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Rede von Dr. Richard Rebmann anlässlich der Preisverleihung am 4. September 20123 in München

Es gilt das gesprochene Wort

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Gäste,

sehr verehrte Preisträgerin und Preisträger des Theodor-Wolff-Preises2013,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist mir eine besondere Freude, Sie im Namen der Südwestdeutschen Medienholding und des Süddeutschen Verlages mit der Süddeutschen Zeitung hier in München zur Verleihung des Theodor-Wolff-Preises 2013 begrüßen zu können. Diesen Willkommensgruß spreche ich im Namen der Gesellschafter, unserer Gremien, der Geschäftsführungen, der Chefredaktion und Redaktionen unserer Verlags- und Mediengruppe aus.

Natürlich freut es mich ganz besonders, dass wir die Gastgeberrolle in diesem Jahr übernehmen durften, nicht zuletzt deshalb, weil wir damit auch etwas an das Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis zurückgeben möchten. Waren doch in den 51 Jahren unter den Preisträgern 42 Journalisten und Journalistinnen der Süddeutschen Zeitung.

Liebe Gäste, seit vielen Jahren nehme ich, wenn es irgendwie geht, an der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises teil. Faszinierend ist jedes Jahr die Vielfalt der Beiträge, die ausgezeichnet werden. Ebenso die Verschiedenheit der Preisträger. Die Artikel greifen Geschichten und Begebenheiten und Menschen aus unserem Alltag auf und betrachten diese aus überraschenden Perspektiven. Sie geben uns oft einen neuen Blick auf unsere Welt, und keine Geschichte lässt den Leser unberührt. Wenn die Preisträger dann gefragt werden, was für sie wichtig war und ist, so schreiben zu können, dann kommt häufig die Antwort: „ Man braucht dafür Zeit, eine gewisse Muße und Freiheit im Redaktionsalltag.“ Wie wahr.

Doch stellt sich aktuell natürlich die Frage, wie lange können Redaktionen und Verlage diese Rahmenbedingungen noch zur Verfügung stellen? Sind wir doch seit Jahren mit wachsender Begeisterung an der Selbstzerstörung dabei, unser Medium „Zeitung“ tot zu schreiben. Immer wieder prophezeien wir aufs Neue unser eigenes Ende.

Wird jetzt durch die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate tatsächlich das Ende der Zeitung eingeläutet?Ich denke hier an den Verkauf der Washington Post, den Verkauf von Boston Globe, den Erwerb von Lokalzeitungen in Amerika durch Warren Buffet und nicht zuletzt auch die Veränderungen in der Medienlandschaft hier in Deutschland.

Beginnt damit eine Zeitenwende in den Zeitungen? Beginnt jetzt die Zeit der Zahlenfresser und Controller und wird ausschließlich die Rentabilität des Unternehmens der Maßstab?

Wie unterschiedlich die Beurteilung über unsere Branche ausfallen kann, zeigt eine Äußerung von Markus Spillmann, Chefredakteur der NZZ, der offen eingesteht, dass er beim Nachdenken über die Zukunft der Tageszeitungen schlaflose Nächte habe und auf der anderen Seite die Äußerung von Pietro Supinio, der Präsident von Tamedia, einer Schweizer Verlagsgruppe, der sagt, „uns ging es noch nie so gut wie heute“.

In seinem Beitrag im „Spiegel“ geht Cordt Schnibben so weit, dass er es als unanständig betrachtet, wenn Zeitungsverlage auf ihre unbestrittenen Vorteile verweisen. Ist es denn verwerflich, darauf zu verweisen, dass die Tageszeitung das Medium mit dem größten Vertrauen ist, dass wir jeden Tag 50 Millionen Leser erreichen und wir print plus online 70% der über 14-jährigen erreichen? Dass jeder Zeitungsnutzer 40 Minuten mit der Lektüre seiner Zeitung verbringt? Das sind die Fakten.

Das sind doch eindrucksvolle Daten, auf die wir aufbauen können. Ich meine: Hier sind die Zeitungsverlage in Deutschland gut gerüstet.

Wir und damit meine ich Verlage ebenso wie die Redaktionen verbessern kontinuierlich Inhalt und Erscheinungsbild unserer Zeitung – print, online, mobil und investieren in unsere Marken. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, unsere Inhalte angepasst an die Bedürfnisse des Nutzers/Lesers auf unterschiedlichsten Kanälen auszuspielen. Wir können heute so aktuell sein, wie jedes andere Medium, und unsere Titel sind in den sozialen Netzwerken hervorragend vertreten. Unsere Redaktionen sind näher an Ihrem Publikum als jemals zuvor. Dies scheint zu wirken. Aus dem Medienvielfaltsmonitor der bayerischen Landeszentrale für neue Medien geht hervor, dass die Bedeutung der Zeitungen seit 2012 zugenommen haben. Der Geschäftsführer der BLM, Johannes Kors,  meint dazu, ich zitiere: „Durch seine Qualität hat das Print-Segment bei der Meinungsrelevanz hinzugewonnen. Für den Zeitungsleser spielt die Qualität des Mediums eine große Rolle, auch wenn die Reichweite zurückgeht.“ (Zitat Ende)

In den digitalen Medien haben die Verlage attraktive Angebote mit denen sie Nutzer erreichen, die bisher nicht zum Abonnentenkreis zählten Wir verlängern unsere Inhalte auf Ebooks. Kurzum: Mit unseren Marken erreichen wir so viele Menschen wie nie zuvor. Darauf gilt es aufzubauen. Und dies ist eine gemeinsame Aufgabe von Verlegern, Geschäftsführungen, Redaktionen und den Verlagen.

Bei alledem, meine Damen und Herren, liebe Gäste, ist die große Herausforderung, neue Geschäftsmodelle für Verlage und Medienunternehmen zu entwickeln.Das Betreiben von E-Commerce-Plattformen allein ist keine Antwort auf die Frage, ob es auch in Zukunft noch Qualitätsjournalismus geben wird.

Ich meine, wir brauchen den anspruchsvollen, reflektierenden und unterhaltenden, einordnenden und überraschenden Journalismus so dringend wie nie zuvor. Und so gut wie zuvor. Nur mit Qualitätsinhalten wird es uns gelingen, in der digitalen Medienwelt Bezahl-Modelle zu etablieren.  Doch neu ist das nicht: Die Tageszeitung basierte immer auf einem Paid-Content-Modell.

Die Verlage werden künftig noch mehr als heute vielfältige Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln müssen, um die Menschen bei ihren Informationsbedürfnissen abzuholen und zu binden.

Und meine sehr geehrten Damen und Herren, dafür ist eine äußerst gesunde Grundlage unbedingt erforderlich. Und nach meiner Kenntnis haben die Zeitungsverlage eine rentable Basis und ein stabiles Fundament. Die Zeitung hat Zukunft! Unser Medium bietet den Lesern Ordnung und Einordnung, und es wird auch in Zukunft darum gehen, Inhalte in unseren Titeln zu veröffentlichen, die der Leser eben nicht schon aus anderen Medien kennt.

Dabei handelt es sich um genau solche Inhalte, für die die Preisträger und Preisträgerinnen des Theodor-Wolff-Preises stehen.Die Beiträge sind unkonventionell, beobachtend, detailreich, spannend und machen nachdenklich. Sprachlich brillant, berührend, manchmal auch komisch, vor allem aber exklusiv.

Und nicht zuletzt deshalb sollten wir uns in unseren eigenen Titeln nicht schlechter machen als wir sind. Nicht, dass wir eines Tages noch selbst überrascht sind, wenn wir morgens eine Zeitung auf dem Frühstückstisch haben. Und liebe Kolleginnen und Kollegen, dafür müssen wir auch selber etwas tun. So finde ich es bedenklich, dass es uns nicht gelungen ist, unsere Branche in einer gemeinsamen Anstrengung in der Öffentlichkeit mit all ihren Vorteilen darzustellen. Gerade, zumal es eindrucksvolle Beispiele anderer Branchen, wie beispielsweise der Handwerker- und der Ärzteschaft gibt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns die Zukunft, jeder für sein Unternehmen, und – dort wo es möglich ist – gemeinsam angehen und gestalten. Lassen sie uns agieren und nicht reagieren, zeigen wir weiterhin den unternehmerischen Mut, den wir auch in der Vergangenheit hatten, wann immer es darum ging, für unsere Unternehmen neue Märkte zu entdecken oder unsere Geschäftsmodelle weiter zu entwickeln.

Und auch schon früher war die Zukunft alles andere als sicher, oder um es mit Karl Valentin zu sagen: „Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.“ In diesem Sinne, wünsche ich uns etwas mehr Zuversicht, Mut und Vertrauen in die 400 Jahre alte Zeitung und alle sich daraus entwickelbaren digitalen Geschäftsmodelle.

Meinen Dank aussprechen möchte ich an dieser Stelle natürlich dem Kuratorium des Theodor-Wolff-Preises und der Jury, aber ganz besonders der Geschäftsstelle des BDZV und dabei besonders Frau Pasquay und hier dem Gastgeber Süddeutscher Verlag, insbesondere Frau Herles und Frau Gollin, die sich um Durchführung und Gestaltung des heutigen Abends ganz besonders gekümmert haben.

Und so freue ich mich auf einen abwechslungsreichen Abend und ich bedanke mich nochmals sehr herzlich dafür, dass Sie zu uns nach München gekommen sind.

Vielen Dank!