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RÜCKBLENDE 99

zeigt die Arbeiten von 25 Bildjournalisten und 11 Karikaturisten. Sie interpretieren mit ihren Werken das vergangene politische Jahr. Die Ausstellung der Landesvertretung Rheinland-Pfalz wird ausgerichtet vom Bevollmächtigten des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa.

Pfeffer und Salz

von Karl-Heinz Klär

 

Die RÜCKBLENDE, eine Schöpfung des Bonner politischen Betriebs von Anfang der achtziger Jahre, siedelt im Januar 2000 erbschaftssteuerfrei in die alte und neue Hauptstadt über. Sie folgt darin Bundestag und Bundesregierung und den Bildjournalisten, deren alljährliches Forum sie ist. Denn hier liegt eine der kleinen Pointen dieses merkwürdigsten Umzugs der deutschen Geschichte: In Berlin ist nicht nur das politische Personal das alte, auch die Truppe der hauptstädtischen politischen Fotografen ist nahezu unverändert. Sicher, drei, vier neue Gesichter gibt es. Doch den Pulk, der die Neuen aufnahm (und erstaunlich gut über sie spricht!), bilden die Bonner, durch die Bank wenn nicht gebürtige, so doch gelernte Rheinländer, versponnen in einem Kokon gemeinsam erlebter Geschichte und Geschichten.

Die hauptstädtischen Bildjournalisten, aus deren Jahresproduktion Sie eine Auswahl in diesem Katalog finden, sind Einzelkämpfer und Kampfgruppe zugleich, Konkurrenten und Kollegen, gelegentlich (Leidens-) Genossen. Wer mit ihnen umgeht oder sie beobachtet, erlebt sie in der Regel zielstrebig wie Hirsche in der Paarungszeit. Selbst wenn sie entspannt "herumlungern" (das Wort eines großen Hanseaten), bleibt der Blick wach, und noch das amüsanteste Gespräch endet auf der Stelle, wenn eine Schuss-Möglichkeit überraschend sich auftut. Einfallsreich und kühn können sie sein und sind sie; aber auch, hier und da, erbarmungslos konformistisch: Dieses Bild muss her und kein anderes, verzäll mir nix. Dass sie rücksichtslos seien, wird ihnen nachgesagt; die so reden, sind ahnungslos, sie wissen nicht, wie viel verunglückte Mienen und Inszenierungen tagtäglich in der Foto-Kiste verschwinden und eben nicht veröffentlicht werden.

Gleichwohl müssen die Fotografen der Politik ertragen, dass die Inhaber der Politik sie des öfteren misstrauisch beäugen, Bodyguards sie in Schach halten, die Showmaster und Eventmacher sie zu Gunsten des TV abdrängen lassen. Werden sie indes, was auch vorkommt, geachtet, dann merken sie sich das - und wenn sie bloß hoheitsvoll geduldet, instrumentell gepleast oder hofiert werden, dann merken sie es auch.

Die hauptstädtischen Bildjournalisten sind ein Corps, das unterscheidet sie von den politischen Karikaturisten mit denen gemeinsam wir sie nun das 16. Mal zur RÜCKBLENDE auf das zu Ende gegangene politische Jahr gebeten haben. Die RÜCKBLENDE, eine Veranstaltung der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, ist die einzige Ausstellung und der einzige Preisgeber für die alltägliche politische Fotografie auf nationaler Ebene. Auch in der Verbindung von politischer Fotografie und politischer Karikatur nimmt die RÜCKBLENDE eine Sonderstellung ein. An dieser Verbindung liegt uns, denn sie hat einen eigentümlichen Reiz.

Der Reiz entsteht aus der Differenz zwischen fotografischer und zeichnerischer Dokumentation und Deutung. Doch, es stimmt, beide, die Karikaturisten und die Fotografen der werktätigen politischen Klasse dokumentieren und beide deuten sie. Beide können auch herrlich doppeldeutig sein - diese 16. RÜCKBLENDE liefert bestechende Beispiele für darstellerischen Witz hier wie da. Was die Karikaturisten erschaffen müssen die Fotografen erhaschen oder in einfühlsamer Menschenführung für den Augenblick versammeln. Gelingt das Werk, stehen Pfeffer und Salz für das Presse-Gericht bereit.

Schön, wenn die Chefredakteure dann auch Geschmack haben.

   





   
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