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Zeitungskongreß '98: 450 Verleger, Journalisten und Medienexperten tagen in Bonn

Bonn, 19. Oktober 1998

Die Rolle der gedruckten Zeitung als Qualitätsmedium in der künftigen Medienkultur sowie das wachsende Engagement der Verlage in Online-Diensten stehen im Mittelpunkt beim

Zeitungskongreß ´98 des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der am 19. und 20. Oktober 1998 in Bonn stattfindet. Eröffnet wird der Kongreß unter dem Motto "Herausforderungen - Positionen - Strategien" am 19. Oktober 1998 (16.00 Uhr) von BDZV-Präsident Wilhelm Sandmann. Anschließend spricht der Verleger der "Mittelbayerischen Zeitung" (Regensburg), Peter Esser, über "Die Zeitung an der Schwelle zum dritten Jahrtausend". Zu Ende geht der erste Kongreßtag mit einem Festakt auf dem Bonner Petersberg, bei dem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement sprechen wird.

Wieviel Wettbewerb verträgt der Zeitungsmarkt? Wie soll die Zeitungsbranche reagieren, wenn Zeitungen gegen alle Geschäftsprinzipien verschenkt werden? Was sind die Folgen, wenn Stadtdirektoren und Bürgermeister sich in der Verlegerrolle sehen und eigene Zeitungen herausgeben? Diese Fragen stehen morgen vormittag beim zweiten Kongreßtag im Zentrum einer Fachdebatte. Außerdem befaßt sich ein Arbeitskreis mit der Frage "Online - Zukunftsmarkt oder Dollar-Grab?". Bereits mehr als 130 Zeitungsverlage betreiben einen Online-Dienst. Viele andere Verlage planen ein entsprechendes Angebot. Ein dritter Arbeitskreis setzt sich mit kritischen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Urheberrecht auseinander. Durch die Entwicklung der digitalen Informationstechnik ist es für Dritte problemlos möglich, gedruckte Zeitungsartikel per Scanner im Computer zu speichern und zu "elektronischen Pressespiegeln" zu verarbeiten. Ebenso leicht ist es, den Mißbrauch noch weiter zu steigern und die digitalisierten Zeitungsbeiträge in neuen Online-Angeboten bereitzustellen. Experten werden sich mit der Frage auseinandersetzen, wie das Urheberrecht in den neuen Medien geschützt werden kann und wie sich die Verlage gegen Mißbrauch zur Wehr setzen können.

Zeitungsverleger warnen vor neuen Eingriffen der EU / Appell an künftige Bundesregierung: 620-Mark-Jobs nicht antasten!

Bonn, 19. Oktober 1998

Vor zunehmenden Eingriffen der Europäischen Union in die Belange der Presse hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am 19. Oktober 1998 in Bonn gewarnt. Das verabschiedete Tabakwerbeverbot sei kein einmaliger Ausrutscher der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments gewesen, erklärte BDZV-Präsident Wilhelm Sandmann beim Zeitungskongreß '98. Dahinter stehe vielmehr eine "Verbotsstrategie". Über neue Werbeverbote und -restriktionen für weitere Produkte wie Autos, alkoholische Getränke, Medikamente werde in Brüssel und Straßburg längst nachgedacht. Sandmann bekräftigte die Grundsatzposition der Zeitungsverleger, daß legal hergestellte Produkte auch uneingeschränkt beworben werden dürfen. Die Politik der EU bezeichnete er als "Angriff auf die Mündigkeit der Bürger". An die künftige Bundesregierung appellierte der BDZV-Präsident, die von Bundeskanzler Helmut Kohl angekündigte Klage gegen das Werbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.

Sandmann wandte sich auch gegen Bestrebungen der EU und des nationalen Gesetzgebers, das Urheberrecht zu Lasten der Presse zu ändern. Wer die Verlage zwingen wolle, die Inhalte der gedruckten Zeitung ohne Einschränkung der Allgemeinheit zu überlassen, enteigne die Verlage. Die Zeitungshäuser müßten eigenverantwortlich darüber entscheiden können, wo und zu welchen Bedingungen die eigenen Zeitungsinhalte erscheinen.

An die Adresse der künftigen Bundesregierung richtete der BDZV-Präsident auch die Forderung, die 620-Mark-Beschäftigungsverhältnisse auf keinen Fall in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen. Andernfalls kämen Belastungen in Millionenhöhe auf die Verlagsbranche zu. Im Bereich der Zeitungszustellung seien die Verlage auf die 620-Mark-Jobs angewiesen. Der BDZV-Präsident machte deutlich, daß Zeitungen keine beliebige Ware seien, sondern für die Information und Orientierung der Bürger unverzichtbar seien und damit eine existentielle gesellschaftspolitische Rolle spielten. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen sichern, daß alle Bürger zu akzeptablen Konditionen regelmäßig mit der Zeitung beliefert werden könnten. In diesem Zusammenhang mahnte Sandmann die langfristige Sicherung des Postzeitungsdienstes an.