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Zeitungskongreß '97 eröffnet: BDZV entscheidet über Berlin-Umzug

Mit einer internen Delegiertenversammlung hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am 27. Oktober 1997 in Goslar den Zeitungskongreß '97 eröffnet. Die Delegierten wollen unter anderem über den Umzug des BDZV von Bonn nach Berlin entscheiden. Entsprechend seiner Satzung hat der BDZV seinen Sitz am selben Ort wie die Bundesregierung.

Zu dem zweitägigen Kongreß unter dem Motto «Neue Wege - Neue Ziele» werden 450 Teilnehmer aus Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur erwartet. Im Mittelpunkt der alljährlich größten Veranstaltung der Zeitungsbranche steht die Suche nach Strategien, um die Zeitung im zunehmend schärfer werdenden Medien-Wettbewerb zu stärken. Gastredner auf einem Empfang am Montag abend ist Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD).

Bundesverband der Zeitungsverleger beschließt Umzug nach Berlin

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verlegt seinen Sitz zur Jahrtausendwende von Bonn nach Berlin. Das beschloß die Delegiertenversammlung des BDZV einstimmig am 27. Oktober 1997 in Goslar zum Auftakt des Zeitungskongresses '97. Der Umzug des Verbandes in die Hauptstadt soll voraussichtlich 1999, spätestens jedoch im Jahr 2000 stattfinden. Die Satzung des BDZV schreibt vor, daß der Verband seinen Sitz am selben Ort hat wie die Bundesregierung. Zu einer starken Zeitungslandschaft gehöre ein starker BDZV, «der auch dafür streitet, daß die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit unserer Blätter und die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen keinen Schaden nehmen», sagte der BDZV-Präsident Wilhelm Sandmann. Die Spitzenorganisation der deutschen Tagespresse warnte zugleich in einer Resolution vor einer Zerschlagung des «bewährten Pressevertriebssystems». Die Delegierten forderten deshalb den Erhalt der sogenannten 610-Mark-Jobs und die Verankerung des Postzeitungsdienstes als Pflichtleistung im neuen Postgesetz.

Auf 610-Marks-Basis sind nach Angaben des BDZV rund 80 Prozent der insgesamt 210 000 Zeitungszusteller beschäftigt. Die meisten Zusteller übten als Nebenjob diese Tätigkeit aus, für die weder Halbtags- noch Ganztagsstellen geschaffen werden könnten. Die Verleger wiesen für ihre Branche den Vorwurf zurück, die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse würden zum Mißbrauch des Sozialversicherungssystems eingesetzt und gefährdeten den Wettbewerb.

Zu dem zweitägigen Zeitungskongreß unter dem Motto «Neue Wege - Neue Ziele» wurden 450 Teilnehmer aus Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur erwartet. Im Mittelpunkt der alljährlich größten Veranstaltung der Zeitungsbranche steht die Suche nach Strategien, um die Zeitung im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb zu stärken.

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Zeitung 2000 - «Nur wer eine starke Marke hat, bleibt im Geschäft»

Für die Werbeprofis ist der Fall klar: Eine Zeitung braucht ein Image, wie ein erfolgreicher Markenartikel. «Nur wer eine starke Marke hat, bleibt im Geschäft», sagt Thomas B. Quaas von der Beiersdorf AG (Hamburg). Bernd M. Michael, Chef der Agentur Grey Middle Europe (Düsseldorf), setzt an die Verleger gewandt nach: «Wenn Sie sich nicht ein anständiges Image zulegen, helfen auch Aktionen für Probeabonnements nichts.»

Die Frage, die die deutschen Zeitungsverleger am 27. und 28. Oktober 1997 in den Mittelpunkt ihres Zeitungskongresses '97 in Goslar rückten, treibt die Branche seit längerem um: Hat die Zeitung im Zeitalter des Internet eine Zukunft, oder pfeifen die Jugendlichen auf die Zeitung und stellen sich ihre Infos aus Online-Diensten am Heimcomputer künftig selbst zusammen? Noch lesen knapp 50 Millionen Männer und Frauen über 14 Jahren regelmäßig eine Tageszeitung. Doch geht die Auflage der Zeitungen Jahr für Jahr leicht zurück, auf 31,7 Millionen Exemplare pro Erscheinungstag im zweiten Quartal 1997.

Angesichts dieser «Stagnation auf hohem Niveau» plädiert Ralf Lehmann, Chefredakteur der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ/Essen), für Veränderungen. «Mit der Zeitung, wie sie traditionell gemacht wird, erreichen wir die Jugend nicht. Die jungen Leute konsumieren unsere Jugendbeilage, aber nicht meine Leitartikel.» Das Image seines Blattes als Zeitung der Region aber steht fest: «Die WAZ und das Ruhrgebiet, das ist einfach eins.»

Hans Werner Kilz, Chefredakteur der «Süddeutschen Zeitung» (SZ/München), warnt vor allzu vielen Experimenten. Statt in optische Veränderungen sollten Verleger mehr in die journalistische Qualität investieren. «Ich glaube, daß die Zeitung ihre Rolle behält.» In dem Überangebot an Informationen würden Zeitungen «als Navigatoren», die Orientierung bieten, immer wichtiger. Das sieht Lehmann ähnlich: «Auch die jungen Leute suchen nach Ratgebern in einer verwirrenden Welt.»

Für höchst problematisch hält Achim Twardy, Verlagsgeschäftsführer der «Bild»-Gruppe im Axel Springer Verlag (Hamburg), gar den Versuch, sich ein neues Image zu verpassen. «Wir müssen uns auf alte Tugenden besinnen.» Der Schriftzug des aufflagenstärksten deutschen Boulevardblattes stehe täglich auf 50 000 Stelltafeln für einen seit Jahrzehnten erfolgreichen Markenartikel.

Friedhelm Haak, Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft Madsack (Hannover), sieht Zeitungen längst als «Mega-Markenartikel». «Bloß das hilft uns nichts mehr.» Der allmähliche Auflagenschwund durch fehlende junge Neuabonnenten sei nicht durch Imagewerbung zu beheben. «Nicht das Image, sondern das Produkt muß zunächst einmal stimmen.» Dazu gehöre eine enge Bindung der Zeitung an ihre Leser.