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Zeitungen in Zahlen und Daten 1998

Von Anja Pasquay

 

1. Deutschland ist ein Zeitungsland. Täglich erscheinen hier 367 Tageszeitungen mit 1.578 lokalen Ausgaben in einer Gesamtauflage von 25 Millionen Exemplaren. Daneben kommen 25 Wochenzeitungen mit zwei Millionen Exemplaren und acht Sonntagszeitungen mit einer Auflage von 4,5 Millionen heraus. Das bedeutet: Auf je 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 306 Zeitungsexemplare. Und unsere Zeitungen werden gelesen: Durchschnittlich 30 Minuten wenden die Bundesbürger täglich für ihre Lektüre auf, die älteren etwas mehr, die jüngeren etwas weniger.

2. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen in Deutschland haben treue Leser. Rund 16 Millionen Exemplare werden täglich im Abonnement zugestellt, das heißt, durch Zeitungszusteller oder per Post bis an die Haustür gebracht. Weitere 1,3 Millionen Exemplare werden pro Tag am Kiosk oder im Laden verkauft. Die überregionalen Zeitungen verkaufen gut eine Million Zeitungen täglich im Abonnement und weitere 388.000 Exemplare im Einzelverkauf. Bei den Kaufzeitungen dagegen wird der Umsatz mit 5,9 Millionen Exemplaren täglich am Kiosk gemacht, immerhin 108.000 Exemplare werden aber auch Tag für Tag an Abonnenten zugestellt.

3. Vier Fünftel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (79 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung. Das sind etwa 50 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen (69,7 Prozent) sogar ganz leicht vor den Lesern (69,2 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (25,9 Prozent beziehungsweise 6,9 Prozent) als von Frauen (17,8 Prozent beziehungsweise 4,5 Prozent) genutzt.

4. Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69jährigen Lesern, nämlich zwischen 84 und 86,6 Prozent. Von den über 70jährigen greifen mehr als 83 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung; und bei den 30- bis 39jährigen sind es 77,2 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau. Von den 20- bis 29jährigen werden 68,1 Prozent durch die Zeitung erreicht; bei den 14- bis 19jährigen sind es immerhin 56,4 Prozent.

5. Die Netto-Werbeeinnahmen der Tageszeitungen lagen 1997 bei 10,9 Milliarden Mark. In weitem Abstand folgten das Fernsehen (7,4 Milliarden), Werbung per Post (5,9 Milliarden), Publikumszeitschriften (3,4 Milliarden) und Anzeigenblätter (drei Milliarden). Damit sind die Tageszeitungen unangefochten der Werbeträger Nummer Eins. Ihr Anteil am Werbemarkt allerdings geht seit Jahren zurück. 1997 betrug er 28 Prozent, 1987 hatte er noch 39 Prozent betragen. Das Fernsehen machte im selben Zeitraum einen Sprung von neun Prozent auf 19 Prozent Marktanteil.

6. Die lokalen Nachrichten interessieren die Leser in ihrer Zeitung ganz besonders, 84 Prozent lesen sie "im allgemeinen immer". Auf Platz zwei in der Beliebtheitsskala folgen politische Meldungen und Berichte aus Deutschland (57 Prozent) und auf Platz drei die Anzeigen (52 Prozent). Besonders wichtig finden die Leser ferner Leitartikel, Tatsachenberichte aus dem Alltag, Sportnachrichten und politische Meldungen aus dem Ausland. Nur ein knappes Drittel widmet sich dagegen regelmäßig der Kultur (30 Prozent), 24 Prozent lesen regelmäßig Nachrichten aus Technik und Wissenschaft, und nur elf Prozent legen Wert auf den Fortsetzungsroman.

7. Anzeigen in der Tageszeitung sind gewünschter Lesestoff. Nach dem Lokalteil und der Innenpolitik nehmen Anzeigen in der Lesergunst den dritten Platz ein. Obendrein gelten Zeitungsanzeigen als besonders glaubwürdig: Während zum Beispiel 59 Prozent der Zeitungsleser auf Werbung im privaten Fernsehen gut verzichten könnten, legen 80 Prozent der Leser Wert auf Information durch Anzeigen in der Tageszeitung. Dabei profitieren die Anzeigen gewiß auch von der Glaubwürdigkeit des redaktionellen Teils in den Tageszeitungen.

8. Die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen genießen bei ihren Lesern eine besonders hohe Glaubwürdigkeit. 65 Prozent stimmen der Aussage zu, daß die regionalen Abonnementzeitungen in ihrem redaktionellen Teil "wahrheitsgetreu berichten". Solche Werte erzielten sonst nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen und der öffentlich-rechtliche Hörfunk (64 Prozent beziehungsweise 62 Prozent). Dagegen glauben beispielsweise nur 41 Prozent der Zuschauer, daß im privaten Fernsehen "wahrheitsgetreu" berichtet wird; bei Zeitschriften und Illustrierten sind es sogar nur 24 Prozent der Leser.

9. In der Europäischen Union erscheinen täglich rund 1.132 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 81 Millionen Exemplaren. Die Bundesrepublik Deutschland bietet mit 369 Tageszeitungen (davon 135 Zeitungen mit Vollredaktion, die 1.580 lokale Ausgaben herausgeben) das vielfältigste Angebot. An zweiter Stelle steht Spanien mit 128 Zeitungen. Es folgen: Schweden (101), Großbritannien (99), Frankreich (84), Italien (77), Dänemark und Niederlande (38), Portugal (28), Griechenland (23), Österreich (17). Irland (6) und Luxemburg (5) bilden die Schlußlichter.

10. Bei rund 380 Millionen West-Europäern kommen im Durchschnitt auf 1.000 Einwohner 230 Zeitungsexemplare. Diese vergleichsweise geringe Zeitungsdichte ist vor allem auf die eher unterentwickelte Lesekultur bei den südlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zurückzuführen. So kommen in Portugal lediglich 68 Exemplare auf 1.000 Einwohner, in Griechenland sind es 69 Zeitungsexemplare; die höchsten Auflagen per 1.000 Einwohner weisen Norwegen (598), Finnland (453) und Schweden (438) auf. Im guten Mittelfeld liegen die Schweiz (385), Großbritannien (314), Deutschland (307) und die Niederlande (306).

11. Nach Tagesauflage stellen die deutschen Zeitungen mit rund 25 Millionen Exemplaren den mit Abstand größten Tageszeitungsmarkt in West-Europa, gefolgt von Großbritannien mit einer Auflage von 18,4 Millionen Zeitungen täglich. Sogenannte "Mittelmärkte" sind bei den Tageszeitungen Frankreich (8,5 Millionen Exemplare), Italien (5,9 Millionen) und die Niederlande (4,7 Millionen). Bei den übrigen nationalen Zeitungsmärkten handelt es sich um "Kleinmärkte" mit Zeitungsauflagen von 121.000 Exemplaren wie in Luxemburg bis zu 1,6 Millionen Exemplaren in Belgien. Weltweit stellen die Japaner den größten Zeitungsmarkt mit 72,7 Millionen verkauften Exemplaren täglich. Platz zwei belegen die USA mit knapp 56,7 Millionen Exemplaren. Deutschland steht - nach China - an vierter Position.

12. In Westeuropa existieren bei der Zeitungsreichweite deutliche Unterschiede. Die eifrigsten Zeitungsleser wohnen im Norden der Gemeinschaft. In Deutschland greifen knapp 80 Prozent der über 14jährigen regelmäßig zur Zeitung. Dabei werden sie noch übertroffen von den Finnen (87 Prozent), Schweden (84 Prozent) und Norwegern (82 Prozent). Vergleichsweise wenig regelmäßige Zeitungsnutzer über 14 Jahre gibt es dagegen in Frankreich (29 Prozent), Spanien (38 Prozent), Italien (42 Prozent) und Griechenland (42 Prozent).

Anja Pasquay, BDZV

Bei Rückfragen:

BDZV

Abteilung Kommunikation und Multimedia

Tel: 0228/81004-23