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FRANKFURT, 17. Mai. Die Aufnahme hätte begeisterter nicht sein können. Als vor 150 Jahren am 18. Mai, die Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung in die Paulskirche einzogen, um Deutschland eine einheitliche Verfassung mit parlamentarisch-demokratischen Strukturen zu geben, bereitete ihnen Frankfurt einen großen Empfang. Festlich geschmückt waren die Häuser der gotischen Altstadt, von den Kirchtürmen läuteten die Glocken. Überall wehten schwarzrotgoldene Fahnen. Schon als das ,,Vorparlament", das die Arbeit der Nationalversammlung vorbereiten sollte, Ende März ebenfalls vom Kaisersaal im Rathaus Römer in die Paulskirche einzog, schwamm, wie es ein Zeitgenosse niederschrieb, die Stadt ,,in Schwarz-Rot-Gold".

Deutschland schaute auf Frankfurt. Frankfurt war nun gleichsam Hauptstadt, eine Funktion, die ihm offiziell nie zukam, sosehr es auch immer wieder Zentrum deutscher und auch europäischer Politik war. Als die Nationalversammlung im Mai 1849 den Umzug nach Stuttgart erörterte, warnte der württembergische Abgeordnete Gfrörer davor und pries die Freie Stadt Frankfurt. Ein Wegzug erschien ihm als ,,Vergehen am deutschen Vaterland". Frankfurt sei ,,tief in die Farben unserer Nationalerinnerungen getaucht".

Frankfurt, deutsche ,,Hauptstadt". Erstmals wurde Frankfurt 794 urkundlich erwähnt. Aber mit dem Eintritt in die schriftlich verbürgte Geschichte präsentiert es sich schon als Ort für ein Ereignis von europäischem Rang. Karl der Große berief eine Synode und Reichsversammlung nach Frankfurt ein, zu der geistliche und weltliche Würdenträger aus allen Teilen des Frankenreiches kamen.

 

Ein Jahr nach dem Tode Karls, 815, begann dessen Sohn, Kaiser Ludwig der Fromme, den Ort zur karolingischen Pfalz auszubauen. Frankfurt entwickelte sich zur ,,Residenzstadt"; hier kam 823 Ludwigs jüngster Sohn Karl (der Kahle) zur Welt. Im Vertrag von Verdun teilten 843 die Söhne Ludwigs des Frommen das fränkische Großreich unter sich auf. Ludwig dem Deutschen wurde der östliche Teil mit Bayern, Franken, Thüringen und Sachsen zugebilligt. Nun wurde Frankfurt gleichsam Hauptstadt des Ostfränkischen Reiches. ,,Principalis sedes regni orientalis" wurde die Pfalz bei Ludwigs Tod 876 genannt. deren langgestreckte Anlage auf der Anhöhe über dem Main er mit dem Bau einer dreischiffigen Basilika, der Vorgängerin des heutigen Doms, gekrönt hatte. Vielleicht ist in dieser Kirche Arnulf von Kärnten 887 zum König erhoben worden der erste Hinweis auf Frankfurts spätere Bedeutung als Wahl- und Krönungsort der Könige und Kaiser des römisch-deutschen Reiches.

Wie 794 war es wieder ein gleichzeitig weltliches und kirchliches Ereignis, das die Aufmerksamkeit auf Frankfurt lenkte. In einer aufrüttelnden Rede rief Bernhard von Clairvaux 1147 den Staufer Konrad III. zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug auf. Bevor Konrad nach Jerusalem aufbrach' ließ er auf dem Frankfurter Hoftag seinen zehnjährigen Sohn Heinrich zum Nachfolger wählen. Da Heinrich noch vor seinen Vater starb, wurde fünf Jahre später in Frankfurt abermals gewählt: Die Fürs hoben Friedrich Barbarossa auf den Schild. Frankfurt etablierte sich damit zum Wahlort der deutschen Könige. Am Mainufer ließ Konrad als sichtbaren Ausdruck dieser Entwicklung eine neue Königsburg errichten, den Saalhof - des ,,riches sal".

 

Wie bedeutend die Stadt geworden war, zeigte sich 1240, als Kaiser Friedrich II. zusicherte, jeden Besucher der Frankfurter Messe unter seinen Schutz zu stellen. 1330 bewilligte Kaiser Ludwig der Bayer, der 1314 in Frankfurt gewählt worden war, der Stadt das Recht, jährlich eine zweite Messe abzuhalten. 1337 versprach er für sich und seine Nachkommen, keiner Stadt eine Messe zu genehmigen, die Frankfurt als Konkurrenz schaden könnte. Ludwig hatte damit das Fundament für den Aufstieg der Handels- und Messestadt gelegt.

Ein Ereignis manifestierte die politische Spitzenstellung der ,,freien Reichsstadt". Unter Kaiser Karl IV. wurde 1356 Frankfurt endgültig zur Stadt der Königswahlen erhoben. Das geltende Gewohnheitsrecht erhielt in der ,,Goldenen Bulle" eine bis zum Ende des Reiches 1806 dauernde staatsrechtliche Grundlage. Dieses Reichsgrundgesetz bestimmte, der Erzbischof von Mainz solle die sieben Kurfürsten die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, den König von Böhmen, den Pfalzgrafen bei Rhein, den Markgrafen von Brandenburg und den Herzog von Sachsen innerhalb von vier Wochen nach dem Tod des Königs zur Wahl des Nachfolgers nach Frankfurt einberufen.

Der Wahl in Frankfurt folgte noch lange die Krönung in Aachen. Erst Maximilian II. wurde 1562 in Frankfurt nicht nur gewählt, sondern auch im Dom gekrönt, und seitdem fanden fast alle Krönungen bis zum Ende des ,,Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" in Frankfurt statt. Wahl und Krönung schloß sich ein pralles Volksfest an, während die hohen Herren im Kaisersaal des Römers tafelten. Goethe hat das alles aus Anlaß der Krönung Josephs II. 1764 in "Dichtung und Wahrheit" anschaulich geschildert.