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Rede von Hermann Neusser, Vorsitzender Kuratorium für den Theodor-Wolff-Preis, anlässlich der Preisverleihung am 8. September 2010 in Bremen

Es gilt das gesprochene Wort

Auch von meiner Seite darf ich Sie an diesem traditionsreichen Ort, der Bremischen Bürgerschaft, herzlich willkommen heißen. Ich freue mich, dass wir den Theodor-Wolff-Preis erstmals in der Freien Hansestadt Bremen verleihen - und dass unser Fest einmal mehr ein Treffen ist, bei dem Journalisten, Politik, Medienwirtschaft, Kultur und Wissenschaft zueinanderfinden. Herzlichen Dank, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind.

Mein ganz besonderer Dank gilt dem „Weser-Kurier“, der so großzügig die Rolle des Gastgebers übernommen hat. Sie tun das – mein geschätzter Vorredner erwähnte es gerade – binnen kürzester Zeit schon zum zweiten Mal. Denn die Redaktion des Weser-Kuriers ist in diesem Jahr selbst mit mehreren renommierten Würdigungen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Lokaljournalistenpreis der Konrad Adenauer-Stiftung. Und so möchte ich die gute Gelegenheit ergreifen, Verlag und Redaktion dazu auch von meiner Seite sehr herzlich zu gratulieren.

Auszeichnungen wie der Theodor-Wolff-Preis, der Lokaljournalistenpreis oder der Wächterpreis, um die wichtigsten Würdigungen der Zeitungsbranche zu nennen, sind ein Gradmesser für den publizistischen Anspruch, dem sich unsere Branche jeden Tag stellt. Sie belohnen die hohe Qualität einer redaktionellen Leistung. Und genau diese redaktionelle Qualität ist das zentrale Kriterium für den Erfolg unseres Mediums heute und in Zukunft – gedruckt, online und mobil.

Damit bin ich aber auch schon bei dem eigentlichen Anlass unserer heutigen Zusammenkunft, nämlich bei der Freude und dem Privileg, sechs Damen und Herren mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragende journalistische Leistungen auszeichnen zu dürfen.

Sie, liebe Preisträger, haben journalistische Meisterstücke abgeliefert, die über den Tag hinaus wirken. So unterschiedlich die von Ihnen bearbeiteten Themen und Stoffe auch sind: Sie bestechen allesamt durch Kreativität, eine beeindruckende Beobachtungsgabe, sprachliche Brillanz. Und sie sind authentisch.

Beginnen wir mit dem Kernstück der Zeitungen, mit dem Lokalen. Da hat Detlef Schmalenberg für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ gleichsam Tag für Tag, Stunde für Stunde mit akribischer Recherche aufgezeigt, wie es zu dem Einsturz an der Kölner U-Bahn-Baustelle kommen konnte. Und Frank Buchmeier macht uns in der „Stuttgarter Zeitung“ mit einer Frau wie Du und Ich bekannt, die sich fast nebenbei über Jahre für einen im Wald lebenden Obdachlosen engagiert und ihm geduldig und voller Engagement wieder in die Gesellschaft zurückhilft.

Was mich dabei aber ganz besonders beeindruckt: Die Jury konnte nicht nur über diese beiden Gewinner entscheiden, sondern über zahlreiche anspruchsvolle und preiswürdige Beiträge gerade aus den Lokalteilen unserer Zeitungen. Immer wieder haben wir in den zurückliegenden Jahren anlässlich der Preisverleihung darauf aufmerksam gemacht, dass die lokale und regionale Berichterstattung eine der Hauptsäulen unseres Mediums ist. Dass wir gerade hier täglich unsere Kompetenz beweisen können und müssen. Die diesmal in die engere Wahl gekommenen Artikel zeigen das auf das schönste, und ich freue mich, nochmals betont, über die deutlich zugenommene Zahl der Beiträge für die Kategorie „Lokales“. Ich hoffe, dass wir diesen erfreulichen Trend in den kommenden Jahren beibehalten können.

Sie können diese Artikel übrigens allesamt und in voller Länge kennenlernen, wir haben sie auf der Website des Theodor-Wolff-Preises eingestellt. Vor allem können Sie aber auch die preisgekrönten Artikel nachlesen. Beim Hinausgehen erwartet Sie eine Broschüre mit allen Texten, die wir heute Abend hier auszeichnen.

Dann werden Sie zum Beispiel auch noch einmal nachlesen, wie Arne Perras für die „Süddeutsche Zeitung“ die Lebensumstände somalischer Piraten schildert und was bei Sabine Rennefanz in der „Berliner Zeitung“ das Unverwechselbare einer einst eingeschworenen Hausgemeinschaft am Kottbusser Tor ausmacht. Reichlich Stoff für Diskussionen wird Ihnen nicht zuletzt Jana Hensel bieten, die sich in der „Zeit“ mit der Frage auseinandergesetzt hat, ob Elternzeit und Vätermonate die Rolle und Arbeitsbelastung der Mütter in der deutschen Gesellschaft verändert haben.

Zum achten Mal wird heute Abend auch ein journalistisches Lebenswerk mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Die unabhängige Jury würdigt damit die Arbeit von Professor Joachim Kaiser. Er hat sich als herausragender Kultur- und insbesondere Musikkritiker einen Namen gemacht, der immer für den Rang der Kultur in der Gesellschaft eingetreten ist und das geistige Leben in Deutschland mit seinen Beiträgen in der „Süddeutschen Zeitung“ maßgeblich geprägt hat. Vor 44 Jahren, 1966, wurde Joachim Kaiser übrigens erstmals der Theodor-Wolff-Preis zuerkannt.

Wir werden heute Abend noch mehr von den Autoren selbst hören. Zunächst aber möchte ich Ihnen, liebe Preisträger, zu dieser Leistung herzlich gratulieren. Es ist der Glückwunsch aus gut 300 Verlagen, die den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis mittragen. Mein Glückwunsch gilt auch den Redaktionen und Verlagen, die hinter diesen Autoren stehen und damit die Rahmenbedingungen für solch herausragende Arbeiten schaffen. Denn machen wir uns nichts vor: Solche Stücke entstehen nicht einmal so eben in der tagtäglichen Redaktionshektik, dafür braucht es einfach etwas mehr Zeit - und dazu braucht es auch Ruhe. Beides ist ein knappes Gut in unseren Häusern. Umso wichtiger sind die Ressortleiter, Chefredakteure und Verleger, die solche Projekte fördern – zum Wohl der Zeitung.

Zeit und Ruhe für neue Geschichten und für investigative Recherchen sind das eine. Qualitativ guter Journalismus kostet aber auch Geld. Er kostet Geld für intelligente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, er kostet Geld für deren Aus- und Weiterbildung und er kostet Geld für Produktionstechnik.

In einem unangenehmen Gegensatz zu diesen Kosten steht die sinkende Bereitschaft vieler Nutzer, für Medieninhalte zu bezahlen. Anzeigenblätter, Kundenzeitschriften, Internet, Musik- und Videotauschbörsen: Noch nie hat es so viel Inhalt kostenlos gegeben, tatsächlich oder vermeintlich.

Die gute Nachricht: Für gute Zeitungen zahlen die Menschen sehr wohl – in Deutschland sind das immerhin 20 Millionen Abonnenten und Käufer täglich und 49 Millionen Leserinnen und Leser. Die Betonung liegt dabei auf gut! Auf spannenden Geschichten, auf den Geschichten hinter den Geschichten, auf exzellent recherchierten Erklärstücken und klugen Kommentaren. Unsere gedruckten Zeitungen halten sich in diesem Wettbewerb bislang hervorragend, auch, weil wir dank der Einführung von Newsrooms und Newsdesks unser crossmediales Potenzial immer besser ausschöpfen und die Ausgabekanäle Print, Online, Mobil weiter optimieren können.

Solche Veränderungen greifen zweifelsohne tief in das über Jahrzehnte, ja eigentlich Jahrhunderte „gelernte“ und täglich erlebte Gewebe der Redaktionen ein. Sie sind, das ist nur zu menschlich, manchmal von Aufregung begleitet und von Angst vor Verlust der gewohnten Aufgabe. Sie sind aber vor allem von Hoffnungen und Erwartungen begleitet: Hoffnung auf eine bessere und schnellere Vernetzung von Inhalt und Technik, auf schlankere Strukturen, am Ende aber vor allem auf bessere Texte, Bilder, Themen. Denn unsere Zeitungen müssen ihre inhaltliche Leistung immer wieder und zunehmend intensiver unter Beweis stellen, um ihren Preis zu rechtfertigen. Ich bin sicher, dass uns dies gelingen kann und gelingen wird – gerade auch angesichts so herausragender Beiträge, wie wir sie heute Abend feiern.

Es waren insgesamt 413 Autoren, die unserer Ausschreibung gefolgt sind. Die Jury hatte also wieder einmal alle Hände voll zu tun. Hinter den 413 Einsendungen stehen 100 Verlage. Ich hätte es gerne gesehen, muss ich gestehen, wenn es noch ein paar mehr gewesen wären: Eigentlich müssten sich doch alle Häuser beteiligen! Denn ich bin überzeugt, dass in jeder Zeitung im Lauf eines Jahres Stücke erscheinen, die auf den Tisch unserer Jury gehören. Freilich können immer nur wenige gewinnen. Doch auch in diesem Jahr gab es viel, viel mehr preisverdächtige Artikel. Und ich weiß, dass die Jury unter Vorsitz von Dr. Wilm Herlyn wieder sehr temperamentvoll über die Besten der Besten gestritten hat.

Ich komme nun zurück auf das Ereignis, das uns hier zusammengeführt hat, nämlich die Auszeichnung der Besten des Jahres 2010. Ich wünsche uns allen einen unterhaltsamen, einen inspirierenden Abend und gebe das Wort jetzt an Jörg Thadeusz, der uns durch das Programm führen wird.