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Quelle Historisches Museum Frankfurt

 

Nach dreißigjährigen Krieg bestätigte der Westfälische Frieden von 1648 Frankfurt als Reichsstadt. Zehn Jahre danach präsentierte sich Frankfurt bei der Krönung Leopolds 1. wieder mit Prunk; die Stadt konnte sich als Zentrum des Reiches fühlen. 1742 wurde sie sogar für knapp drei Jahre Residenzstadt und Regierungszenrum. Wegen der Auseinandersetzungen im Österreichischen Erbfolgekrieg und nach dem Ersten Schlesischen Krieg blieb der in jenem Jahr zum Kaiser gewählte Wittelsbacher Karl Albrecht von Bayern (Karl VII.) in Frankfurt und residierte bis zu seinem Tpd 1745 im Palais Barckhaus an der Zeil. In diesen Jahren versammelte sich auch der Reichstag in Frankfurt, dem der Rat den Römer als Tagungsstätte zur Verfügung stellte. Seither durfte sich der Rat mit Genehmigung des Kaisers ,,Hochedler" nennien lassen; die sieben ältesten Schöffen, Schultheiß und ältester Syndikus duften gar den Titel "Wirklicher Kaiserlicher Rat" -führen.

Unter dem Druck der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons taumelte das Reich seinem Untergang entgegen. Am 6. August 1806 legte Franz II. die Kaiserwürde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nieder. Damit nahm auch die jahrhundertelange Geschichte Frankfurts als Reichsstadt ein Ende. Napoleon wies die Stadt dem Kurfürsten von Mainz, Karl von Dalberg, als Fürstprimas des Rheinbundes zu. Vier Jahre danach erhob er Dalberg zum Großherzog. Frankfurt war nun formal Hauptstadt geworden, Hauptstadt eines Großherzogtums Frankfurt.

Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Frankfurt bei der Neuordnung Deutschlands auf dem Wiener Kongreß nicht einer benachbarten Dynastie - Bayern hatte schon emsig diplomatische Kontakte aufgenommen - zugesprochen. Als nunmehr "Freie Stadt" zähle Frankfurt zu den 38 Einzelstaaten, die damals den Deutschen Bund bildeten. Wieder wurde die Stadt zum Zentrum: Der Bundestag, als Vertretung der Regierungen obere Bundesbehörde, residierte im Palais Thurn und Taxis.

Nationale Hoffnungen nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon hatte der Wiener Kongreß aber nicht erfüllt. Und Iiberale Verfassungsbewegungen suchte der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich mit harter Hand zu zerschlagen.

Wie sehr sich über die Grenzen des deutschen Partikularismus hinweg eine gesamtdeutsche Bewegung formierthatte, offenbarte der Germanistentag im September 1846 im Kaisersaal des Frankfurter Römers. ,,Es war", so beschrieb Ludwig Uhland die Stimmung, ,,als ob einzelne Kaiser aus ihren Rahmen sprängen und unter die Versammlung träten, sie mit ihren bloßen Blicken anzufeuern oder zu zügeln. "

Und dann kam der vielleicht größte Tag in der Geschichte der Stadt: Am 18. Mai 1848 zogen die Abgeordneten des ersten gewählten gesamtdeutschen Parlaments feierlich in die Paulskirche ein. Aller Augen richteten sich auf die deutsche Nationalversammlung, die Heinrich von Gagern zu ihrem Präsidenten wählte. Gagern appellierte an die Abgeordneten: ,,Wir haben die größte Aufgabe zu erfüllen. Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gesamte Reich." Am 27. Juni wählte das Parlament Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser. An der Spitze des Reiches, das die Paulskirchen-Versammlung zu bauen versuchte, stand - wieder - ein Habsburger. Und wieder war Frankfurt Haupt-Stadt.

Nach dem formalen Scheitern der "Paulskirche" stand Frankfurt im August 1863 noch einmal im Mittelpunkt, als Wien alle deutschen Regenten und Freien Städte zu einem Fürstentag an den Main riet, um über eine Reform des Deutschen Bundes zu verhandeln. Aber da Preußen fernblieb, scheiterte diese Initiative. Am 16. Juli 1866 besetzten preußische Truppen die Stadt. Mit Reichsherrlichkeit und städtischer Freiheit war es nun vorbei. In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs versank das alte Frankfurt. Am 29. März 1945 wurde die Stadt von den Amerikanern besetzt. Die Militärregierung konstituierte sich in Frankfurt, das alliierte Hauptquartier wurde hierher verlegt. Frankfurt bekam wieder Hauptstadt-Funktion, als 1947 zunächst die Verwaltung der amerikanischen und der britischen Zone, später auch die der französischen Besatzungszone in Frankfurt konzentriert wurden. Und ihrer geistig-historschen Tradition suchte die Stadt gerecht zu werden, als sie am 18. Mai 1948 des Tages gedachte, an dem die erste deutsche Nationalversammlung in der Paulskirche zusammengetreten war.

Kurz darauf wurde von Frankfurt aus der Weg in Richtung ,,Bundesrepublik Deutschland" weitergeführt. Am 1. Juli empfingen hier die Militärgouverneure der drei westlichen Zonen die elf Ministerpräsidenten der Länder und übergaben ihnen die "Frankfurter Dokumente", die die Gründung eines westdeutschen Bundesstaats zum Ziel hatten. In diesem Staat wollte Frankfurt nun nicht nur heimlich, sondern tatsächlich Hauptstadt werden. Doch in dem Ringen um die künftige Bundeshauptstadt unterlag es schließlich Bonn. Am 3. November 1949 stimmten im Bundestag 200 Abgeordnete für die von Konrad Adenauer bevorzugte Stadt am Rhein, 176 für Frankfurt. Vor diesem Hintergrund schlug nach der Wiedervereinigung der damalige hessische Ministerpräsident Wallmann vor, Frankfurt zur neuen deutschen Hauptstadt zu machen. Die Idee fand nicht sonderlich viel Widerhall und ging in der Debatte "Bonn oder Berlin" unter. Historisch betrachtet, war sie jedoch ganz und gar nicht abwegig.