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Rede des Vorsitzenden des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis, Hermann Neusser, anlässlich der Preisverleihung am 10. September 2014 in Aachen

Es gilt das gesprochene Wort

Ich freue mich, dass wir den Theodor-Wolff-Preis erstmals in Aachen verleihen - und dass wir uns damit in den beeindruckenden Reigen der Festivitäten rund um das Karlsjahr einreihen dürfen. Unser Fest ist einmal mehr ein Treffen, bei dem Journalisten, Politik, Medienwirtschaft, Kultur und Wissenschaft zueinanderfinden. Herzlichen Dank, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind.

Ein Dankeschön auch dem Theater Aachen, in dem wir heute Abend feiern dürfen. Was könnten wir uns Angemesseneres wünschen als eine natürliche Bühne, um die Besten der Besten unter unseren Autoren in das ihnen gebührende Licht zu stellen?

Mein ganz besonderer Dank gilt natürlich dem Zeitungsverlag Aachen, der in diesem Jahr die Rolle der Gastgebers übernommen hat. Aus diesem Haus kamen - mein geschätzter Vorredner erwähnte es gerade - sogar zwei Preisträger. Einer von ihnen war damals, 1986, Chefredakteur der Aachener Zeitung, die zu dieser Zeit noch Volkszeitung hieß. Und der heutige Chefredakteur des Hauses, Professor Bernd Mathieu, ist seit einigen Jahren Mitglied der Theodor-Wolff-Preis-Jury. So schließt sich ein Kreis.

In den zurückliegenden Jahrzehnten durften wir mit unserem Preis bei vielen verschiedenen Zeitungen in ganz Deutschland zu Gast sein. Darin erkennen Sie nicht nur die für unser Land so besonders typische regionale und lokale Verankerung der deutschen Presse. Darin dokumentiert sich vielmehr auch, dass alle Zeitungen Anteil haben und Anteil nehmen an dieser Auszeichnung, die etwas Besonderes ist, weil sie von der gesamten Branche getragen wird.

Der Theodor-Wolff-Preis ist ein Gradmesser für den publizistischen Anspruch, dem sich unsere Zeitungen jeden Tag stellen. Er belohnt die hohe Qualität einer redaktionellen Leistung. Und genau diese Qualität ist das zentrale Kriterium für den Erfolg unseres Mediums heute und in Zukunft - ganz gleich, ob es auf Papier oder auf einem Display gelesen wird.

Und damit bin ich bei dem eigentlichen Anlass unserer heutigen Zusammenkunft, nämlich bei der Freude und dem Privileg, sechs Damen und Herren mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragende journalistische Leistungen auszeichnen zu dürfen.

Sie, liebe Preisträger, haben beeindruckende journalistische Stücke abgeliefert, die über den Tag hinaus wirken. Bei aller Verschiedenheit der von Ihnen bearbeiteten Themen und Stoffe bestechen Ihre Texte allesamt durch Kreativität, Beobachtungsgabe, gründliche Recherche, sprachliche Brillanz und Originalität. Zu gerne wüsste ich in dem einen oder anderen Fall, wie Sie wohl auf diese Geschichte gestoßen sind. Wir werden heute Abend sicher noch öfter darauf zurückkommen.

Beginnen wir mit dem Kernstück der Zeitungen, mit dem Lokalen. Da hat Johannes Ehrmann für den "Berliner Tagesspiegel" seinen Kiez porträtiert und eine Entdeckungsreise durch den "wilden, weiten Wedding" unternommen, die sich obendrein in einem Blog der Zeitung spiegelte. Eine Idee mit Nachahmungspotenzial!

Und Benjamin Piel berichtet für die "Elbe-Jeetzel-Zeitung" sehr direkt und ohne falsche Scheu über Sexualbegleiter, die behinderten Menschen zu sexuellem Erleben verhelfen. Ein schwieriges Thema wird facettenreich aufbereitet.

Das sind zwei preisgekrönte Beiträge, die Jury konnte aber über eine ganze Reihe brillanter und preiswürdiger Artikel gerade aus den Lokalteilen unserer Zeitungen urteilen. Gleichwohl wünsche ich mir, es wären noch mehr lokale Glanzstücke gewesen. Denn besonders im Lokalen können und müssen wir unsere Kompetenz täglich neu beweisen. Wir Zeitungen sind es doch, die den Marktplatz der Meinungen bespielen, der das Gespräch der Bürger in den Städten und Gemeinden bestimmt.

Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt, dass jede Lokalausgabe in Deutschland pro Jahr mindestens einen Beitrag veröffentlicht, der in die Hände unserer Jury gehört. Und daher lautet mein Appell heute Abend:

Liebe Journalisten, meine Damen und Herren in den Chefredaktionen und an der Spitze der Lokalressorts: Schicken Sie uns Ihre besten Stücke, schicken Sie uns Ihre besten lokalen Artikel. Exzellenter Journalismus ist ein wirksames Plädoyer für unser Medium. Die ausgezeichneten Beiträge heute Abend beweisen das einmal mehr auf das Schönste.

Sie können diese Artikel übrigens allesamt und in voller Länge kennenlernen. Sie finden sie auf der Website des Theodor-Wolff-Preises eingestellt. Vor allem können Sie aber die preisgekrönten Artikel auch in Ruhe zuhause nachlesen. Beim Hinausgehen erwartet Sie eine Broschüre mit allen Texten, die wir heute Abend hier auszeichnen.

Dann werden Sie zum Beispiel miterleben, wie Kai Strittmatter für die "Süddeutsche Zeitung" an der verstörenden Biografie eines politisch indoktrinierten Kindes die beklemmende Zeit der Kulturrevolution in China ins Bewusstsein zurückholt. Sie werden gespannt sein, ob Kerstin Kohlenbergs Recherche für die "Zeit" über die Finanzierung eines großen Kino-Films und die Bedrohung durch Internet-Piraten zu einem guten Ende führt. Und Sie werden sich amüsiert und vielleicht auch ein wenig ertappt fühlen bei der Lektüre von Peter Unfrieds Essay für die "taz", in dem der Autor sich mit einem allzu selbstgewissen Bildungsbürgertum beschäftigt.

Heute Abend wird auch ein journalistisches Lebenswerk mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Die unabhängige Jury würdigt damit die Arbeit eines Auslandskorrespondenten, der über fast fünf Jahrzehnte viele Weltgegenden bereist und beschrieben hat und der sich vor allem als Fachmann für die islamische Welt einen Namen machte. Wir freuen uns, Sie, lieber Herr Chimelli, heute Abend bei uns zu sehen!

Herzlich willkommen auch dem Präsidenten des Europäischen Parlaments. Sehr geehrter Herr Schulz, wir freuen uns sehr, dass Sie unserer Bitte gefolgt sind und heute die Laudatio halten auf diesen großen Journalisten. Wir sind gespannt, sehr geehrter Herr Schulz, auf Ihre Worte.

Meine Glückwünsche verbinde ich mit denen der rund 300 Zeitungsverlage, die den Theodor-Wolff-Preis tragen. Sie gelten nicht nur den Preisträgern, sondern auch den Redaktionen und Verlagen, die hinter diesen Autoren stehen und damit die Rahmenbedingungen für solch herausragende Arbeiten schaffen.

Die Verlagswelt bleibt im Umbruch. Es geht um neue Strategien und Produkte in einem Markt, der sich radikal gewandelt hat. Die Digitalisierung eröffnet den Verlagen ganz neue, längst nicht auserforschte Wege, mit unseren Lesern und Kunden in Kontakt zu treten. Das ist richtig, das ist wichtig.

Und doch dürfen wir Zeitungsleute unser ureigenstes Geschäft nicht aus dem Blick verlieren. Unser Kern ist die Nachricht, wir sind Erzähler und Deuter von Geschichten, großen und kleinen. Wahrhaftig müssen sie sein, relevant für die Menschen. Denn wir sind auch Community, die Zusammenhalt stiftet, und wir sind Marktplatz.

Und wenn wir diesen Job richtig machen, ist mir um die Zukunft unseres Mediums und um die Zukunft eines anspruchsvollen, relevanten Journalismus' nicht bange. Nur lesen, meine Damen und Herren, lesen müssen Sie immer noch selbst.

Damit komme ich nun zurück auf das Ereignis, das uns hier zusammengeführt hat, nämlich die Auszeichnung der Besten des Jahres 2013. Ich wünsche uns allen einen unterhaltsamen, einen inspirierenden Abend.