Die Zeitung und ihr Papier
Von Gregor Andreas Geiger
400 Jahre Zeitungsgeschichte sind auch 400 Jahre Papiergeschichte. Zeitung ohne Papier ist schwerlich denkbar.
1605 musste der Verleger, Buchhändler und Drucker Johann Carolus für seine "Relation Aller Fürnemmen vnd gedenckwürdigen Historien" auf Papier zurückgreifen, das aus Hadern, also aus Lumpen hergestellt wurde. Um diese Zeit gab es in Deutschland bereits rund 190 Papiermühlen, die auf diese Weise Papier herstellten. Lumpensammler und -händler versorgten die Papiermühlen mit dem wertvollen Rohstoff, der zeitweise so begehrt war, dass die Landesherren für ihn ein Exportverbot erhoben.
In den Papiermühlen wurden die abgenutzten
Leinentextilien in Fetzen geschnitten, in Wasserbecken einem Faulungsprozess unterzogen und schließlich in einem mit Wasserkraft angetriebenen Stampfwerk zerfasert. Aus dem dabei entstehenden Faserbrei wurde schließlich in Handarbeit mit einem Sieb Papier geschöpft.
Erst mit der Erfindung des Holzschliffs durch den Webermeister Friedrich Gottlob Keller im Jahre 1844 und die spätere Gewinnung von Zellstoff aus Holz wurde die Papierherstellung auf eine industrielle Rohstoffbasis gestellt. Papier und damit auch Zeitungen wurden für jedermann erschwinglich.
Heute wird Zeitungsdruckpapier in Deutschland vollständig aus Altpapier hergestellt. High-Tech-Maschinen mit Produktionskapazitäten von mehreren hunderttausend Jahrestonnen produzieren das Papier mit Autobahngeschwindigkeit. Im Gegensatz zu den schweren Papierbögen der "Relation" des Jahres 1605 wiegt modernes Druckpapier zwischen 45 und 60 Gramm pro Quadratmeter. 2004 wurden in Deutschland 2,4 Millionen Tonnen Zeitungsdruckpapier hergestellt.













