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Über den Tag hinaus – 400 Jahre Zeitung

Ausstellung in Düsseldorf / Geburtstagsparty in Berlin

Zeitungen sind der mit Abstand beliebteste Lesestoff. 75 Prozent der Deutschen informieren sich täglich durch Zeitungslektüre. Mit diesen Worten zur Bedeutung des Lesens eröffnete Clemens Bauer, Vorsitzender des Zeitungsverleger Verbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft, die Ausstellung „Lust auf Zeitung“. Sie wird seit dem 9. November 2005 und noch bis zum 27. November im Foyer des Nordrhein-Westfälischen Landtags in Düsseldorf gezeigt.

 

 

Der Anlass: Vor 400 Jahren, im Oktober 1605, kam in Straßburg die erste periodisch erschei­nende Zeitung in gedruckter Form heraus, die „Relation“ des Druckers Johann Carolus. Bauer sprach aber auch Probleme an: Die Qualität der Presse sei nur durch wirtschaftliche Unabhängig­keit gewährleistet. Er wandte sich gegen Werbe­verbote und plädierte für eine Reform des Kartell­rechts, damit in Zukunft Kooperationen zwischen verschiedenen Verlagshäusern erleichtert werden können.

Bauer gegen Product-Placement

Vier Tage später machte Bauer anlässlich einer Klausurtagung der LfM-Medienkommission in Meschede noch einmal die Haltung der Zeitungs­verleger zum Product-Placement im Fernsehen deutlich. Er wandte sich vehement gegen die von der EU-Kommission erwogene Aufweichung des Schleichwerbeverbotes: „Auch solche Formate haben Einfluss auf die politische Meinungsbil­dung.“ Die Gefahr bestehe, dass Drehbücher nach den Wünschen von Werbekunden ge­schrieben würden und die Sendungen dann dem Publikum eine verzerrte Werbewelt darböten.

Landstagspräsidentin Regina van Dinther sagte zur Eröffnung der von Hans-Ulrich Nieter betreu­ten Ausstellung, dass viele Schulklassen zum Besuch eingeladen worden seien: „Wer wie ich Kinder in der Schule hat, weiß, wie wichtig das Lesen ist“.

Elitz: Loblied auf die Zeitung

Knapp 250 Gäste aus Verlagen, Wissenschaft und Politik fanden sich am Abend des 10. November im Berliner „Haus der Presse“ zur Geburtstagsparty für die Zeitung ein. „Ohne Zeitung keine Aufklä­rung, keine Meinungsfreiheit, keine Demokratie“, würdigte BDZV-Präsident Helmut Heinen die bahnbrechende Erfindung des Druckers Johann Carolus im Straßburg des Jahres 1605. Heinen richtete aber auch den Blick auf die Gegenwart. Die Zeitungsverleger seien auf vielen Feldern gefordert. Seien es die Auseinandersetzungen um EU-weite oder nationale Werbeverbote oder die in jüngster Zeit bedenklich zunehmende Nei­gung von Staatsanwaltschaften zu Redakti­ons­durchsuchungen aus, „wie wir meinen, häufig nichtigen Gründen“.

Festredner Ernst Elitz, Intendant des Deutsch­landRadios, forderte in seinem amüsanten und von den Gästen heftig akklamierten Zwischenruf auf das 400 Jahre alte Geburtstagskind: „Achte den Leser, gönne ihm ab und zu einen originellen Gedanken.“ Dabei sang Elitz das hohe Lob des Lokaljournalisten. Nichts sei einfacher, als einen Kommentar zum Irakkrieg zu schreiben oder den Rücktritt des Bundeskanzlers zu fordern. „Aber als Lokaljournalist einem Stadtrat oder Bürger­meister Fehlverhalten nachzuweisen, das ist die wahre Herausforderung des Journalismus. Da muss jedes Detail bis ins Letzte belegt sein“, sagte der Hörfunkmann, der seine Karriere einst selbst als Zeitungsredakteur begonnen hat. „Sol­cher Mut und solche Professionalität sind rich­tungwei­send. Deshalb fängt der Journalismus im Lokalen an.“ Und deshalb hätten 90 Prozent der erfolgrei­chen Publizisten ihr Handwerk auch in der Lokal­redaktion erlernt.

Archivierung sichern

Die Geburtstagsparty im „Haus der Presse“ fand im Rahmen der Berliner Zeitungs-Konferenz statt, die die Staatsbibliothek zu Berlin Preußi­scher Kulturbesitz in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie und dem BDZV am 10. und 11. November in Berlin veranstaltete. Aus den Beständen der Staatsbibliothek stamm­ten auch die historischen Ausgaben Berliner Zei­tungen, die anlässlich des Empfangs im „Haus der Presse“ gezeigt wurden. Der Zukunft dieser Archivalien wie ihrer aktuellen Nachkommen, den gedruckten Tageszeitungen von heute, galt auch eine Forderung Helmut Heinens. Er würde sich freuen, sagte der BDZV-Präsident in seiner Be­grüßung, wenn von der Zeitungskonferenz auch Impulse für die „bestmögliche Archivierung unse­rer gedruckten Zeitungen ausgehen“, damit auch künftige Generationen noch die Chance hätten, in den Originalen zu blättern, und sich nicht allein auf digitale Speichermedien verlassen müssten.

Rede von Prof. Ernst Elitz

Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen

Fotogalerie


16. November 2005
   





   
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