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Dank für diese Auszeichnung

Klaus Harpprecht bei der Preisverleihung

von Klaus Harpprecht

Hochmögende Damen und Herren, Dank für diese ungewöhnliche Auszeichnung, die ich wohl vor allem meiner starrsinnigen Weigerung verdanke, mich in diesem Leben jemals zu langweilen und darum trotz des bedenklichen Alters weiter- und weiterschreibe, solange ich halbwegs bei Trost bin. Das sogenannte Lebenswerk ist nicht abgeschlossen - und ich bin nicht ganz sicher, liebe Bascha Mika, ob die abertausend Artikel, das halbe Hundert Dokumentar-Filme, ob die mehr als zwei Dutzend Bücher ein "Werk" sind. Trotz Deiner so herzlichen und klugen Würdigung: ein "Werk" steht doch wohl eher einem Dichter zu, dem sein Verlag ehrfurchtsvoll eine "Werkausgabe" von Band I bis XII zuteil werden lässt. Dir, liebe Bascha, kann ich das alte Scherzchen nicht vorenthalten, dass Du Deine Laudatio für die irgendwann fällige Wiederverwendung aufbewahren solltest, damit wenigstens ein bescheidenes Honorar herausspringt.

À propos: die Entmaterialisierung des Preises, wenn ich mich so ausdrücken darf, steigert das spirituelle Element der Ehrung. Das weiß ich zu schätzen. Aber ein Scheck hätte mir die Möglichkeit gegeben,  die Hälfte des Preisgeldes, vielleicht sogar das ganze, an eine der Stiftungen zu überweisen, die Journalisten in Not unter die Arme greifen, zum Beispiel die Riehl-Heise-Stiftung in München, darauf hoffend, dass die generösen Geber einen Betrag in entsprechender Höhe dazulegen.

Es gibt Journalisten in Not, weiß Gott, junge, die darum bangen, ihre Miete bezahlen zu können und es nicht wagen, an die Gründung einer Familie zu denken, alte, die mit ihrer Rente dahin kümmern. Der Journalismus insgesamt ist in Not. Es steht nicht gut um unser Gewerbe in diesen Zeiten der elektronischen Revolution. Dennoch: das gedruckte Wort, das schön gebundene Buch à la "Andere Bibliothek", aber auch die gedruckte Zeitung, die anspruchsvollen Zeitschriften werden überleben, gewiss in veränderter Form - aber sie werden in einem halben Jahrhundert, womöglich einem ganzen noch existieren. So rasch rennt die Menschheit Guttenberg, Luther, Calvin, der St. James-Bible nicht davon. Einige Zeitungen von hoher Qualität wird es auch künftig geben, bessere womöglich, vor allem sehr viel teurer als heute, auch eine gewisse Boulevard-Presse, deren einziger moralischer Auftrag es ist, die Blätter von Gewicht und Niveau zu subventionieren, wohl auch einige regional fest verwurzelte Zeitungen.

Die Rettung setzt freilich voraus, dass sich alle Beteiligten in einem neuen Geist der Solidarität zusammenfinden - im besten Fall mitsamt den Aktionären, aber auch gegen die Aktionäre, wenn es nicht anders geht. Die Einkommensschere klafft sperrangelweit, auch in unserer Zunft, und sie ist nicht immer durch Leistung und Talent gerechtfertigt. Tarifpolitische Regulierungen können die geforderte Solidarität nicht herbeizwingen. Sie sollte innerhalb der Betriebe, der Konzerne, vielleicht auch in regionalen Bereichen verabredet werden. Das Verfahren wäre einfach: wer das Glück hat, zwischen dreihundert Tausend und fünfhundert Tausend Euro im Jahr zu verdienen, zahlt in die Solidaritätskasse fünf Prozent des Gehaltes ein, zwischen einer halben und einer ganzen Million zehn Prozent, bis zu zwei Millionen zwölf Prozent, von dieser Stufe an fünfundzwanzig Prozent. Mit den verbleibenden Bezügen lässt sich immer noch ganz hübsch leben und sogar ein Häusle bauen. Der Gewinn aus dem Solidaritätsfond dient der Aufstockung der Honorare zu einem Normalsatz von zwei Euro pro Zeile. Ferner der Anhebung der niederen Redaktions- und Sekretariatsgehälter zu einem Stand, der sich nach der Kaufkraft im Jahre 1989 errechnet. Er hilft bei der Korrektur einer unverantwortlichen "Ausdünnung" der Redaktionen und der Technik. Er unterstützt die Einrichtung von "Kitas", die es den Kolleginnen mit Kindern ersparen, sich in eine Halbtagsarbeit abdrängen zu lassen. Entsprechende Regelungen sollen für die Öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten gelten, die Quotenkönige und vor allem ihre lukrativen Produktionsbetriebe nicht schonend. Dringend verlangen die brutal gekürzten Radio-Honorare eine Aufbesserung. Der Ausbeutung kleiner Produktionsfirmen müssen Grenzen gesetzt werden. Nebenbei: Parteien und Regierungen sollten aus den Gremien verschwinden - und dies besser heute als morgen.

Bitte diskutieren sie diese Vorschläge - und, das versteht sich, andere, vielleicht bessere Ideen. Verlieren Sie keine Zeit. Fordern Sie, wenn es nicht anders geht, Abstimmungen in den Betrieben und Konzernen. Nicht mehr und nicht weniger als das Geschick der seriösen Medien steht zur Debatte - mithin Ihr eigenes Geschick, ob Verleger, Manager oder Journalisten.

Dank von Herzen für die Auszeichnung, die mir die Gelegenheit bot, dieses offene Wort zu sagen. Dank fürs tolerante Zuhören. Dank fürs kleine deutsche Solidarnosz - wenn es denn zustande kommt.