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Ein wunderbarer Beruf

Von Hans-Joachim Fuhrmann

Journalisten haben einen wunderbaren, beneidenswerten Beruf. Sie sind immer dabei, gehören aber niemals dazu. Sie sind von Berufswegen Beobachter und gehen einer Arbeit nach, bei der man vielen Menschen begegnet, bedeutenden und durchschnittlichen, Schurken und Helden mit all ihren Sorgen und Faszinationen. Es ist ein Job, bei dem man nie aufhört zu lernen, und das macht ihn so reich. So schilderte Thomas Löffelholz seinen Berufsstand. Der Mann muß es wissen. Mehr als vier Jahrzehnte war er Zeitungsjournalist, davon viele Jahre in der ersten Liga als Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung" und der Zeitung "Die Welt". 1998 wurde er für sein Lebenswerk mit dem "Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis" ausgezeichnet.

Es ist der renommierteste Journalistenpreis hierzulande, den der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger in jedem Jahr vergibt. Und die Liste jener, die ihn bekommen haben, liest sich wie ein "who is who" der Medienszene. Viele haben Karriere gemacht als Chefredakteure und deren Stellvertreter, manche sind mittlerweile sogar Fernsehstars, andere Herausgeber, Verleger und Intendanten. Ausgezeichnet wurden sie alle für herausragende Zeitungsgeschichten: vorbildlich in Sprache, Stil und Form, auf eingehender Recherche und Analyse gründend, Zeugnis einer demokratischen und gesellschaftspolitischen Verantwortung. Genau das sind die Maßstäbe, die Theodor Wolff gesetzt hat, nach dem der Preis benannt ist. Doch wer war dieser Mann eigentlich?

Er galt als brillanter Formulierer und genialer Chefredakteur. Manche verglichen ihn mit einem Dirigenten, der seine Redaktion wie ein Orchester leitete. Theodor Wolff, über viele Jahre an der Redaktionsspitze des international renommierten "Berliner Tageblatts". Geboren 1868 in Berlin als Sohn einer jüdischen Textilkaufmannsfamilie, begann er nach einem kurzen, lediglich mit der mittleren Reife beendeten Besuch des Gymnasiums, zunächst eine kaufmännische Lehre beim "Tageblatt". "Ich hatte mit der deutschen Sprache bei den Magistern kein Glück", schrieb Wolff später über seine vermeintliche Schulkarriere. Bald schon lieferte der angehende Verlagskaufmann, der ohnehin Journalist werden wollte, Reiseberichte und schrieb über Literatur und Theater. 1894 ging er als Korrespondent nach Paris. Seine ausführlichen, atmosphärisch dichten und präzisen Berichte über politische und gesellschaftliche Entwicklungen im Nachbarland steigerten die Auflage und auch sein persönliches Ansehen. 1906 kehrte er nach Berlin zurück, übernahm die Chefredaktion und entwickelte das "Tageblatt" zur wichtigsten liberalen Stimme in Deutschland. Für die Redaktion gewann der die besten Köpfe seiner Zeit. Jenen Individualisten, versponnenen Künstlernaturen und genialen Sprachartisten gab er den nötigen Freiraum. Im "Tageblatt" schrieben Leute wie Alfred Kerr, Joseph Roth und Kurt Tucholsky.

Wolffs eigener Stil zu schreiben war geprägt durch seine freiheitlichen Ansichten. Er dachte und schrieb politisch, doch nie eng parteipolitisch. Geradezu besessen war er in seinem Anspruch nach Genauigkeit und Wahrhaftigkeit in der Darstellung und Argumentation. Und er wußte um die Grenzen seiner Arbeit: "So schwebt über jeder Wahrheit noch ein letztes Vielleicht".

In der Endphase der Weimarer Republik sah er die Nationalsozialisten als größte Gefahr für die Demokratie. Seine letzten Leitartikel beschworen noch einmal die freiheitlich-politischen Ideale. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 mußte Wolff aus Berlin fliehen. Seine Bücher und Texte wurden zwei Wochen später öffentlich verbrannt. Nach kurzen Stationen in Österreich und der Schweiz, wo ihm der erhoffte Schutz verweigert wurde, fand er endlich in Nizza einen Zufluchtsort. Jäh endete das Exil, als er am 23. Mai 1943 verhaftet und der Gestapo ausgeliefert wurde. Regelrecht in den Tod getrieben starb Theodor Wolff am 23. September im jüdischen Krankenhaus in Berlin-Moabit.

Der Theodor-Wolff-Preis wird in diesem Jahr in Leipzig verliehen. Neun herausragende Journalisten werden dann in jener Stadt geehrt, wo vor zehn Jahren eine friedliche Revolution ihren Anfang nahm. Sie führte bald zum Zusammenbruch eines Regimes, unter dem das freie Wort keine Chance hatte. Der Festakt findet am 16. September 1999 im neuen Verlagsgebäude der "Leipziger Volkszeitung" statt.