
Über den Tag hinaus – 400 Jahre Zeitung
Ausstellung in Düsseldorf / Geburtstagsparty in Berlin
Der Anlass: Vor 400 Jahren, im Oktober 1605, kam in Straßburg die erste periodisch erscheinende Zeitung in gedruckter Form heraus, die „Relation“ des Druckers Johann Carolus. Bauer sprach aber auch Probleme an: Die Qualität der Presse sei nur durch wirtschaftliche Unabhängigkeit gewährleistet. Er wandte sich gegen Werbeverbote und plädierte für eine Reform des Kartellrechts, damit in Zukunft Kooperationen zwischen verschiedenen Verlagshäusern erleichtert werden können.
Bauer gegen Product-Placement
Vier Tage später machte Bauer anlässlich einer Klausurtagung der LfM-Medienkommission in Meschede noch einmal die Haltung der Zeitungsverleger zum Product-Placement im Fernsehen deutlich. Er wandte sich vehement gegen die von der EU-Kommission erwogene Aufweichung des Schleichwerbeverbotes: „Auch solche Formate haben Einfluss auf die politische Meinungsbildung.“ Die Gefahr bestehe, dass Drehbücher nach den Wünschen von Werbekunden geschrieben würden und die Sendungen dann dem Publikum eine verzerrte Werbewelt darböten.
Landstagspräsidentin Regina van Dinther sagte zur Eröffnung der von Hans-Ulrich Nieter betreuten Ausstellung, dass viele Schulklassen zum Besuch eingeladen worden seien: „Wer wie ich Kinder in der Schule hat, weiß, wie wichtig das Lesen ist“.
Elitz: Loblied auf die Zeitung
Knapp 250 Gäste aus Verlagen, Wissenschaft und Politik fanden sich am Abend des 10. November im Berliner „Haus der Presse“ zur Geburtstagsparty für die Zeitung ein. „Ohne Zeitung keine Aufklärung, keine Meinungsfreiheit, keine Demokratie“, würdigte BDZV-Präsident Helmut Heinen die bahnbrechende Erfindung des Druckers Johann Carolus im Straßburg des Jahres 1605. Heinen richtete aber auch den Blick auf die Gegenwart. Die Zeitungsverleger seien auf vielen Feldern gefordert. Seien es die Auseinandersetzungen um EU-weite oder nationale Werbeverbote oder die in jüngster Zeit bedenklich zunehmende Neigung von Staatsanwaltschaften zu Redaktionsdurchsuchungen aus, „wie wir meinen, häufig nichtigen Gründen“.
Festredner Ernst Elitz, Intendant des DeutschlandRadios, forderte in seinem amüsanten und von den Gästen heftig akklamierten Zwischenruf auf das 400 Jahre alte Geburtstagskind: „Achte den Leser, gönne ihm ab und zu einen originellen Gedanken.“ Dabei sang Elitz das hohe Lob des Lokaljournalisten. Nichts sei einfacher, als einen Kommentar zum Irakkrieg zu schreiben oder den Rücktritt des Bundeskanzlers zu fordern. „Aber als Lokaljournalist einem Stadtrat oder Bürgermeister Fehlverhalten nachzuweisen, das ist die wahre Herausforderung des Journalismus. Da muss jedes Detail bis ins Letzte belegt sein“, sagte der Hörfunkmann, der seine Karriere einst selbst als Zeitungsredakteur begonnen hat. „Solcher Mut und solche Professionalität sind richtungweisend. Deshalb fängt der Journalismus im Lokalen an.“ Und deshalb hätten 90 Prozent der erfolgreichen Publizisten ihr Handwerk auch in der Lokalredaktion erlernt.
Archivierung sichern
Die Geburtstagsparty im „Haus der Presse“ fand im Rahmen der Berliner Zeitungs-Konferenz statt, die die Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie und dem BDZV am 10. und 11. November in Berlin veranstaltete. Aus den Beständen der Staatsbibliothek stammten auch die historischen Ausgaben Berliner Zeitungen, die anlässlich des Empfangs im „Haus der Presse“ gezeigt wurden. Der Zukunft dieser Archivalien wie ihrer aktuellen Nachkommen, den gedruckten Tageszeitungen von heute, galt auch eine Forderung Helmut Heinens. Er würde sich freuen, sagte der BDZV-Präsident in seiner Begrüßung, wenn von der Zeitungskonferenz auch Impulse für die „bestmögliche Archivierung unserer gedruckten Zeitungen ausgehen“, damit auch künftige Generationen noch die Chance hätten, in den Originalen zu blättern, und sich nicht allein auf digitale Speichermedien verlassen müssten.
Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen
16. November 2005












