Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

1.Platz Kategorie "Text" Jahrgangsstufe 8 - 10

Stefanie Fleck

Martina Rettinger

Martin Singer

Weiden

 

DER NEUE TAG

Ein Tag im Leben des Schülers

Martin Maier anno 2020  

08.30

  •  Uhr Das blöde satellitengesteuerte Radio weckt mich mit "melodischer" Stimme: "Es ist 8.30 Uhr, Zeit zum Aufstehen" Gleichzeitig werden die Rollos automatisch in die Höhe gefahren. Ich höre das Knacken der Temperatureinstellung in der Dusche und in der Küche klickt es an der Kaffeemaschine. Noch gähnend mache ich die Tür zur Dusche auf und im gleichen Augenblick startet das Duschprogramm. Ich hasse den Teil mit der kalten Überraschung, aber mein Vater hat ein Passwort eingegeben und ich kann das Programm nicht ändern. Der Tag fängt ja gut an!

 

09.00 Uhr

  • Frühstück: Hamburger, Chicken, Kaffee, dazu mein Lieblingssender mit Musik. Mein Computer meldet sich mit dem ersten Teil des Tagesprogramms: Schule bis 12 Uhr, Mathematik, Biologie, Englisch, Mittagspause.

 

09.30 Uhr

  • Mathe am Computer: Eine Aufgabe nach der anderen erscheint am Bildschirm, ich rechne und gebe über die Tastatur meine Ergebnisse in das Programm ein, 7,2 % besser als gestern, na toll! Wie ich den Kasten verabscheue!

 

10.00 Uhr

  • Biologie Probearbeit. Jetzt erscheint auch mein Lehrer am Bildschirm. Was hat der eigentlich bis jetzt gemacht? Geschlafen? Was hilft mir seine freundliche Begrüßung, wenn ich weiß, dass meine Web-Cam jetzt online ist, Blickwinkel 180 Grad, nicht einmal mit dem Handy oder dem Laptop hinten auf meinem Schreibtisch kann ich was tricksen und natürlich weiß man nie, wem er gerade zuschaut. Erst neulich bei der Arbeit in Physik hat er gesagt "Martin, lass deine Hände da, wo ich sie sehen kann!" Und natürlich bat mein Vater einen Mitschnitt von dieser Aufzeichnung am Elternabend gesehen. Scheiß Schule: BIG BROTHER IS WATCHING YOU.

 

11.00 Uhr

  • Englisch. Die kleine Pause hat meine Laune nicht grade verbessert. Aber wenigstens gibt es jetzt eine Konferenzschaltung und ich kann meine Mitschüler sehen und hören. Außerdem brauche ich Englisch: Schließlich will ich mal in die Computerbranche. Heute ist sogar mal etwas action angesagt: Eine Live-Schaltung zu unserer Partnerschule in Neuseeland. Jimmy, mein Freund dort, hat mir eine Überraschung versprochen. Tatsächlich erscheint er zum Unterricht in einer Originaltracht der Maoris. Ich lach mich halb tot. Beinahe hätte ich vergessen, mir ein Bildschirm-Snapshot zu machen. Ob mein Lehrer die Hausaufgabe nachts um halb drei korrigiert, wenn ich sie ihm übers Internet senden lasse??
     

12.00 Uhr

  • Mittagessen: Mama hat alles in der Mikrowelle bereitgestellt; bevor sie wegfuhr. Ich muss nur einschalten. Das Geschirr kommt in die Spülmaschine.
     

12.45 Uhr

  • Heute kann ich mal endlich wieder aus dem Haus. Ich treffe mich mit Johnny, Tommy und Mike zum Squash. Ich habe eins von diesen neuen Elektromobilen für mich angefordert, die für so kleine Stadtfahrten ideal sind. Man steigt irgendwo ein, tippt auf dem Display mit dem Stadtplan das Ziel ein - Programmierung nennen das unsere Stadtväter!! - und dort stellt man es ab.Kein Problem mit Abgas, Benzin, Steuern. Mein Vater bezahlt eine Pauschale im Monat - ich weiß nicht wie viel Euro.Jede Menge los im Sport-Center. Ein Spiel habe ich sogar gewonnen zusammen mit Mike. Milly ist auch dort mit ihrer Freundin und ich verabrede mich mit ihr um 20.00 Uhr im neuen Fühl-Kino.
     

14.00 Uhr

  • Papa ist für seine Firma mit dem Jet nach Amerika. Endlich haben sie es ja geschafft, dass man kein Benzin oder Kerosin oder wie das Zeug heißt für den Flug braucht. Irgendwas mit Wasserstoff Ich muss doch in Physik besser aufpassen! Hoffentlich schaffe ich das zeitlich mit dem Besuch beim Opa bevor ich Milly treffe. Aber er ist schon 105 Jahre alt und Mama hat gesagt, ich soll mich öfter mal bei ihm sehen lassen. Auch wenn die Medizin so große Fortschritte gemacht hat, das absolute Verjüngungsgen haben sie noch nicht gefunden. Sein Testament hat Opa schon gemacht: Er will tiefgefroren und nicht mit einer Rakete ins All geschossen werden. "Da fliegt schon genug Müll herum!" hat er gesagt, "da brauchen sie mich nicht auch noch!" Bewundernswerten Humor hat der alte Knabe.
     

16.00 Uhr

  • Ich muss noch einkaufen, hat Mama gesagt. Aber zum Glück sind die Zeiten vorbei, wo man sich durch Regalreihen und Menschenmengen schieben, Päckchen und Flaschen in den Einkaufswagen packen und auch noch mit echtem Geld bezahlen musste, vom Hin- und Herfahren, Stau und sonstigem Stress ganz zu schweigen. Das kostet mich heute ein paar einfache Mausclicks und die bestellte Ware kommt mit dem Servicemann direkt an die Haustür, sogar die Zeit kann man vorprogrammieren, wann geliefert werden soll.
     

17.00 Uhr

  • Endlich Feierabend. Im Digivision hol ich mir den Film, den ich schon längst sehen will. Das ist doch eine ganz andere Sache mit der neuen "Leinwand" im Wohnzimmer, nicht so ein popeliger 20-Zoll-Bildschirm, sondern 2 x 3 Meter Bildfläche. Muss eine schöne Stange Geld gekostet haben, [aber mein Vater verdient ja genug und die neue Golden Credit Card hat er auch.
     

17.31 Uhr

  • Der Servicemann meldet sich am Monitor und stört mich mitten im Film. Mit der Fernbedienung öffne ich ihm die Haustüre, dass er die Ware abstellen kann, nachdem er sich mit seiner Firmencard identifiziert hat. "Ich komme heute zum letzten Mal", informiert er mich, "die Firma stellt auf Automatiklieferung um!" Ich will gar nicht wissen, wie das funktionieren soll, erst mal den Film fertig anschauen.
     

18.45 Uhr

  • Abendessen. Natürlich wieder allein. Mama schickt mir eine Nachricht auf dem Handy, dass sie wohl irgendwann kommt und sich umzieht. Sie "muss" unbedingt zu irgendeiner wichtigen "Vernissage". Die hat soo viel Freizeit. Ich glaube, der einzige, der in diesem Haus noch was arbeitetet, bin ich!
     

19.20 Uhr

  • Jetzt pressiert's aber. Was soll ich anziehen? Schließlich habe ich ein Date mit Milly. Am Computer lasse ich mir den Inhalt meines Kleiderschranks vorführen und mit meinem Bild kombinieren. Aber dann drücke ich doch die Zufallsauswahl und das nehme ich unbesehen. Rein in die Klamotten und rein in das e-Mobil. Zum Glück kann man sich auf die vorprogrammierten Zeiten verlassen. Ab zu Opa.
     

19.25 Uhr

  • Heute kann ich über seine Witzchen irgendwie gar nicht lachen. Von wegen Führerschein und so. Diese Art von Programmierung lernt man doch schon als Baby. Nicht mal lenken muss man so ein Mobil. GPS lässt grüßen. Das habe ich ihm aber doch auch schon mal erklärt oder??
     

20.00 Uhr

  • Ich bin pünktlich. Milly fast auch. Aber sie hat ihr Freundin dabei. Und im Kino tuschelt sie dauernd mit ihr über die Tasten in den Lehnen, mit denen man die Art und Stärke des Fühlens einstellen kann. Multiplex-Kino ist out. Trotzdem scheint mir der falsche Film zu laufen. Die beiden sind ganz begeistert und für mich ist nix los: Kaum eine action, wo man im schleudernden Auto so richtig mitfährt oder den Sprung in den Abgrund live erlebt - nur Schmuseszenen. Würde mir ja auch gefallen, mit Milly alleine, aber doch nicht mit ihrer grässlichen Freundin!
     

 

22.00 Uhr

  • Rückfahrt und ab in die Disco, hatte ich mir gedacht. Aber irgendwas muss ich falsch gemacht haben - entweder im Film oder bei der Fahrt - denn diese fürchterliche Ziege von Freundin will unbedingt mit in diese "super" Spacedisco. Natürlich - muss ja so sein - spielen sie dort die allerletzten Hits, die müssen doch mindestens schon zwei Monate alt sein! Musik soll das sein? Der DJ war auch schon mal besser drauf, und die Lasershow hat sicher mal bessere Tage gesehen. Irgendwer schüttet mir netterweise sein Coke über die Hose, und zum Schluss besteht Milly auch noch darauf, erst sie und dann die Freundin heimzufahren. Von wegen, da läuft noch was - denkste! Ich bin sauer!
     

23.10 Uhr

  • Kaum mache ich meine Zimmertüre auf, nervt mich der Computer mit seinem "Hausaufgabe noch nicht gemacht" - ununterbrochen. Sonst noch Wünsche? Der kann mich mal. Ich geh schlafen. War wohl nicht mein Tag heute!