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Dank des Vorsitzenden des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis, Hermann Neusser, anlässlich der Preisverleihung am 4. September 2013 in München

Es gilt das gesprochene Wort

Ich freue mich, dass wir den Theodor-Wolff-Preis erstmals in München verleihen - und dass unser Fest einmal mehr ein Treffen ist, bei dem Journalisten, Politik, Medienwirtschaft, Kultur und Wissenschaft zueinanderfinden. Herzlichen Dank, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind.

Mein ganz besonderer Dank gilt dem Verlag der „Süddeutschen Zeitung“, der so großzügig die Rolle des Gastgebers übernommen hat. Er tut das – Herr Dr. Rebmann erwähnte es gerade – in dem Bewusstsein, seit der Gründung unseres Preises vor nunmehr 51 Jahren immer wieder eine Preisträgerin oder einen Preisträger hervorgebracht zu haben. So auch in diesem Jahr.Und ich möchte die gute Gelegenheit ergreifen, Redaktion und Verlag zu diesem Qualitätsausweis, der etwas Besonderes ist, weil er von der gesamten Branche getragen wird, auch von meiner Seite sehr herzlich zu gratulieren.

Auszeichnungen wie der Theodor-Wolff-Preis, der Henri-Nannen-Preis, der Lokaljournalistenpreis oder der Wächterpreis, um die bedeutendsten Würdigungen zu nennen, sind ein Gradmesser für den publizistischen Anspruch, dem sich unsere Branche jeden Tag stellt. Sie belohnen die hohe Qualität einer redaktionellen Leistung. Und genau diese Qualität ist das zentrale Kriterium für den Erfolg unseres Mediums heute und in Zukunft – gedruckt, online und mobil.

Natürlich muss selbst ein Preis wie dieser mit der Zeit gehen. Seit dem vergangenen Jahr ist es möglich, auch Beiträge einzureichen, die nur online auf den Websites der Zeitungen veröffentlicht wurden. Es versteht sich, dass die Jury an die Online-Beiträge dieselben hohen Maßstäbe angelegt hat wie an die gedruckten Texte.  

Und damit bin ich bei dem eigentlichen Anlass unserer heutigen Zusammenkunft, nämlich bei der Freude und dem Privileg, sechs Damen und Herren mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragende journalistische Leistungen auszeichnen zu dürfen.

Sie, liebe Preisträger, haben journalistische Glanzstücke abgeliefert, die über den Tag hinaus wirken. So unterschiedlich die von Ihnen bearbeiteten Themen und Stoffe auch sind: Sie bestechen allesamt durch Kreativität,   Beobachtungsgabe, geduldige Recherche, sprachliche Brillanz. Und sie sind authentisch.

Beginnen wir mit dem Kernstück der Zeitungen, mit dem Lokalen. Da hat Jan Haarmeyer für das „Hamburger Abendblatt“ gleichsam Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr mit akribischer Recherche aufgezeigt, wie ein traumatisiertes Pflegekind in der Behördenmühle untergeht, obwohl alle eigentlich nur das Beste wollen. Und Kai Müller bildet für den Berliner „Tagesspiegel“ einen Chor von Stimmen ab, aus dem sich nach und nach ein Streit zwischen zwei jungen Männern und seine tödlichen Folgen herausschälen.

Das sind zwei preisgekrönte Beiträge, die Jury konnte aber  über eine ganze Reihe brillanter und preiswürdiger Artikel gerade aus den Lokalteilen unserer Zeitungen urteilen. Gleichwohl hätte ich mir gewünscht, es wären noch deutlich mehr gewesen. Denn besonders im Lokalen können und müssen wir unsere Kompetenz täglich neu beweisen. Hier steht der Marktplatz der Meinungen, der das Gespräch der Bürger in den Städten und Gemeinden bestimmt.

Die lokale und regionale Berichterstattung ist die tragende Säule unseres Mediums. Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Lokalausgabe in Deutschland pro Jahr mindestens einen Beitrag veröffentlicht, der in die Hände unserer Jury gehört. Und daher möchte ich die gute Gelegenheit heute Abend nutzen, nicht nur den Journalisten, sondern auch den Damen und Herren in den Chefredaktionen und an der Spitze der Lokalressorts zuzurufen: Schicken Sie uns Ihre besten Artikel, schicken Sie uns Ihre besten lokalen Artikel. Eine wirksamere Werbung für die Qualität unserer Zeitungen gibt es nicht. Die ausgezeichneten Beiträge heute Abend beweisen das auf das Schönste.  

Sie können diese Artikel übrigens allesamt und in voller Länge kennenlernen. Sie finden sie auf der Website des Theodor-Wolff-Preises eingestellt. Vor allem können Sie aber die preisgekrönten Artikel auch in Ruhe zuhause nachlesen. Beim Hinausgehen erwartet Sie eine Broschüre mit allen Texten, die wir heute Abend hier auszeichnen.

Dann werden Sie zum Beispiel nachverfolgen, wie sich Jochen Arntz für die „Süddeutsche Zeitung“ dem Leben von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter in Oggersheim zu nähern versucht. Sie werden sich wünschen, dass Andrea Jeska für die „Zeit“  noch sehr viele Menschen trifft - so wie den Mann, der die Wüste aufhielt. Diskussionsstoff wird Ihnen gewiss auch Robin Alexander bieten, der in der „Welt am Sonntag“ den Kampfbegriff „Herdprämie“  nach allen Regeln der Kunst dekliniert: historisch, gesellschaftlich, politisch.

Heute Abend wird auch ein journalistisches Lebenswerk mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Die unabhängige Jury würdigt damit die Arbeit eines großen Europäers und wortmächtigen Autors. Wir sind stolz und glücklich, Sie, sehr geehrter Herr Grosser, heute Abend bei uns zu sehen!

Meine Glückwünsche verbinde ich mit denen der 300 Zeitungsverlage, die den Theodor-Wolff-Preis tragen. Sie gelten dem Publizisten und politischen Kopf, der sich als streitbarer Intellektueller einen Namen gemacht hat - in Deutschland, dem Land seiner Geburt, und in Frankreich, das ihm Heimat wurde, als er 1933 mit seiner Familie vor den Nazis fliehen musste.

Sie, sehr geehrter Herr Grosser, haben sich in der Nachkriegszeit für die deutsch-französischen Beziehungen eingesetzt und gelten als einer der intellektuellen Wegbereiter des Elysée-Vertrags, dessen 50-jähriges Jubiläum Deutschland und Frankreich im Frühjahr begehen konnten. Ich bin sicher: Ihre Vermittlerrolle vom einen Land zum anderen wird heute ebenso sehr gebraucht wie damals.

Herzlich willkommen auch Ihnen, sehr geehrter Herr Primor. Wir freuen uns sehr, dass Sie unserer Bitte gefolgt sind und heute die Laudatio halten auf diesen Autor, akademischen Lehrer, Denker, Redner. Wir sind gespannt, sehr geehrter Herr Primor, auf Ihre  Worte.

Mein Glückwunsch gilt nicht nur den Preisträgern, sondern auch den Redaktionen und Verlagen, die hinter diesen  Autoren stehen und damit die Rahmenbedingungen für solch herausragende Arbeiten schaffen. All dies geschieht in schwierigen Zeiten für unsere Branche. Wir stehen in einem langanhaltenden Transformationsprozess. Die gedruckten Auflagen gehen zurück, während sich digitale Erlösmodelle erst langsam etablieren. Immer mehr Medien konkurrieren um ihren Anteil von einem stagnierenden Werbemarkt. Obendrein haben sich die Nutzungsgewohnheiten der Menschen stark verändert und verändern sich noch.  

Die positive Nachricht angesichts dieser Umbruchsituation lautet: Unsere Zeitungen erzielen hohe Reichweiten auf allen Kanälen. Noch nie haben so viele Menschen Zeitung gelesen wie heute, gedruckt, online und mobil. Das heißt: Das Publikum will Zeitung, unsere Gesellschaft braucht die Zeitung.

Darum danke ich meinem Vorredner für seine  klaren Worte: Auch mich irritiert, wie sich in den vergangenen Wochen und Monaten etliche Zeitungen und Zeitschriften und ganz besonders ein Magazin geradezu darin überboten haben, Journalismus niederzuschreiben.

Damit wir uns recht verstehen: Kritische Selbstreflexion ist wichtig. Auch und gerade im Journalismus. Aber nicht jede Veränderung ist eine Nachricht, nicht jede Nachricht ein großes Ereignis - und so manches Untergangsszenario soll nur den Wettbewerber im Konkurrenzkampf um die Gunst des Publikums beschädigen. Es ist höchste Zeit für ein bisschen mehr Gelassenheit.

Es waren insgesamt 396 Autorinnen und Autoren, die unserer Ausschreibung gefolgt sind. Die Jury hatte also wieder einmal alle Hände voll zu tun. Freilich können immer nur wenige gewinnen. Doch auch in diesem Jahr gab es deutlich mehr preisverdächtige Artikel, wurde die Shortlist lang und länger. Und ich weiß, dass die Jury unter Vorsitz von Evelyn Roll sehr engagiert über die Besten der Besten diskutiert hat.  

Ich komme nun zurück auf das Ereignis, das uns hier zusammengeführt hat, nämlich die Auszeichnung der Besten des Jahres 2012. Ich wünsche uns allen einen unterhaltsamen, einen inspirierenden Abend und gebe das Wort jetzt an Jörg Thadeusz, der uns durch das Programm führen wird.