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Vormerkung

Der Übersichtlichkeit wegen haben wir darauf verzichtet, die jeweiligen Fundstellen aus den Quellen und der Literatur durch Fußnoten oder Anmerkungen festzuhalten.

Statt dessen haben wir die benutzte Literatur und die (ungedruckten) Quellen im Literatur- und Quellenverzeichnis vollständig aufgeführt.

Im Falle einer Veröffentlichung können wir die Belege - falls erforderlich - in unsere Darstellung einfügen.

Im Quellen- und Dokumentenanhang sind die wesentlichen Quellen für unsere Darstellung als vollständige Dokumente in Transkription beigefügt.

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1. Kapitel

 

Antijüdische Ausschreitungen in Rotenburg 1848

Lieber Eduard! (.) hier geht es wieder drüber und drunter; schlimmer als je; (.) den Juden wurden die Häuser zerschlagen und gänzlich ausgeräumt. (..) Ein unaufhörliches Einschlagen mit Äxten die ganze Nacht. Wahrscheinlich kommt Militär hierher; denn ohne dies gibt es Mord.

So beschrieb der Rotenburger Pfarrer Wilhelm Vilmar am 9. Juni 1848 in einem Brief an seinen Sohn Eduard, der in Hersfeld lebte, die Zustände während der Revolution 1848 im kurhessischen Städtchen Rotenburg a. d. Fulda.

 

 

Anders als die von Pfarrer Vilmar geschilderten Ereignisse verbindet man allgemein mit dem Jahre 1848 eher den Kampf für Glaubens- und Meinungsfreiheit bzw. politische Mündigkeit. Die Pariser Februarrevolution im Jahre 1848 wirkte wie ein Fanal im Deutschen Bund. Überall erhob sich die Forderung, es den Franzosen gleichzutun und so auf einen Schlag die allgemeine Unzufriedenheit und politische Hoffnungslosigkeit zu überwinden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die ständische Ungleichheit in der Bevölkerung sollten beseitigt werden. Die vielfältigen revolutionären Forderungen vereinigten sich im Ruf nach Umwälzung und Verbesserung der bestehenden Verhältnisse.

Wie vertragen sich aber gewalttätige Ausschreitungen gegen Minderheiten wie die Juden, die selbst zu den Trägergruppen der liberalen Forderungen des Jahres 1848 gehörten, mit den oben angesprochenen Zielen?

Der einleitend zitierte Brief von Pfarrer Vilmar gehört auf den ersten Blick also nicht in das Kapitel ,,Aufbruch zur Freiheit", wie der Titel des ausgeschriebenen Wettbewerbs der Zeitungsverleger lautet, sondern zeigt eine ganz andere Seite der Ereignisse des Jahres 1848. Wie können wir uns heute aber die antijüdischen Exzesse im Jahre 1848 begreiflich machen, die sich wohl kaum mit den Ideen von Freiheit und Brüderlichkeit vereinbaren lassen? Wie konnten sich Rotenburger Bürger zu Aktionen hinreißen lassen, die so konträr zu den 1848er Bestrebungen stehen?

Antijüdische Ausschreitungen im Zuge der 1848er Ereignisse sind in der wissenschaftlichen Literatur allerdings nicht nur in Rotenburg a. d. Fulda lokalisiert worden. Auch im Badischen kam es zur Demolierung von Häusern jüdischer Händler, die im Verdacht des Wuchers standen. Die Aktionen gegen die jüdische Bevölkerung verliefen im Südwesten Deutschlands parallel zu den Plünderungsaktionen der Bauern gegen die Grundherren und adligen Standesherren. Auf derartige Aktionen sind wir in unserem Raum nicht gestoßen, wohl aber auf massive Bedrohungen der jüdischen Minderheit und Raub bzw. Zerstörung von deren Besitz, und zwar über einen Zeitraum von fast drei Monaten. Erst mit dem Einmarsch von vier Kompanien aus Kassel am 11. Juni 1848 nahm der Spuk ein Ende. Es dauerte dann bis zum Oktober 1848 bis sich die Lage vor Ort so weit beruhigt hatte, daß die Truppen abgezogen werden konnten.

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2. Kapitel

 

Spurensuche - Was ereignete sich 1848 in Rotenburg a. d. Fulda wirklich?

Was geht uns heute die Revolution von 1848 an? Die Themen, die die Menschen damals bewegten, blieben wesentliche Themen der deutschen Geschichte bis hin zur Gegenwart. Die politischen Ideen von 1848 sind noch heute aktuell. Das Grundgesetz und die politische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland basieren u.a. auf dem liberal-demokratischen Gedankengut der Paulskirchenverfassung.

Nach 150 Jahren feiern wir 1998 ein Ereignis, das für unsere demokratisch verfaßte Gesellschaft in Deutschland von größter Bedeutung ist und angemessen in das Bewußtsein der Bürger gerückt werden muß.

Eine öffentlichkeitswirksame Aktion wie der bundesweite Schülerwettbewerb ,,Aufbruch zur Freiheit" der Zeitungsverleger veranlaßte uns Schüler dazu, uns mit Verlauf und Bedeutung der ´48er Revolution vor Ort auseinanderzusetzen.

In Rotenburg an der Fulda schloß sich eine Arbeitsgruppe von 16 Schülern zusammen, um den vorliegenden Beitrag zum Thema ,,Was ereignete sich 1848 in meiner Heimatregion?" zu erstellen.

Wir, Schüler der Jahrgangstufe 12 der gymnasialen Oberstufe der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule, gingen also auf Spurensuche nach Ereignissen im Jahr von 1848 in unserer Heimatregion.

Durch Einblicke in diverse Chroniken der Stadt Rotenburg hofften wir, Kenntnisse bezüglich der lokalen Ereignisse des Jahres 1848 zu erhalten. Überraschenderweise fanden wir in der lokalen Geschichtsschreibung aber keine Darstellungen örtlicher Kämpfe für Freiheit, Verfassung und nationale Einheit. Vielmehr wird von ,,verschiedenen tragikomischen Vorkommnissen" berichtet, wie sie beispielsweise der Rotenburger Lehrer Giebelhausen 1899 in seiner Chronik schildert. Eine dieser 1848er Geschichten, die in einer Mundartversion im Rotenburger Stadtarchiv aufbewahrt ist, möge an dieser Stelle Platz finden. Wir geben sie in heutigem Deutsch wieder, danach in einer Gestaltung als Comic - die Originalversion und die wörtliche Übersetzung finden sich im Anhang.

 

Der Markusteich

(nacherzählt in heutiger Sprache)

Jeder weiß, was in dem Jahr 1848 passiert ist: die Revolution war in ganz Deutschland ausgebrochen. Wenn es sich auf der einen Ecke beruhigt hatte, fing es auf einer anderen wieder an. So machte die Revolution auch in Rotenburg a. d. Fulda nicht halt und jagte damit den Bürgern einen großen Schrecken ein.

Ein Augenzeuge berichtet über eine Tat, die er mitansehen mußte:

An einem Morgen stand ich bei meiner Frau, als ich jemanden auf der Straße rufen hörte: "Ihr Leute, ihr Mädchen, macht die Haustüren zu, die Revolution kommt." Ich dachte, ich höre nicht richtig und bin schnell ans Fenster gegangen und habe gesehen, was auf der Straße los war. Ja wahrhaftig, die Revolution kommt!

Ich sah wie ein Haufen Männer mit Sensen, Knüppeln, Dreschflegeln und Mistgabeln über die Brücke gelaufen kam. Ich dachte mir; was wollen diese albernen Kerle denn damit, keine einzige Kanone haben sie bei sich! Mistgabeln haben wir auch. Was wollen sie nur? 

 

 

"Schlagt tot den Juden! Steckt ihm das Haus an!", schrien die Männer durcheinander. Sie hatten es auf den Markus abgesehen. Sie versammelten sich vor seinem Haus und einige schrien: ,,Raus mit dem Juden!" und traten und donnerten mit ihren Dreschflegeln gegen die Tür. Andere schrien: ,,Laßt ihn drinnen und steckt ihm das Haus an."

Wir Bürger bekamen immer mehr Angst. Dann banden sie die Tür mit einem langen Strick zu, so daß der Markus nicht mehr entfliehen konnte. Im nächsten Moment wurde die Tür allerdings wieder aufgerissen und der Markus rausgezerrt. Dann - ein fürchterliches Geschrei. Einer der Männer ging mit einer Mistgabel auf den Markus zu.

Wir bekamen alle Mitleid mit ihm. Er stand da, der arme Kerl, die Knie zitterten ihm vor lauter Angst. So laut er auch schrie, die Männer ließen ihn nicht los. Sie faßten noch fester zu und zerrten ihn durch die ganze Stadt, über die Brücke bis in die Neustadt und noch weiter. Was sie denn nur mit ihm vor hatten?

Dem Markus ging es immer schlechter. Er war nicht mehr zu halten, wälzte sich auf der Straße herum und schrie wie am Spieß. Das wurde den Bauern dann allerdings zu viel. ,,Schmeißt ihn doch in den Teich rein", sagte einer, ,,hat er den Mund voll Wasser, hört er schon von selber wieder auf zu schreien!" Der Mann hatte diesen Satz noch nicht ganz ausgesprochen, da faßte einer den Markus an den Beinen und ein anderer am Kopf und wupp - in den Teich!

Dreimal haben sie ihn ordentlich untergetaucht, dann haben sie ihn in Ruhe gelassen. Aber der Teich, der hat so seinen Namen bekommen. Von diesem Tag an hieß er der "Markusteich".

In Zusammenhang mit der "Ortssage" vom Markusteich muß allerdings unverständlich bleiben, warum das kurhessische Städtchen Rotenburg a. d. Fulda aufgrund ,,tragikomischer Vorfälle", wie Giebelhausen die Drangsalierung des Juden Markus Linz bezeichnete, in der wissenschaftlichen Literatur als Ort antijüdischer Exzesse während der revolutionären Unruhen 1848 aufgeführt wird. Bei der kartographischen Darstellung judenfeindlicher Ausschreitungen 1848 im "Atlas of Modem Jewish History" ist Rotenburg nämlich der einzige in den hessischen Territorien erfaßte Ort.

 

 

Wie sich herausstellte, ist den Indizien für antijüdische Ausschreitungen in unserer Heimatstadt bislang bei weitem nicht ausreichend nachgegangen worden. In den letzten drei Monaten hat unsere Arbeitsgruppe mit Unterstützung des Rotenburger Lehrers Heinrich Nuhn umfassendes Material zusammentragen, das die 1848er Ereignisse in Rotenburg a. d. Fulda in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Einige der Funde, die wir in der Kasseler Universitätsbibliothek, dem Marburger Staatsarchiv und im heimischen Rotenburger Stadtarchiv machten, ließen uns nach eingehender Prüfung zu dem Schluß kommen, daß die antijüdischen Aktionen während der Revolutionsjahre 1848/49 in der historischen Literatur weder in ihrem Umfang noch in ihrer Bedeutung erkannt und analysiert worden sind. Speziell die in Rotenburger Chroniken wiedergegebenen Darstellungen sog. tragikomischer Vorkommnisse in Bezug auf judenfeindliche Ausschreitungen im Jahre 1848 bedürfen nach unseren Erkenntnissen einer Revision.

 

 

Bei der Mundarterzählung ,,Der Markusdeech" handelt es sich nicht um eine wahre Begebenheit.

Den Juden Markus Linz hat es zwar gegeben und es fanden auch Exzesse gegen ihn statt, aber die in der Erzählung geschilderten Ereignisse haben eher Legendencharakter.

Die in Rotenburg stattgefundenen antijüdischen Ausschreitungen könnten so, wie in ,,Der Markusdeech" geschildert, abgelaufen sein. Deshalb erschüttert die Erzählung auch trotz des Wissens um ihre historische Fragwürdigkeit.

Wir haben uns gefragt, wie man die Erzählung am besten und ansprechendsten umsetzen könnte. Dabei sind wir auf die Idee gekommen, die ,,Markusdeech"-Geschichte in Form eines Comics zu präsentieren. Denn eine dem ,,Zeitgeist" entsprechende Gestaltung der 150-jährigen ,,Begebenheit" kann den heutigen Leser besser ansprechen.

Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird zunächst auf die äußere Form, auf die sich aneinanderreihenden, witzigen Bilder gelenkt. Denn der Comic hat als erstes einen Unterhaltungswert. Dabei - fast unbewußt - vermittelt sich dem Leser der brisante Inhalt. Keinesfalls beabsichtigen wir durch die Darstellungsweise des Comic, Pogrome gegen Juden ins Lächerliche zu ziehen. Der Comic ist eine mediale Ausdrucksform, die in unserem Fall sowohl den Ernst als auch die ironischen Züge der Geschichte einfängt und sie dem Betrachter zu Gemüte führt, ohne ihm große interpretatorische Leistungen abzuverlangen. Damit kann man eine enorme Bandbreite an Leuten ansprechen, vor allem jüngere Leser.

 

 

Hier nur ein ausgewählter Strip, um einen besseren Eindruck des gesamten Comics zu bekommen.

Text in Sprechblase: Dä Kinge, dä Mäde, mocht die Hißdären zu, de Räwolutione kimmt !!

Übersetzung: Ihr Kinder, ihr Mädchen macht die Haustüren zu, die Revolution kommt!

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3. Kapitel

 

Wirtschaftliche Misere

Zunächst werfen wir einen Blick auf die allgemeinen Verhältnisse der ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts. Verschiedene Faktoren trugen zur Verschlechterung der Lebensbedingungen zu jener Zeit bei. Zum einen führten im Kreis Rotenburg die verfallende Leinenweberei und zum anderen der unrentabel gewordene Bergbau zu einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Hinzu kamen in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts noch mehrfach Mißernten die das soziale Elend verschärften. Die Folgen daraus zeigten sich in einer stark ansteigenden Auswanderung; 1846 kamen aus den östlichen Kreisen der Landgrafschaft (Rotenburg, Witzenhausen, Eschwege) fast ein drittel der kurhessischen Auswanderer. Für die Jahre 1852 bis 1860 liegen uns genaue Zahlen über die kurhessische Auswanderung vor: Sie weisen Rotenburg als den Landkreis mit den höchsten relativen und sogar absoluten Ziffern aus. Im Folgenden die Aufstellung im Original und als Säulendiagramm im Vergleich mit den unmittelbar angrenzenden Landkreisen.

 

 

Daß die wirtschaftliche Not ein wesentlicher Grund für die hohen Auswanderziffem war, wird deutlich, wenn man das durchschnittliche Vermögen der aus dem Kreis Rotenburg Ausgewanderten betrachtet. In Rotenburg waren es etwa 40 Taler pro Person, nur Frankenberg hatte mit 38 Talern einen niedrigeren Wert.

In welchem Ausmaß wirtschaftliche Not die Ursache für die Auswanderung aus dem Raum

 

 

Rotenburg war, vermitteln die Angaben über die Vermögensverhältnisse der 1852 (legal)

Ausgewanderten: 66,2 % waren ohne jegliches Vermögen - gegenüber einem Durchschnittswert von 32,4 % für alle niederhessischen Kreise. Zur Veranschaulichung das folgende Säulendiagramm:

 

 

Wenn man die (hohen) Auswanderungszahlen als Indikator für wirtschaftliche und soziale Misere interpretiert, machen sie deutlich, in welch hohem Maße Menschen im Raum Rotenburg in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in großer Notlage waren.

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4. Kapitel

 

März 1848 - Der Rotenburger Judenhaß flammt auf

Antijüdische Ausschreitungen im Zuge der ´48er-Revolution sind, wie im 1. Kapitel bereits ausgeführt, nicht nur in Rotenburg lokalisiert worden. Vor allem im Badischen kam es zur Demolierung von jüdischem Eigentum. Im Hessischen kam es aber nirgendwo zu so schweren Drangsalierungen der Juden wie in Rotenburg. Einen ersten Beleg dafür stellt die Beschwerde des jüdischen Kaufmanns David Linz vom 28.03.1848 dar:

Seit 14 Tagen wiederholen sich die lärmenden Auftritte gegen die Juden in Rotenburg. Nicht etwa begnügt man sich mit dem Einwerfen von Fenstern, die Häuser werden wahrhaft gestürmt, die Schalter mit Äxten eingeschlagen, ja in der Nacht vom 26. auf den 27., wo sich diese Auftritte in der schrecklichsten Weise und bei fast allen Judenwohnungen wiederholten, drangen die Ruhestörer sogar in das Haus des Salomo Sommer und warfen Waren und Geld zum Fenster hinaus. An den Ecken waren Plakate angeheftet, welche die Drohungen aussprachen, daß binnen 4 Wochen kein Jude mehr in Rotenburg sein dürfe, widrigenfalls man sie ins Wasser werfen würde. An Schutz und Hilfe ist um so weniger zu denken, als selbst den Christen, welche Juden aufnehmen und schützen wollen, damit gedroht wird, sie noch ärger als jene zu behandeln. (.) Die Bürgergarde wagt es nicht einzuschreiten, (...) und das Gericht ist sogar genötigt gewesen, die bei den beginnenden Tumulte verhafteten Ruhestörer alsbald wieder freizugeben, weil mit Grund zu befürchten war, das Gefängnis werde gestürmt werden.

 

Nach einer Meldung der in Hersfeld erscheinenden liberalen Zeitung ,,Der Hessenbote" waren in Rotenburg bereits in der Nacht vom 11. auf den 12. d. M. (gemeint: 11./12. März) die rohesten Exzesse verübt worden. Das Hersfelder Blatt kritisierte vor allem, daß die besser gesinnten Bürger (...) dabei ihre Schuldigkeit so wenig gethan, daß jene Exzesse nicht einmal entschieden mißbilligt worden seien.

Bereits am 23. März 1848 marschierte Militär in Kompaniestärke in Rotenburg ein. Der Kommandeur, Major von Borck, mußte vor Ort feststellen, daß mehrere Tage hintereinander (...) Zusammenrottierungen stattgefunden, welche in förmlichen Plünderungen und Beraubungen der Juden geendigt haben, ohne daß die Gerichte pp. eingeschritten oder nachträglich Verhaftungen vorgenommen hätten. Das Institut der Bürgergarde ist schlecht organisiert und ist ebenfalls bei den vorgefallenen Unordnungen ziemlich untätig geblieben.

Basierend auf seinen Beobachtungen hielt der Kommandeur bereits zu diesem Zeitpunkt die Stationierung von Soldaten in der Stadt Rotenburg für notwendig. Durch die Zustände in Rotenburg war Major von Borck überzeugt, daß die verübten Gewalttätigkeiten alsbald wieder beginnen würden, wenn das Militär abmarschierte.

Die Anwesenheit der Soldaten führte dennoch nicht zur vollständigen Entspannung der Lage. Drei Tage nach seinem Dienstantritt konnte Oberstleutnant Hillebrand, dessen Einheit das Borck'sche Regiment ablöste, zwar vermelden, daß es keine bedeutende Ruhestörung mehr gegeben habe, wohl aber seien heftige Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung in der Stadt vernehmbar gewesen.

Am 1. Mai 1848 gab Leyser Linz, Kolonial- und Manufakturwarenhändler, bei der Polizeidirektion der Provinz Niederhessen in Kassel zu Protokoll:

Seit sieben Wochen werden die Juden in Rotenburg durch Exzesse gegen ihr Eigentum beunruhigt, namentlich sind mir schon mehrere Male die Fenster eingeworfen beziehungsweise eingeschlagen worden; man ist so eingeschüchtert, daß man das Haus nicht verlassen mag. Am Mittwoch, den 26. v. M., gegen Abend, versammelte sich wieder ein Haufen Ruhestörer vor meiner Wohnung, welche sich mit Äxten bewaffnet hatten und damit meinen Laden einschlugen: Kisten wurden auf die Straße geworfen und mit den darin befindlichen Waren zertrümmert und weitere Beschädigungen im Laden selbst angerichtet. Den Verlust kann ich zu 25 Taler anschlagen.

Auch der jüdische Manufakturwarenhändler Geisel Bimbaum wandte sich hilfesuchend an die Kasseler Behörde. Bimbaum bekräftigte die dringende Bitte seines Leidensgenossen Leyser Linz, von Kassel aus Hilfe für die bedrängten Juden in Rotenburg zu schaffen. Zudem zeigte er an: Eine Mauer mit Staketen zur Umfriedung meines Hofes ist total abgebrochen, meine Haustür mit Äxten eingeschlagen worden. Kein Abend vergeht, wo nicht Steinwürfe nach meinem Hinterhause gerichtet werden.

Bereits sechs Wochen zuvor, am 15. März 1848, hatte Geisel Bimbaum zusammen mit seinem jüdischen Mitbürger Baruch Flörsheim in Kassel vorgesprochen und die allgemeine Notlage der jüdischen Bevölkerung in Rotenburg geschildert.

Ein ausführlicher Bericht über die antijüdischen Exzesse im kurhessischen Rotenburg findet sich in der jüdischen Zeitung Der treue Zionswächter. In Ausgabe 4, 1848 heißt es:

Kaum hatten die Rotenburger Juden sich ein wenig von dem ersten Ueberfalle erholt, und der Hoffnung hingegeben, jetzt wenigstens unbelästigt bleiben zu dürfen, als am Mozze Schabbat (=Samstagabend) die früheren Scenen von Neuem und zwar in weit bedeutenderer Gestalt sich wiederholten. Verfolgung, Mißhandlung, Plünderung und Verwüstung erreichte endlich einen so hohen Grad, daß (...) 300 Schützen hier einrücken mußten, wodurch die Ruhe wieder hergestellt und Untersuchung aufs Eifrigste eingeleitet und betrieben wurde.

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Seite 20 - Kapitel 5: Gewalt und Zerstörung eskalieren in Rotenburg

5. Kapitel

 

Gewalt und Zerstörung eskalieren in Rotenburg

Im Laufe der folgenden Wochen beruhigten sich die Gemüter in Rotenburg zunächst wieder. Die Lage änderte sich dann aber schlagartig im Juni 1848: In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1848 wurde das Haus eines jüdischen Händlers Zielscheibe der Zerstörungswut der Bürger. Regierungsassessor Mittler, kommissarischer Landrat des Kreises Rotenburg, berichtete über die Vorgänge an die Regierung in Kassel:

Seit dem 1. d. M. haben dagegen fast jeden Abend dahier wieder Exzesse gegen das Eigentum der Israeliten stattgefunden. Diese Exzesse werden gegen Mitternacht von einzelnen wenigen in einem so klug berechneten Momente ausgeführt, daß es noch keinmal gelang, die Täter auf frischer Tat zu erfassen. Am Sonntage, den 4. d. M. wurden gleichzeitig dem Herrn Justizbeamten Weber mit einem ,,Verrat den Beamten, den Judenfreunden" und einem sonst sehr populären Kaufmanne Wetzel Charivaris (=Katzenmusiken) gebracht und zwei Israeliten die Fenster eingeworfen. Montags, wo eine verstärkte Wehr aufzog, wurden gegen Mitternacht fast unter den Augen der Wehr einem Israeliten die Fenster zertrümmert. Man konnte die Täter zwar nicht auf frischer Tat ertappen. Allein 3 Individuen wurden unter sehr verdächtigen Umständen betreten und folgenden Tags verhaftet. Diese Verhaftung erzeugte, da einer der Verhafteten, der Drechselmeister Stöltzing, ein angesehener Bürger ist, eine ungeheure Aufregung.

Dem Bericht des Kommandeurs der mobilen Militärkolonne (Bericht vom 11.06.1848) zufolge, war es einer der beiden Hauptleute der Rotenburger Bürgergarde, der die Verdächtigen in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni ermittelt und schließlich in Haft genommen hatte. Ebenso war nach Recherchen des Kommandeurs in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1848 das Haus des Justizamtmanns Weber Schauplatz einer heulenden Charivari unter Steinwürfen. Der kommissarische Landrat Mittler befürchtete sogar, daß die aufständischen Rotenburger das örtliche Gefängnis stürmen würden.

So weit sollte es jedoch nicht kommen, denn bereits am 8. Juni ließ Justizamtmann Weber die Inhaftierten in das Landesjustizgefängnis nach Kassel verlegen. Als dieses Vorhaben bekannt wurde, so Weber gegenüber dem Kasseler Justizministerium, erfolgte alsbald eine bedeutende Aufregung bei der gesamten hiesigen Einwohnerschaft, die sich in mehrfachen Versuchen gewaltsamer Befreiung der Transportaten äusserte. Nur durch die äußerste Energie und die größten Anstrengungen konnte die Fortbringung der Angeschuldigten bewerkstelligt werden.

Es blieb indessen eine ungeheure Aufregung der Gemüter zurück, die massenhafte tumultuarische Auftritte befürchten ließ.

Die Ausschreitungen eskalierten dann in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1848. Die Ursache dafür erblickte Regierungsassor Mittler in der von Justizamt Weber - allerdings ohne Rücksprache mit dem Landratsamt - angeordneten Überführung der Inhaftierten in das Landgefängnis in Kassel:

Es war gegen 3 Uhr nachmittags. Kaum bewegten sich die Wagen von dem Gefängnisse hinweg, als ein ungeheurer Aufstand entstand und Versuche gemacht wurden, die Gefangenen zu befreien. Nur das energische Benehmen des Herrn Justizbeamten hielt die gewaltsame Befreiung auf Ich eilte hinzu und war im Begriff die Aufruhrnote zu verlesen, als der Sturm sich legte und die Wagen die Stadt verlassen konnten. Es herrscht inzwischen eine unglaubliche Aufregung und Erbitterung.

Um den Aufruhr in den Griff zu bekommen, wurde die Bürgergarde mobilisiert. Auf ihre Mitglieder war jedoch kein Verlaß. Dem Einsatzbefehl ihrer Kommandeure leisteten nur wenige Folge.

So sahen sich die Rotenburger Behördenleiter in jener Situation ohne Unterstützung, da die örtlichen Gendarmen fast sämtlich zum Transport der Inhaftierten abgestellt werden mußten, so daß sie den aufständischen Rotenburgern keinen Widerstand entgegensetzen konnten.

Mit Anbruch der Nacht durchzog ein Haufen von 6-800 Menschen, der größere Teil der gesamten männlichen Einwohnerschaft, die Stadt und begann einzlne Häuser der Israeliten im Äußeren, wie im Inneren, gänzlich zu demolieren. Zweimal zog die Menge vor die Wohnung des Justizbeamten, unter dem wilden Geheule ,,der Hund soll heraus!", welches beim zweiten Male zahlreiche Steinwürfe begleiteten. Das Zerstörungswerk an den Judenhäusern wurde bis auf 2 Uhr fortgesetzt. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß sich die Ausschreitungen am folgenden Abend fortsetzen würden, vielleicht in noch bedrohlicherer Weise wiederholen werden. Der Bericht des kommissarischen Landrats schließt mit der dringenden Bitte an die Regierung, so schnell wie möglich militärische Unterstützung nach Rotenburg zu entsenden, da sonst Ruhe und Ordnung nicht mehr herstellbar seien: Wir müssen deshalb die sofortige Absendung eines Militärdetachments von zwei Kompagnien, insbesondere von Kavallerie, welche heute Abend noch dahier eintreffen könnte, ebenso dringend wie ehrerbietig beantragen.

Dem Justizbeamten Weber riet Mittler, Rotenburg zur eigenen Sicherheit bis zur Ankunft des Militärs zu verlassen, was dieser auch gegen Mittag des 9. Juni 1848 tat.

Die Bürgergarde fiel als Ordnungsfaktor völlig aus, nachdem deren Kommandeure bedroht worden waren und ihre Ämter aus Angst um ihr Leben niedergelegt hatten. Im Bericht des Kreisamtes an die Untersuchungskommission der Ereignisse vom 12.07.1848 wird deutlich, daß die Veranlassung zu der Niederlegung der Stellen die Vorgänge jener Nacht waren, wo von der aufgerufenen Mannschaft nur 12 erschienen waren und diese im Anfange des Tumultes ihren Anführer verlassen hatten.

Am Mittag des 11. Juni 1848 traf dann die angeforderte mobile Militärkolonne in Rotenburg ein. Die Einquartierung ging ohne Anstand vor sich (Assessor Mittler). Assessor Mittler hielt die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung nur durch die Anwesenheit einer besonderen Untersuchungskommission für möglich.

Auch eine Woche nach Ankunft des Militärs beurteilte Mittler - trotz ausgebliebener weiterer Unruhen - die Lage als weiterhin angespannt und bedrohlich: Der Haß gegen die Israeliten, gegen den Justizbeamten Weber hat sich vielleicht noch gesteigert. Sobald das Militär Rotenburg verlassen haben wird, ist die Rückkehr der Exzesse zu befürchten.

Mittler machte die Regierung darauf aufmerksam, daß es im Verlauf der gerichtlichen Untersuchung zu weiteren Unruhen kommen könne, die nur durch verstärkte Präsenz des Militärs kontrollierbar seien. Für die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung sei vor allem die Auflösung der Bürgergarde nötig, denn sie verdiene aufgrund ihres Verhaltens am 8. Juni 1848 keinerlei Vertrauen mehr.

Mittlers Beurteilung der Lage deckt sich mit der Meinung des nach Rotenburg entsandten Landgerichtsassessors Bernhard. Dieser schildert in seinem Bericht vom 14. Juni 1848 die verhängnisvolle Situation, in die Justizamtmann Weber nach seiner tags zuvor erfolgten Rückkehr nach Rotenburg geraten war. Webers Versuch bei einem Verwandten unerkannt Unterschlupf zu finden, war Bernhards Bericht zufolge gescheitert. In der Zwischenzeit war Leben und Eigentum der bedrohten Person (gemeint: Justizamtmann Weber) den Händen eines wütenden und höchstwahrscheinlich berauschten Pöbels preisgegeben. Amtmann Weber konnte Rotenburg dennoch am gleichen Abend unversehrt verlassen.

Weiterhin vermeldete Assessor Bernhard, daß der Rotenburger Bürgermeister der Situation völlig passiv gegenüberstehe. Seine eigene Person und seinen Auftrag als Untersuchungsrichter sah Bernhard derart bedroht, daß er eine Verlegung des Verfahrens nach Kassel für erforderlich hielt. Es sei zu erwarten, daß die Rotenburger ohne Militärpräsenz jedem mit der Untersuchung Beauftragten nachstellen werden, weil man fast allgemein die Exzesse gegen die Israeliten für eine wohlverdiente Bestrafung derselben und die Untersuchung darüber für ein unverantwortliches Unrecht halte.

Aufgrund der angespannten Lage in Rotenburg ließ das Kriegsministerium am 28. Juni 1848 zwei weitere Kompanien des Schützenbataillons einmarschieren. Dort kamen sie gerade rechtzeitig an, um entgegen der eigentlichen Einsatzplanung zur Brandbekämpfung beizutragen. In der Neustadt war nämlich am 28.06.1848 ein Großbrand ausgebrochen, der bis zum folgenden Tag wütete.

Kaum war aber der Großbrand gelöscht, als am 10. Juli in der Altstadt, in der Brückengasse, Feuer ausbrach und drei Häuser schwer beschädigte. Auch hier konnten die vier Militärkompanien, die damals in Rotenburg einquartiert waren, zum Löschdienst beitragen. Der Kommandeur der vier Schützenbataillone schien sicher zu sein, daß auch dieses Feuer wieder angelegt worden ist. Er sah die Rotenburger Bevölkerung unter solchen Verhältnissen in Angst und Schrecken. 

 

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6. Kapitel

 

Baruch Flörsheim - ihn traf es am härtesten

Am härtesten traf es den im Steinweg wohnenden Rotenburger Juden Baruch Flörsheim. Er nahm die lange Reise nach Kassel in Kauf und zeigte die an ihm verübten Straftaten an.

In der Nacht zwischen dem 8. und dem 9. Juni 1848 drangen um 1/2 10 Uhr Rotenburger Bürger in sein Haus ein und richteten Beschädigungen durch Steinwürfe an. Sie zerschlugen zunächst die Haustür mit Äxten. Später in der Nacht kehrten sie dann zurück, drangen in sein Haus ein, zertrümmerten die Türen und demolierten die Inneneinrichtung. Öfen wurden abgerissen, Möbel zerstört und auf die Straße geworfen. Flörsheim wurden auch Geld und Wertsachen gestohlen: einige Ringe, mehrere Silberlöffel, Landeskreditkassen-Obligationen sowie 30 Taler Bargeld. Insgesamt bezifferte Flörsheim den Schaden auf 1000 Taler.

Obwohl sein Leben - nach eigener Aussage - nicht bedroht war, flüchtete er nach Kassel, da ihm der Amtmann Weber erklärt hatte, daß er ihm keinen Schutz mehr gewährleisten könne. In Kassel gab er u.a. zu Protokoll, daß er folgende Rotenburger erkannt habe:

1) den Cantor Oese

2) den Dachdecker Conrad Greuling

3) den Reinhard Müller vulgo Halber Jude

4) den Tagelöhner Georg Hartung

5) den Bäckermeister Matthias Hucke

6) den Buchbinder Reinhard Tiel

7) den Zimmermann Mattheus Horneff

Als Zeigen benannte Flörsheim insgesamt 32 Personen, davon 23 Christen und 9 Juden. Schließlich bat Flörsheim noch Hausdurchsuchungen bei folgenden Leuten vorzunehmen: Seifensieder Christian Grau, Kantor Oese, Georg Hartung, Gastwirt Hucke und Gastwirt Hoffmann. 

 

 

Das vollständige Protokoll der Anzeige von Baruch Flörsheim im Anhang (Nr. A 16)

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7. Kapitel

 

Die Rotenburger Ereignisse aus der Perspektive der Amtspersonen

 

Oberstleutnant Hillebrand

Im Juni 1848 wurde Oberstleutnant Hillebrand mit einer ,,Mobilen Kolonne" in Rotenburg stationiert, um den Exzessen gegen die Juden in Rotenburg Einhalt zu gebieten und zur Deeskalation der Situation beizutragen. Er legt seine Beurteilung der Situation dem Kurfürstlichen Kriegsministerium in Kassel in einem Bericht vom 12. Juli 1848 dar. Hillebrand sieht die Exzesse in den folgenden drei Faktoren begründet:

  1. In einem tiefen Haß gegen die Juden. Dieser mag allerdings durch einen regen Wucher und vielerlei Betrügereien, wogegen Gesetze nicht schützen, hervorgerufen worden sein; denn einige Judenfamilien, welche sich ehrlich von ihrer Hände Arbeit ernähren, sind ganz unberührt geblieben.
  2. In einer tiefen Verarmung der mittleren und unteren Klassen. -Die Ursache liegt größtenteils darin, daß denselben fast alle Einnahmequellen, worauf die Existenz ihrer Familien gegründet war, abgeschnitten wird.
  3. In einer großen Sittenlosigkeit und Demoralisierung der unteren Stände. Die Ursache dieser auffallenden Demoralisierung ist in den früheren hiesigen Zuständen zu suchen, wodurch Sittenlosigkeit und Müßiggang in hohem Grade begünstigt wurde.

 

Hillebrand gibt den Juden also eine Teilschuld (vgl. Punkt 1), da sie sich durch ihr Verhalten den Haß der Rotenburger zugezogen hätten. Zudem erläutert er in weiteren Ausführungen zum ersten Punkt, daß sich dieser Haß durch die gesamten Stände ziehe und es nur sehr wenige Bürger gebe, die die Exzesse verurteilten.

Hillebrand weist darauf hin, daß man diese Entstehungsursachen nicht beseitigen könne. Er hält deshalb die Präsenz des Militärs für mindestens ein weiteres halbes Jahr für notwendig und befürchtet neue und schlimmere Exzesse gegen die Juden, sollte das Militär verfrüht abziehen. Er schlägt vor, die Situation nach Ablauf des halben Jahres neu zu überdenken und dann zu überlegen, ob man das Militär abziehen kann. Hillebrand will die gegenwärtige Stärke des Militärs auf jeden Fall beibehalten, solange die Untersuchungen andauern. Er vermutet weitere Störungen, wenn es zu Verhaftungen in den höheren Bürgerschichten kommen sollte.

Der vollständige Bericht von Oberstleutnant Hillebrand im Anhang (Nr. A 9)

 

Landrat Wagener

Auch der seit Juli 1848 in Rotenburg amtierende Landrat Wagener hält die Präsenz von Militär in Rotenburg für notwendig, wie er der kurfürstlichen Regierung in einem Bericht vom 23. August 1848 mitteilt, in dem er außerdem seine ablehnende Haltung gegenüber dem Rotenburger Beschwerdegesuch um Befreiung von der Einquartierungslast darlegt.

Wageners Analyse der Situation legt ähnliche bzw. dieselben Schwerpunkte wie Hillebrand. Auch er sieht die Verarmung und das schlechte Beispiel des Hofes in der Vergangenheit als Gründe für die Exzesse.

Wagener ist wie Hillebrand der Meinung, daß das Militär bei der Vollziehung der Gerichtsurteile gegen die Beteiligten gebraucht wird, weil Widerstand und Versuche des Aufruhrs dann gewiß seien.

Im Oktober 1848 sehen die Verantwortlichen die Lage soweit stabilisiert, daß sie daß Militär aus Rotenburg abziehen lassen, nachdem sie von den Rotenburger Gremien die Garantie bekommen haben, daß die Bürgergarde im Falle neuer Ausschreitungen eingreift.

 

 

Aus den uns vorliegenden Dokumenten wird nicht klar, ob die Situation in Rotenburg damals von den Verantwortlichen übermäßig dramatisiert wurde oder die Militärpräsenz in Rotenburg wirklich unabdingbar war, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. Außerdem kann man nicht genau sagen, ob die Exzesse aufgrund eines latenten Judenhasses in der Bevölkerung oder auf die wirtschaftliche Notlage der Bevölkerung zurückzuführen sind. Wahrscheinlich ist eine Mischung von beidem.

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8. Kapitel

 

Die Rotenburger Bürger wehren sich

Als die Rotenburger Exzesse gegen die Juden in der ,,Kasselschen Allgemeinen Zeitung" vom 16. Juni 1848 publik gemacht wurden, reagierten einige ,,gehorsame Bürger und Einwohner" darauf mit einer Petition an die Hohe Ständeversammlung, in der sie ihre Verhaltensweisen verteidigen, indem sie Juden, die Opfer der Geschehnisse, nunmehr als Täter hinstellen und der christlichen Bevölkerung die Opferrolle zuschreiben. Sie beklagen die seit der Judenemanzipation angeblich verschärften Mißstände, die mit einigen Maßnahmen zugunsten der Christen verändert werden sollen.

Ihre Argumentation beginnen die Bürger damit, daß sie - scheinbar modern und auf der Höhe der Zeit - betonen, der Gleichheit aller Bürger zuzustimmen. Mit dieser Erklärung wollen sie die Ständeversammlung auf ihre Seite ziehen und zeigen, daß dieses Hauptanliegen der Revolution auch in Rotenburg bekannt und gewünscht ist.

Allerdings fordern sie gewisse Einschränkungen in bezug auf diese Gleichheit. Sie erinnern daran, daß den Rechten der Bürger auch Pflichten gegenüberstehen und sehen letztere von den Juden nicht erfüllt. Ihre Begründung zu dieser Behauptung fällt allerdings recht vage aus. Sie beklagen, daß die Juden sich nicht auf ordentliche Weise nähren und ihr Fortkommen suchen.

Dies zielt auf die Beschwerde hin, daß sich die Juden nur durch Geldhandel ernährten, wobei der ,,erbärmliche Schacherjude" wesentlich mehr verdiene als der christliche Bürger bei aller Tätigkeit und Arbeitsamkeit. Sie forderten strenge Gesetze gegen ,,Schacher- und Wucherhandel", sowie daß Juden ein ordentliches Handwerk, Gewerbe, Ackerbau oder Viehzucht betreiben müssen.

Der Hersfelder Abgeordnete Sunkel, der dem Petitionsauschuß der Ständeversammlung Bericht über das Rotenburger Anliegen erstattete und dessen Ausführungen im Hersfelder ,,Hessenboten" vom 17. August 1848 abgedruckt wurden, führt gegen diese Beschwerde der Rotenburger an, daß die Juden ursprünglich Ackerbau und Viehzucht betrieben, ihnen aber mit der Einwanderung in Europa nur noch Handel und Geldgeschäfte erlaubt waren.

Zudem geht Sunkel auf die Behauptung der Rotenburger ein, daß die Judenemanzipation die schlechte wirtschaftliche Situation verschärft habe. Er sieht vielmehr in der Konkurrenz, die sich aus der Schwächung der Zünfte ergibt, eine Wohltat für das ,,konsumierende Publikum".

Um die Juden vom unterstellten Schachern und Wuchern abzubringen und sie so insgesamt besser in die Gesellschaft zu integrieren, sind laut Sunkel vier Maßnahmen durchzuführen:

  1. Aufhebung jedes rechtlichen Unterschiedes zwischen Christen und Juden
  2. Freigebung der Ehe zwischen denselben
  3. Beschränkung des Not- und Hausierhandels
    Errichtung von Kredit - und Hilfskassen, aus welchen der bedrängte Landmann oder Gewerbetreibende Vorschüsse erhalten kann, um nicht genötigt zu sein> den Wucherern in die Hände zu fallen.

Die Rotenburger benutzen in ihrer Petition die Metapher von den Juden als Wölfen, die sich in unaufhörlicher Hast in der christlichen Herde einherschleichen und sie zu zerstören suchen.

Damit versuchen sie die Juden weiter zu diffamieren und als vermeintliche Täter hinzustellen. Sie verweisen auf die Toleranz, die die Rotenburger lange gezeigt hätten, die dann in Unduldsamkeit - wie die Verfasser der Petition bedauern - umgeschlagen sei, und begründen den Ausbruch der Exzesse mit dem heimlichen Groll der Juden gegen Nichtjuden (!), der eine Scheidewand zwischen ihnen und der christlichen Bevölkerung bilde. Sie werfen den Juden außerdem vor, daß sie sich dem Vaterland nicht verpflichtet fühlten und untereinander zusammenhielten um gegen andere (Völker) ein Übergewicht zu bekommen.

Die Argumentation der Rotenburger geht also von den Juden als Agitatoren und Tätern aus, gegen die sich die Christen in der passiven Opferrolle befinden, die letztendlich die Geduld verlieren mußten, um sich gegen die jüdischen ,,Wölfe" zu wehren, die, wie sie beklagen, in der Rotenburger Gegend auch noch ,,in großer Zahl" anzutreffen seien. In der Tat waren Juden in großer Zahl im Raum Rotenburg ansässig, wie der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen ist.

 

 

Der Haß auf die Juden fand in der Not der christlichen Bevölkerung neue Nahrung. Die Gegend um Rotenburg hatte um 1848 große wirtschaftliche und soziale Probleme, wie bereits an anderer Stelle dargestellt. Die Armut der Bevölkerung wurde durch die landwirtschaftlichen Krisen und durch das Aussterben von dem für den Raum Rotenburg wichtigen Leinengewerbe und dem unrentabel gewordenen Bergbau verstärkt. Dazu kam noch das Anwachsen der Bevölkerung in den unteren sozialen Schichten, was die Not verschlimmerte.

Viele verarmte Bürger mußten also zum Geldverleiher - einem Juden - gehen und sich verschulden. Wenn sie dann nicht in der Lage waren, das Geld zurückzuzahlen, war es der Jude, der ihr Hab und Gut pfändete und sie scheinbar ins Unglück stieß. Daß die Ursache ihrer Not aber überhaupt nicht bei den Juden liegt, erkennen die meisten nicht. Sie finden in den Juden den perfekten Sündenbock. Das Außenseitertum der Juden wird durch deren 

 

 

religiöse Riten und die andere, für die Nichtjuden unverständliche und dadurch unheimliche Lebensweise verstärkt.

Zudem ging es manchem jüdischen Geld- und Warenhändler in dieser Zeit besser als den kleinen Bauern, Handwerkern oder Arbeitern, die hart für ihr Geld schuften mußten und sich dann vom jüdischen Geldverleiher betrogen fühlten. Sie neideten den Juden das Geld, übersahen dabei aber, wie Sunkel bemerkte, daß den Juden eigentlich keine andere Wahl gelassen worden war und auch die Forderung, daß Juden einen ,,ordentlichen" Beruf (damals war nur das produzierende Gewerbe als ordentliche Arbeit anerkannt!) ausüben sollen, schwer zu realisieren war.

Aber wie sollte ein Jude Ackerbau betreiben können, ohne das dazugehörige Land zu besitzen? Und Ackerland zu erwerben, war den Juden ja bis ins 19. Jahrhundert nicht erlaubt gewesen.

Da es zu dieser Zeit üblich war, den Beruf des Vaters zu ergreifen, blieb den Juden in der Regel nichts anderes übrig, als Händler oder Geldverleiher zu werden, da ihren Vätern in der Vergangenheit nichts anderes gestattet war und sie somit auch keinen Hof und keine Werkstatt übernehmen konnten.

Doch alle diese Gesichtspunkte kommen in der Rotenburger Petition nicht zur Sprache. Sie stellt vielmehr eine Verteidigungsschrift dar, die versucht, die Juden für den Haß und die Exzesse als Schuldige hinzustellen, obwohl die Aggression von Seiten der Rotenburger kommt.

Die Juden werden zu Opfern in der wirtschaftlichen Krise, die nicht in ihrem Verschulden liegt, da sie als Außenseiter und Randgruppe eine gute Angriffsfläche bilden und zu Sündenböcken gemacht werden können, die nicht nur an der Not, sondern, wie die Petition zu suggerieren versucht, auch an den Exzessen gegen sie selbst schuld sind.

Das folgende Diagramm verdeutlicht die stark unterschiedliche Berufsstruktur der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Rotenburgs im Jahr 1848:

 

 

Daß 11% der Rotenburger Juden handwerkliche Berufe ausübten, wie das obige Diagramm zeigt, gibt zu erkennen, daß ihre berufliche Tätigkeit nicht auf den Geld- und Warenhandel beschränkt war. Rotenburger Juden waren also durchaus bereit, auch durch ,,ordentliche" Arbeit (siehe oben) ihr Brot zu verdienen.

Das folgende Säulendiagramm zeigt, daß mit Ausnahme der Bereiche Lebensmittel (,,Kramhandel") und Eisenwaren die jüdischen Händler in den beiden Städten des Kreises Rotenburg eine eindeutig dominierende Position hatten.

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9. Kapitel

 

Nachwort - Weshalb Judenverfolgungen in einer Bewegung für Freiheit und Toleranz?

Weshalb Judenverfolgungen in einer Revolution, die heute als Synonym für Freiheit und Gleichheit gilt?

Die Antwort auf diese Frage könnte im Prozeß der Umstrukturierung der wirtschaftlichen Ordnung und in der allgemeinen Armut gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden werden. Die Emanzipation der Juden lief parallel zu der Strukturkrise ab, die durch den Übergang von der Feudalgesellschaft zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft im ersten Teil des 19. Jahrhunderts verursacht wurde. Die Landwirtschaft wurde neu organisiert, Heimindustrie und Manufakturen durch Industrieproduktion ersetzt. In den 40er Jahren wurde diese Strukturkrise durch Mißernten und explodierende Nahrungsmittelpreise verschärft. Die Juden waren aber diejenige Schicht, die weniger Probleme mit dieser Umstellung hatte. Durch ihr Wissen in Geld- und Handelsfragen konnten sie die neuen Möglichkeiten besser nutzen. Daß sie diese Überlegenheit oftmals ausgenutzt haben, liegt auf der Hand.

Die Rotenburger Bürger sahen sich von dieser Entwicklung immer mehr bedroht. Die antijüdischen Ausschreitungen des Jahres 1848 könnten daher als Ventil für aggressive Stauungen gewertet werden.

1848 kam es auch in anderen deutschen Orten zu antijüdischen Ausschreitungen.

Den vielerorts vorherrschenden Judenhaß muß man zwangsläufig als Fehlschlag der ursprünglichen liberalen Bestrebungen der Revolution von 1848 ansehen. Das Scheitern der gesellschaftlichen Neustrukturierung während der Revolution 1848 verhinderte letztlich die vollständige Emanzipation der Juden und ihre Integration in die Gesellschaft.

Die judenfeindlichen Aktionen der Jahre 1848/49 zählen zu den dunklen Seiten der Revolution. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob der Judenhaß im 19. Jahrhundert bereits die Weichen zur deutschen Katastrophe des 20. Jahrhunderts gestellt hat. Lassen sich in den antijüdischen Vorkommnissen des Jahres 1848 etwa schon Anzeichen des nationalen Wahns erkennen, der sich später mit Hitlers Regime über Deutschland legte?

Die Frage wirkt provozierend und fordert zur Antwort heraus!

Dies wäre ein interessantes Thema für die Fortsetzung unserer Studien.

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Quellen- und Literaturnachweis

 

1. Quellen

Staatsarchiv Marburg

Bestand 11, Kriegskabinett: Nr.244

 

Bestand 16, Innenministerium: Rep. II, Kl. 1c, Nr. 33

Rep. II, Kl. 14, Nr. 23, Bd. 1

Rep. VII, Kl. 12, Nr. 32

Rep. VII, Kl. 12, Nr. 51, Bd. 1

Rep. VII, Kl. 12, Nr. 52, Bd. 1

Bestand 17g, Polizeirepositur: Fach 27, Nr. 19a

Fach 111, Nr. 1d

 

Bestand 180, Landratsamt Rotenburg: Nr. 428 u. Nr. 576

Bestand 250, Justizministerium: Nr. 1038

Bestand 330, Stadt Rotenburg: Nr. 4299

Bestand 340, Nachlaß Vilmar: Nr. 42b, Wilhelm Vimar  

 

2. Darstellungen und Monographien

Borth, Wilhelm / Schanbacher, Eberhard (Hrsg.): Zeiten und Menschen. Neue Ausgabe G, Band 2: Entfaltung und Krise der modernen Welt. Vom Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen bis zum Zweiten Weltkrieg, Verlag F. Schöningh, Paderborn 1986.

DAMALS-Spezial: 1848/49 - Für die Freiheit streiten, Stuttgart 1998.

Erb, Rainer / Bergmann, Werner: Die Nachtseite der Judenemanzipation. Der Widerstand gegen die Integration der Juden in Deutschland 1780 - 1860, Berlin 1989.

Friesel, Evyatar: Atlas of Modern Jewish History. Revised from the Hebrew Edition, New York 1 Oxford 1990.

Gailus, Manfred: Straße und Brot. Sozialer Protest in den deutschen Staaten unter besonderer Berücksichtigung Preußens, 1847 bis 1849, Göttingen 1990.

Günther-Amdt, Hilke / Kocka, Jürgen (Hrsg.): Geschichtsbuch 3 - Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und Dokumenten: Vom Zeitalter des Absolutismus bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Verlag Cornelsen, Berlin 1995.

Henke-Bockschatz, Gerhard: 1848 - Revolution und Reaktion in Europa, in: Geschichte lernen, Heft 61(1998), S.10 - 17.

Hessische Staatsarchive (Hrsg.): Auswanderung aus Hessen (Ausstellungskatalog), 1984.

Hessische Staatsarchive (Hrsg.): Hessen 1848. Revolution für Freiheit und Einheit, Recht und Gerechtigkeit (Ausstellungskatalog), 1998.

Jeggle, Utz: Judendörfer in Württemberg, Tübingen 1969.

Kukowski, Martin: Pauperismus in Kurhessen. Ein Beitrag zur Entstehung und Entwicklung der Massenarmut in Deutschland 1815 - 1855, Darmstadt und Marburg 1995.

Langewiesche, Dieter: Die deutsche Revolution von 1848 und die vorrevolutionäre Gesellschaft: Forschungsstand und Forschungsperspektiven, in: Archiv für Sozialgeschichte, Bd. XXI, 1981, S.459 - 498.

Mickel, Wolfgang W. (Hrsg.): Geschichte, Politik und Gesellschaft. Lern-und Arbeitsbuch für Geschichte in der gymnasialen Oberstufe. Bd. 1: Von der Französischen Revolution bis zum Ende des 2. Weltkrieges, Verlag Cornelsen, 2. Aufl., Berlin 1988.

Rohrbacher, Stephan: Gewalt im Biedermeier. Antijüdische Ausschreitungen in Vormärz und Revolution (1815 - 1888/49), Frankfurt/New York 1993. Rohrbacher, Stephan / Schmidt, Michael: Judenbilder. Kulturgeschichte antijüdischer Mythen und antisemitischer Vorurteile, Reinbek 1991.

Rürup, Reinhard: The European Revolution of 1848 and Jewish Emancipation, in: Werner Mosse u.a. (Hrsg.): Revolution and Evolution 1848 in German-Jewish history, Tübingen 1981, S.1 - 53.

Rohlfes, Joachim: Staat und Nation im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1990 (Tempora. Historisch-Politische Weltkunde: Kursmaterialien Geschichte - Sekundarstufe 11/ Kollegstufe).

Siemann, Wolfram: Die deutsche Revolution von 1848/49, Frankfurt/M 1985.

Toury, Jacob: Soziale und politische Geschichte der Juden in Deutschland 1847 - 1871 Zwischen Revolution und Emanzipation, Düsseldorf 1977.

ZEIT-Punkte: Freiheit, schöner Götterfunken! Europa und die Revolution 1848/49.

Valentin, Veit: Geschichte der deutschen Revolution von 1848 bis 49, Band 2, Berlin 1931.

Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 2, München 1987.

Wirtz, Rainer: ,,Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale". Soziale Bewegung und gewalthafter Protest in Baden 1815 bis 1848. Frankfurt/M, Berlin, Wien 1981.

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Dokumenten- und Quellenanhang

 

Bemerkung:

Es sind nicht alle Bilddokumente in die Online-Ausgabe aufgenommen worden.