen um Angehörige einer rechtsgerichteten Bande, die von "den Reichen in der Gegend" finanziert werde. Einer Quelle zufolge hatten die Bandenmitglieder Ruiz, der über Politik, Kriminalität und allgemeine Themen berichtete, geraten, bei seiner Arbeit "den Mund nicht zu voll zu nehmen". Verhaftet wurde niemand.

Guillermo León Agudelo, La Voz de la Selva, 1. Dezember*

León, Moderator einer Talkshow beim Rundfunk-sender La Voz de la Selva in der Provinz Caqueta, wurde von zwei Männern, die gewaltsam in sein Haus in Florencia eingedrungen waren, erstochen. Als Grund für die Tat vermutete die Polizei, León könne die Zahlung von Schutzgeldern verweigert haben. La Voz de la Selva ist ein lokaler Ableger von Caracol Radio, einem der überregionalen Sender Kolumbiens. In La Florencia sind Zusammenstösse zwischen rechtsgerichteten Paramilitärs und städtischen Kommandogruppen der grössten marxistischen Rebellenorganisation des Landes an der Tagesordnung.

Alfredo Abad López, La Voz de la Selva, 13. Dezember

Abad (36), Geschäftsführer des lokalen Rundfunksenders La Voz de la Selva, wurde von zwei mutmasslich paramilitärischen Attentätern erschossen, als er sich vor seinem Haus von seiner Frau verabschiedete. Die Täter flohen auf einem Motorrad. In letzter Zeit hat sich Florencia zu einer Machtbasis antikommunistischer paramilitärischer Kräfte entwickelt, die mit der AUC von Carlos Casta'o in Verbindung stehen. Verhaftungen gab es keine.

 

DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (1):

Crispin Kandolo, 5. September*

Crispin Kandolo wurde im Kahuzi-Biega-Park in der Ortschaft Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo aus dem Hinterhalt erschossen. Er war mit Filmaufnahmen über die Arbeit einer Gruppe aus Technikern, Funktionären und Soldaten beschäftigt, die den Park im Auftrag der UNESCO eingrenzen sollten, um die Konflikte zwischen der am Rand des Parks lebenden Bevölkerung und den Parkbehörden zu beenden. Örtlichen Berichten zufolge wurde die Gruppe von Angehörigen der Interahamwe-Miliz umstellt und angegriffen. Die Leichen des Journalisten und zehn weiterer Toter wurden von den Tätern verbrannt.

 

KOSOVO (1):

Shefki Popova, Rilindja, 10. September*

Popova, Journalist der Tageszeitung "Rilindja", wurde unweit des Zentrums der mehrheitlich von Albanern bewohnten Stadt Vucitrn etwa 30 Kilometer von Pristina entfernt von zwei Attentätern mit Schüssen und Messerstichen getötet. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Popova war über 25 Jahre als Journalist für "Rilindja" tätig; "Rilindja" ist die älteste albanisch-sprachige Tageszeitung im Kosovo. Ein Motiv für die Tat konnte noch nicht ermittelt werden.

 

LIBANON (1):

Abed Takoush, BBC TV News, 23. Mai*

Takoush, libanesischer Staatsbürger und Fahrer für BBC TV News, wurde in seinem Wagen von einer israelischen Panzergranate getötet. Der Vorgang wurde von anderen BBC-Mitarbeitern aus der Nähe beobachtet. Die israelische Armee bezeichnete den Abschuss der Granate als "tragischen Fehler", fügte jedoch hinzu, dass die Panzerbesatzung befürchtet habe, von den Personen auf der libanesischen Seite der Grenze selbst unter Granatfeuer genommen zu werden. Die BBC, für die Takoush seit 25 Jahren tätig war, hat für die Familie des Fahrers von der israelischen Armee eine Entschädigung gefordert.

 

MEXIKO (2):

Pablo Pineda, La Opinión, 9. April*

Am 9. April wurde Pineda, Reporter von "La Opinión" in Matamoros, unweit der Ortschaft Harlingen am texanischen Ufer des Rio Grande von Angehörigen der US-Grenztruppen tot auf-gefunden. Die Grenzschützer hatten beobachtet, wie zwei Männer mit einem grossen Paket den Fluss durchquerten, von dem sie vermuteten, es enthalte Drogen. Als das Paket jedoch von niemandem abgeholt wurde, öffneten sie es und entdeckten Pinedas Leichnam mit einer Schusswunde im Kopf. Dem Vernehmen nach hatte sich Pineda durch seine Arbeit sowohl bei der Polizei als auch in Verbrecherkreisen unbeliebt gemacht. Noch im Dezember des Vorjahres hatte er einen Mordanschlag überlebt.

José Ramirez Puente, Radio Net, 29. April*

Ramirez (29) wurde in der Stadt Ciudad Juarez, unweit der texanischen Stadt El Paso, erstochen in seinem Wagen aufgefunden. Da einige der über 35 Stichwunden nur oberflächlich waren, wurde Ramirez vor seiner Ermordung vermutlich gefoltert. Ramirez war als politischer Reporter für den lokalen Rundfunksender "Radio Net" tätig. Die Staatspolizei fand später im Kofferraum des Wagens acht Säcke Marihuana mit einem Gewicht von jeweils knapp einem Kilo.

 

MOSAMBIK (1):

Carlos Cardoso, Metical, 22. November

Cardoso (48), Redakteur des täglich erscheinenden Fax-Mitteilungsblattes "Metical", wurde beim Verlassen seines Büros in der Hauptstadt Maputo von zwei mit Sturmgewehren des Typs AK-47 bewaffneten Tätern erschossen. Cardoso war bekannt für seine bahnbrechenden Berichte über politische Korruption und organisiertes Verbrechen in dem Land, das sich von einem 17 Jahre währenden Bürgerkrieg noch immer nicht erholt hat. Obwohl Cardoso mit der herrschenden Frelimo-Partei sympathisierte, übte er in seinen Leitartikeln häufig harsche Kritik an der Regierung. Darüber hinaus hatte "Metical" kurz zuvor über angebliche strafbare Handlungen bei der Mozambique Commercial Bank berichtet. Die Regierung Mosambiks hat die Ermordung Cardosos zwar verurteilt und eine vollständige Untersuchung versprochen, doch inländischen Journalisten zufolge üben sich die Polizeibehörden in vornehmer Zurückhaltung.

 

PAKISTAN (3):

Sufi Mohammad Khan, Ummat, 2. Mai

Khan (38), Investigativreporter bei der in Karatschi ansässigen Tageszeitung "Ummat", der in seinen Artikeln offensiv über Drogenhandel und organisierte Prostitution berichtete, wurde in der Kleinstadt Shadi Large in der südlichen Provinz Sindh von einem mutmasslichen Drogenhändler erschossen. Dem Vernehmen nach hatte der Täter zuvor Khans Haus aufgesucht und ihn vor der Veröffentlichung weiterer Artikel gewarnt. Nachdem am 2. Mai in "Ummat" ein weiterer Bericht Khans erschienen war, gab der Mörder die tödlichen Schüsse ab. Kurze Zeit später ergab er sich der Polizei und gestand die Tat.

Najmul Hasan Zaidi und Sajid Mehmood, Nawa-i-Waqat press group, 6. bzw. 11. November**

Najmul Hasan Zaidi, Anzeigenleiter des Presse-hauses Nawa-i-Waqat, kam ums Leben, als am 6. November in der Anzeigenabteilung des Unternehmens eine Bombe explodierte. Berichten zufolge war das Pressehaus, das die Zeitung "Urdu Nawa-i-Waqat" und das englischsprachige Blatt "The Nation" herausgibt, auf einer Pressekonferenz bedroht worden; geeignete Schutzmassnahmen der örtlichen Behörden seien jedoch ausgeblieben, hiess es. Sajid Mehmood, Computertechniker in der Anzeigenabteilung, wurde bei der Explosion schwer verletzt und starb am 11. November in einem Krankenhaus in Karatschi.

 

PERU (1):

Luis Baltazar Caviedes Nuñez de la Torre, 2. Juli*

Nuñez, Journalist der Rundfunksender Sur Oriente und Frecuencia Integral sowie Gründer der Niederlassung von ANP-Quillabamba in Cuzco, wurde am 2. Juli am Ufer des Flusses Chuyapi mit Verletzungen an der rechten Schläfe und am rechten Auge bewusstlos aufgefunden. Nuñez starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Bei der Tat scheint es sich eher um einen Mord aus Rache statt um einen Raubmord zu handeln, denn die Papiere und der persönliche Besitz des Journalisten wurden nicht gestohlen. Unbestätigten Berichten zufolge war Nuñez am 1. Juli im Büro des örtlichen Polizeipräsidenten gesehen worden, wo er eine persönliche Angelegenheit regeln wollte.

 

PHILIPPINEN (3):

William Yap Yu, Pagadian City Star, 14. Mai*

Yu, Herausgeber des "Pagadian City Star", wurde in Pagadian City auf der Insel Mindanao Opfer eines Attentäters. Die Kugel vom Kaliber 45 durchschlug eine wichtige Herzarterie; Yu war auf der Stelle tot. Dem Vernehmen nach ist die Polizei mit der Untersuchung mehrerer Tatmotive befasst. Wie es heisst, vermutet sie als Ursache des Mordes angeblich ein Immobiliengeschäft, an dem der erfolgreiche Geschäftsmann Yu beteiligt war.

Vincent Rodriguez, dzMM Radio, 23. Mai

Rodriguez, Korrespondent des in Manila ansässigen Rundfunksenders dzMM, kam auf der Fahrt mit einem Bootskonvoi ums Leben, der in Sasmuan in einen Hinterhalt von Guerillakämpfern geriet. Rodriguez hatte den Auftrag, über eine Reise von Regierungsvertretern zu berichten, die den Fortgang dörflicher Entwicklungsprojekte überprüfen wollten. Die Rebellengruppe Rebolusyonaryong Hukbong Bayan (RHB) übernahm die Verantwortung für den Überfall, äusserte jedoch ihr Bedauern über den Tod des Journalisten. Der Angriff habe eigentlich der örtlichen Polizei gegolten, hiess es.

Olimpio Jalapit, Jr., dxPR Radio, 17. November

Jalapit (34), Moderator einer Morgensendung des Lokalrundfunks dxPR, wurde auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Regierungsvertreter in Pagadian City erschossen. Jalapit hatte im Laufe der Jahre bereits zahlreiche Morddrohungen erhalten. Am Morgen seines Todestages ging ein Anruf auf seinem Mobiltelefon ein, in dem der Mord für denselben Tag angekündigt wurde. Jalapit befasste sich in seiner Sendung immer wieder mit so heiklen Themen wie politische Korruption, unerlaubtes Glücksspiel, Drogenhandel und bewaffnete Separatistenbewegungen auf den südlichen Philippinen.

 

RUSSLAND (6):

Wladimir Jazina, ITAR-TASS, 20. Februar

Jazina (51), Fotograf bei der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS, wurde von tschetschenischen Milizangehörigen entführt und getötet. Nach Aussage zweier früherer Geiseln, die das Geschehen verfolgten, fielen die Todesschüsse, als Jazina bei einem Gewaltmarsch nicht mehr Schritt halten konnte. Jazina war am 19. Juli 1999 entführt worden, bevor die jüngste Militäraktion der russischen Truppen gegen tschetschenische Separatisten begann. Einen Monat danach forderten die Entführer von seiner Familie, später auch von ITAR-TASS ein Lösegeld in Höhe von 2 Millionen US-Dollar.

Aleksander Jefremow, Nashe Vremja, 12. Mai

Jefremov (41), Fotokorrespondent der westsibirischen Zeitung "Nashe Vremja, wurde in Tschetschenien Opfer eines Anschlags von Rebellen auf ein Militärfahrzeug, in dem er unterwegs war. Jefremow hatte sich mit seinen Fotos aus der vom Krieg erschütterten Region einen Namen gemacht.

Igor Domnikow, Nowaja Gazeta, 16. Juli

Domnikow (42), Reporter und Sonderprojekt-redakteur für die Moskauer Zeitung "Nowaja Gazeta", wurde am 12. Mai im Eingangsbereich seines Wohnhauses überfallen, mit einem schweren Gegenstand mehrmals auf den Kopf geschlagen und bewusstlos in einer Blutlache liegengelassen. Domnikow starb am 16. Juli, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Sowohl die Polizei als auch Domnikows Kollegen waren sich sicher, dass der Anschlag mit seiner beruflichen Tätigkeit oder der Tätigkeit von "Nowaja Gazeta" im Zusammenhang stand.

Sergej Novikow, Vesna, 26. Juli*

Novikow, Inhaber des unabhängigen Rundfunk-senders Vesna in Smolensk, wurde am Abend des 26. Juli beim Betreten seines Wohnhauses erschossen. Der Täter entkam durch einen Hintereingang des Gebäudes. Wie die Polizei mitteilte, deuten die Umstände des Anschlags auf einen Profikiller hin. Darüber hinaus sieht sie einen Zusammenhang mit der Eigenschaft Novikows als Inhaber von Vesna, weil der Sender gegen die regionalen Behörden häufig Korruptionsvorwürfe erhoben hatte.

Iskander Khatloni, Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL), 21. September*

Khatloni, Reporter für RFE/RL, wurde von einem Unbekannten, der am Abend des 21. September in seine Wohnung eingebrochen war, durch zwei Schläge mit einer Axt schwer verletzt. Khatloni konnte zwar noch fliehen, brach jedoch auf der Strasse zusammen und starb im Laufe der Nacht im Moskauer Botkin-Krankenhaus. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete Khatloni an Berichten über Menschenrechtsverletzungen des russischen Militärs in Tschetschenien. Ein Motiv für die Tat konnte bislang nicht ermittelt werden.

Adam Tepsugajew, 21. November*

Tepsugajew verblutete an den Schussverletzungen in Leiste und Oberschenkel, die ihm Einbrecher aus einer Nachbarwohnung zugefügt hatten, während er vor dem Fernsehgerät sass. Sein Bruder Ali, der bei dem Anschlag verletzt wurde, sah in dem Mord eine Strafe für Adam Tepsugajews Arbeit als Journalist. Wie die Nachrichtenagentur Reuters in London mitteilte, war Tepsugajew freiberuflich für sie tätig gewesen, wenn auch in den letzten sechs Monaten vor der Tat nicht mehr.

 

SAMBIA (1):

Antonio Paciencia, 2. Oktober*

Der angolanische Journalist Antonio Paciencia, der im Westen Sambias verschwunden war, wurde am 2. Oktober tot im Fluss Sambesi aufgefunden. Paciencia gehörte als Redakteur des staatlichen Rundfunks in Luanda zu einer Journalistengruppe, die an einer von den Vereinten Nationen veranstalteten Reise teilnahm. Im westlichen Sambia leben rund 180.000 angolanische Flüchtlinge. Die Umstände des Todes von Paciencia sind nach wie vor ungeklärt.

 

SIERRA LEONE (3):

Saoman Conteh, New Tablet, 8. Mai

Conteh (48), Journalist bei der unabhängigen Wochenzeitung "New Tablet", wurde am Rande einer Demonstration vor dem Sitz des Führers der Revolutionären Vereinigten Front (RUF), Foday Sankoh, getötet. Die Leibwache Sankohs eröffnete das Feuer auf die Menge, die gegen die Entführung von Angehörigen der UN-Friedenstruppen durch die RUF am 3. Mai protestierte. Mindestens 19 Menschen fanden den Tod.

Kurt Schork, Reuters, und Miguel Gil Moreno de Mora, Associated Press, 24. Mai

Schork (53), altgedienter Kriegskorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters, und Gil Moreno (32), Kameramann bei The Associated Press Television Network, wurden von Rebellen der RUF aus dem Hinterhalt erschossen. Die Journalisten waren zusammen mit Soldaten der Armee Sierra Leones (SLA) in zwei Fahrzeugen unterwegs, als sie östlich von Rogberi Junction, rund 85 km von Freetown entfernt, von RUF-Rebellen unter Beschuss genommen wurden. Das Gebiet war bereits mehrfach Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Rebellen und regierungsfreundlichen Truppen gewesen. Vier SLA-Soldaten kamen bei dem Angriff ebenfalls ums Leben, zwei weitere Reuters-Journalisten wurden verletzt.

 

SOMALIA (1):

Ahmed Kafi Awale, Radio of the Somali People, 26. Januar

Awale, Reporter des Rundfunksenders Radio of the Somali People von Milizenführer Hussein Mohamed Aidid, wurde in Ausübung seiner Tätigkeit auf dem Bakara-Markt in Mogadischu erschossen. Eine verirrte Kugel traf Awale, als von Wachleuten verfolgte Diebe sich den Weg frei schossen. Der Vorfall forderte drei weitere Tote und sieben Schwerverletzte.

 

SPANIEN (1):

José Luis López de la Calle, El Mundo, 7. Mai

López de la Calle (63), der regelmässig Beiträge für die baskische Ausgabe der Madrider Tageszeitung "El Mundo" schrieb, wurde vor seinem Haus in Andoain erschossen. Das Innenministerium schrieb die Tat der baskischen Untergrundorganisation ETA zu. López de la Calle war ein offener Kritiker des gewaltsamen Kampfes der ETA für ein unabhängiges Baskenland und hatte deswegen von der ETA mehrfach Morddrohungen erhalten.

 

SRI LANKA (1):

Mylvaganam Nimalarajan, BBC, Virakesari, Ravaya, 19. Oktober

Nimalarajan berichtete für die in Tamil und Sinhala ausgestrahlten Dienste der BBC, für die tamilisch-sprachige Tageszeitung "Virakesari" und die sinhalischsprachige Wochenzeitung "Ravaya" aus der belagerten Stadt Jaffna. Er wurde am späten Abend durch das Fenster seines Arbeitszimmers, wo er an einem Artikel arbeitete, erschossen. Die Täter warfen ausserdem eine Handgranate in Nimalarajans Haus, bei deren Explosion seine Eltern und sein 11 Jahre alter Neffe schwer verletzt wurden. Anlass für den Mord dürften Nimalarajans Berichte über Wahlmanipulation und Einschüchterungsversuche bei den letzten Parlamentswahlen gewesen sein.

 

SÜDAFRIKA (1):

Coletane Markham, The Sowetan, 5. Mai*

Markham, Redakteurin von "The Sowetan", wurde am Abend des 5. Mai vor ihrem Haus im Johannesburger Stadtteil New Horizon von einem Unbekannten angegriffen. Sie erlitt schwere Kopfverletzungen, denen sie am folgenden Morgen im Krankenhaus erlag. Der Täter fuhr ihren Wagen zu einer nahegelegenen Polizei-wache und liess ihn dort zurück. Die Polizei hat weder eine Verhaftung vorgenommen noch ein Tatmotiv ermitteln können. Zum Zeitpunkt ihres Todes recherchierte Frau Markham über Kinderprostitution, doch die Polizei, nach deren Auffassung es sich offenbar um vorsätzlichen Mord handelt, hat nicht herausfinden können, ob zwischen Frau Markhams Tod und ihren Recherchen ein Zusammenhang besteht.

 

UKRAINE (1):

Georgy Gongadse, Ukrainska Prawda, 16. September

Gongadse (31), Redakteur der Nachrichten-Website "Ukrainska Prawda" (www.pravda.com.ua), auf der häufig kritische Artikel über Präsident Leonid Kutschma und andere Mitglieder der ukrainischen Regierung erschienen, verschwand am 16. September in Kiew. Anfang November wurde vor der Stadt Taraschtscha ein Leichnam gefunden, bei dem der Kopf fehlte. Am Fundort entdeckte Schmuckstücke sowie Röntgenaufnahmen von einer Hand der Leiche, bei der eine alte Verletzung festgestellt wurde, wie sie auch Gongadse erlitten hatte, wiesen nach Auffassung seiner Kollegen darauf hin, dass es sich bei der Leiche tatsächlich um Gongadse handelte. Ende November veröffentlichte ein Oppositions-führer ein Tonband, dessen Inhalt auf eine Beteiligung Kutschmas und zweier hoher Berater am Verschwinden des Journalisten hinzudeuten schien.

 

URUGUAY (1):

Julio César Da Rosa, Radio del Centro, 24. Februar

Da Rosa, Inhaber und Redakteur des unabhängigen Rundfunksenders Radio del Centro, wurde von dem früheren Kommunalbeamten Carmelo Nery Colombo ermordet. Anschliessend richtete Colombo die Waffe gegen sich selbst. Auslöser für die Tat war anscheinend eine Äusserung Da Rosas im Rundfunk, dass Colombo für ein öffentliches Amt nicht geeignet sei.

 

USA (1):

James Edwin Richards, Neighborhood News, 18. Oktober*

Richards (55), Redakteur der Online-Zeitung "Neighborhood News", wurde am frühen Morgen des 18. Oktober bei einem Spaziergang in der Nähe seines Hauses in Los Angeles im Stadtteil Venice erschossen. Über Zeugen oder Tatmotiv ist nichts bekannt, doch Freunden und Kollegen zufolge könnte der Mord mit Richards' Recherchen in der örtlichen Verbrecherszene im Zusammenhang stehen. "Neighborhood News" berichtete ausschliesslich über Verbrechenst-hemen.

 

QUELLE: Komitee zum Schutz von Journalisten (Committee to Protect Journalists, CPJ)

* Aus folgenden Quellen:

Interamerikanischer Presseverband, Internationaler Journalistenverband,

Internationales Presseinstitut,

Prensa Libre, Reporter ohne Grenzen

und Reuters.

5 Journalisten im Jahr 2001 getötet

Die im folgenden genannten 5 Journalisten und sonstigen Medienbeschäftigten kamen im Jahr 2001 ums Leben.

 

INDONESIEN (1):

Rusli Radja, 18. Februar

Rusli Radja, Journalist des Wochenmagazins "Pena Lestari", wurde im Nordosten Indonesiens in der Region Ost-Aceh, tot aufgefunden. In dieser Region führen Separatisten einen Kampf gegen die Regierung. Nach Aussagen von Zeugen vor Ort wies der Tote - der zusammen mit einer weiteren Leiche gefunden wurde - Spuren von Folter auf. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet.

 

MEXIKO (1):

José Luis Ortega Mata, 19. Februar

José Luis Ortega Mata, Verlagsdirektor der Wochenzeitschrift Semanario de Ojinaga, wurde durch zwei gezielte Schüsse in den Kopf getötet. Der Mord geschah in der Stadt Onija im Bundesstaat Chihuahua. In der Ausgabe vom 15. Februar hatte der vormals als Redakteur für die Wochenzeitschrift Prensa Libre tätige Journalist Informationen über Drogenhandel in der Region veröffentlicht. Ortega war einige Wochen vor dem Mord zum Präsidenten des Verbandes der Fotografen und Kameraleute von Ojinaga (Asociación de Fotógrafos y Camarógrafos de Ojinaga) gewählt worden.

 

PARAGUAY (1):

Salvador Medina, 5. Januar

Salvador Medina, Rundfunkreporter und Vorstandsvorsitzender des Rundfunksenders Nemity in Capibary, wurde am 5. Januar nordwestlich der paraguayischen Hauptstadt Asuncíon, ermordet. Der Reporter, der mehrere Drohungen wegen seiner Rundfunksendungen über aufgedeckte Korruption erhalten hatte, wurde auf dem Beifahrersitz des von seinem Bruder gefahrenen Motorrads erschossen.

 

PHILIPPINEN (2):

Rolando Ureta, 3. Januar

Ureta, Programmdirektor und Rundfunksprecher von Radio Mindanao Network (RMN) dyKR Rundfunksender, wurde in der Provinz Aklan, südlich von Manila nach Beendigung seiner Abendsendung getötet. Nach Angaben von Beobachtern folgten die Angreifer Ureta, der das Büro nach seiner Sendung auf einem Motorrad verliess, und schossen auf ihn in einer unbelebten Strasse. Ureta, der wegen seiner kritischen Kommentare über kriminelle Machenschaften von Regierungsbeamten und Drogenbaronen in der Provinz Morddrohungen erhalten hatte, starb, als er sich in ein nahe gelegenes Haus retten wollte. Er ist der zweite RMN-Sprecher, der innerhalb der letzten drei Monate ermordet worden ist. Olympio Jalapit, ebenfalls von RMN, wurde am 17. November ermordet.

Mohammad Yusop, 24. Februar 2001

Yusop, Sprecher des zum Islamischen Rundfunknetz gehörenden Senders RXID, wurde in Pagadian City auf der Insel Mindanao auf dem Nachhauseweg auf seinem Motorrad von zwei unerkannt entkommenen Personen durch Kopfschüsse getötet. Dieses ist der zweite Mord an einem Journalisten in drei Monaten in Pagadian City, wo moslemische Separatisten und Sicherheitskräfte gegeneinander kämpfen.

 

Quellen: Zentrale für Freiheit

und Verantwortung der Medien, Interamerikanischer Presseverband, Reporter ohne Grenzen.

81 Journalisten in 18 Ländern in Haft

(Stand: 31. Dezember 2000)

 

Ägypten (1) :

Protestschreiben bitte richten an:

Seine Exzellenz Hosni Mubarak

Präsident der Arabischen Republik Ägypten

c/o His Excellency Ambassador Nabil Fahmy

Embassy of the Arab Republic of Egypt

3521 International Court N.W.

Washington, DC 20008, USA

Fax: 202-244-4319

Hussein Al-Mataani, Sahebat al Gallala

Inhaftiert: 01. Mai 1999

Al-Mataani wurde unter der Beschuldigung festgenommen, er habe ohne Genehmigung eine Journalistengewerkschaft gegründet, Geld von den Mitgliedern eingenommen und sich selbst als Journalist in falschem Licht dar-gestellt. Am 19. Juni wurde er zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. In einer gesonderten Anklage, die zu Jahresende noch anhängig war, wurde er bezichtigt, die Wochenzeitung des Verbandes, Sahebat al Gallala, ohne Genehmigung herausgegeben zu haben. Bis Ende Dezember 2000 konnte das CPJ nicht bestätigen, ob sich al-Mataani noch in Haft befand.

 

Algerien (2) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Abdel Aziz Bouteflika

Präsident der Demokratischen Volksrepublik Algerien

The Presidential Palace, El Mouradia

Algiers, Algeria

Fax : 213 2 609618

Djamel Eddine Fahassi, Alger Chaine III

Verhaftet am 6. Mai 1995

Fahassi, Reporter beim staatlichen französischsprachigen Radiosender Alger Chaine III und zuvor bei Al-Forquane, einem Wochenblatt der 1992 verbotenen Islamischen Befreiungsfront (FIS), wurde von staatlichen Sicherheitsbeamten verhaftet. Von amtlicher Seite wurde die Festnahme nie bestätigt. Seine Familie glaubt, daß er in einem geheimen Straflager festgehalten wird, und fürchtet um sein Leben.

Aziz Bouabdallah, Al-Alam al-Siyassi

Verhaftet am 12. April 1997

Bouabdallah, der für die arabischsprachige Tageszeitung Al-Alam al Siyassi über islamische Gruppierungen in Algerien berichtete, wurde von drei bewaffneten Männern aus seinem Haus in Algier entführt. Die Männer, die sich als algerische Sicherheitsbeamte ausgaben, zwangen ihn, in ein wartendes Auto einzusteigen. Berichten zufolge wird er von den Behörden in einer zentralen Haftanstalt in Algier festgehalten und ist wiederholt gefoltert worden. Die Behörden leugnen jegliche Kenntnis von seiner Inhaftierung.

 

Äthiopien (7) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Meles Zenawi

Ministerpräsident

Office of the Prime Minister

P.O. Box 1031

Addis Ababa, Äthiopien

Fax: 011-251-155-2030

Tamrat Gemeda, Seife Nebelbal

Inhaftiert im Oktober 1997

Tamrat, ehemaliger Chefredakteur von Seife Nebelbal, wurde nach Erscheinen mehrerer Artikel wegen angeblicher Beziehungen zur Guerillaorganisation Oromo Liberation Front festgenommen und wurde wegen mehrerer Straftatbestände zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Im März 2000 erhielt Tamrat wegen Veröffentlichung "unwahrer Angaben" eine Zusatzstrafe von einem weiteren Jahr.

Garoma Bekele, Urjii

Tesfaye Deressa, Urjii

Solomon Nemera, Urjii

Verhaftet am 16. Oktober 1997

Garuma, Verleger der Wochenzeitung "Urjii", und Deressa, Herausgeber des Blattes, wurden in Addis Abeba wenige Tage nach Veröffentlichung eines Berichts über die Tötung von drei mutmasslichen Mitgliedern der verbotenen Oromo-Befreiungsfront durch Regierungstruppen verhaftet. Anders als in der offiziellen Darstellung des Zwischenfalls hatte es in "Urjii" geheissen, dass die drei Toten zwar der Bevölkerungsgruppe der Oromo angehört hätten, nicht jedoch der Befreiungsfront. Drei Wochen später wurde auch der Urjii-Journalist Nemera festgenommen, der gerade an Stelle von Deressa zum Herausgeber ernannt worden war. Der Grund für diese Festnahme ist nicht bekannt. Im Oktober 1999 wurden Garuma und Deressa wegen Veröffentlichung "unwahrer Behauptungen" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nemera erhielt - wahrscheinlich für denselben Tatbestand - im Februar 2000 dieselbe Strafe.

Tewodros Kassa, Ethiop

Inhaftiert: Juni 2000

Kassa, Herausgeber der in amharischer Sprache erscheinenden Wochenzeitung "Ethiop", wurde wegen "Verbreitung unwahrer Angaben, die politische Gewalttaten auslösen könnten" vom obersten Zivilgericht des Landes zu einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe von 15.000 Birr (rd. 3700 DM) verurteilt. Die Anklage stützte sich auf einen Artikel aus "Ethiop", dessen genauer Wortlaut jedoch nach wie vor unbekannt ist. Am 13. November wurde der bereits einsitzende Kassa wegen "Beleidigung des guten Rufs von Duki Feyssa durch Verbreitung unwahrer Behauptungen mittels der Zeitung" erneut unter Anklage gestellt. Damit steht ihm nach Ablauf seiner Strafe ein weiteres Gerichtsverfahren bevor.

Bizunesh Debebe, "Zegabi"

Inhaftiert: 31. Juli 2000

Debebe, Chefredakteurin der in amharischer Sprache erscheinenden Wochenzeitung "Zegabi", wurde wegen Verletzung des Pressegesetzes zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Grund für das Urteil war der Artikel "OLF-Überfall in Bale". Der genaue Wortlaut der Anklage ist zwar nicht bekannt, doch werden Journalisten, die über die Oromo-Befreiungsfront (Oromo Liberation Front, OLF) berichten, häufig wegen "Verbreitung unwahrer und möglicherweise Gewalt auslösender Nachrichten" oder "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" zu Haftstrafen verurteilt. Debebe, eine der dienstältesten unter den sehr wenigen weiblichen Journalisten Äthiopiens, ist regelmässig Zielscheibe des Regimes gewesen.

 

Melese Shine, Ethiop

Inhaftiert: November 2000

Shine, Herausgeber der amharischsprachigen Wochenzeitschrift Ethiop, wurde der Verbreitung "falscher, die nationale Sicherheit gefährdender Informationen" für einen Artikel über die eritreische Opposition beschuldigt. Mit Hilfe internationaler Gruppen für Pressefreiheit konnte der Äthiopische Journalistenverband für eine Freie Presse genügend Geld aufbringen, um die Kautionssumme für Shine zu zahlen. Er wurde am 7. Januar 2001 freigelassen. Das Gerichtsverfahren ist auf Oktober 2001 vertagt worden.

 

Birma (8) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz General Than Shwe

Ministerpräsident und Verteidigungsminister

Chairman of the State Peace and Development Council

Ministry of Defense

Signal Pagoda Road

Yangon (Rangun), Birma

U Win Tin

Verhaftet am 4. Juli 1989

U Win Tin, vormals Chefredakteur zweier Tageszeitungen und stellvertretender Vorsitzender des burmesischen Schriftstellerverbandes, wurde nach seiner Verhaftung zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. Diese Strafe wurde nachträglich noch verlängert. U Win Tin war in der studentischen Demokratiebewegung 1988 aktiv an der Erstellung unabhängiger Publikationen beteiligt und arbeitete darüber hinaus eng mit dem inhaftierten Führer der Nationalen Liga für Demokratie, Daw Aung San Suu Kyi, zusammen. Wegen des Herausschmuggelns von Briefen an den UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte in Myanmar, Professor Yozo Yokota, in denen U Wan Tin die Zustände im Gefängnis Insein beschrieben hatte, wurde das Strafmaß am 28. März 1996 um weitere fünf Jahre erhöht. Berichten zufolge liegt U Win Tin schwer krank, vielleicht dem Tod nahe, im Allgemeinen Krankenhaus in Rangun, in das er Anfang Oktober 1997 vom Gefängnis Myingyan, einem der schlimmsten in Birma, verlegt wurde.

U Maung Maung Lay Ngwe

Verhaftet im September 1990

U Maung Lay Ngwe wurde des Verfassens und der Verbreitung von Publikationen angeklagt, die "den Respekt des Volkes vor dem Staat untergraben". Die Publikationen erschienen unter dem gemeinsamen Titel Pe-Tin-Tan.

U Myo Myint Nyein, What's Happening

U Sein Hlaing, What's Happening

Verhaftet im September 1990

U Myo Myint Nyein und U Sein Hlaing wurden wegen ihres Beitrags zur Planung und Veröffentlichung des satirischen Nachrichten-magazins What's Happening festgenommen und zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sie gehörten zu den 21 Gefangenen im Insein-Gefängnis, die wegen des Herausschmuggelns von Briefen an den UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte in Myanmar, Professor Yozo Yokota, in denen die Zustände in dem Gefängnis beschrieben waren, am 28. März 1996 nach dem Notstandsgesetz zu weiteren sieben Jahren Haft verurteilt wurden.

Daw San San Nwe

U Sein Hla Oo

Verhaftet am 5. August 1994

Der regimekritische Schriftsteller Daw San San Nwe und der Journalist U Sein Hla Oo wurden bei ihrer Verhaftung der Verbreitung von staatsschädigenden Informationen sowie des Kontakts mit regierungsfeindlichen Gruppen beschuldigt. Am 6. Oktober wurde Daw San San Nwe zu 10 Jahren, U Sein Hla Oo zu sieben Jahren Haft verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es, sie hätten "regierungsfeindliche Berichte erfunden und an ausländische Diplomaten und ausländische Radiosender verschickt sowie ausländische Journalisten aufgesucht". Es wird vermutet, daß sie im Gefängnis Insein in Rangun inhaftiert sind.

Ma Myat Mo Mo Tun

Verhaftet 1994

Ma Myat Mo Mo tun, Tochter des inhaftierten Dissidenten Daw San San Nwe, wurde 1994 verhaftet und wegen Verbreitung staatsfeindlicher Informationen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sie wird beschuldigt, "diffamierende Schreiben und Dokumente" veröffentlicht, Kontakte zu "illegalen" Gruppen hergestellt und regierungsfeindliche Artikel an eine Zeitschrift gesandt zu haben, die von einer im Ausland ansässigen Gruppe herausgegeben wird.

Ye Htut

Verhaftet am 27. September 1995

Ye Htut wurde bei seiner Verhaftung der Verbreitung von Falschnachrichten an burmesische Dissidenten und oppositionelle Medien im Ausland beschuldigt. Zu den Empfängerorganistionen gehörten nach angeblich eigener Aussage Ye Htuts auch das in Thailand ansässige Unternehmen Burma Information Group, bei dem der Menschenrechts-Newsletter 'The Irawaddy' verlegt wird. Ye Htut wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

 

China (22) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Jiang Zemin Guojia Zhuxi

Präsident, Staatsrat der Volksrepublik China

Beijing 100032

People's Republic of China

Fax: 86-10-6512-5810

Hu Liping, The Bejing Daily

Inhaftiert am 7. April 1990

Der für die Pekinger Tageszeitung The Bejing Daily tätige Hu wurde am 7. April 1990 verhaftet. In einer der wenigen Mitteilungen über seinen Fall von Seiten des chinesischen Justizministeriums im Jahr 1998 hiess es, er sei wegen "konterrevolutionärer Aufwiegelung und Propaganda" sowie "Handel mit Staatsgeheimnissen" unter Anklage gestellt worden. Am 15. August 1990 wurde Hu vom Volksgericht Peking zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die er im städtischen Gefängnis von Peking verbüsst.

 

Zhang Yafei, Tielu

Verhaftet im September 1990

Zhang, ehemals Student der Hochschule für Kommunikation Beifang, wurde nach seiner Verhaftung wegen Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda und Aufwiegelung vor Gericht gestellt und im März 1991 zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Dazu wurden ihm für zwei Jahre nach seiner Entlassung die politischen Rechte aberkannt. Zhang hatte die nicht genehmigte Zeitschrift Tielu über das Massaker 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens herausgegeben.

Chen Yanbin, Tielu

Verhaftet gegen Ende 1990

Chen, ehemals Student der Universität Qinghua, wurde gegen Ende 1990 verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Dazu wurden ihm für vier Jahre nach seiner Entlassung die politischen Rechte aberkannt. Zusammen mit Zhang Yafei hatte er die nicht genehmigte Zeitschrift Tielu (Eiserne Tendenzen) über das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens verfaßt und mehrere hundert mit einem Mimeographen hergestellte Exemplare verteilt. Die Regierung nannte die Publikation "reaktionär" und stellte Chen wegen Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda und Aufwiegelung unter Anklage.

Wu Shishen, Nachrichtenagentur Xinhua

Ma Tao, China Health Education News

Verhaftet im Oktober oder November 1992

Nach seiner Verhaftung im Herbst 1992 wurde Wu, Reporter für die Nachrichtenagentur Xinhua, im August 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er einem Journalisten aus Hongkong noch vor dem 14. Parteikongreß eine Kopie des als "Staatsgeheimnis" bezeichneten Grußwortes von Präsident Jiang Zemin zugespielt haben soll. Seine Frau Ma, Redakteurin bei "China Health Education News", wurde ebenfalls 1992 verhaftet und der Komplizenschaft beschuldigt. Sie wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt und hätte im November 1998 entlassen werden müssen.

Liu Jingsheng, Tansuo

Angeklagt 1994

Liu, vormals Autor und Mitherausgeber des prodemokratischen Magazins Tansuo, wurde nach einem nichtöffentlichen Verfahren im Juli 1994 wegen "konterrevolutionärer" Aktivitäten zu 15 Jahren Haft verurteilt. Liu wurde im Mai 1992 verhaftet und wegen Mitgliedschaft in gewerkschaftlich organisierten und prodemokratischen Gruppen angeklagt. Nach Unterlagen des Gerichts war Liu an der Organisation und Anführung regierungsfeindlicher und prodemokratischer Aktivitäten beteiligt. Die Anklage beschuldigte ihn sowie andere wegen gleicher Vergehen angeklagte Dissidenten außerdem, im Juni 1992 verteilte Flugblätter geschrieben und gedruckt zu haben.

Khang Yuchun, Freedom Forum

Verurteilt im Dezember 1994

Khang wurde zusammen mit 16 weiteren Personen wegen Mitgliedschaft in konterrevolutionären Organisationen vor Gericht gestellt. Eine gegen ihn erhobene Anschuldigung war, daß er Personen zum Schreiben von Artikeln beauftragt und das Freiheits-Forum, die Zeitschrift der 'Chinese Progressive Alliance' gegründet habe. Im Dezember 1994 wurde er zu 12 Jahren Haft wegen der "Organisation und Anführung einer konterrevolutionären Gruppe" sowie zu weiteren sieben Jahren Haft wegen "konterrevolutionärer Propaganda" verurteilt.

Wang Yingzhen, Freier Journalist

Inhaftiert: 26. Februar 1999

Die Polizei verhaftete Wang in der Stadt Xuzhou, als er einen Artikel fotokopierte, den er über die politische Reform geschrieben hatte, und der sich auf einen offenen Brief stützte, den er an Präsident Jiang Zemin geschrieben hatte. Am 10. Dezember 1999 wurde Wang der Subversion für schuldig befunden und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Liu Xianli, Freier Journalist

Inhaftiert: 11. Mai 1999

Der Mittlere Volksgerichtshof von Peking befand den Schrifststeller Liu Xianli der Subversion für schuldig und verurteilte ihn zu vier Jahren Gefängnis. Lius angebliches "Verbrechen" bestand in dem Versuch, ein Buch über chinesische Dissidenten zu veröffentlichen.

Wu Yilong, Mao Qingxiang, Zhu Yufu und Xu Guang, Opposition Party

Inhaftiert: Juni 1999

Wu, Mao, Zhu und Xu wurden alle vier um den 4. Juni, den 10. Jahrestag des Tiananmen-Platzes, verhaftet. Alle vier waren führende Aktivisten der verbotenen Demokratische Partei Chinas (CDP) und wurden später der Subversion angeklagt, da sie ein prodemokratisches Magazin mit der Bezeichnung Opposition Party herausgegeben und regimefeindliche Artikel und Essays über das Internet verbreitet hatten. Sie wurden zu jeweils 11, 8, 7 und 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Zeitungs-berichten vom Dezember 2000 zufolge hatte Wu die sieben Monate zuvor im Gefängnis Nr. 4 der östlichen chinesischen Provinz Zhejiang in Einzelhaft zugebracht, weil er im Mai gegen die Haftbedingungen protestiert hatte.

Yue Tianxiang, Guo Xinmin, China's Workers' Monitor

Inhaftiert: 05. Juli 1999

Der Mittlere Volksgerichtshof von Tianshui in der Provinz Gansu verurteilte Yue zu 10 Jahren Gefängnis und Guo zu zwei Jahren Gefängnis. Alle zwei wurden der "Subversion der Staatsgewalt" beschuldigt. Laut South China Morning Post wurden Yue und Guo im Januar verhaftet, weil sie China Workers' Monitor, eine Zeitung, die für die Rechte der Arbeiter kämpfte, veröffentlicht hatten.

Qi Yanchen, Publizist

Inhaftiert: 02. September 1999

Die Polizei verhaftete Qi in seiner Wohnung in Cangzhou. Qi hatte zahlreiche Artikel in intellektuellen Zeitschriften veröffentlicht und stand in Verbindung mit dem Online-Magazin Consultations. Qis Verhaftung folgte, nachdem er Auszüge aus seinem unveröffentlichten Buch "Der Zusammenbruch Chinas" online verbreitet hatte. Im Mai 2000 wurde Qi vor dem Volksgericht der Stadt Cangzhou wegen staatsgefährdender Tätigkeiten unter Anklage gestellt und in einem nichtöffentlichen Verfahren zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Zhang Ji, Freiberufler

Inhaftiert: 08. August 1999

Zhang Ji, Student an der Universität Qiqihar, wurde der "Verbreitung reaktionärer Schriften via Internet" angeklagt. Zhang hatte angeblich Nachrichten und Informationen über die verbotene spirituelle Bewegung Falun Gong verbreitet. Er wurde irgendwann im Oktober im Rahmen der Zerschlagung der Sekte durch die chinesische Regierung verhaftet.

Huang Qi, Website "Tianwang"

Inhaftiert: 3. Juni 2000

Huang, Eigentümer der regimekritischen Website Tianwang (www.6-4tianwang.com), wurde einen Tag vor dem elften Jahrestag des Massakers vom "Platz des himmlischen Friedens" zusammen mit seiner Frau Zeng Li in der Stadt Chengdu (Provinz Sichuan) verhaftet. Kurz vor der Erstürmung der Firmenräume durch die Polizei stellte Huang noch einen letzten Gruss in die Website ein: "Danke an alle, die sich in China für die Demokratie engagieren. Sie (die Polizei) sind jetzt da. Bis bald." Zeng wurde am 6. Juni entlassen und davon in Kenntnis gesetzt, dass Huang wegen staatsgefährdender Tätigkeiten unter Anklage gestellt werde.

Hua Di, freiberuflicher Journalist

Inhaftiert: 5. Januar 1998

Hua, Besitzer einer Daueraufenthaltsgenehmigung für die USA, wurde während eines Besuchs in China verhaftet und wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen in einem Artikel über das chinesische Raketenabwehrsystem angeklagt. Am 25. November 1999 wurde er in einem nicht öffentlichen Verfahren vom Mittleren Volksgericht Nr. 1 in Peking zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Im März 2000 hob das Oberste Volksgericht Pekings dieses Urteil auf und verwies den Fall an die Vorinstanz zurück. Hua leidet an einer seltenen Form von Brustkrebs. Da die Neuverhandlung noch nicht stattgefunden hat, befand sich Hua im Dezember 2000 weiter in Haft.

Gao Qinrong, Xinhua

Inhaftiert: 4. Dezember 1998

Gao, Reporter der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, wurde wegen einer Reportage über ein Bewässerungsprojekt in der unter Wassermangel leidenden Gegend um Yuncheng in der Provinz Shanxi, bei dem Bestechungsgelder im Spiel waren, verhaftet. Seine Frau Duan Maoying sagte, die kommunalen Behörden hätten Gao die Schuld an dem entstehenden Medienrummel gegeben und unter falschen Anschuldigungen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Duan zufolge wurde Gao am 4. Dezember 1998 verhaftet und schliesslich wegen Bestechung, Unterschlagung und Zuhälterei unter Anklage gestellt. Am 28. April 1999 wurde er in einem eintägigen, nichtöffentlichen Verfahren zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Gao verbüsst die Strafe im Ort Qixian in der Provinz Shanxi.

Jiang Qisheng, freiberuflicher Journalist

Inhaftiert: 18. Mai 1999

Jiang wurde am späten Abend des 18. Mai 1999 verhaftet. Die Polizei durchsuchte seine Wohnung und beschlagnahmte Computer, Unterlagen sowie Artikel Jiangs für die in New York erscheinende demokratiefreundliche Zeitung "Beijing Spring". Ursache für die Verhaftung waren mehrere Aufsätze und Offene Briefe Jiangs mit Bezug auf den zehnten Jahrestag des Massakers auf dem Platz des himmlischen Friedens. Im Dezember 2000, dreizehn Monate nach seiner Verhaftung, wurde Jiang vom Mittleren Volksgericht Nr. 1 in Peking zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

An Jun, freiberuflicher Journalist

Inhaftiert: Juli 1999

An, ein erklärter Gegner der Korruption, wurde im Juli 1999 verhaftet und am 19. April 2000 vom Mittleren Volksgericht der Stadt Xinyang in der Provinz Henan zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht wertete die Aufsätze und Artikel Ans über Korruption als Beweis für seine staats- gefährdende Betätigung. An, zuvor Geschäfts- führer eines Exporthandelsunternehmens, hatte 1998 die "Kontrollgruppe Korruption für China" ins Leben gerufen, die angeblich mehr als 100 Korruptionsfälle aufdecken konnte.

 

Iran (6) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Ayatollah Ali Khamenei

Oberste Leiter der Islamischen Republik Iran

c/o The Permanent Mission of Iran to the United Nations

622 Third Avenue, 34th Floor

New York, NY 10017, USA

Fax: 1 212-867-7086

Abdullah Nouri, "Khordad"

Inhaftiert: 28. November 1999

Nouri, Herausgeber der reformfreundlichen Tageszeitung "Khordad" sowie früherer Vizepräsident und Innenminister, wurde am 27. November vom Kirchlichen Sondergericht wegen Abweichung in Glaubensfragen zu fünf Jahren Gefängnis sowie fünf Jahren Berufsverbot als Journalist verurteilt. "Khordad" wurde verboten. Das Urteil wurde gemeinhin als Versuch konservativer Regimekräfte gewertet, Nouri als einflussreichen Verbündeten des reformorientierten Präsidenten Muhammad Khatami vor der Parlamentswahl im Februar 2000 kaltzustellen. Die Anklage gegen Nouri, die unter anderem auf "Verbreitung unwahrer Behauptungen und staatsfeindlicher Propaganda" lautete, stützte sich auf in "Khordad" veröffentlichte Artikel. Ende des Jahres war Nouri im Teheraner Gefängnis Evin inhaftiert.

Akbar Ganji, "Sobh-e-Emrooz" und "Fath"

Inhaftiert: 22. April 2000

Ganji, bekannter Investigativreporter der reformfreundlichen Tageszeitung "Sobh-e-Emrooz"und Mitglied des Redaktionsvorstands der ebenfalls reformorientierten Tageszeitung "Fath", wurde wegen seiner Artikel und wegen Teilnahme an einer in Deutschland abgehaltenen Konferenz über die iranische Reformbewegung festgenommen. Gegen ihn wurde Anklage sowohl vor dem Pressegericht als auch vor dem Revolutionsgericht erhoben. Bei seinem aufsehenerregenden Auftritt vor Gericht am 9. November sagte Ganji, dass er im Teheraner Evin-Gefängnis, wo er in Einzelhaft einsass, von Wachpersonal mit dem Kopf nach unten aufgehängt und geschlagen worden sei.

Latif Safari, "Neshat"

Inhaftiert: 23. April 2000

Safari, Geschäftsführer der im September 1999 per Gerichtsbeschluss verbotenen Tageszeitung "Neshat", wurde am 20. September 1999 zu einer Gefängnisstrafe von 30 Monaten verurteilt, die von einem Berufungsgericht bestätigt wurde. Safari wurden mehrere Tatbestände zur Last gelegt, darunter Verleumdung, Aufwiegelung sowie "Beleidigung der Heiligkeit und der Glaubenssätze des Islam". Als Begründung wurden Artikel in "Neshat" während der Amtszeit Safaris als Geschäftsführer des Blattes angeführt. Safari verbüsst seine Strafe im Gefängnis Evin in Teheran.

Emadeddin Baghi, "Fath", "Neshat"

Inhaftiert: 29. May 2000

Baghi, Journalist der verbotenen Tageszeitung "Neshat" und Mitglied des Redaktionsvorstands der ebenfalls verbotenen Tageszeitung "Fath", wurde wegen "Verbreitung unbegründeter Nachrichten" über die Rolle von "Agenten des Geheimdienstministeriums bei der Ermordung von Intellektuellen und Dissidenten im Jahr 1998" unter Anklage gestellt. Am 17. Juli verurteilte ihn das Teheraner Pressegericht zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis. Das Strafmass wurde Ende Oktober von einem Berufungsgericht auf drei Jahre herabgesetzt. Baghi befindet sich nach wie vor im Teheraner Evin-Gefängnis.

Mashallah Shamsolvaezin, "Asr-e-Azadegan", "Neshat"

Inhaftiert: 10. April 2000

Shamsolvaezin, Herausgeber der Tageszeitung "Asr-e-Azadegan", wurde von einem Berufungsgericht zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er in einem kritischen Beitrag über die Todesstrafe im Iran, der 1999 in der inzwischen verbotenen Tageszeitung "Neshat" erschien, islamische Prinzipien beleidigt haben soll. "Neshat" wurde durch Gerichtsbeschluss im September 1999 verboten.

Ahmed Zeid-Abadi, "Hamshahri"

Inhaftiert: 7. August 2000

Zeid-Abadi, Journalist der gemässigten Tageszeitung "Hamshahri", wurde auf Anordnung des Teheraner Pressegerichts festgenommen, weil er angeblich einer Vorladung nicht nach gekommen war. Die Polizei durchsuchte Zeid-Abadis Haus und beschlagnahmte Bücher und andere Unterlagen. Warum Zeid-Abadi Ende des Jahres immer noch inhaftiert war, ist nicht bekannt.

 

KOMOREN (1) :

Protestschreiben bitte an:

Seine Exzellenz Col. Azali Assoumani

Mission of the Federal and Islamic

Republic of the Comoros to the United Nations

New York, NY 10022, USA

Fax: 1 212 983 4712

Cheick Ali Cassim, Tropik FM

Inhaftiert: 15. August 2000

Cheikh Ali Cassim, Geschäftsführer des privaten Rundfunksenders Tropik FM, befindet sich wegen "Gefährdung der staatlichen Sicherheit durch den rechtswidrigen Besitz von Feuerwaffen" weiter in staatlichem (Militär-) Gewahrsam, obwohl bei einer Durchsuchung seines Hauses keine Waffen gefunden wurden. Ob die Fortdauer der Haft mit Cassims journalistischer Tätigkeit oder mit seiner führenden Rolle in der Kommunalpolitik zusammen-hängt, ist nicht geklärt. Cassims Rundfunksender Tropik FM ist ein unnachgiebiger Kritiker der komorischen Militärregierung.

 

Demokratische Republik Kongo (4):

Protestschreiben gerichtet an:

Seine Exzellenz Joseph Kabila

Präsident der Demokratischen Republik Kongo

Ngaliema, Kinshasa

Democratic Republic of Congo

Fax: 11 234 88 02120

Freddy Loseke Lisumbu La Yayenga, La Libre Afrique

Inhaftiert: 31. Dezember 1999

Loseke, Herausgeber der unabhängigen Wochenzeitschrift La Libre Afrique, wurde in seinem Haus in Kinshasa verhaftet. Im Militärlager Kokolo, in das er gebracht wurde, wurde er in Einzelhaft gehalten, nackt ausgezogen und geschlagen. Seine Inhaftierung erfolgte nach der Veröffentlichung von zwei Berichten, in denen La Libre Afrique von einem von der Armee unterstützten bevorstehenden Komplott zum Sturz von Präsident Kabila berichtet hatte. Im Mai 2000 wurde Loseke der "Beleidigung der Armee" schuldig gesprochen und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Im Rahmen einer Generalamnestie ordnete Präsident Kabila am 4. Januar 2001 seine Freilassung an.

Aime Kakese Vinalu, Le Carrousel

Inhaftiert: 24. Juni 2000

Jean-Pierre Ekanaga Mukuna, La Tribune de la Nation

Inhaftiert: 17. August 2000

Vinalu wurde im Juni 2000 wegen zwei für die Zeitung Le Carrousel geschriebener Artikel verhaftet, in denen er über Bewegungen in der Opposition und die Nichtachtung des Rechts auf freie Meinungsäusserung geschrieben hatte. Mukuna wurde am 23. Juni wegen der Weigerung inhaftiert, die private Adresse von Vinalu bekanntzugeben. Beide Journalisten wurden des Landesverrats beschuldigt und am 12. September 2000 zu zwei Jahren Gefängnis ohne bedingte Entlassung verurteilt. Am 4. Januar 2001 wurden sie aufgrund einer Präsidialamnestie freigelassen.

Pierre-Sosthene Kambidi, Le Phare

Inhaftiert: 31. Dezember 2000

Kambidi, Korrespondent der Zeitung Le Phare in Tshikapa, wurde Berichten zufolge auf Anordnung des Verwaltungschefs von Tshikapa, Kalemba Tshibuabua, wegen seiner kritischen Artikel in Le Phare und seiner Verbindungen zur Oppositionspartei inhaftiert. Angeblich wurde er am 2. Januar 2001 freigelassen.

 

Kuba (3) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Fidel Castro Ruz

Präsident der Volksrepublik Kuba

c/o Permanent Mission of Cuba to the United Nations,

315 Lexington Avenue, New York, NY 10016, USA

Fax: 1-212-779 16 79

Bernardo Arévalo Padrón, Línea Sur Press

Inhaftiert: 18. November 1997

Arévalo Padrón wurde als Gründer der Nachrichtenagentur der Línea Sur Press Nachrichtenagentur des "mangelnden Respekts" für Präsident Fidel Castro und das Mitglied des kubanischen Staatsrats, Carlos Lage, angeklagt, weil er berichtet hatte, dass ein Helikopter Fleisch von einer Farm in Aguada de Pasajeros zu Funktionären der Komunistischen Partei in Havanna transportiert hatte, während die einfachen Leute in Aguada de Pasajeros nicht genug zu essen hatten. Arévalo Padrón verbüsst seine Strafe im Arbeitslager San Marcos in Cienfuegos, wo er auf Zuckerrohrplantagen mit einer Machete Unkraut jäten muss. Mitte Oktober wurde er von der Gefängnisleitung informiert, dass seine Entlassung auf Bewährung genehmigt worden sei. Trotzdem wird Padrón unter Verletzung kubanischen Rechts im Arbeitslager San Marcos festgehalten.

Manuel Antonio González Castellanos, CubaPress

Inhaftiert; 01. Oktober 1998

González Castellanos, Korrespondent der unabhängigen Nachrichtenagentur CubaPress, wurde in San Germán von Beamten der Staatssicherheit festgenommen. Die Beamten hatten ihn auf dem Nachhauseweg angehalten und beleidigt, worauf Castellanos mit kritischen Bemerkungen über Präsident Fidel Castro reagierte. Am 6. Mai 1999 wurde González Castellanos vom Stadtgericht San Germán wegen "Respektlosigkeit" zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Einheimische Journalisten hegen den Verdacht, dass González Castellanos von den Sicherheitsbeamten aus Rache für seine Berichte über die Aktivitäten politischer Dissidenten bewusst provoziert wurde. González Castellanos sitzt vorläufig im Gefängnis von Holguín ein. Dort wurde er wegen einer Beschwerde gegen die Beschlagnahmung seiner handschriftlichen Aufzeichnungen vom Umerziehungsbeauftragten des Gefängnisses mit Schlägen gegen den Kopf misshandelt.

Jesús Joel Díaz Hernandéz, Cooperativa Avileña de Periodistas Independientes (CAPI)

Inhaftiert: 18. Januar 1999

Díaz Hernández, leitender Direktor von CAPI, wurde wegen "Gefährlichkeit" verurteilt und vom Stadtgericht Morón im Januar 1999 zu vier Jahre Haft verurteilt. Kollegen von Díaz Hernández berichteten im Juli 2000, dass der Journalist an Hepatitis erkrankt sei und keine medizinische Behandlung erhalte. Nach der Versorgung mit Medikamenten und Vitaminen durch seine Familie schien er sich im Oktober wieder erholt zu haben. Am 17. Januar 2001 wurde Díaz Hernández ohne eine Erklärung von der Gefängnisleitung freigelassen. Ihm wurde lediglich gesagt, seine Strafe sei ausgesetzt worden.

 

Kuwait (2) :

Protestanschrift:

Ihre Hoheit Shaikh Jaber al-Ahmed al-Sabah

Emir of Kuwait

Al-Diwan al-Amiri

Al-Safat

Kuwait City, Kuwait

Fax: 965-243-0121

Ibtisam Berto Sulaiman al-Dakhil und Fawwaz Muhammad al-Awadi Bessisso, Al-Nida'

Verurteilt: Juni 1991

Bessisso und al-Dakhil wurden wegen ihrer Tätigkeit für Al-Nida', einer von irakischen Behörden während der irakischen Besetzung Kuwaits im Jahre 1990 herausgegebenen Zeitung, zu lebenslanger Haft verurteilt. Zu Jahresende waren sie die letzten übriggebliebenen Journalisten in kuwaitischen Gefängnissen, wo 17 Reporter und Redakteure nach dem Golfkrieg aufgrund ihrer Tätigkeit für Al-Nida' inhaftiert waren. Die anderen 15 Journalisten wurden seit 1996 nach und nach freigelassen.

 

NEPAL (1) :

Protestschreiben bitte richten an:

Seine Exzellenz Krishna Prasad Bhattarai

Premierminister, Königreich Nepal

Office of the Prime Minister

Singh Durbar

Kathmandu, Nepal

Fax: 977-1-227-286

Krishna Sen, Janadesh

Inhaftiert: 20. April 1999

Die Polizei verhaftete Sen, Herausgeber der Wochenzeitung in nepalesischer Sprache, Janadesh, und beschlagnahmte Tausende von Exemplaren der Zeitung. Sens Verhaftung steht angeblich in Verbindung mit einer kürzlichen Ausgabe von Janadesh, in der ein Interview mit Babaram Bhattarai, einem der Führer von Nepals maoistischem Aufstand, erschien. Die Polizei soll 20.000 Exemplare der Ausgabe beschlagnahmt haben, um die weitere Verbreitung des Interviews zu unterbinden. Ende Dezember befand sich Sen noch in Haft. Trotz eines Gerichtsurteils vom August 1999, demgemäss seine Verhaftung gegen die nepalesische Verfassung verstossen habe, befand sich Sen am Ende des Jahres 2000 immer noch in Haft.

 

NIGER (1) :

Protestschreiben gerichtet an:

Seine Exzellenz Mamadou Tandja

Präsident der Republik Niger

Niamey, Niger

Fax: 227 72 2245

Soumaina Maiga, L'Enquêteur

Inhaftiert: 16. November 2000

Maiga, Verleger der unabhängigen Wochen- zeitschrift L'Enquêteur, wurde von einem Gericht in Niamey wegen der "Verbreitung falscher Informationen" über den angeblichen Einsatz von beninischen Truppen auf der Insel Tête, um die sich Benin und Niger streiten, zu acht Monaten Haft verurteilt. Maiga wurde am 19. Januar 2001 aus der Haft entlassen.

SYRIEN (1) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Bashar al-Assad,

Präsident der Syrischen Arabischen Republik

c/o His Excellency Ambassador Walid Al-Moualem

Embassy of the Syrian Arab Republic

2215 Wyoming Avenue N.W.

Washington, DC 20008, USA

Fax: 1 202-234-9548

Nizar Nayouf, freiberuflicher Journalist

Verhaftet im Januar 1992

Nayouf, als freiberuflicher Journalist für al-Huriyya und Al-Thaqafa al-Ma'arifa tätig, wurde zusammen mit mehreren Menschenrechtsaktivisten des Komitees für die Verteidigung der demokratischen Freiheiten und der Menschenrechte in Syrien in Damaskus festgenommen. Im März 1992 verurteilte ihn das Gericht für Staatssicherheit wegen "Verbreitung von Unwahrheiten und Entgegennahme von Geldern aus dem Ausland" zu 10 Jahren Haft. Nayouf war während der Vernehmung schweren Folterungen ausgesetzt. Zur Zeit befindet er sich in Einzelhaft im Militärgefängnis von Mezze.

TUNESIEN (2) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Zine El Abidine Ben Ali,

Präsident der Republik Tunesien

Presidential Palace,

Tunis, Tunesien

Fax: 216-1-744-721

Hamadi Jebali, Al-Fajr

Verhaftet im Januar 1991

Jebali, Redakteur von Al-Fajr, der Wochenzeitung der verbotenen islamistischen Partei Al-Nahda, wurde am 28. August 1992 vom Militärgericht in Bouchoucha zu 16 Jahren Haft verurteilt. In dem Verfahren, in dem neben Jebali 279 weitere angebliche Angehörige von Al-Nahda vor Gericht standen, wurde er der "Aggression mit der Absicht, das Wesen des Staates zu verändern" und der "Mitgliedschaft in einer illegalen Vereinigung" für schuldig befunden. Jebali bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und legte Beweise dafür vor, daß er während der Haft gefoltert worden war. Jebali ist seit Januar 1991 in Haft. Damals wurde er wegen eines von ihm veröffentlichten Artikels, in dem er die Abschaffung der tunesischen Militärgerichte forderte, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Internationale Menschenrechtsverbände, die den Massenprozeß beobachteten, bezeichneten diesen als weit von den international üblichen Rechtsnormen entfernt.

Abdellah Zouari, Al-Fajr

Verhaftet im Februar 1991

Zouari, der ebenfalls Beiträge für Al-Fajr, die Wochenzeitung der verbotenen islamistischen Partei Al-Nahda, schrieb, wurde am 28. August 1992 von einem Militärgericht in Bouchoucha zu 11 Jahren Haft verurteilt. In dem Verfahren wurde er zusammen mit 279 weiteren Personen der Zugehörigkeit zu Al-Nahda beschuldigt. Er ist seit Februar 1991in Haft. Die Anklage gegen ihn lautete auf "Verbindungen zu einer nicht an zugelassenen Organisation". Internationale Menschenrechts-verbände als Beobachter des Massenprozesses bezeichneten diesen als weit von den international üblichen Rechtsnormen entfernt.

TÜRKEI (14) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Bulent Ecevit

Ministerpräsident der Türkischen Republik

c/o His Excellency Baki Ilkin

Embassy of the Republic of Turkey

2525 Massachusetts Avenue N.W.

Washington, DC 20008, USA

Fax: 202-612-6744

Hasan Özgün, Özgür Gündem

Verhaftet am 9. Dezember 1993

Özgün, Korrespondent für Özgür Gündem in Diyarbakir, wurde wegen seiner Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation zu 12 Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Er sitzt seine Strafe derzeit im Gefängnis von Aydin ab.

Serdar Gelir, Mücadele

Verhaftet am 25. April 1994

Gelir, Leiter der inzwischen eingestellten Wochenzeitschrift Mücadele in Ankara, wurde wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation verurteilt. Nach den Gerichtsakten wurde er zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Am Jahresende war Gelir in einem Gefängnis der Stadt Sincan nahe Ankara inhaftiert.

Bülent Öner, Atilim

Verhaftet am 15. Juni 1995

Öner, Reporter der linksgerichteten Wochenzeitung Atilim, wurde bei einer Polizeirazzia im Mersiner Büro der Zeitung festgenommen. Später wurde er der Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation angeklagt und zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Öners Haftort am Jahresende war nicht bekannt.

Sadik Çelik, Kurtulus

Verhaftet am 23. Dezember 1995

Çelik, Reporter und Leiter des Büros der Wochenzeitschrift Kurtulus in Ankara, wurde zu einer Haftstrafe von 12 Jahren und sechs Monaten wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation verurteilt.

Die im folgenden genannten Journalisten sitzen derzeit in türkischen Gefängnissen ein. Zwischen CPJ und dem Verband türkischer Zeitungsverlage/Türkischer Presserat besteht jedoch Uneinigkeit darüber, ob die Verhaftungen auf die journalistische Arbeit der Festgenommenen zurückzuführen sind.

Sinan Yavuz, Yoksul Halkin Gücü

Verhaftet am 9. August 1993

Yavuz, Redakteur der linken Wochenzeitschrift Yoksul Halkin Gücü, wurde beschuldigt, Mitglied in einer verbotenen Vereinigung zu sein. Nach seiner Verurteilung zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft am 29. Dezember 1994 wurde er im das Gefängnis Canakkale inhaftiert. Er sitzt in einem Gefängnis der Stadt Sincan nahe Ankara ein.

Hüseyin Solak, Mücadele

Verhaftet 27. Oktober 1993

Solak, Leiter des Gazianteper Büros der Wochenzeitschrift Mücadele, wurde am 24. November 1994 wegen seiner Mitgliedschaft in der verbotenen Vereinigung Dev Sol zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft verurteile. Er sitzt im Gefängnis von Çankiri ein.

Utku Deniz Sirkeci, Tavir

Verhaftet am 6 August 1994

Sirkeci, Leiter des Büros des linksorientierten Kulturmagazins Tavir in Ankara, wurde wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Vereinigung zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Ende des Jahres sass Sirkeci in einem Gefängnis der Stadt Sincan nahe Ankara ein.

Aysel Bölücek, Mücadele

Verhaftet am 11. Oktober 1994

Frau Bölücek, eine der Ankara-Korrespondenten von Mücadele, wurde festgenommen und der Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation angeklagt. Am 23. Dezember 1994 wurde sie zu einer Haftstrafe 12 Jahren und sechs Monaten verurteilt, die sie Gefängnis von Kutahya verbüßt

Özlem Türk, Mücadele

Verhaftet am 17. Januar 1995

Türk, Reporterin für Mücadele, wurde festgenommen und wegen der Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation angeklagt. Nach den Gerichtsakten wurde sie zu 15 Jahren Haft verurteilt. Frau Türk verbüßt die Strafe im Gefängnis von Kutahya.

Burhan Gardas, Mücadele

Verhaftet am 23. März 1995

Gardas, Leiter des Büros für Mücadele in Ankara, wurde wegen seiner Zugehörigkeit zu einer illegalen Organisation zu einer Haftstrafe von zweimal 15 Jahren verurteilt. Ende des Jahres sass Gardas in einem Gefängnis der Stadt Sincan nahe Ankara ein.

Özgür Güdenoglu, Mücadele

Verhaftet am 24. Mai 1995

Güdenoglu, Leiter des Büros von Mücadele in Konya, wurde zu 12 Jahren und sechs Monaten Haft wegen seiner Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation verurteit. Er sitzt im Gefängnis von Nigde ein.

Fatma Harman, Atilim

Verhaftet am 15. Juni 1995

Frau Harman, Reporterin der linksgerichteten Wochenzeitung Atilim, wurde bei einer Polizeirazzia im Mersiner Büro der Zeitung festgenommen. Am 26. Januar 1996 wurde Harman zu 12 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt und sitzt im Gefängnis von Adana ein.

Erdal Dogan, Alinteri

Verhaftet am 10. Juli 1995

Dogan, Reporter für das Büro Ankara der Wochenzeitschrift Alinteri, wurde von der Polizei am 10. Juli 1995 festgenommen. Später wurde er wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation angeklagt und zu 12 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ende des Jahres sass Dogan in einem Gefängnis der Stadt Sincan nahe Ankara ein.

Nabi Kimran, Iscinin Yolu

Verhaftet am 9. September 1996

Kimran wurde im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Redakteur der linksgerichteten Wochenzeitschrift Iscinin Yolu inhaftiert. Die Zeitung war während seiner Dienstzeit ständigen Eingriffen der Regierung ausgesetzt. Kimran ist zur Zeit im Gefängnis in Kandira unter der Beschuldigung der Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation inhaftiert.

USBEKISTAN (3) :

Adresse für Protestschreiben:

Seine Exzellenz Islam Karimov

President of the Republic of Uzbekistan

43 Uzbekistanskaya Street

Tashkent, Uzbekistan 700163

Fax: 011-998-71-139-55-25; 139-55-10

Shadi Mardiev, Samarkand Regional Radio

Inhaftiert am 15. November 1997

Am 11. Juni 1998 wurde Shadi Mardiev, ein 62 jähriger Reporter des regionalen staatlichen Radiosenders von Samarkand, vom Bezirksgericht Syrdarija wegen Verleumdung und Erpressung zu 11 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Mardiev befand sich bereits seit November 1997 in Untersuchungshaft. Grund für seine Festnahme war eine Sendung vom 19. Juni 1997, in der er die Bestechlichkeit eines stellvertretenden Staatsanwalts satirisch kommentiert hatte. Dem Vernehmen nach hat sich Mardievs Gesundheitszustand in der Haft verschlechtert. Mardiev wurde 1999 zwei mal wegen Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert. Obwohl seine Strafe durch die Erlasse Präsident Islam Karimows vom April 1999 und August 2000 halbiert wurde, hat Mardiev noch rund drei Jahre seiner Strafe zu verbüssen. Es besteht die Gefahr, dass er im Gefängnis stirbt.

Muhammad Bekjanov und Iusuf Ruzimuradov, Erk.

Inhaftiert: 15. März 1999

Auf Antrag der usbekischen Behörden verhaftete die ukrainische Polizei die usbekischen Journalisten Bekjanov und Ruzimuradov und lieferte sie nach Taschkent, Usbekistan aus. Bekjanov war Herausgeber und Ruzimuradov arbeitete als Mitarbeiter für die Zeitung Erk, die in Kiew, Ukraine, von der verbotenen usbekischen Oppositionspartei Erk herausgegeben wird. Sie wurden im Stadtgefängnis von Taschkent festgehalten und gefoltert und wegen Verbreitung einer verbotenen Zeitung, die "beleidigende" Kritik des Präsidenten enthielt, sowie wegen illegalen Verlassens Usbekistans zu 14 bzw. 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

VIETNAM (2) :

Protestanschrift:

Seine Exzellenz Le Kha Phieu,

Generalsekretär der Zentralkommitee,

Communist Party of Vietnam,

1 Hoang Van Thu,

Hanoi, Sozialistische Republik Vietnam

Nguyen Tham Giang, freier Mitarbeiter

Inhaftiert: 04. März 1999

Giang, ein prominenter Schriftsteller und Geophysiker, wurde von der Polizei in Hanoi verhaftet, weil er sich angeblich im Besitz "anti-sozialistischer Propaganda" befand. Giangs politische Essays - die sich mit friedlichen Reformen, Mehrparteiendemokratie und Menschenrechten befassten - erschienen regel-mässig auf Internetseiten und in Zeitungen, die von im Exil lebenden Vietnamesen veröffentlicht wurden. Am 10. Mai wurde Giang nach einer internationalen Kampagne auf Bewährung freigelassen. Zu Jahresende stand er jedoch praktisch immer noch unter Hausarrest.

Ha Sy Phu, freiberuflicher Journalist

Inhaftiert: 12. Mai 2000

Der Wissenschaftler und politische Essayist Dr. Nguyen Xuan Tu, besser bekannt unter seinem Pseudonym Ha Sy Phu, wurde nach einer polizeilichen Durchsuchung seines Hauses im April unter Hausarrest gestellt und des Hochverrats angeklagt. Nach Angaben des CPJ ging der Massnahme eine lang andauernde Schikanierung durch staatliche Stellen voraus, die vermuteten, der Wissenschaftler habe sich an der Ausarbeitung einer demokratiefreundlichen Erklärung beteiligt. Die Anklage wegen Hochverrats - ein Tatbestand, der mit der Todesstrafe bedroht ist - wurde aufrechterhalten. Ha Sy Phu steht weiterhin unter Hausarrest.

 

ZENTRALAFRIKANISCH REPUBLIK(1) :

Protestschreiben gerichtet an:

Seine Exzellenz Ange Felix Patasse

Präsident der Zentralafrikanischen Republik

Präsidialpalast

Bangui, Zentralafrikanische Republik

Fax: 263 616 779

Raphaël Kopessoua, Vouma la Mouche

Inhaftiert: 19. Dezember 2000

Kopessoua, geschäftsführender Redakteur der unabhängigen oppositionsfreundlichen Wochen-zeitschrift Vouma la Mouche, wurde während der Berichterstattung über ein Treffen von einem Dutzend Oppositionsparteien in der Hauptstadt Bangui verhaftet. Am 8. Januar 2001 wurde Kopessoua wieder freigelassen.

Quelle:

Komitee für den Schutz von Journalisten (CPJ)

Pressefreiheit: zehn Jahre danach....

Von Timothy Balding, Generaldirektor, Weltverband der Zeitungen

Vor zehn Jahren, am 3. Mai 1991, kamen afrikanische Verleger, Herausgeber und Journalisten bei einer UNO/UNESCO-Konferenz in Namibia zusammen. In einem auf dieser Konferenz verfassten Manifest wurde eine unabhängige, pluralistische und freie Presse zum wesentlichen Bestandteil demokratischer und wirtschaftlicher Entwicklung erklärt. Das Manifest - die Erklärung von Windhuk - forderte die internationale Gemeinschaft zur Verurteilung der Zensur als schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte auf. Zudem wurden die Staaten auf- gefordert, der Pressefreiheit den Status eines verfassungsmässig garantierten Rechts zu verleihen.

Zumindest bei zwischenstaatlichen Organisationen stiess dieser Aufruf keineswegs auf taube Ohren. Die Generalkonferenz der UNESCO schloss sich der Erklärung innerhalb von nur wenigen Monaten an, kurz darauf gefolgt von der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die den 3. Mai formell zum Internationalen Tag der Pressefreiheit erklärte.

Am 3. Mai 2001 wird der zehnte Internationale Tag der Pressefreiheit von den Medien weltweit begangen. Wie weit nun konnten die gesetzten Ziele in den vergangenen zehn Jahren in Afrika und in anderen Ländern erreicht werden?

Die Auflösung des früheren Ostblocks und die Entstehung vieler neuer Demokratien Anfang der 90er Jahre stellten eine Entwicklung dar, die für die freie Presse weltweit grosse Möglichkeiten bedeutete: 'Freedom House', ein amerikanisches Institut zur Überwachung der Menschenrechte, geht davon aus, dass die Zahl der Länder, in denen die Presse zumindest als 'teilweise frei' bezeichnet werden kann, in den letzten zehn Jahren um zwei Drittel zugenommen hat. Insbesondere in Osteuropa sind die neuen Freiheiten von den Medien schnell umgesetzt worden. In Ländern wie Polen, Tschechien und Ungarn beispielsweise haben diese Freiheiten zur Bildung eines Gegengewichts zu Autorität und deren Missbrauch geführt. Die Rolle freier und unabhängiger Medien für die Forderung nach Transparenz und nach Rechenschaft, bei Korruptionsbekämpfung sowie der Entwicklung einer stabilen und gesunden Wirtschaft kann nicht hoch genug bewertet werden: Sicher kommt es nicht von ungefähr, dass die neuen Demokratien, die den Übergang zur Marktwirtschaft am schnellsten bewerkstelligen konnten, die Länder sind, die praktisch von Anfang an über eine funktionsfähige freie Presse verfügten.

In den 90er Jahren konnte die Pressefreiheit viele Fortschritte verzeichnen. In Südafrika beispielsweise brachten die Beendigung der Apartheid und demokratische Wahlen 1994 die Aufhebung noch bestehender Kontrollen und Zensur. In Indonesien und Nigeria führten ordnungsgemäss gewählte Regierungen ihre Länder 1999 zu Demokratie und Pressefreiheit zurück, was eine explosionsartige Zunahme neuer Publikationen mit sich brachte. Auch in den neuen konstitutionellen Monarchien Thailand und Nepal ist in den 90er Jahren eine vielfältige und verhältnismässig starke Presse entstanden. Ähnliche Entwicklungen konnten in Benin, Tansania und Ghana nach den demokratischen Wahlen beobachtet werden.

Die 90er Jahre haben aber auch gezeigt, wenn dies überhaupt noch notwendig war, dass die 'formale' Einführung der Demokratie keineswegs eine Garantie für die Entwicklung einer starken und wahrhaft freien Presse bedeutet, denn dieser Prozess ist sehr viel mühsamer und komplizierterer als viele gedacht hatten.

In vielen früheren Ostblockstaaten, einschliesslich Russland selbst, kämpft die freie Presse in den fünf zentralasiatischen Republiken, in der Ukraine, in Belarus oder Aserbaidschan auch heute noch um ihr Überleben und gegen offene und verdeckte Kontrollversuche. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lebensfähigkeit und somit die Unabhängigkeit dieser Presse aufgrund zu geringer Marktentwicklung, schlechter oder staatlich kontrollierter Produktion und unzulänglicher Vertriebsinfrastrukturen sowie einem bedenklichen Mangel an gut ausgebildeten Managern weiterhin äusserst problematisch.

Unterstützung für die Entwicklung der Presse 'äusserst' dürftig

Die Verfasser der Erklärung von Windhuk sahen durchaus, dass äusserst ungünstige wirtschaftliche Voraussetzungen der Presse ein ebenso grosses Hindernis für die Entwicklung einer freien Presse darstellen würden, wie das Fehlen demokratischer Strukturen und der Mangel jeglichen gesetzlichen Schutzes für die freien Medien.

Heute können wir zwar deutliche - wenn auch immer noch keineswegs zufriedenstellende - Fortschritte dank Windhuk und anderer ähnlicher Initiativen in den 'politischen' Voraussetzungen für Pressefreiheit in Afrika und anderswo fest- stellen, doch die bereits vor zehn Jahren ausdrücklich genannten wirtschaftlichen Probleme sind in vielen Ländern immer noch vorhanden.

Sowohl in den früheren Ostblockstaaten als auch in Afrika hat die internationale Gemeinschaft insgesamt versäumt, den Aufbau einer starken, unabhängigen Presse, die für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Fortschritt notwendig ist, durch entsprechende Hilfsmassnahmen zu unterstützen. Anstelle des von der Presse und ihren internationalen Organisationen, wie dem Weltverband der Zeitungen, vor zehn Jahren geforderten 'Marshall-Plans' hat es kaum mehr als geringe Zuwendungen für Projekte zur Entwicklung einer unabhängigen Presse gegeben.

Obwohl sich, dies sei wiederholt, die politischen Voraussetzungen für Pressefreiheit in vielen Ländern ganz wesentlich verbessert haben, hat sich in vielen Fällen ein Wandel zu subtileren Formen der Unterdrückung, Verfolgung und Behinderung gezeigt. Da für Regierungen, die sich um internationale Anerkennung und Zustimmung bemühen, die Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäusserung und anderer Menschenrechte zunehmend inakzeptabel wird, haben sie diese 'Arbeit' in die Hände von ihnen kontrollierter gefügiger Justizbehörden gelegt und so den bestehenden Verletzungen der Pressefreiheit einen 'legalen' Anstrich verliehen.

Gleichzeitig hat die Gewalt gegen Medienmitarbeiter, deren Publikationen und gegen Medienunternehmen in den letzten zehn Jahren dramatisch zugenommen. In den bürgerkriegsähnlichen Konflikten, die in vielen Fällen auf den Zusammenbruch totalitärer Staaten folgten, gerieten Journalisten häufig in die vorderste Linie (der Bürgerkrieg 1993 in Tadschikistan beispielsweise, der das Leben von über 50 Medienmitarbeitern forderte); zudem sind Reporter häufig Opfer religiöser Auseinandersetzungen geworden (in Algerien wurden in den schlimmsten Jahren fundamentalistisch geprägter Gewalt 57 Presseleute, Männer und Frauen, ermordet); mit der Zunahme investigativen Journalismus und Aufdeckungen von Machenschaften der Mafia, von Drogenhändlern oder anderen Kriminellen haben Polizei oder die Justizbehörden, in vielen Fällen mit Hilfe von Politikern, die Aufgabe 'übernommen' neugierige Reporter zum Schweigen zu bringen (über 200 sind seit 1990 in Demokratien Lateinamerikas getötet worden, davon 100 in Kolumbien, Guatemala und Mexiko).

Eine Region, die sich gegenüber positiven Veränderungen zu einer freien Presse und demokratischen Entwicklungen in den vergangenen zehn Jahren praktisch hermetisch abgeschottet hat, ist der Nahe Osten. Kein einziger der heutigen arabischen Führer ist durch wirklich freie und unabhängige Wahlen an die Macht gekommen. Als ob sie die Zeit aufhalten könnten, halten die grossen arabischen Mächte hartnäckig daran fest zu bestimmen, welche der Informationen, über die sie praktisch herrschen, für das Volk geeignet sind. Von Tunesien bis Irak, Syrien, Lybien und Saudi-Arabien kann freier Journalismus nur selten praktiziert werden und existiert dort faktisch gar nicht. Doch es besteht Hoffnung, und zwar insbesondere durch die Verbreitung von Informationen über Satellit. Die Satellitenfernsehstation Al Jazeera in Katar beispielsweise sendet mit den ausgestrahlten bemerkenswert offen und freien Debatten und Nachrichten über arabische Probleme wahre Schockwellen durch die arabische Welt.

Die Auswirkungen des Internets

In den Diskussionen in den 90er Jahren zu Fragen der Pressefreiheit wurden die Fortschritte und vor allem die Möglichkeiten mit Recht gepriesen, die sich durch den technischen Durchbruch in Form des Internets ergaben. In Ländern wie Burma, China, Kuba, Irak, Libyen, Nordkorea, Sudan, Syrien und Vietnam, in denen die Presse völlig mundtot gemacht worden ist, konnte über das Internet ein - wenn auch überprüfter und kontrollierter - Informationsfluss entstehen, und man kann nur hoffen, dass die Anbieter freier Informationen in der Überlistung der Sicherheitsbehörden immer besser werden.

Viele Vorkämpfer zahlen mittlerweile jedoch einen sehr hohen Preis für ihren Einsatz. In China beispielsweise, wo das Regime den Kampf gegen freie Informationen zu politischen und anderen heiklen Fragen in der Presse insgesamt gewonnen zu haben schien, bedeutet das Internet für die Unterdrückung von Dissidentenstimmen eine vollkommen neue Herausforderung. Die mutigen Menschen, die gehofft hatten, dass sich die chinesischen Behörden gegenüber dieser modernen Form der Kommunikation liberaler zeigen würden, oder dass sie der Aufmerksamkeit der allgegenwärtigen Sicherheitspolizei entkommen könnten, sind zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Die Notwendigkeit, den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben und ihre Internetinfrastruktur weiterzuentwickeln kann allerdings von kaum einer Regierung ignoriert werden. Journalisten in einigen autokratischen Staaten des Nahen Ostens und Südostasiens insbesondere, konnten die üblichen Kontrollen durch Plazierung verbotener Artikel im Internet umgehen.

Was können wir also im kommenden Jahrzehnt erwarten oder erhoffen? Die internationale 'Meinung' ist deutlich - vielleicht zum ersten Mal - gegen Regierungen gerichtet, die das Recht auf freie Information weiterhin missachten. Bisher ist diese Einstellung aber noch nicht wirklich umgesetzt worden, nämlich Veränderungen mit aller Entschiedenheit voranzutreiben, entweder durch Förderung einer freien Presse über ausländische Hilfsprogramme, oder durch den Ausschluss aggressiver Staaten aus dem 'Club' geachteter Staaten, mit denen man verkehren kann. In den nächsten zehn Jahren müssen Fortschritte an beiden Fronten erzielt werden. Viele demokratische Industrieländer, die weniger gut dastehende Länder entweder aus rein philanthropischen Gründen oder aufgrund wirtschaftlicher, politischer oder militärischer Eigeninteressen auf ihrem Weg zur Demokratie, oder bei der Durchsetzung der Menschenrechte und einer besseren wirtschaftlichen und sozialen Umwelt unterstützen, müssen ihren Hilfsmassnahmen eine neue Ausrichtung geben. Diese müssen für die Entwicklung freier und unabhängiger Medien als Voraussetzung für eine tragfähige Wirtschaft sowie für politischen und gesellschaftlichen Wandel auf einem bedeutend höheren Niveau angesiedelt sein.

Auch waren die Voraussetzungen nie so günstig wie heute, darauf zu bestehen, dass alle bedeutenden internationalen Veranstaltungen - die Olympiade beispielsweise - nur in Ländern stattfinden sollten, in denen die Menschenrechte, einschliesslich freier Meinungsäusserung und freier Information geachtet werden. Nur zweimal in der jüngeren Geschichte hat die grösste Sportveranstaltung der Menschheit in totalitären Staaten stattgefunden, 1936 in Berlin und 1980 in Moskau. Kann die internationale Gemeinschaft, wenn die besten Athleten und Athletinnen der Welt im Jahr 2008 und später nach olympischen Ehren streben, zulassen, dass nicht weit entfernt vom Ort ihrer Triumphe Frauen und Männer, deren einziges 'Verbrechen' darin besteht, das Grundrecht auf freie Meinungsäusserung und auf die Verbreitung freier Informationen unterstützt zu haben, in Gefängnissen und Arbeitslagern eingesperrt sind, ausgeschlossen von jeglicher Kommunikation?

Wir denken: nein.

 

An Verleger und Herausgeber 15. März 2001

 

Sehr geehrter Kollege,

der 3. Mai 2001 ist der zehnte Internationale Tag der Pressefreiheit.

Der Weltverband der Zeitungen wendet sich auch in diesem Jahr wieder an die Medien mit der Bitte, der Bedeutung dieses wichtigen Tages gerecht zu werden und die Gegner einer freien Presse daran zu erinnern, dass sie dafür auf internationaler Ebene zur Rechenschaft gezogen werden..

Anliegend dürfen wir Ihnen in diesem Zusammenhang eine Materialsammlung zur Veröffentlichung an diesem Tag zusenden. Das Material umfasst einen Überblick über die Entwicklung der Pressefreiheit in den letzten zehn Jahren, Ansichten zu diesem Thema von führenden politischen Persönlichkeiten aus aller Welt, Anzeigen und Grafiken mit Darstellungen von Angriffen auf die Pressefreiheit, Einzelheiten über letztes Jahr getötete Journalisten, Fallbeispiele von gegenwärtig in Gefängnissen festgehaltenen Journalisten und Infografiken über getötete und inhaftierte Journalisten.

Ich bitte Sie dringend um Ihre Beteiligung an dieser Kampagne durch Nutzung eines Teils oder des gesamten Materials für Ihre Veröffentlichungen am 3. Mai oder dem nächstgelegenen Tag, an dem Veröffentlichungen zu diesem Thema in Ihrer Zeitung vorgesehen sind. Sämtliche beigefügten Texte, Infografiken, Illustrationen und Anzeigen sind ab 15. März auf der WAN-Webesite unter www.wan-press.org erhältlich. Bei Angabe Ihrer entsprechenden Adresse können wir Ihnen dieses Material auch gern per E-Mail übermitteln. Ausserdem schlagen wir Zeitungen mit einer Website vor, einen Hyperlink zur Site zum 3. Mai unter unserer Internetadresse einzurichten. Bei technischen Fragen wenden Sie sich bitte an unseren Manager für Informationstechnologie, Paul Rojas-Carstensen, per E-Mail unter pcarsten(at)wan.asso.fr oder per Fax unter 33 1 47 42 49 48.

WAN versteht durchaus, dass Zeitungen eher zurückhaltend bei der Behandlung von Problemen ihres eigenen Berufsstandes sind. Wir hoffen aber, dass Sie am 3. Mai eine Ausnahme machen werden, insbesondere im Interesse Ihrer Leser. Denn die Ermordung oder Inhaftierung eines Journalisten und die Zensur einer Publikation stellen an erster Stelle eine Verletzung des Grundrechts des Bürger dar, Ihres Lesers, Informationen frei zu empfangen.

Abschliessend möchte ich den Organisationen, die uns bei der Vorbereitung dieser Materialsammlung unterstützt haben, meinen herzlichen Dank sagen: dem Komitee zum Schutz der Journalisten; Reporter ohne Grenzen, dem Internationalen Journalistenverband, dem Internationalen Presseinstitut, Agence France Presse, dem Interamerikanischen Presseverband, der spanischen Zeitung El Mundo, Reuters und der guatemaltekischen Zeitung Prensa Libre.

Gern würde ich von Ihnen hören, wie Sie und Ihre Publikation sich an der Kampagne zum 3. Mai beteiligt haben. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für die Übermittlung von Kopien von allem Material das Sie zum Internationalen Tage der Pressefreiheit veröffentlichen.

Mit freundlichem Gruss

 

Timothy Balding

Generaldirektor