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Zeitungspyramide in Leipzig Gemeinschaftsaktion von 174 Verlagen aus ganz Deutschland

Die "Woche der Zeitung 2000", eine Gemeinschaftsaktion der Zeitungen in Deutschland und ihrer Vertriebspartner vom 23. bis zum 30. September, steht ganz im Zeichen des 350-jährigen Geburtstags unseres Mediums. Damals verlegte der Leipziger Drucker Thimotheus Ritzsch mit den so genannten "Einkommenden Zeitungen" die weltweit erste Tageszeitung.

Das 350-jährige Jubiläum ist auch der Anlass, die "Woche der Zeitung" erstmals mit einer zentralen Gemeinschaftsaktion aller Zeitungsverlage zu begleiten: An der historischen Geburtsstätte der Tageszeitung in Leipzig entsteht in der letzten Septemberwoche die größte Zeitungspyramide der Welt. Mit dem Bau der Pyramide - im Ostflügel des Leipziger Hauptbahnhofs - soll die Beständigkeit des Mediums ebenso symbolisiert werden wie die einzigartige Vielfalt der deutschen Zeitungslandschaft.

Die Zeitungspyramide wird bei einer Grundfläche von zehn Quadratmetern eine Höhe von rund acht Metern erreichen. 174 Verlage mit über 400 Titeln sowie zahlreichen Lokalausgaben beteiligen sich an dieser Gemeinschaftsaktion. Das entspricht einer verkauften Auflage von weit über 15 Millionen Exemplaren. Insgesamt werden exakt 3.984 Zeitungspakete "verbaut". Wer das richtige Endgewicht der Pyramide schätzt, kann zudem traumhafte Preise gewinnen.

Die feierliche Eröffnung und "Grundsteinlegung" findet am 23. September durch verschiedene Prominente statt; die übrigen knapp 4.000 Zeitungspakete werden durch Zusteller, Verlagsmitarbeiter oder auch durch Leser der jeweiligen Zeitungen persönlich überbracht und in die Pyramide eingesetzt. Die umweltgerechte Entsorgung und Wiederverwertung ist dank der Unterstützung des Unternehmens HAINDL Papier sicher gestellt.

Der Bau der Zeitungspyramide wird während der gesamten Woche von einem attraktiven Veranstaltungsprogramm begleitet, das sich inhaltlich an den verschiedenen Ressorts der Zeitung orientiert und von der Event-Agentur Quasar Communications in Wiesbaden entwickelt und umgesetzt wird. So werden etwa am Kinder- und Jugendtag (24.9.) Zeitungsinhalte spielerisch vermittelt: Es gibt eine Zeitungsbastelstraße mit Druckgrafik, ein buntes Unterhaltungs- und Animationsprogramm mit Tanz und Entertainment sowie ein Spieltheater. Am Sporttag (25.9.) kann sich jeder in der 30 Meter hohen Osthalle des Leipziger Bahnhofs im Bungee Jumping üben oder an Tanz-Animationsprogrammen teilnehmen. Am Kulturtag (27.9.) findet eine große "Print à porter"-Show mit Zeitungsmodellen von Modeschulen aus ganz Deutschland statt, am Politiktag (29.9.) diskutiert eine illustre Runde von Politikern unter der Moderation von Reinhard Appel zum Thema "Zehn Jahre deutsche Einheit". Allabendlich werden namhafte Künstler aus den TOP 100 (zum Beispiel "Blümchen" am Kindertag) anwesend sein. Im Schein der Zeitungspyramide werden sie dazu beitragen, das Jubiläum der Tageszeitung gebührend zu feiern.

Alle, die nicht persönlich in Leipzig dabei sein können, können den Pyramidenbau und die übrigen Aktionen live im Internet verfolgen - einfach http://www.Woche-der-Zeitung.de anklicken und live dabei sein

ABC

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 - wie Der Abonnent, das (un)bekannte Wesen

Von Stefan German

Was wäre das Zeitungmachen doch für eine schöne Sache, wenn nicht der Leser, der Abonnent, da wäre ... Dieses gelegentlich in Journalistenkreisen zu hörende Aufstöhnen ist ebenso anmaßend wie jener brüske Aufruf eines AG-Vorstandes, wonach der Aktionär nicht nur aufmüpfig sei, sondern auch noch Geld verlange.

Zeitungs-Abonnenten erwarten natürlich keine jährliche Bar-Dividende von ihrem Verlag. Aber sie erwarten schon, und das zu Recht, dass ihnen ihre Zeitung - neben aktuellen und interessanten Nachrichten sowie Hintergrundgeschichten - auch Informationen und Tipps, ein Stück Service im Alltags-Dschungel, anbietet. Dienstleistung, die auch bares Geld wert sein kann.

Der Abonnent, dieser aus dem Französischen stammende Begriff aus dem 18. Jahrhundert, ist ein Mensch, "der auf etwas abonniert ist". Im Zeitungsgeschäft längst eine deutsche Spezialität. Der Abonnent ist jemand, der sich auf Zeit verpflichtet, der ebenso vertrauens- wie erwartungsvoll sein Abo monatlich im Voraus bezahlt.

So unbekannt er im allgemeinen dem Journalisten als Individuum ist, so machtvoll ist seine Existenz. Nicht allein wirtschaftlich. Er, der Abonnent, der Bezieher, der Leser, hat Einfluss auf Qualität, auf das Niveau einer Zeitung. Drei Beschwerden auf einen Artikel lösen in einer guten Redaktionsstruktur zwar kein Erdbeben aus, bewirken aber doch mehr als nur "gesteigerte Aufmerksamkeit".

Der Abonnent ist eine gewaltige Größe im Zeitungsgeschäft. Unser Leser ist ja nicht nur Konsument. Er ist - hoffentlich - auch Inserent. Seine Möglichkeit kann wirkungsstark sein als Informant, als Sekundant, als Spekulant. Leider auch als Querulant oder als Ignorant. Doch niemals ist er Dilettant.

Journalisten und Leser gehen eine Symbiose ein: Jeder lebt in seiner Welt, und doch profitieren alle gemeinsam von einander. Nicht von ungefähr spricht der Journalist von "unserem Leser", spricht der Leser von "meiner Zeitung".

Willkommen sei uns stets der Abonnent, dieses (un)bekannte Wesen.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1997

 

 - wie Blei

Zeilensalatmacher und Falschmünzer

Von Bernhard Stuhlfelner

Ach, man möchte es kaum noch glauben im Zeitalter von Cyberspace und Internet: Vor … ja wie vielen? … Jahren ließen sich Nachrichten doch tatsächlich noch in Blei gießen. Und mancher Schlaumeier goss sich gleich seine Fünf-Mark-Stücke dazu…

Blei wurde zur Zeitungsherstellung gebraucht wie heutzutage Computer: Textzeilen aus Blei, Druckplatten aus Blei… Tonnenweise lagerte Blei in den Kellern der Zeitungshäuser. Blei in den Setzsälen und Druckereien. Sogar die Luft schien bleihaltig.

Und irgendwo in einem deutschen Zeitungshaus gab es da ein ganz besonderes Gespann um das Blei herum: den schrulligen, ewig grantelnden Textmetteur, dem keiner was vormachte, und den jungen, ehrgeizigen Redakteur, der alles besser wusste.

So unterschiedliche Naturelle passten nicht gut zusammen, wenn es um ein Kunstwerk wie den Seitenumbruch aus Bleisatz ging. Und wenn ein übereifriger Jungredakteur eigenhändig in die Bleisatzseite griff, war der größte anzunehmende Unfall schnell passiert - der Zeilensalat. Der Sport-Aufmacher, ein Trümmer-, oder besser: Zeilenhaufen. Ein aus gut 100 Bleizeilen zusammengesetztes Textstück unversehrt von einem Seitenschiff in ein anderes zu wuchten, dazu brauchte es Hände, die wie Schraubstöcke zupackten… Woher sollte die ein schmalbrüstiger Jungredakteur haben?

Diesem Vorwitzigen blieb zur Rettung seines Lebens nur die schnelle Flucht. Sich in die kraftraubende Handarbeit des Bleisatzmetteurs einzumischen, hat er nie mehr gewagt…

Übrigens: Die Sache mit den Fünf-Mark-Stücken aus Blei ist kein Witz. Eines Tages tauchte Polizei im Betrieb auf. Da hatte tatsächlich einer falsch zu münzen versucht. Seine Blei-Fünfer hörten sich aber recht blechern an…

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1998

 

 - wie Computer

Erika und Gabriele

Von Christoph Dieckmann

Am 2. September 1991 begann ich meine Arbeit als Ost-Redakteur der "Zeit". Am 3. September 1991 überkam mich der Auftrag, die bulgarischen Wahlen zu kommentieren. Ich entkofferte meine Schreibmaschine "Erika", ein Qualitätsprodukt aus dem VEB Optima Erfurt, und intonierte jenes Ein-Finger-Stakkato, das schon damals im Hamburger Pressehaus als akustische Antiquität empfunden wurde. Wenigstens die Faustkeil-Fraktion zollte Anerkennung. Kollege Schueler (Jahrgang 1930) trat in meine Tür. Oh, sprach er bewundernd, Sie schreiben ja Maschine! Es folgte Kollege Grill (Jahrgang 1954): Oh, du schreibst ja noch mit der Hand!

Ja, ich schreibe mit der Hand, und dann mit der Maschine. Aber nicht noch, sondern wieder. Ich hatte ja mal einen Computer. Nach vier Monaten mussten wir uns trennen. Meine Texte wurden immer flacher. Ich fabrizierte Lego-Prosa. Ich rangierte Satz-Bausteine über den Schirm. Ich korrigierte nur, was der schnelle Blick als mangelhaft empfand. Ich schrieb unweigerlich eilend. Ich suchte die Schreibzeit zu überspringen wie eine Belästigung. Aber Schreiben ist Überschreiben, nochmals und nochmals den gesamten Text, bis, was ehedem bloß richtig war, zu atmen beginnt. Computer sind für technische Zeichner, nicht für Aquarellisten.

Nun hat nicht jeder Journalist die "Zeit", sich als Entschleuniger der Welt zu betätigen. Ich will aus meiner Computer-Allergie auch gar keine Ideologie machen. Die Kurzversion meiner "Erika"-Verteidigung lautet deshalb: Ich muss doch hören, was ich schreibe. Unlängst brach "Erika" sich das B. Heilung war unmöglich; fossile Hinterlassenschaften des SED-Unrechtsregimes werden nicht mehr repariert. Zunächst versuchte ich, B-los weiterzuschreiben, was aber meiner Prosa das Bulgarische nahm. So unterwarf ich mich letztlich doch dem technologischen Wahnsinn und gönnte mir zum Jahr 2000 das Nonplusultra des Fortschritts: die West-Schreibmaschine "Gabriele Triumph".

Ganz ungünstig waren in meiner Computerzeit auch die Tip-Ex-Flecken am Bildschirm.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1992

 

 - wie Meine Chefredakteure

Von Jutta Voigt

Mein erster, ein hochgewachsener Offizier von baltischem Adel, erlaubte mir, gut zu schreiben, obwohl er linientreu war. Er kannte nur eine Autorität: Else, seine Frau; auf sie folgte, mit Abstand, die Partei. Der Offizier trank seinen Kaffee mit dicker süßer Sahne, unabgewaschene Tassen schmiss er heimlich in den Mülleimer. Mein zweiter, ein umtriebiger Pykniker, forderte panisch "mehr Herzblut". Wenn in einem Text das Wort Sozialismus nicht sechsmal vorkam, zog sich der Pykniker enttäuscht in seinen Peugeot zurück und hörte Frank Sinatra. Leidenschaftlich gern knipste er die Lichtschalter in den Büros seiner Mitarbeiter aus, um Strom zu sparen. Mein Dritter, der kleine Doktor mit der schwachen Lunge, hatte im Kollektiv promoviert und gab den Chef als Kasper. Er ertränkte seine Zweifel am real existierenden Sozialismus in Pfefferminzlikör und sang nach Feierabend schweinische Lieder. Einmal verlief er sich betrunken in der Grenz-U-Bahn-Station Thälmannplatz und wäre fast im Westen gelandet. Als die neue Zeit kam, starb er; viele weinten um ihn.

Nummer vier, langhaarig noch von 68 her, kannte alle. Von Montaigne bis Bourdieu, von Simmel bis Grass, von Theo Sommer bis Schulte-Hillen. Er kochte zu Hause Spargel für die Ressortleiter und erzählte von seiner 16-jährigen Mutter. Der große Aufklärer erklärte mir den Westen und verstand ihn am Ende selber nicht mehr. Der "Pionier im neuen Deutschland" scheiterte am alten. Scheiß die Wand an, schrie er, wenn er nicht Hegel zitierte. Nummer fünf dann, ein lang aufgeschossener Trainee mit riesigen schwarzen Schuhen, erlernte an mir das Chef-Sein. Für sein Foto als Leitartikler bestellte er sich einen Visagisten, der machte ihn schön wie Hollywood. Sein Ziel war ein "Überraschungsblatt". Als es noch Hoffnung auf Überraschungen gab, ließ er zu Weihnachten Schultheiss-Bier und Mini-Pizza kommen. Als alle Hoffnung hin war, wurde der Jüngling befördert. Zum Abschied gabs Pasteten.

Nummer sechs, der Jähzornige in den hellen Hosen, stellte sich selbstlos als Vorbild zur Verfügung: "Das hätte ich nicht besser schreiben können", war sein höchstes Lob. Großzügig gab er seinen vor längerer Zeit gehaltenen Vortrag über das deutsche Gymnasiumswesen zum Abdruck auf zwei Doppelseiten frei. Für die Fron als Chefredakteur versagte er sich den geliebten Whisky. Er konnte nichts mehr retten, die Zeitung ging unter.

Trägerin des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Datenschutz

Von Wolfgang Schreiber

Darf's noch ein bisschen Datenschutz mehr sein? Aber immer doch, es muss. Jedenfalls dann, wenn kritische Journalisten als Anwälte von Verbrauchern, Bürgern oder Patienten recherchieren. Da wird jeder Missbrauch gnadenlos ins Licht der Schlagzeilen gezogen - und wenn sich nur ein Apotheker das Geburtsdatum vom Rezept gemerkt hat, um Herrn Schmidt demnächst einen Glückwunsch zu schicken. Vor den Gefahren des gläsernen Menschen kann schließlich nicht deutlich genug gewarnt werden.

Doch wehe, wenn sich der Datenschutz dem kritischen Journalisten selbst in den Weg stellt. Wenn die Recherche hängt, weil ein Amtsleiter - "Sie wissen doch, der Datenschutz!" - genüsslich die Auskunft verweigert. Oder der Jahresbericht der Umweltbehörde über die schwärzesten Schafe des Landkreises mal wieder keine Firmennamen nennt.

Spätestens dann merkt der Redakteur, dass der Datenschutz wirklich nicht für Journalisten gemacht worden ist. Und da soll künftig auch noch jeder Leser kommen können und vom Datenschutzbeauftragten des Verlags Auskunft über "sein" Material verlangen - bei dem Papierberg auf dem Schreibtisch!

Überhaupt: Wo bleibt das Recht auf Datenschutz für Redakteure? Zum Beispiel vor dem täglichen Leitungsausfall zur Zentralredaktion? Vor System-Administratoren, die eigentlich "nur mal eben eine neue Programm-Version aufspielen" wollten? Und vor dem Programmierer-Satz: "Da kann eigentlich nichts passieren"?

In solchen Momenten verflucht auch der kritische Journalist alle Grundprinzipien des Datenschutzes: Man kann seine Daten gar nicht genug speichern!

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1991

 

 - wie E-Mail und so weiter

Von Thomas Kielinger

Vor der technologischen Revolution zurückzuweichen und sich mit Denkermiene und Dampfschreibmaschine für außergewöhnlich auszugeben: Das passt in die Trotz-Schablone der Kreativität. Aber eben nur die Schablone. Gewiss, die fortgeschrittenen Jahre des Lebens könnten dazu verführen, um Erlass zu bitten von der Auflage, mitzulernen. Jahrgang 1940 muss nicht mehr Computer und Internet beherrschen, kann statt dessen saure Gurken pflanzen in seinem Herrgottswinkel. Eine Horrorvision. Wird Lernen nicht immer aufregender? Für eine Generation, die noch das "tintenklecksende Säkulum" mitbekommen hat? "This is an inkpot", lautete der erste Satz der ersten Englisch-Stunde, 1953 in der Quarta. Und da sollte man vor E-Mail und dergleichen streiken?

Der Computer hat das Schreiben und seine Produktion wahrhaft umgekrempelt. Schon weiß ich nicht mehr, wie das Leben war ohne ihn. Ein heilloser Umformulierer meiner eigenen Sätze, halte ich den Schirm geradezu für meinen fünfzehnten Nothelfer. Das mühsame Feilen macht wieder Spaß. Der Gang ins Internet - via Archiv einer Zeitung oder Explorer - verschafft sofortige Befriedigung der Neugier- vorausgesetzt, man hat das eigene Handarchiv nicht gänzlich vernachlässigt. Und dass die Artikel auf Knopfdruck binnen Minuten entweder in der heimischen Combox oder im E-Mail-Fach des Redakteurs landen, maßgeschneidert für den Umbruch - E.T.A. Hoffmann hätte ganz neue Dimensionen für seine fantastischen Geschichten entdeckt. Ich halte es für ein großes Geschenk, mich in diesem Kapitel der technischen Entwicklung beruflich noch voll austoben und bereichern zu können.

E-Mail kostete Mühe nur in einer Hinsicht: Die mir als "Anhang" zugeschickten Texte gingen entweder in meiner Software wie im Weltall verloren oder das System des Absenders war mit meinem nicht kompatibel und produzierte den entsprechenden Chiffren-Salat.

Das rückte erst mein Sohn gerade, der sich freute, nach London einfliegen zu können zur Nachschulung des Vaters und zur Neueinstellung von dessen Computer. Die Römer wussten es bereits: Das Kind ist älter als der Vater, und beim Thema Moderne geht die Vätergeneration bei den Nachwachsenden in die Schule. Inzwischen finde ich alles, was ich früher PC-verloren gab, und könnte heute sogar mitspielen bei einer Neuausgabe von Erich Kästners berühmtesten Jugendbuch, mit leicht abgewandeltem Titel: "E-Mail und die Detektive." Schöne, neue Welt, frei von Huxleys Schrecken.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1984

 

 - wie Farbdruck

Von Hans Schiemann

Willy Brandt hatte den Knopf fürs Buntfernsehen gedrückt, endlich sollte auch unsere Regionalzeitung Farbe bekennen. Der Verleger hieß Paulus, ein gutes Omen für die Christianisierung der Schwarzweiß-Heiden im Verbreitungsgebiet. Unterm 4C, dem Kreuzzeichen des Kolorits, stieß er das Tor auf zur neuen visuellen Dimension. Von einem Tag zum anderen würde das geistige Auge Unterstützung bekommen. Die perfekte Mixtur von Cyanblau, Magentarot, Gelb und Schwarz würde selbst das Brustbild zum farbigen Sprechakt erheben, leuchtender, lebendiger, lustiger wäre unsere Welt fortan und die Akzeptanz gewaltig. Predigte Paulus.

War irgend jemand nicht bekehrt? Wir stürmten aus der Redaktion, am Schulterriemen eine schwere Linhof-Kamera. "Vergesst die farbige Schreibe nicht!" hallte es vom Chefredakteur her. Draußen in der Marsch war nicht viel los: grüne Weiden, grüne Deiche, rote Häuser, weiße Häuser, unter graumüdem Himmel hingetupft das schwarzbunte Milchvieh. Aus welcher Tube hatte dieser Nolde bloß seine leuchtenden Blumen gequetscht?

Mutig lernten wir das Sehen neu, wogen jeden Augen-Blick auf seine lichtbildnerische Verwendbarkeit, zogen mit junger Professionalität die Parameter der Farbgebung in Betracht und ließen der Gier auf alles Bunte freien Lauf. Wir schickten die Bauernkaten achtern Diek und den Stadtpark im Frühling in Druck, die gestreiften Marktstandschirme und den Ewer "Hermann" im Hafen. Doch das wurde selbst uns zu seicht und wenig wichtig, und bald nahmen wir das farbige Blech von Unfallkontrahenten ins Visier und das Blut auf schwarzem Asphalt.

Aber das reduktionsgewohnte Auge des bäuerlichen Lesers fühlte sich überfordert von der Anpinselei im Heimatblatt, es kamen Leserbriefe: "Wat toveel is, is toveel!" Na gut, sagte der Verleger, es müsse eben alles sein Maß haben und seine Harmonie, die Aussage des Fotos solle künftig im Konsens mit den Ansprüchen des Betrachters stehen, und: Was du schwarz auf weiß besitzt...

Dennoch, der Siegeszug des Farbdrucks war nicht aufzuhalten. Heute nun ist alles, alles bunt und marktschreierisch - das Fernsehen, die Zeitung, das Internet. Ebenso unausweichlich kam das Revival des Schwarzweißen, weil es nun wieder edel und elegant und authentischer erscheint. Den Run auf 4C hält das nicht auf; eine 1/1 Seite zum Beispiel im "Spiegel" kostet mehr als 100.000 Mark. Dafür könnte man glatt fünfzig swattbunte Kühe kaufen!

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1988

 

 - wie Gute Sprache

von Helmut Herles

Gute Sprache in unserem Beruf ist nicht nur die der "Edelfedern", sie ist die des journalistischen Alltags - hoffentlich. Gute Sprache ist erst recht nicht so glitzernd und falsch, wie sie der Journalist Karl Kraus kritisiert hatte: Keinen Gedanken haben, aber ihn ausdrücken können, mache den Journalisten. Auf einer Glatze eine Locke drehen den Feuilletonisten.

Jungen und älteren Journalistinnen und Journalisten ist deshalb zu empfehlen, manchen geschriebenen und ungeschriebenen "Gesetzen" unseres Berufes zu misstrauen und sich selbst andere Regeln zu geben, die beispielsweise von "guten Nachrichten" viel und sich an die Selbstregelung des Presserates halten.

Ich hatte deshalb einmal in meiner Zeit als Chefredakteur des Bonner "General-Anzeigers" unserem Volontariat, aber damit auch mir selbst geraten:

 

Glauben wir nicht dem Aberglauben, dass nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten seien oder dem "Mann-beißt-Hund-Prinzip", nur das Verrückte und Grelle werde von den Leserinnen und Lesern gewollt, mit entsprechenden sprachlichen Folgen. Die Sensation des Guten ist genauso spannend, oft noch spannender als ein Skandal oder eine Katastrophe. Sie ist nur schwerer zu recherchieren.

Suchen wir immer nach "Beispielgeschichten" von Menschen und ihren Vereinen, welche die Welt zusammenhalten helfen. Vergessen wir dabei nicht, deren Adressen, Telefon- oder Internetanschlüsse anzugeben, falls sie es erlauben. Solche Informationen gehören heute und morgen selbstverständlich zur guten Handwerkssprache unseres Berufes.

Gerade im www.-Zeitalter mehr Genauigkeit bei Zahlen, Daten, Fakten. Stets die Antwort auf die alten www-Fragen geben: wer, wann, wo, wie und warum. Diese www's werden zu oft vergessen.

Service und Nützlichkeit. Wir muten unseren Lesern oft zu, selbst nach Stichworten zu suchen. Also mehr Erklärungen und kleine Lexika. Auch das hat sprachliche Auswirkungen. Verstecken wir uns nicht hinter dem Satz, wenn wir selbst etwas nicht verstehen können oder wollen: Das verstehen unsere Leser ja ohnehin nicht.

Übersetzen wir möglichst viel oder alles in unser geliebtes Deutsch. Lassen wir uns nicht von allen Moden anstecken, früher der französischen, heute der angelsächsischen. Manche schreiben ein Englisch, das kein Engländer versteht. Das Modische von heute ist das Altmodische von morgen. Übersetzen wir alle am Schirm entstandenen Texte noch einmal ins Papier. Der Blick allein auf den Schirm ist eine Fehlerquelle. Wir sehen dort "Bilder", Bundespräsident und Bundestagspräsident sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Rechtschreibung ist nicht nur Sache der leider von vielen Verlagen vergessenen Korrektoren oder der früheren Oberlehrer.

Schreiben wir weiter, auch wenn nach gründlicher Arbeit zu erfahren ist, dass auch andere Journalisten schon "unsere" Geschichte kennen. Für viele Leser kann sie dennoch neu sein. Kurt Tucholsky sagte dazu tröstend: "Kein Neuschnee".

Bleiben wir lebenslang neugierig. Im Sinne von Friedrich Schiller, ein philosophischer Kopf und kein Brotgelehrter. Diese Typen gibt es gerade auch oft unter Journalisten:

Der Brotgelehrte hat einmal etwas erfahren und hält stur daran fest.

Der philosophische Kopf stellt ein Leben lang Fragen.

Das alles spiegelt sich in unserer Sprache wider.

Zum richtigen Handwerkszeug zählt auch unser Verhalten gegenüber der Prominenz: Wir müssen mit ihnen in der Nähe sprechen, sollten aber zumindest innerlich immer wieder den nötigen Abstand herstellen, im Sinn von Alfred Rapp, dem ersten "FAZ"-Korrespondenten in Bonn nach dem Zweiten Weltkrieg: "Wir sind dabei, aber gehören nicht dazu." Das ergibt Unbefangenheit, wie sie auch ein Richter immer wieder einüben muss. Oder Naivität im Sinne Goethes - das Staunen nie verlernen.

Die selbstgegebenen Regeln des Kodex des Deutschen Presserats beachten. Sie helfen, eine wirklichkeitsgetreue und damit gute Sprache zu schreiben, zu sprechen und zu senden. Ihr Kern:

Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschwürde

Gründliche und faire Recherche

Klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen

Achtung von Persönlichkeitsrechten, Privatleben und Intimsphäre

Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt und Brutalität.

Das sollte immer wieder zur Sprache gebracht werden, durchaus im Sinn einer journalistischen Selbstkritik. Diese "Selbstverständnis-Debatte" brauchen wir, wenn wir ein Leben lang "gut" schreiben wollen.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1981

 

 - wie Heimatzeitung oder

Der "Sinis"-Effekt

Von Andreas Dörr

Alltag in der Lokalredaktion der Heimatzeitung. Spätnachmittag, heiße Phase für die Redakteure. Die Seiten müssen fertig werden. 16.52 Uhr: "Gemeinderats-Sitzung vierspaltig, mit halbspaltigem Bild vom OB. Wer schreibt das?" Driiinnng, driiinnng "Kollege M. will das machen. Und kommentieren." Driiinnng, driiinng "Alles klar. Dann sollten wir ihm einen Platz reservieren auf der eins. Neben der Polizeimeldung." Driiinnng, driiinnng "Und geh' mal einer an das verdammte Telefon!" "Kann nicht, Termin beim Stadtplanungsamt." Driiinnng, driiinnng "Alles muss man hier selber machen, herrje! Lokalredaktion, Grüß Gott. Was kann ich für Sie tun?" 16.54 Uhr: "I mecht mi beschwära." "So, so, Sie möchten sich beschweren. Worüber denn, Frau wie-war-doch-gleich-Ihr-Name?" "Schäufele. Ibr mein Artikel, den Se et brengat." "Welchen Artikel bringen wir denn nicht?" "Den Artikel ibr onsern Ausflug auf d'Alb." "Wer hat den Ausflug denn gemacht? Und wann?" "Onser Verei. Vor acht Wocha." "Wann haben Sie uns den Artikel geschickt?" "Vor oiner Woch, ond s'war no nix em Blättle." "Moment, ich seh mal nach, ob der Bericht im Stehsatz ist." "Em was?" 16.56 Uhr: "Wer hat den Stehsatz?" "Der K., glaub' ich. Der hat die Planung." "He, K., hast Du einen Artikel über einen Vereinsausflug im Stehsatz?" "Nö." 16.58 Uhr: "Hören Sie? Im Stehsatz ist der Bericht nicht. Wann, sagten Sie, haben Sie ihn uns geschickt?" "Vor oiner Woch'. Neun Seita, handgschriba, mit Bild." "Vielleicht war er schon in der Zeitung und Sie haben ihn übersehen, weil wir ihn ein wenig kürzen mussten." "Noi, noi, der war no et em Blättle." "Sind Sie sicher, dass er noch nicht im Blatt war?" "Ha noi, sicher bin i et." "Aha, sicher sind Sie sich also nicht. Dann sehe ich mal kurz nach, ob ich ihn doch noch finde. Kleinen Moment bitte."17.00 Uhr: "Um was geht's denn?" "Ach, da ruft jemand an wegen eines Vereinsberichts. Ich schau mal die Zeitungen von dieser Woche durch. Irgendwo muss der Artikel ja sein." 17.12 Uhr: "Hallo, sind Sie noch dran? Ich habe Ihren Bericht tatsächlich nicht gefunden. Tut mir Leid. Und in der heutigen Ausgabe ist er auch nicht?" "Noi, ganz sicher et." Tipp vom Volontär: "Kram doch mal in der Kiste mit den >abgelehnten< Manuskripten." "Ja, das wäre noch eine Möglichkeit. Hallo, hören Sie? Ich schau noch mal nach. Kleinen Moment bitte." 17.15 Uhr: "Tut mir Leid, ich finde Ihren Artikel nicht. Vielleicht könnten Sie ihn uns noch mal schicken?" Frage des Ressortleiters: "Welchen Artikel suchen Sie denn, Kollege?" "Einen Bericht über einen Vereinsausflug. Mit Bild." "Der ist heute im Blatt. Auf Seite 7." 17.17 Uhr: "Frau Schäufele, der Artikel ist heute im Blatt." "Wie? Em Blatt? I find nix." "Doch, auf Seite 7." "Ha no! Grad sinis (Hoppla, gerade sehe ich es). So ebbes aber au. Also, na ade." "Auf Wiederhören, Frau Schäufele." 17.18 Uhr: K., der die Planung hat, wird langsam sauer: "Könntest Du gnädigerweise mal den Aufmacher für die Seite drei rüberschieben, anstatt hier pausenlos Privatgespräche am Telefon zu führen?"

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Impressum

Von Joachim Sobotta

Für manchen Kenner und manche Kennerin ist das Impressum - zu deutsch der Pflichteindruck - einer Zeitung oder Zeitschrift das Interessanteste. Ist ihm oder ihr das "Druckwerk" schon bekannt, wie der Gesetzgeber etwas hölzern Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Flugblätter nennt, dann will er oder will sie sich womöglich nur vergewissern, ob dieser oder jener Kollege noch im Impressum zu finden ist oder, wenn nicht, wer ihm nachfolgte. Das Impressum gibt Auskunft über die Verantwortlichen für die Herausgabe, den Druck und vor allem den Inhalt des Gedruckten. Es ist die Visitenkarte der Anbieter am Markt: Seht her, wir stehen dafür ein, was in dieser Zeitung oder in diesem Druckwerk steht - oder auch nicht.

Die bundeseinheitlich im Großen und Ganzen gleichen Landespressegesetze erließen hier "Muss-Vorschriften". Es ist meist der §§ 8 eines Landespressegesetzes, in dem es heißt: "Auf jedem Druckwerk ... müssen Name oder Firma und Anschrift des Druckers und Verlegers ... genannt werden. Auf periodischen Druckwerken sind ferner der Name und die Anschrift des verantwortlichen Redakteurs anzugeben. Sind mehrere Redakteure verantwortlich, so muss das Impressum die in Satz 1 geforderten Angaben für jeden von ihnen enthalten."

Diese Muss-Vorschrift der Landespressegesetze aus der Nachkriegszeit nimmt auf, was bereits im alten Reichspressegesetz stand. Schon in vordemokratischer Zeit galt die Regel: Raus aus der Anonymität, jeder soll sich zu dem Veröffentlichten bekennen, damit die Betroffenen, die sich zu dem Publizierten äußern wollen, womöglich gar rechtlich Schritte unternehmen möchten, sich an jemanden halten können. Aus jener Zeit des 19. Jahrhunderts, zum Beispiel der Metternich`schen Restaurationszeit, stammt auch der nicht schmeichelhafte Titel des "Sitzredakteurs", eines Mannes, der vielleicht einsitzen musste.

Heute hat das Impressum vor allem praktische Bedeutung im Zusammenhang mit dem Gegendarstellungsrecht des jeweiligen § 11 der Landespressegesetze. Wenn es also gelegentlich auch ein Risiko bedeuten mag, namentlich im Impressum aufgeführt zu werden, so möchten doch alle Redakteure da hinein. Denn da lesen sie, zumindest beim ersten Erscheinen, ihren Namen noch lieber als über dem klügsten Artikel und der besten Reportage.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1989

 

 - wie Journalist

Von Herbert Riehl-Heyse

Journalist = Zeitungsschmierer, seltener auch Fernsehfritze. Allgemein zugänglicher, gesellschaftlich noch nicht völlig akzeptierter Beruf. Insbesondere Politiker, Professoren, und Protestanten (nicht alle) sind der festen Überzeugung, dass sie im Zweifel die besseren J. wären, hatten sie nur genug Zeit für Nebensächlichkeiten aller Art. Journalisten rächen sich damit, dass sie ihrerseits den genannten und andren Personengruppen ununterbrochen Nachhilfeunterricht in deren Sachgebieten erteilen. Die fruchtbare Spannung, die aus diesem Verhältnis entsteht, nennt man Kommunikation. Ohne sie wäre gesellschaftliches Leben nicht denkbar.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1977

 

 - wie Klischee

Von Robert Leicht

Das Klischee - dieser eher abwertende Begriff bezeichnete im Zeitungswesen noch vor wenigen Jahren durchaus auch etwas Hochstehendes. Nämlich das für die Zwecke des Hochdruckverfahrens in eine Metallplatte umgesetzte Foto - aufgelöst, je nach Rasterfeinheit, in viele, mehr oder weniger hochstehende (und dicht stehende) Punkte. Das Klischee war also sozusagen außerordentlich bildkräftig. Diese Technik der Stereotypie ist längst durch die Modernisierung überholt. Was übriggeblieben ist vom Begriff Klischee bezeichnet rein sprachlich eher etwas Niedrigstehendes. Und bildkräftig ist das bloß verbale Klischee auch nicht, sondern eher platt und oberflächlich, ohne jene gedankliche Tiefenschärfe, die rein optisch ein gutes Bild auszeichnen kann. Dies alles verhindert freilich nicht, dass in vielen Texten manche Klischees vorkommen - aufgrund auch jenes "Hochdruckverfahrens" beim Schreiben, das zum Nachdenken offenbar nicht ausreichend Zeit lässt. Sofern die Neigung zum Nachdenken überhaupt vorhanden ist.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1981

 

 - wie Der Leitartikel

Von Wolfgang Mauersberg

Ein Journalist ist kein Neutrum, das "objektiv" über die Weltläufe berichtet und sich von nichts berühren lässt. So jemanden gibt es nicht. Journalisten bemühen sich, wahrhaftig über die Wirklichkeit zu berichten, und sie haben eine eigene Meinung dazu. Informationen und Meinungen machen die demokratische Auseinandersetzung über die öffentlichen Angelegenheiten aus.

Zeitungen beziehen Stellung, und sie stellen sich damit dem Urteil ihrer Leser. Der Leitartikel ist die Visitenkarte der Zeitung. Auch wenn jeder Autor seine eigene Sicht der Dinge schreibt, spiegelt die Summe der Kommentare zugleich den Charakter und den Geist einer Redaktion.

Entgegen landläufigen Vorurteilen dienen Leitartikel nicht dazu, Leser zu indoktrinieren. Wer das versucht, wird scheitern. Hunderttausende von Lesern lassen sich nicht von einer Hand voll Journalisten vorschreiben, was sie denken sollen. Leitartikel bieten Lesern vielmehr die Möglichkeit, ihr eigenes Urteil an Hand der vorgetragenen Argumente zu überprüfen.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1993

 

 - wie Marketing

Verteidigung des kritischen Bewusstseins

Von Kurt Oesterle

Bestechung findet kaum mehr statt. Was einem Journalisten heute zusetzt, ist die schleichende Korrumpierung. Sie geht unmerklich vor sich, hofiert beim Sektempfang, lullt bei Canapées ein. Wer nicht aufpasst, kann am Ende Graf Dracula und Mutter Theresa nicht mehr unterscheiden. Dieser postmodernen Form der Vereinnahmung bedienen sich Wirtschaft, Politik und Kultur gleichermaßen. Sie gehört zu ihrem universellen Marketing und geht davon aus, dass wir alle die gleichen Interessen hätten.

Neulich in einem Autohaus. Eine Pressekonferenz ist angesetzt. Das Autohaus weiß, wenn man zur Pressekonferenz lädt, dann muss die Presse auch kommen. Aber die sträubt sich, weil ausschließlich von Inhaberwechsel und Erweiterung des Hauses - also puren Eigeninteressen - die Rede ist.

In solchen Fällen hilft "social sponsoring" weiter, eine der beliebtesten Marketingstrategien heutzutage. Wenn das Autohaus einer humanitären Einrichtung einen Kleinbus schenkt, dann ist der Journalist in diese Strategie eingebunden. Denn diesmal ist es in der Tat ein Pressetermin, öffentliche Belange sind berührt. Nun kann man sich nicht mehr entziehen, sondern muss den edlen Spender nennen - und somit für ihn Werbung treiben.

Zweites Beispiel: Eine jüngst zu Ministerehren gekommene Politikerin kündigt in ihrer Heimatstadt ihre erste Pressekonferenz an. Die Ministerin hat aber kaum etwas zu sagen, was öffentlich von Bedeutung wäre. (Sie wollte sich offenbar nur einmal im Vollgenuss ihrer neugewonnenen Machtfülle zeigen.) Einige in der Runde duzt sie, die anderen werden ge-ihrzt. Wenn sie doch einmal etwas zu sagen hat, fügt sie hinzu: "Aber gelt, das dürft ihr nicht schreiben!" Zorn flammt auf im Journalistenherzen: "Was glaubt die denn? Dass ich ihr Privatsekretär bin? Und rede, wann sie will, oder schweige, wann sie will?"

Beide Beispiele zeigen: Unterscheidung und Trennschärfe - früher einmal durch den Begriff "Kritik" zusammengefasst - sind heute unerwünscht. Dem Journalisten wird suggeriert, er ziehe am selben Strick wie die Wirtschaftsbosse oder die Regierung. Widersetzt er sich, bedeutet man ihm, dass er eine gute Sache oder ein berechtigtes Allgemeinanliegen gefährde. Kein Tröpfchen Kritik darf ins Innere des hohlraumversiegelten Zeitgeists eindringen, der uns alle gleich erscheinen lässt. Diese Art von Gleichheit hinzukriegen, heißt Marketing.

Und die Kultur? Diese größte Duz-Gemeinschaft unserer Gesellschaft, dieses Bussi-Kartell erwartet vom Journalisten mit ganz besonderer Inbrunst, dass er bei der Förderung des Guten, Wahren, Schönen mitzieht und sich des Einspruchs enthält. Kommt es anders, dann kann nicht sein, was nicht sein darf; nach dem Motto: Kritik, gibt es das überhaupt? Als der Presse kürzlich in einer schönen deutschen Uni-Stadt ein neuer Poetikdozent vorgestellt wurde, wagte ein Reporter kritisch zu fragen. Sogleich knurrte der Dozent zurück: "Idiot!" Totenstille. Ein Eklat? Nein, nein. Ungerührt neigte sich der Impresario der Dozentur, ein Komparatistik-Professor, zum Reporter hin und sagte: "Ach, das war doch nur brüderlich gemeint."

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1997

 

 - wie Neuerungen

Von Franziska Augstein

Neuerungen sind die zeitungsinternen Gegenstücke zur Nachricht. Alle Neuerungen betreffen die innere Organisation - Arbeit und Bequemlichkeit - in der Redaktion. Neuerungen, die redaktionsfremde Dinge betreffen, sind Nachrichten. Während die Redaktion Nachrichten interessiert aufnimmt, werden Neuerungen abgelehnt. Als die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein neues Computersystem erhielt und ein Vorposten des Feuilletons damit vertraut gemacht wurde, kehrten die Scouts nach einer Woche der Unterweisung zurück und berichteten, umgehen könnten sie mit den neuen Geräten nicht, aber "Problembewusstsein" habe man immerhin gewonnen. Nachdem das neue System eingeführt war, sagte ein Redakteur, er werde es niemals bedienen können. Das, sagte ein anderer, sei nicht weiter schlimm, den Umgang mit dem alten Computersystem habe der Kollege schließlich auch nie gelernt. Der Widerstand gegen Neuerungen wird mit hohem argumentativem Aufwand betrieben.

Trägerin des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Orthografie

Von Peter Intelmann

K., Doktor K., um exakt zu sein. K. wie korrekt. K. wie aKKurat. K. wie kanz kenau.

Manchmal stehen Wörter in der Zeitung, die sehen anders aus als die im Duden. Dann atmet Herr K. schwer durch. Es geht die rechte Augenbraue hoch, die linke, und dann muss es Herr K. wieder tun. Es ist nicht leicht für ihn, und vermutlich will er es auch gar nicht, aber er hat ja keine Wahl. Diese Unzulänglichkeiten und Halbheiten, diese Fehler, schwarz auf weiß, gedruckt immerhin, gedruckt!, das lässt ihm keine Chance. Er muss sein Etui aufklappen, den Federhalter herausnehmen und mit der Tinte, so blau, einen Brief schreiben.

Einmal blieb die Post aus. Da hatte eigentlich "Scheinwerfer" in der Zeitung stehen sollen, es war aber ein "W" hineingerutscht, und zwar so, dass der Tierschutzverein einen Grund zum Nachhaken gehabt hätte. Da blieb Herr K. stumm.

Vielleicht hat er es nicht gelesen. Oder er hatte keine Tinte mehr. Oder er hat gelacht.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1996

 

 - wie Plagiat

Von Evelyn Roll

Im modernen Journalismus geht das ja immer noch so: Wenn einer, ohne die Quelle zu nennen, von einem anderen etwas abschreibt, einen Satz vielleicht, ein hübsches Bild, einen Gedanken oder eine ganze Argumentationskette, dann ist das böse und ein Plagiat. Den Abschreiber nennen wir einen Plagiator. Und der, von dem abgeschrieben wurde, ist beleidigt. Wenn er einen guten Presserechtler als Anwalt hat, klagt er gegen den Plagiator und bekommt wegen Diebstahl von geistigem Eigentum ein hübsches Sümmchen. Das Wort Plagiat stammt aus dem Lateinischen, plagium bedeutet "Menschenraub, Seelenverkauf". Viel Seele verkauft wird heutzutage in den Redaktionen aus Eile, aus Dummheit, aus Mangel an eigener Erkenntnis oder eigener Recherche von unseren zahlreichen wieder einmal leider nur ins Archiv entsandten Reportern.

Wenn nun aber im modernen Journalismus nicht einer, sondern ganz viele von einem etwas abschreiben, einen Satz, ein hübsches Bild, einen Gedanken oder eine ganze Argumentationskette, dann ist das etwas anderes, auch wenn die Quelle nicht genannt wird. Dann ist das plötzlich nicht mehr ein Plagiat und böse, sondern sehr gut und ein Trend oder eine Mode. Der, von dem abgeschrieben wurde, ist stolz und nimmt sich auch keinen Anwalt, weil er jetzt ja kein Bestohlener, sondern ein Trendsetter und Meinungsführer ist, dessen geistiges Eigentum nur verbreitet wurde.

Trägerin des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Quelle

Von Karin Großmann

Herkunftsort für journalistische Information. Quellenforscher unterscheiden die sprudelnde, plätschernde, murmelnde und die notdürftig tröpfelnde Q.

Die sprudelnde Q., im Verbreitungsgebiet häufig anzutreffen, liefert Informationen ungefragt und unerbeten in jeder beliebigen Menge zu Themen, die keinen Menschen interessieren. Großräumiges Umgehen empfohlen.

Die plätschernde Q., ausgeprägtes Vorkommen unter Pressesprechern und anderen öffentlichkeitsverantwortlichen Menschen, liefert bereitwillig Informationen; sie bestehen aus vielen Wörtern, aber wenig Inhalt. Trockenes Wasser sozusagen.

Die murmelnde Q., verbreitet unter Geheimnisträgern aller Parteien, gibt Informationen bloß unter Zwang frei und auch dann nur vertraulich, off the records, das ist jetzt aber nicht zur Verbreitung bestimmt. Sondern zum Verdursten.

Die tröpfelnde Q., typisch für Vorstandsetagen und andere Oberbüros, dient gern mit einer Tasse Kaffee oder einem Glas Sekt; eine wirklich brauchbare Information lässt sich fast nie auffangen.

Noch weitgehend unerforscht ist die versiegende Q., sie gehört zu einer der obigen Kategorien und versiegt immer gerade dann, wenn mit Intensität gefährlich nachgebohrt wird.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1998

 

 - wie Recherche

Von Annette Ramelsberger

Sie ist mühselig, schweißtreibend, enervierend, kompliziert und - das Schlimmste - sie macht einem die schönsten Geschichten kaputt. Die Rede ist von der Recherche, der wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Aufgabe der Journalisten. Sie unterscheidet Journalismus vom Märchenerzählen, Berichterstattung von Belletristik. Sie soll das einfangen, was wirklich ist: Was Menschen sagen, was sie erleben, wie Entscheidungen zustande kommen. Und was viele gerne vor dem Blick der Öffentlichkeit verbergen wollen.

Dafür wälzen Journalisten Akten, dringen zu Gesprächspartnern durch und hängen sich tagelang ans Telefon. Sie reden, überprüfen und checken Informationen gegen. Und oft merken sie erst ganz am Ende: Eine These lässt sich nicht halten, eine Geschichte ist "tot recherchiert". Journalistenpech, wenn wunderbare Ideen in der Realität platzen wie Seifenblasen. Und Journalistenglück, wenn Hinweise sich durch Recherche erhärten, aus vagen Andeutungen harte Fakten werden.

Die Rechercheure behelligen ihre Leser nicht mit ihren Gefühlen, ihrer Meinung und ihren Gedanken - sie liefern Information und setzen auf die Urteilskraft der Leser. Sie recherchieren nicht nur in ihren eigenen Hirnwindungen und geben ihre Weltsicht wieder - sie versuchen sich im Steinbruch der Wirklichkeit. So wie Egon Erwin Kisch, der den berühmten Satz sagte: "Nichts ist erregender als die Wahrheit." Dafür lohnt sich Recherche.

Trägerin des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1998

 

 - wie Stehsatz

Von Ullrich Fichtner

Und wenn die Zeitung am Abend endlich gemacht ist, jeder Zweispalter umbrochen, die Bilder im Blatt, alle Löcher gestopft, sagt plötzlich einer, ein junger Kollege: "Und was ist damit?", und er zeigt auf den Stapel längst redigierter Texte, druckreifer Aufmacher, Artikel, fix und fertig Und die Antwort heißt knapp: Stehsatz. Kann der Bericht sein vom Feuerwehrfest oder die Analyse der Wasserprobleme auf dem Golan. Werke jedenfalls in der Warteschleife der Wörter, liegen gebliebene Lieder, ungehobene Schätze, und, je größer die Zeitung, desto mehr: Überschuss im Überfluss. Heikel der Umgang mit ihm. Wie lange kann die Reportage aus Kasachstan warten? Muss der Frühjahrsball der Gartenfreunde vor zwei Wochen nicht doch endlich ins Blatt? "Mindestens haltbar bis", das kann man von Quark und Joghurt sagen, aber von Bericht und Glosse nicht. Ist ihr Verfallsdatum erreicht, sagt der abgebrühte Blattmacher, sie begännen zu "stinken". Dann kommt der Stehsatz - bestenfalls - als Sonderangebot sofort ins Blatt. Oder er versinkt, schlimmstenfalls, im großen Wörtersee, auf dessen brackigem Grund viele Artikel liegen und Geschichten davon erzählen, wie sie fast einmal gedruckt worden wären. Stehsatz: Autors größte Angst, Redakteurs heimliche Reserve. Undenkbar der Zeitungsalltag ohne ihn.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Telefon

Von Roderich Reifenrath

Was wäre ein Journalist ohne Papier, ohne Laptop, ohne Bleistift, ohne Kugelschreiber, ohne ... Telefon? Ein Nichts, vergleichbar einem Zimmermann ohne Hammer, einem Schuster ohne Leisten, einem Frisör ohne Schere. Betont werden soll mit diesen Vergleichen, dass auch der Journalismus sein Handwerkszeug besitzt. Nun gab es natürlich diesen Beruf bereits, bevor im 19. Jahrhundert jenes handliche Gerät erfunden wurde, mit dem man dann irgendwann über alle Kontinente hinweg den Informationsfluss auf Trab bringen konnte. Und die Männer und Frauen in den Medien (aber beileibe nicht nur dort) können sich auch heute trotz neuer Kommunikations-Techniken das Telefon aus ihrem Berufsleben nicht wegdenken. Mit dem Handy gibt es gar für Verlage, Funk- und Fernsehanstalten so etwas wie eine Renaissance altbewährter Produktions-Hilfsmittel. Sie sind, man muss es zu ihrer Ehrenrettung aussprechen, eben nicht nur für den modernen Frontalangriff auf menschliche Nerven geeignet.

Aber jede Medaille hat - man möchte sagen logischerweise - zwei Seiten. Es ist doch keineswegs so, wie gerne behauptet wird, dass typischerweise die Journalisten zur Penetranz neigen, indem sie Funktionäre der Gesellschaft und sonstige Personen der Zeitgeschichte Tag und Nacht mit ihren Anrufen "belästigen", weil es ihr Job ist, irgendetwas wissen zu wollen. Leider nicht selten etwas Unangenehmes. Umgekehrt gibt's auch was zu erzählen. Redakteure und Redakteurinnen können über Telefonpartner Auskunft geben, die sie nicht gerade in guter Erinnerung behalten haben. Solche Kundschaft schleicht sich häufig unter Vorspielung falscher Tatsachen und unpräzisen Namensangaben in die Redaktionsräume ein, um in wüstesten Beschimpfungen Dampf abzulassen. Da werden nicht nur Nachrichten kritisiert oder Meinungen konterkariert. Da verlangen manchmal Leser oder Leserinnen von der Zeitung den Maulkorb für Journalisten. Auch Hierarchen (und nicht nur Helmut Kohl) suchen gerne den direkten Weg, greifen zum Hörer und versprechen sich interessanterweise besondere Erfolge, wenn sie beim Redaktionsboss persönlich gegen Kollegen und Kolleginnen zu Felde ziehen können, deren Texte sie als unbotmäßig, unfreundlich, verletzend, beleidigend empfinden.

Wen die Lust treibt zu intervenieren, wer seine Empfindungen schnell loswerden möchte, zieht das Telefon dem Brief meist vor. Diese Methode der Artikulation ist direkter, erfolgsorientierter, erlaubt eine flexible Argumentation. Und da das Gesagte verhallt, bleibt es - wenn nicht gerade ein Tonband mitläuft - juristisch weitgehend irrelevant. Soll heißen: Das Telefon ist in seinen Vorzügen kaum zu schlagen. Das gilt selbst dann, wenn man die Hintergründe des Anrufs negativ werten darf. Das Instrument funktioniert in der Regel nicht schwarz auf weiß, was verständlicherweise auch nachteilig sein kann, und erlaubt über größte Distanzen eine herrlich lebendige Urform der menschlichen Begegnung: das direkte Gespräch. Etwas Besseres lässt sich über das Telefon kaum sagen.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2000

 

 - wie Unabhängigkeit

Von Andreas König

"Unabhängig, überparteilich" stand früher im Kopf meiner Zeitung. Man musste das nach der Wende so drucken, sonst hätten es die Leser vielleicht nicht geglaubt. Manchmal wäre es gut, die beiden Worte stünden noch im Zeitungskopf, man hätte etwas zum Zeigen. Obwohl es nichts ändern würde. Ich könnte es den Amtsträgern unter die Nase halten, die einen Bericht dann als "gut geschrieben" bezeichnen, wenn er sie in ein möglichst gutes Licht setzt. Danach sind sie regelrecht süchtig. Und wenn sie kein Lob bekommen, sondern Kritik? Für die Würdenträger ist die Zeitung dann ein "Wurstblatt". Ich glaube, die Leser lieben sie, gerade an solchen Tagen. Leider werden sie immer seltener. Die Tage und die Leser. Ob das etwas miteinander zu tun hat?

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1997

 

 - wie Volontariat

Von Joachim Käppner

Ich hatte seit Wochen jede Politikseite in der Zeitung gelesen. Hatte Handbücher studiert und den Ratgeber für Bewerbungsgespräche (der mir den Rat gab, ebenso gut angezogen wie gut vorbereitet zu sein), mir zu Themen, über die ich noch nie eine Meinung gehabt hatte, eine solche gebildet. Und doch erfüllte mich an jenem Morgen leises Grauen, als ich eine alte Hamburger Villa betrat, Sitz einer damals noch namhaften kleinen Wochenzeitung. Denn der Tag des Vorstellungsgesprächs für mein Volontariat war gekommen, der Tag, an dem ich den Chefredakteur von mir überzeugen musste.

Den Ressortleiter Politik kannte ich bereits. Er sollte mich zu Herrn Dr. G. bringen, dem Chefredakteur. Doch er zögerte unmerklich. Da ist noch etwas, sagte er. Mir schauderte. Der Herr Dr. G., sagte er, nun, er ist ein wenig eigen. Am besten ist, Sie lassen ihn einfach reden. Dann brachte er mich eine Etage tiefer, in einen Saal mit fast mannshohem Chefsessel. Darin saß Dr. G. und wartete auf mich.

Mein Herz schlug. So, meinte Dr. G. und lotste mich in eine hässliche Ledersitzgruppe, aus Bonn kommen Sie? Ja, aus Bonn, hub ich wahrheitsgemäß an, als mir Dr. G schon ins Wort fiel. Ja, ja Bonn, sprach er mit dem sanften Tonfall eines Mannes, der an eine lang verschollene Geliebte zurückdenkt. Dabei blickte er über mich hinweg, wobei er weitausholende Gesten mit seinen Armen machte. An Bonn denke ich gern zurück ... Ich sagte nicht mehr viel. Dr. G. umsomehr. Die Bonner Jahre, der Journalismus heute, der Journalismus an sich, die Bonner Politik.

Später unterbrach sich Dr. G. und sah mich fest an. Ich glaube, Sie passen gut zu uns, meinte er. Ich stelle Sie jetzt Herrn Schmidt-B. vor, unserem Geschäftsführer. Er zögerte einen Moment. Da ist etwas, was Sie wissen müssen. Herr Schmidt-B. ist manchmal etwas merkwürdig. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn er schroff wird. Bevor er hier war, arbeitete er bei einer Schnapsfirma.

Nach diesen Worten brachte er mich in einen Raum mit Erker und einer noch ausladenderen Sitzgruppe. Ein schwerer Mann trat ein und stellte sich direkt vor mich hin. So, der Herr Käppner, dröhnte er, Historiker, was? Kennen sie Professor St.? Das ist mein Großonkel, brachte ich wahrheitsgemäß vor (und wollte noch hinzufügen, dass ich den entfernten Verwandten, seinerzeit Wortführer einer sehr konservativen Historikergruppe, nur einmal überhaupt gesehen ...) Doch es waren so gut wie die einzigen Worte, zu denen ich kam. Wunderbar, wunderbar, rief Schmidt-B. strahlend. Der Onkel! Und geriet ins Reden. Die Sätze flossen aus ihm wie das Bier beim Fassanstich auf dem Nockherberg. Er sprach über Deutschlands Mittellage, dieses ewige historische Drama. Über Bismarck. Über linke Geschichtsverdrehungen... Abrupt sah er auf die Uhr. Schönes Gespräch, Herr Käppner, sagte er. Ich muss los, Sie wissen ja, Termine. Er erhob sich und sagte im Gehen: Willkommen im Haus.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1998

 

 - wie Wochenzeitung

Von Eckart Klaus Roloff

Mit ihr fing alles an. Die Kollegen von der Tagespresse mögen zwar ihr Medium für das einzig Wahre und das erste periodische innerhalb der Welt des Gedruckten halten, doch eine kurze Recherche würde sie zur Gegendarstellung in eigener Sache zwingen: Die Wochenzeitungen sind einige Jahrzehnte älter - sie kamen bald nach 1600 zur Welt mit der "Relation" aus Straßburg und dem "Aviso" aus Wolfenbüttel. Bis zur weltweit ersten Tagespostille des guten Thimotheus Ritzsch aus Leipzig dauerte es, wie uns dieses Jubiläumsjahr mit einer Sonderbriefmarke in Erinnerung rief, noch bis 1650.

Die meisten Journalisten, die bei einer Wochenzeitung arbeiten, halten deren Rhythmus für genial: Er bewahrt vor Hektik und Oberflächlichkeit, vor allzu schnellen Urteilen und Festschreibungen, ohne Gefahr zu laufen, Journalistisches mit Akademischem zu verwechseln. Es bleibt mehr Zeit zum Einordnen, Nachdenken, Recherchieren (und zum Verwerfen), zum Komponieren der Seiten und der Ressorts, zur Abstimmung mit Kollegen, zum durchdachten Layout.

Das rettet vor dem Irrglauben, das Neueste sei stets das Wichtigste. Sicher, die Welt lebt von Tag zu Tag, die tägliche Zeitung ist für uns alle unverzichtbar, aber an ihrer Seite macht sich die etwas ältere, reifere Schwester sehr gut. Sie breitet ihre Stoffe ganz anders aus, sie vertieft und bereichert und bietet sich Woche für Woche tapfer den Lesern an, die eigentlich schon alles wissen - einschließlich der Erkenntnis, dass genau das nicht ganz stimmen kann. Wie gut, dass Jahr für Jahr eine Woche lang die Zeitung besonders gewürdigt und gefeiert wird!

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1993

 

 - oder der journalistische Kunstfehler

Von Thomas Löffelholz

Da ist X. Es ist irgendein Unbekannter, Ungenannter; vielleicht einer, der einfach nicht genannt sein will. Zur Zeitung freilich gehört er genauso wie der Bundeskanzler. X fällt nur nicht auf. Er heißt nicht Schröder, er heißt noch nicht einmal X. Er heißt - beispielsweise - Martin Müller (der Name wurde von der Redaktion geändert) oder - sicher ist sicher - Martin M. (der Name .... ). Manche heißen auch einfach "ein Berliner" oder "ein Schlosser". Da wird es freilich schon heikel. Wird von Üblem berichtet - von einem Raubüberfall beispielsweise, könnten sich die Berliner oder die Schlosser angegriffen fühlen. Sie sind ja nicht so. "Herr X" - wäre unverfänglich. Doch einen Menschen aus Fleisch und Blut - auch wenn er gerade in die Kasse gegriffen hat - X zu nennen, klingt menschenverachtend - ein journalistischer Kunstfehler. Also nennen wir den ertappten Maier - den wir wegen der "informationellen Selbstbestimmung" nicht Maier nennen dürfen - mitmenschlich Müller. Alle Müllers mögen uns vergeben.

So sehr Journalisten verpflichtet sind, alles genau zu sagen, für Namen gilt oft das Gegenteil. Es gibt Leute, die kommen nicht gern in die Zeitung, auch wenn andere ganz versessen darauf sind, hineinzukommen. Manchmal sind es die gleichen. Wie jener Mutlanger Anti-Raketen-Blockierer, der auf dem Marktplatz in Stuttgart Flugblätter verteilte, die jedermann einluden, zu dem Prozess zu kommen, der gegen ihn geführt wurde. Als aber die Zeitung darüber berichtete und den Namen des wackeren Mannes nannte, beschwerte er sich beim Presserat; und bekam Recht. Man hätte ihn X nennen sollen, obwohl er doch selbst auf dem Marktplatz Lärm schlug und sich mit vollem Namen wichtig machte. X ist ein Kauz.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1971/1997

 

 - wie Yeti

Oder: Von der Sehnsucht, das Unmögliche für möglich zu halten

Von Peter-Matthias Gaede

Es gibt Mythen, die sind einfach zu schön (und zu harmlos), als dass man sie mit den Waffen der Vernunft zerstören sollte. Auch der moderne Zeitungsmensch, der Exotik des Alltags zugewandt, der Wahrheit (nur welcher?) verpflichtet, tut also gut daran, manche Märchen Märchen sein zu lassen.

Nehmen wir den Yeti! Schottlands Seen: spiegelglatt, seit Jahren eine einzige Enttäuschung, nicht einmal mehr eine Zeitungsente schlägt dort Wellen - und weit und breit kein Ungeheuer. Der Yeti aber ward erst kürzlich wieder von einem unerschrockenen Bergsteiger erblickt; schemenhaft, wie es sich für eine ordentliche Legende gehört. Und besser noch: Der Himalaya ist zu weit, um einen Untersuchungsausschuss dorthin zu beordern.

Also darf der Yeti weiter leben; wie schön! Ein Fabelwesen, unabsteigbarer noch als der VfL Bochum; in keinen Big-Brother-Container zu zwingen; von keiner Gauck-Behörde zu durchleuchten; von keinem Genom-Projektler zu klonen. Der Mensch, auch der Medienmensch, Täter wie Leser, lebt nicht vom Brot der Tagesnachrichten allein. Er braucht die Illusion, es könnte noch etwas geben, das jenseits unserer Gesetze und Börsenkurse existiert, etwas Wildes, Geheimnisvolles, für das es so wenige Worte gibt wie im Lexikon hinter Y.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1981

 

 - wie Zusteller

Von Hermann Beckfeld

1974. Was für Zeiten. Deutschland wurde Weltmeister, ich Zusteller. Und mit mir Ulrike, meine erste große Liebe. Sie fuhr meinen alten blauen Opel Kadett C, gekauft für 300 Mark, ich verteilte die Zeitungen, die immer griffbereit auf dem Beifahrersitz lagen. Mein größter Liebesbeweis: Manchmal ließ ich Ulrike schlafen und stopfte im Alleingang mehr als 400 Ausgaben in die Briefkästen. Das letzte Exemplar tauschte ich beim Bäcker gegen zwei Brötchen ein, die ich meiner Freundin vor die Haustür legte.

Erinnerungen. Schöne Erinnerungen. Prägende Eindrücke. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich: Nichts wären sie wert, unsere Reportagen und Kommentare, das tollste Layout und die eindrucksvollsten Fotos, die Fußballergebnisse, die wir in letzter Sekunde ins Blatt heben, und die Exklusivgeschichte, die auch die Konkurrenz gern hätte - wenn unsere Zusteller nicht 300 Nächte pro Jahr im Einsatz wären. Boten, die sich bei Eis und Schnee rutschfeste Socken unter die Schuhe binden und schwer beladene Räder und Karren durch dunkle Straßen ziehen. Die abends auf Feten verzichten, weil morgens um drei der Wecker klingelt; die an Sammelstellen stundenlang warten, weil Pannen die Druckerei rotieren lassen.

1974. Natürlich werde ich nie vergessen, wer für uns im Olympiastadion die Tore schoss. Aber ebenso gut erinnere ich mich, wie schwer es mir jede Nacht fiel, mich aus dem Bett zu quälen.

Träger des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1995

Zeitungen in Zahlen und Daten 2000

Von Anja Pasquay

 

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1. Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 356 Tageszeitungen mit 1.577 lokalen Ausgaben in einer Gesamtauflage von 24 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 24 Wochenzeitungen mit zwei Millionen Exemplaren und acht Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 4,5 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 300 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 40 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf.

2. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Gut 15 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Weitere 1,2 Millionen Exemplare werden pro Tag am Kiosk oder im Laden verkauft. Die überregionalen Zeitungen verkaufen gut 1,1 Millionen Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 366.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen dagegen wird der Umsatz mit 5,5 Millionen Exemplaren täglich am Kiosk gemacht, immerhin 117.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.

3. Vier Fünftel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (78 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Das sind etwa 50 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (68,5 Prozent) sogar leicht vor den Lesern (67,7 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (25,4 Prozent beziehungsweise 6,8 Prozent) als von Frauen (17 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent) genutzt.

4. Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern, nämlich zwischen 82 und 86 Prozent. Auch von den über 70-jährigen greifen gut 84 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39-jährigen sind es knapp 75 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau. Von den 20- bis 29-jährigen werden 65,8 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19-jährigen sind es immerhin 55,1 Prozent.

5. Die Netto-Werbeeinnahmen der Tages- und Wochenzeitungen lagen 1999 bei 12,5 Milliarden Mark. In weitem Abstand folgten das Fernsehen (8,4 Milliarden), Werbung per Post (6,5 Milliarden), Publikumszeitschriften (3,9 Milliarden) und Anzeigenblätter (3,4 Milliarden). Damit sind die Tageszeitungen unangefochten der Werbeträger Nummer Eins. Ihr Anteil am Werbemarkt allerdings geht seit Jahren zurück. 1999 betrug er knapp 28 Prozent, 1989 hatte er noch 34 Prozent betragen. Das Fernsehen machte im selben Zeitraum einen Sprung von zehn Prozent auf fast 20 Prozent Marktanteil.

6. Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 85 Prozent lesen sie "im allgemeinen immer". Auf den nächsten Plätzen in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (68 Prozent) und dem Ausland (53 Prozent) sowie die Anzeigen (49 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Leitartikel, Tatsachenberichte aus dem Alltag, und Sportnachrichten. Nur ein Drittel widmet sich dagegen regelmäßig der Kultur (34 Prozent), 29 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft, und gerade einmal acht Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.

7. Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach dem Lokalteil und der Politik nehmen Anzeigen in der Lesergunst den dritten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 53 Prozent der Befragten auf Werbung im privaten Fernsehen gut verzichten könnten, legen 82 Prozent der Leser Wert auf Information durch Anzeigen in der Tageszeitung. Dabei profitieren die Anzeigen gewiss auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils in den Tageszeitungen.

8. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen genießen bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. Einer forsa-Umfrage zufolge hielten 41 Prozent der Befragten die Tageszeitung für das glaubwürdigste Medium. Dagegen erzielte das Öffentlich-rechtliche Fernsehen nur einen Wert von 31 Prozent, weit abgeschlagen folgten der öffentlich-rechtliche Hörfunk (11 Prozent) und das private Fernsehen (7 Prozent). Die Schlusslichter bildeten der private Hörfunk (2 Prozent) und Internet und Online-Dienste (1 Prozent). Immerhin 6 Prozent der Befragten wollten sich für keines der genannten Medien als das glaubwürdigste entscheiden.

9. In der Europäischen Union erscheinen täglich 1.133 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von gut 81 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 356 Tageszeitungen (davon 136 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.577 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 135 Zeitungen. Es folgen: Großbritannien (106), Schweden (98), Italien (88), Frankreich (81), Dänemark (34), Niederlande (35) und Griechenland (29). Portugal (28), Österreich (17), Irland (6) und Luxemburg (5) bilden die Schlusslichter.

10. Bei rund 380 Millionen West-Europäern kommen im Durchschnitt auf 1.000 Einwohner 228 Zeitungsexemplare.Diese vergleichsweise geringe Zeitungsdichte ist vor allem auf die eher unterentwickelte Lesekultur bei den südlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zurückzuführen. So kommen in Portugal lediglich 73 Exemplare auf 1.000 Einwohner, in Italien sind es 103 Zeitungsexemplare; die höchsten Auflagen per 1.000 Einwohner weisen Norwegen (583), Finnland (452) und Schweden (420) auf. Im guten Mittelfeld liegen die Schweiz (376), Deutschland (300) und die Niederlande (286).

11. Nach Auflage stellen die deutschen Tageszeitungen mit knapp 24 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa,gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 18,9 Millionen Zeitungen täglich. Sogenannte "Mittelmärkte" sind bei den Tageszeitungen Frankreich (8,8 Millionen Exemplare), Italien (6 Millionen) und die Niederlande (4,5 Millionen). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um "Kleinmärkte" mit Zeitungsauflagen von 124.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,6 Millionen Exemplaren in Belgien. Weltweit stellen die Japaner den größten Zeitungsmarkt mit 72,2 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz zwei belegen die USA mit knapp 56 Millionen Exemplaren. Deutschland steht - nach China und Indien - an fünfter Position.

12.In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden der Gemeinschaft. In Deutschland greifen 78 Prozent der über 14-Jährigen regelmäßig zur Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Finnen (91 Prozent), Schweden (88 Prozent), Schweizern (84 Prozent) und Norwegern (81 Prozent). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahre gibt es dagegen in Spanien (35 Prozent), Italien (40 Prozent) und Griechenland (19 Prozent).

13. In Deutschland besteht eine erhebliche Nachfrage nach internationaler Tagespresse. Etwa 125 fremdsprachige Titel werden täglich angeboten. Besonders groß ist der Markt für türkische Tageszeitungen, allein "Hürriyet" hat eine von hier aus vertriebene Auflage von mehr als 63.000 Exemplaren. Den Löwenanteil machen jedoch englischsprachige Titel aus den USA und dem Vereinigten Königreich aus.

14.Wer seine Tageszeitung nicht abonnieren möchte, kann sie auch an einer der fast 110.000 Verkaufsstellen des Einzelhandels in Deutschland erwerben. Das bedeutet eine "Händlerdichte" von 1,34 Einzelhändlern pro 1.000 Einwohner. An rund 5.000 Absatzstellen wird zusätzlich internationale Tagespresse angeboten; dabei setzen Bahnhöfe und Flughäfen mit ihren rund 500 Verkaufsstellen weit über die Hälfte der internationalen Presse ab.

 

Bei Fragen:

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