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Rede von Andreas Scherer, 1. Vorsitzender Verband Bayerischer Zeitungsverleger e.V. (VBZV) beim Printgipfel auf den Medientagen München 2007

Andreas Scherer

 

Das Thema des heutigen Tages lautet: Ideen, Innovationen und Investitionen. Die Medienhäuser, zu denen sich die Zeitungsverlage in Deutschland entwickelt haben, richten den Blick gezielt nach vorne und sind auf einem guten Weg, ihre Position am Markt auszubauen.

 

Die Verlagshäuser haben in den zurückliegenden Jahren viel bewegt. Denn alle wissen: wer nicht gestaltet, der wird gestaltet. Aber wo wollen wir in Zukunft stehen?

 

Wir entwickeln Strategien, und - egal ob hausgemacht oder gemeinsam mit kompetenten Beratungsunternehmen - man kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

 

Die Berater empfehlen uns: „Entwickeln Sie sich entlang Ihrer Kernkompetenzen, und folgen Sie den Kundenwünschen.“ 

 

Was also können wir am besten? Was sind unsere Kernkompetenzen?

 

Unsere Stärke ist das Publizieren von Nachrichten. Das tun wir mit der Printausgabe unserer Zeitungen. Gerne würden wir unsere Inhalte auch via Hörfunk, TV und Internet den Nutzern anbieten. Bei Hörfunk und TV dürfen wir uns seit dem Beginn des privaten Rundfunks aber nur begrenzt einbringen, da die Medienpolitik es unterbunden hat, dass wir komplett dabei sind und unsere Potenziale ausschöpfen. Die Stichworte „Doppelmonopol“ und „Sicherung der Medienvielfalt“ wurden immer wieder als Begründung angeführt. Dahinter stand die Knappheit der analogen Frequenzen und Markteintrittsbarrieren, also hohe Kosten für Aufbau und Betrieb von Hörfunk und TV.

 

Heute ist diese Begründung nicht mehr zeitgemäß, da Sie nahezu jede Information schnell und vielfältig aus dem World Wide Web bekommen. Gleichsam hilft die neue Vielfalt dem Nutzer auch nicht wirklich weiter, da Quantität noch lange nicht für Qualität, Relevanz und Glaubwürdigkeit der Information bürgt.

 

Die Zeiten haben sich mithin geändert, die alten Regeln greifen nicht mehr. Wir brauchen eine neue Medienpolitik!

 

Wir Verlage stehen mit Ideen, Innovationen und Investitionen bereit; von der Politik erwarten wir Planungs- und Gestaltungssicherheit.

 

Daraus ergeben sich dringende medienpolitische Forderungen unserer Branche, die ich hier ansprechen möchte, so wie mein Vorgänger im Amt des VBZV-Vorsitzenden, Herr Dr. Hermann Balle, diese Einführung in den Printgipfel immer genutzt hat:

 

Wenn der Politik im Bereich der unabhängigen Presse eine Aufgabe zukommt, ist es sicherlich die, alles zu unterlassen, was der Entwicklung der Presse schadet und alles zu fördern, was dem Erhalt der Qualität eines vielfältigen redaktionellen Angebots zuträglich ist.

 

Wir begrüßen es daher ausdrücklich, dass die bayerische Staatsregierung den Verlagen in der anstehenden Novellierung des BayMG im Bereich der analogen Technik eine stärkere Beteiligung an Hörfunk und Fernsehen erlaubt.

 

Für die digitale Welt haben wir folgende Bitte an die Politik: Erteilen Sie, sehr geehrte Herren Ministerpräsidenten, allen Plänen eine Absage, die im Rahmen des 10. Rundfunkänderungsstaatsvertrags eine Abhängigkeit der interessierten Verlage von Plattformbetreibern vorsieht, die nach reinen Rendite-Kriterien darüber entscheiden, welche Informationsangebote in ihre Netze aufgenommen werden und welche nicht. Diese Pläne sind mit einer freien Presse, so wie sie unser Grundgesetz verlangt, nicht vereinbar. Die Inhalte unserer Zeitungsredaktionen müssen auch in den digitalen Netzen ihren gesicherten Platz haben, oder auf Neudeutsch: Wir brauchen ein „Must-Carry“ für unsere Inhalte!

 

Ein weiterer Hinweis: wir Verlage oder besser: wir Medienhäuser müssen den Menschen und unseren Märkten folgen und deren neuen Mediennutzungsgewohnheiten gerecht werden – Mediennutzungsgewohnheiten richten sich aber nicht nach der Medienpolitik!

 

Daher müssen wir unsere hochwertigen Inhalte für die unterschiedlichen Medien gezielt aufbereiten und über alle Medien verteilen können. Das ist cross media. Das ist das magische Wort der new economy der Zeitungshäuser. Das ist unsere Zukunft.

 

Die Internet- und Online-Angebote der Zeitungsverlage stehen gut da. Hatten wir Verlagshäuser deutschlandweit 1995 noch 5 Angebote, so waren es im Jahr 2000 immerhin 230; heute - 2007 - sind es weit über 600 Angebote.

 

Auf diesen Erfolgen werden wir uns aber nicht ausruhen. Das Netz entwickelt sich überall rasant weiter; neue, verlagsferne Angebote entstehen - egal ob „you tube“, „my space“, „google“, „ebay“ oder „amazon“.

Getreu dem Abba-Motto „the winner takes it all“ haben letztere Produkte ihre Gesellschaften zu Megakonzernen gemacht, die oft die Weltmarktführung anstreben oder bereits inne haben.

 

Auch bei uns Verlagen ist „Web 2.0“ längst Standard. Wir experimentieren mit communities, blogs und streams. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Visits steigen, die ersten Internetauftritte kommen aus der Verlustzone.

Kumuliert man die Nachrichtenangebote zum Beispiel der Regionalzeitungen, sind sie heute die Nr. 1 im Netz:  Rund 6,8 Mio. Unique User pro Tag wurden von der AGOF für das 4. Quartal 2006 gezählt. Zum Vergleich: Spiegel Online hatte im gleichen Zeitraum 3,9 Unique User, Bild T-online 3,5. Im Ergebnis besuchen 34 Prozent der Internetnutzer regelmäßig Zeitungswebsites.

 

Web-TV wird zum nächsten Standard. Wenn das Internet durch dieses Angebot von Bewegt-Bildern als Rundfunk verstanden, damit staatlich reguliert und für die Verlage behindert oder unmöglich gemacht wird, zeigt dies eindrücklich, wie wenig die alten Regeln noch greifen. Ich appelliere daher nachdrücklich an die Verantwortlichen, bei all dem, was sie in dieser Frage unternehmen, die Verlage nicht zu diskriminieren! Wir brauchen alle Möglichkeiten des Internets für die Verbreitung unserer Nachrichten!

 

Zurück zu unseren Kernkompetenzen. Was können wir noch gut? – Pünktlich zustellen, und zwar nicht nur Zeitungen.

 

Viele Kollegen betreiben heute die Direktverteilung von Prospekten und die Zustellung von Briefpost. Gerade in den Flächenstaaten der neuen Bundesländer, in denen sich die Zeitungsauflagen nach der Wende etwa halbiert haben, ist man auf das Zustellen der Briefe angewiesen, um die Zeitungszustellung wirtschaftlich aufrecht erhalten zu können. Mindestlöhne in Höhe von 9,00 Euro in den neuen Bundesländern und 9,80 Euro in den alten Bundesländern gefährden nicht nur dieses Geschäftsfeld, sondern belasten das eigentliche Zeitungsgewerbe in erheblichem Maße mit.

 

Ich appelliere an die Verantwortlichen, bei Eingriffen in das Lohngefüge hier mit Augenmaß vorzugehen. Zustellung - speziell Briefzustellung - bietet vielen Bürgern attraktive Zusatzeinkommen. Es macht keinen Sinn, dieses zarte Konjunkturpflänzchen zu zertreten. Unsere Wirtschaft kann sich das nicht leisten.

 

Früher waren viele von uns Verlegern zugleich Drucker von Prospekten, Plakaten, Sterbebildern etc. Für viele von uns ist dies längst Vergangenheit.

 

Aber die Zeitungsrotationen brauchen wir dringend. Sie sind uns lieb, aber auch teuer. Darum begrüßen wir die Cluster-Offensive in Bayern, die die Technologie noch besser zwischen Anwender und Hersteller verzahnen soll.

 

So müssen die nächsten Druckmaschinengenerationen deutlich variabler werden, was Format, Papier und Einsatzmöglichkeiten betrifft – wir müssen unsere Maschinen besser auslasten können.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Stichworte „Product Placement“, „Online-Werbung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, „Werbeverbote“, „Vorratsdatenspeicherung“ und „Online-Durchsuchung“ stehen auch noch auf meinem Leseblatt – nur als Stichworte für die Vielzahl der Themen, die uns politisch umtreiben und die uns zuweilen leider davon abhalten, unsere kostbare Zeit den Ideen, Innovationen und Investitionen zu widmen.

 

Aber trotzdem erlauben Sie mir, eines dieser Stichworte noch mal deutlich aufzugreifen: die geplante Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sowie die Umsetzung der geplanten Vorratsdatenspeicherung schädigen die Pressefreiheit im Kern. Die Vertrauensbeziehung zwischen Journalisten und Informanten wird zerstört, wenn Journalisten nur noch als Berufsgeheimnisträger zweiter Klasse bewertet werden und ihren Quellen keine Vertraulichkeit mehr garantieren können. Ein der freien Presse wesenseigener seriöser und investigativer Journalismus wird somit deutlich erschwert und schädigt uns letztlich alle! Daher appelliere ich an die Vertreter im deutschen Bundestag, dem Gesetzentwurf in der vorliegenden Fassung nicht zuzustimmen.

 

Lassen Sie mich zum Schluss noch mit einer Mär aufräumen. Zeitungshäuser gelten in der Öffentlichkeit oft als wenig innovativ. Ich meine, das ist ein falsches Bild. Wir stehen als Mittelständler großen Playern gegenüber. Aber um in der Rolle des Davids erfolgreich zu sein, dürfen wir nicht noch zusätzlich belastet werden.

 

Darum mein Appell: Unterlassen Sie alles, was die freie und unabhängige Presse beschädigt. Tragen Sie dazu bei, das vielfältige Inhaltsangebot Ihrer Zeitungen mit ihren elektronischen Medien zu erhalten. Kurz gesagt: Unterstützen Sie Ihre Tageszeitungen!

 

Danke!

 

Foto: Völkner