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Ein paar Quadratzentimeter für die Presse

Zum 350. Geburtstag der ersten Tageszeitung in Deutschland erscheint eine Sondermarke

Von Eckart Klaus Roloff

 

Sie sind die kleinsten Massenmedien der Welt, aber gewiss nicht die unwichtigsten. Erst mit ihrer Hilfe starten Tag für Tag Millionen von Briefen, Karten und Paketen durch die Kontinente - mit bunt bedruckten Briefmarken, die im sprichwörtlichen Miniformat von wichtigen Ereignissen, Persönlichkeiten und Orten künden. Demnächst gibt es insbesondere für alle Zeitungsleser gute Gründe, auf solch eine Marke genau zu achten: Sie erscheint am 8. Juni zum 350. Geburtstag der weltweit ersten Tageszeitung in Leipzig.

Gewürdigt werden hier die "Einkommenden Zeitungen", die der Leipziger Buchhändler und Drucker Timotheus Ritzsch seit dem Sommer 1650 mehrmals wöchentlich herausgab. Das Geschäft ging so gut, dass Ritzsch von 1660 an das Blatt täglich erscheinen lassen konnte, sogar an Sonntagen.

Dass diese Gazette, die "Kriegs- und Welthändel", Feldzüge, Warenhandel und Hofklatsch vermeldete, in Leipzig herauskam, war kein Zufall: Die Stadt mit damals 10.000 Einwohnern war wegen ihrer Messen ein gefragter Umschlagplatz für Nachrichten. Außerdem gab es in Leipzig schon etliche Verlage und Druckereien, hier erschienen bald auch die frühesten deutschen Fachzeitschriften, und schließlich schrieb ein gewisser Tobias Peucer hier die erste zeitungswissenschaftliche Doktorarbeit. Auch die populäre "Gartenlaube" und die erste deutsche Illustrierte kamen aus Leipzig.

Heiß begehrte Motive

Doch so viele und bemerkenswerte Presseprodukte auch in Leipzig gedruckt wurden - eine Briefmarke gab es dazu noch nie. Solche Mini-Medien sind etwas Besonderes. In einer Auflage von meist 30 Millionen Exemplaren verbreiten sie ihre Botschaft. Rund 60 Sonder- und Zuschlag-Marken werden jährlich neu aufgelegt; kein Wunder also, dass die Rechte an einem Motiv heiß begehrt sind. Und so türmen sich beim zuständigen Referat im Bundesfinanzministerium die ausgefeiltesten Anträge, um zu konkreten Anlässen eine Marke durchzusetzen.

Schon viele Verbände, Unternehmen und Interessengruppen glaubten, ihre Arbeit sollte doch eine Marke wert sein - und wurden von der Deutschen Post AG abgewiesen. Dort hält man nicht viel von der lockeren Ausgabepolitik, wie sie in anderen Staaten üblich ist. So konnten sich der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und die Stadt Leipzig freuen, dass diesmal ein Pressemotiv akzeptiert wurde, offensichtlich erschien die Erinnerung an die Weltpremiere der Tageszeitung allen Beteiligten als ein triftiger Anlass.

Beförderung nur mit Zeitungsmarke

Wenn die deutsche Post es bisher mit solchen Themen nicht gerade gut meinte, ist das vor allem deshalb erstaunlich, weil Pressewesen und Nachrichtenhandel schon seit Erscheinen der ersten Zeitungen mit der Post stets eng verbunden waren: Früher gaben manche Postmeister selbst Blätter heraus oder hatten das Monopol, sie zu vertreiben. Die Verlage und Druckereien brauchten stets gute Postverbindungen - eine davon ging durch Leipzig -, um die aktuellen Exemplare rasch zu verbreiten. Umgekehrt hat die Post bis heute in den zahlreichen Presseunternehmen wichtige Stammkunden; zudem bietet sie einen eigenen Postzeitungsdienst mit Spezialtarifen an. Früher gab es sogar Zeitungsmarken, die nur für die Beförderung von Presseexemplaren verwendet werden durften. Die ersten davon tauchten 1851 in Österreich auf. 1939 setzte die Deutsche Reichspost sie für kurze Zeit auch in Deutschland ein.

Wer heute von "Zeitungsmarken" spricht, meint Marken mit Zeitungsmotiven. Vielfältig ist weltweit die Zahl der Anlässe: Es geht ja nicht nur um Jubiläen bestimmter Presseorgane, sondern auch um berühmte Verleger, Publizisten und Journalisten, um internationale Kongresse der Fachverbände, um die Presse- und Meinungsfreiheit, um die Leser und den Beruf des Reporters.

All diese Themen finden sich auf Briefmarken dargestellt. Das reicht bis hin zu populären Comicfiguren aus der Presse und den Zeitungsjungen, die ihre aktuelle Ware unters Volk bringen. Einer von ihnen war Benjamin Franklin, der später Schriftsetzer und Journalist wurde - und sogar Präsident der USA. Auch er hat es zu einer Spezialmarke gebracht.

Sammler in ganz Europa

Das erste Postwertzeichen dieser Art erschien in Bulgarien im Jahr 1922. Die Briefmarke hat hunderte von Nachfolgern gefunden; doch zu philatelistischer Massenware - wie etwa bei den häufig gesammelten, aber unüberschaubaren Gebieten Tiere, Eisenbahn, Medizin oder Politik - ist es nie gekommen. Dennoch gibt es Spezialisten, die sich allein für diese Marken (und entsprechende Stempel) interessieren.

Organisiert sind sie in der Motivgruppe "Papier und Druck" (mit Sitz in Mainz). Mitglieder in ganz Europa gehören dazu. Der Titel ihres Fachblattes "Die Schwarze und die Weiße Kunst" signalisiert, worum es geht: Die Schwarze Kunst ist, wie der Vorsitzende Dieter Kügler erläutert, von der Druckerschwärze abgeleitet, traditionelle Umschreibung für das Handwerk der Drucker; die Weiße Kunst deutet auf Papier. In der Motivgruppe wird folglich an Marken und Stempeln all das zusammengetragen, katalogisiert und beschriftet, was mit Druck, Papier und Schrift zu tun hat, mit Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, mit Nachrichtenagenturen und Kommunikationstechnik, mit publizistischen Berufen und dem Presserecht. Die modernen Entwicklungen durch Computer, neue Druckverfahren und Satellitenfunk, die alle das Geschäft mit der Nachricht unterstützen, sorgen dafür, dass den Sammlern dieser Motive - und Kügler freut sich über jedes neue Mitglied - die Arbeit nicht ausgeht.

In diesem Jahr können sie allein aus Deutschland zwei neue Marken in ihre Kollektionen aufnehmen: Neben der zum 350. Jubiläum der Tageszeitung erschien bereits am 17. Februar ein Sonderpostwertzeichen für 1,10 Mark zur Erinnerung an den Mann, von dem niemand wirklich weiß, wann genau er geboren wurde und wie er aussah. Doch er hat die Druckkunst revolutioniert und gilt vielen als Mann des Jahrtausends: Johannes Gutenberg. Hätte es ihn nicht gegeben, wären die Zeitungen nicht zu ihren Erfolgen gekommen, auch nicht der Drucker Timotheus Ritzsch, einer ihrer Pioniere. Immerhin mussten nach Gutenberg noch gut zweihundert Jahre vergehen, bis aus dem Geistesblitz von Mainz eine Gazette in Leipzig wurde.

 

Die Adresse der Internationalen Motivgruppe

Papier & Druck e. V.:

Dieter Kügler

Alsenstraße 23

55252 Mainz-Kastel

 

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Die erste Tageszeitung der Welt

Vor 350 Jahren brachte Thimotheus Ritzsch in Leipzig die "Einkommenden Zeitungen" heraus

Von Anja Pasquay

 

Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erreichen hier 355 Zeitungen mit 1 576 lokalen Ausgaben in einer Auflage von gut 24 Millionen Exemplaren ihre Leser.

Deutschland war immer schon ein Zeitungsland: Die zentrale Lage im Schnittpunkt wichtiger europäischer Postrouten und der verhältnismäßig hohe Alphabetisierungsgrad in breiten Schichten der Bevölkerung sorgten bereits vor mehreren hundert Jahren für ein großes potenzielles Lesepublikum. Hinzu kam ein ausgeprägter Regionalismus - Folge der deutschen Kleinstaaterei -, der schon früh zu einer ungewöhnlichen Pressevielfalt führte. "Vom Beginn des 17. Jahrhunderts an bis zum Ausbruch der Französischen Revolution gab es im deutschen Sprachgebiet stets mehr und in der Regel auch auflagenstärkere Zeitungen als im übrigen Europa zusammen", urteilt etwa der Leiter des Deutschen Zeitungsmuseums in Wadgassen, Martin Welke.

Die Stadt Leipzig spielte bei dieser Entwicklung eine maßgebliche Rolle. Als Handelszentrum, Messeplatz und Knotenpunkt mehrerer Postlinien war sie prädestiniert für den schnellen Austausch von Nachrichten. Hier ergriff auch der junge und weitgereiste Drucker Thimotheus Ritzsch (1614 - 1678) seine Chance und erwarb in der seit 1642 von den Schweden besetzten Stadt an der Pleiße das Privileg, von 1643 an die "Wöchentliche Zeitung" als schwedische Postamtszeitung zu verlegen.

Kaum deutete sich nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs ein Abzug der schwedischen Besatzer aus Leipzig an, wurde Ritzsch erneut aktiv und bewarb sich bei der nun wieder zuständigen kursächsischen Regierung um ein Zeitungsprivileg, das ihm im August 1649 bewilligt wurde. Am 1. Juli 1650 erschien die erste Ausgabe der so genannten "Einkommenden Zeitungen" in Leipzig. Sie spielt in der internationalen Pressegeschichte eine herausragende Rolle, erschien sie doch sechs-, gelegentlich sogar siebenmal die Woche - und war damit die erste Tageszeitung der Welt.

Ritzschs Erfolg fand allerdings auch Nachahmer und Neider. Insbesondere der während der Besatzungszeit von den Schweden seines Amtes enthobene Postmeister Mühlbach machte dem Verleger das Leben schwer. Aus Mühlbachs Sicht war das Zeitungswesen ureigenes und alleiniges Recht der Post - und ihrer Postmeister. So bombardierte er auch nach seiner Wiedereinsetzung in den alten Stand die kursächsische Landesregierung in Dresden mit entsprechenden Eingaben, bis diese schließlich im Juni 1652 die Gründung einer "Avisen-Societät" verfügte.

Dabei handelt es sich, wie Zeitungshistoriker Welke beschreibt, um eine "Zwangsfusion", die so lange bestehen sollte, wie "der Postmeister bei diesem Amte sei oder Ritzsch und seine Erben die Druckerei haben und erhalten sollten". Das so entstandene neue Blatt hieß "L(eipziger) einkommende Ordinari- und Postzeitungen".

Ende 1659 gelang es Thimotheus Ritzsch, sein Zeitungsprivileg noch einmal um zwölf Jahre zu verlängern. Die nun gegründete Zeitung nannte er "Neu-einlauffende Nachricht von Kriegs und Welt-Händeln". Fast parallel brachte ein früherer Förderer Ritzschs, der Verleger Georg Kormat, ebenfalls ein tägliches Blatt heraus, die "Vollständige Leipz. Einkommende Post-Zeitungen". Damit waren die Leipziger Bürger schon um 1660 in der beneidenswerten Lage, unter zwei konkurrierenden Tageszeitungen vor Ort auswählen zu können - ein Umstand, der in Deutschland bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert ohne Parallele blieb.

 

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Die ältesten noch erscheinenden Zeitungen in Deutschland

Gründungsjahr Titel

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1705 Hildesheimer Allgemeine Zeitung
1725 Hanauer Anzeiger
1743 Bremer Nachrichten
1750 Gießener Anzeiger
1761 Saarbrücker Zeitung
1761 Schaumburger Zeitung, Rinteln
1763 Hersfelder Zeitung, Bad Hersfeld
1767 Lippische Landeszeitung, Detmold
1772 Wertheimer Zeitung
1775 Offenburger Tageblatt
1775 Wormser Zeitung
1777 Täglicher Anzeiger, Holzminden
1783 Goslarsche Zeitung
1786 Wolfenbütteler Zeitung und Anzeiger
1788 Haller Tagblatt, Schwäbisch Hall
1791 Tauber-Zeitung, Bad Mergentheim
1791 Jeversches Wochenblatt
1794 Lahrer Zeitung
1777 Pforzheimer Zeitung

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