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Prämierter Text

Die Räuber

Von Arne Perras 

Das Meer ist wieder ruhig, alle Stürme abgeflaut. Jetzt beginnt die Jagdsaison. Am Horn von Afrika machen sich die Piraten bereit. Was sind das für Männer, die kapern und stehlen? Wer das wissen will, muss sich auf eine gefährliche Reise machen – an die Strände Somalias.

Ein hagerer Mann tritt aus dem Dunkel der Zelle, die Wachen führen ihn über den Hof in das Büro des Aufsehers. Der Gefangene ist barfuß, trägt einen Wickelrock und ein blaues Polohemd. Er hat krauses Haar, eingefallene Wangen und einen schwarzen Bart. Er ist ein Pirat. Reglos sitzt er auf einem Stuhl und fixiert den Reporter, der mit ihm sprechen darf.

Zwanzig Jahre lang wird Abdirashid Muuse im Gefängnis von Bosaso eingesperrt sein. Er hat ein Schiff gekapert. Und er bereut nichts. »Wir sind Helden«, sagt der 40 Jahre alte Mann aus Somalia: »Wir haben das Richtige getan.«

Er wird noch mehr erzählen von den Jahren auf See. Und danach werden ihn die Wachen wieder in das Verlies bringen, in dem sich 30 Menschen drängen. Oft sitzt er vorne am Gitter und streckt die Arme hinaus. Wenn er Glück hat, dann spürt er den Wind, der vom Meer herüberweht.

Jamaal Mohammed Said kann noch hinunterlaufen zum Strand. 28 Jahre ist er alt. Auch er ist Pirat. Die See liegt da wie ein großer Spiegel. Die Stürme sind vorbei, Dunst verschleiert den Horizont, Wasser und Himmel fließen ineinander, wie auf einem Aquarell, das keine Konturen kennt. Er weiß, die Zeit ist gekommen, um loszufahren. Die Jagdsaison beginnt.

Begegnungen in Bosaso, Hochburg der somalischen Piraten. Einige Dutzend Seeräuber sitzen hier im Gefängnis. Sie wurden von Kriegsschiffen der Franzosen und Amerikaner ausgeliefert oder von Piratenjägern der Regierung gefasst. Die meisten aber sind noch frei und planen neue Beutezüge – wie Jamaal Mohammed Said. U

m in der somalischen Hafenstadt Bosaso zu recherchieren, muss man sich unter den Schutz der Regierung von Puntland begeben, die ist zwar international nicht anerkannt, beansprucht aber die Kontrolle über das teilautonome Gebiet im Norden Somalias. Seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 hat das Land am Horn von Afrika keine Zentralgewalt mehr, es versinkt im Bürgerkrieg. Im Süden kämpft eine schwache Übergangsregierung gegen die Übermacht radikaler Islamisten. Im nördlichen Puntland haben andere Clans die Oberhand, hier blüht die Piraterie wie nirgendwo sonst auf der Welt. Es ist ein gewaltiges Problem für die Staatengemeinschaft, die auf sichere Seewege angewiesen ist. Die Route durch den Suezkanal über den Golf von Aden in den indischen Ozean ist eine Hauptarterie der Weltwirtschaft. Immer wieder greifen Piraten hier an. Sie entführen Schiffe, nehmen Geiseln, erpressen Lösegeld.

Auf dem Ozean jagt nun eine internationale Armada nach den Banditen. Doch wie geht es den Seeräubern an Land? Sind sie gefeierte Leute? Sind sie verhasste Gangster? Das sind Fragen, denen man in Puntland nachspüren kann, in den Straßen von Bosaso, in denen der neue Reichtum nicht zu übersehen ist. Zum Beispiel im Viertel »New Bosaso«, wo jetzt Villen mit Satellitenschüsseln auf den Dächern stehen. Jeder hier weiß, dass die Häuser aus Lösegeldern der Seeräuber finanziert wurden.

Die Welt der solventen Banditen wächst am Rand der Stadt. Die älteren Straßen im Zentrum von Bosaso haben noch den Charme des Orients. Die Häuser sind in zartes Grün oder Rosa getaucht, haben bunt bemalte Türen mit schönen Ornamenten. Die Gassen im Basar formen ein Labyrinth, ein Duft von Kardamom und Zimt mischt sich mit Schwaden süßlichen Parfums. Alte Männer grüßen, Frauen huschen verschleiert vorbei. Teppiche und Gewänder, Obst und Gemüse, Gewürze und Nüsse, Töpfe und Geschirr, ein zauberhaftes Durcheinander – lägen ganz vorne auf den Tischen nicht auch die polierten Kalaschnikows. Woher sie kommen, wollen die Verkäufer nicht sagen. Schließlich ist über Somalia seit 1992 ein Waffenembargo verhängt. Aber man kann hier vieles kaufen: Schnellfeuergewehre, Panzerfäuste, Maschinengewehre, Handgranaten. Alles, was ein Pirat braucht.

Alles, was auch der Häftling Abdirashid Muuse einst gebraucht hat. Wie oft er auf dem Meer Beute gemacht hat, will er nicht sagen. »Ich bin Gefangener, ich kann darüber nicht sprechen.« Jedenfalls war er vor einem Jahr auch wieder draußen auf der Jagd. Er sagt, sie wollten ausländische Fischerboote angreifen, doch dann sei ein amerikanisches Kriegsschiff gekommen, sie mussten fliehen. Dann entdeckten sie ein somalisches Frachtschiff, das Zement geladen hatte. Sie dachten, dass dieses Boot ihre beste Deckung sei und erzwangen sich einen Weg an Bord. Doch das Schiff gehörte einem Geschäftsmann aus Bosaso, der die puntländische Polizei zu Hilfe rief. Drei Tage lang habe das Feuergefecht auf See gedauert, bis die Piraten unterlagen. So ist Abdirashid Muuse in der Zelle gelandet, ein Vater von acht Kindern, die seine Frau nun ohne ihn durchbringen muss.

Abdirashid Muuse ist ein Verlierer; doch in Bosaso macht die Seeräuberei viele zu Gewinnern. Es sind reiche Geschäftsleute, die in das Piratentum investieren. Die Banditen brauchen schnelle Boote, GPS-Systeme, Satellitentelefone, und vor allem moderne Waffen. Das somalische Kapital sucht nach lukrativen Anlageformen, und Piraterie ist zurzeit die beste. Zwischen 50 und 150 Millionen Dollar Lösegeld erpressen die Piraten jährlich mit ihren Geiselnahmen. Das ist die New Economy von Puntland, das ansonsten vor allem Kamele nach Arabien exportiert.

Die Investoren geben ihr Geld einer Piratencrew ihrer Wahl. Wenn die Räuber erfolgreich sind, kassiert der Investor den Großteil, den Rest teilen die Piraten unter sich auf. Dabei gibt es feste Regeln. Den schwierigsten Job hat der erste Pirat, der an Bord geht. Er ist der »Springer«, für diesen Job braucht man einen athletischen, furchtlosen Typen. Glückt der Angriff, bekommt der Springer 120.000 Dollar Bonus. Stirbt er beim Kapern, fließt aber dennoch Lösegeld, dann bekommt die Familie des toten Springers 200.000 Dollar.

Der Pirat Jamaal Mohammed Said sammelt zurzeit in Bosaso seine Freunde. Hier besorgen sie ihre Ausrüstung, dann geht es nach Haradere im Süden, von wo aus sie in See stechen wollen. Auf dem größten ihrer Schiffe bunkern sie Wasser, Diesel und Proviant für fünfzehn Tage. Im Schlepptau haben sie zwei schnittige Boote, mit dicken Außenbordmotoren, für die Attacke. Bis zu den Seychellen will er dieses Mal fahren, so weit war er noch nie draußen. Das ferne Gebiet lockt. Es gibt dort nicht so viele Kriegsschiffe wie im Golf von Aden, und erst kürzlich haben Piraten dort leichte Beute gemacht: Sie entführten ein britisches Seglerehepaar auf ihrer Yacht. Nun fordern sie für die Geiseln vier Millionen Lösegeld.

Bislang hatte Jamaal Mohammed Said wenig Glück. Zweimal sind er und seine Crew von ausländischen Kriegsschiffen entdeckt worden und mussten fliehen. Ein Boot kenterte, Freunde starben. Aber er will weitermachen. Ein Verwandter, der eine andere Piratengruppe führe, habe einmal dicke Beute gemacht und ihm davon 10.000 Dollar gegeben, sagt er. Die Piraten versorgen mit den erbeuteten Millionen ihre Großfamilien und Verbündeten. »Wenn du nichts bezahlst, schützt dich deine Familie auch nicht«, sagt Jamaal Mohammed Said.

Piraten kaufen sich und ihrer Familie gerne große, neue Autos, beliebt ist der Toyota Surf, ein Allrad-Jeep, der in Bosaso überall zu sehen ist. Und sie kaufen Kat. Grüne Blätter, die stundenlang gekaut werden und eine berauschende Wirkung haben. Es heißt, dass Kat den Hunger vertreibe und wachhalte. Wer Kat kaut, fühlt sich stark. Und wer sich eine breite Gefolgschaft erkaufen will, braucht sehr viel Kat. Jeden Tag landen in Bosaso zwei Flugzeuge, die vollgestopft sind mit den grünen Blättern. Sie kommen aus Äthiopien und Kenia, wo der Kat- Strauch wächst. Bleiben die Flieger aus, herrscht große Aufregung. Die Droge bestimmt das Leben in Puntland. Zum Beispiel in den Holzhütten auf dem Markt. Dort liegen die Männer auf Matten und Teppichen, sie lassen sich Tee servieren und kauen – von Mittag bis Mitternacht.

Man steigt an diesen Hütten besser nicht aus dem Auto, diese Plätze sind angeblich voller Piraten, was den Besuch für einen Ausländer unmöglich macht, selbst wenn ihn auf Schritt und Tritt Leibwächter umringen. Nur im militärisch gesicherten Konvoi kann man als Weißer durch die Stadt fahren. Die Soldaten haben dabei ihre eigenen Methoden, den Verkehr zu regeln. Beginnt es auf den Straßen zu stocken, springen sie heraus und feuern mit ihren Kalaschnikows so lange in die Luft, bis sich alle anderen Fahrzeuge an den Rand gequetscht haben. Dann zieht die Kolonne weiter.

Die Piraten haben sich eingenistet an den Küsten von Puntland. Das war nicht immer so. Wer wissen will, wie es dazu kommen konnte, muss einige Jahre zurückblicken, damals, als viele der Piraten noch als Fischer aufs Meer fuhren. Von diesen Jahren erzählen sie gerne. Doch dann kamen immer mehr fremde Fischfangflotten in ihre Gewässer. Und gefährlicher Müll wurde in ihr Meer gekippt. Es war die Zeit, als der Staat Somalia ein abruptes Ende fand. Seitdem beherrscht die Fischer eine lähmende Ohnmacht. Seitdem fühlen sie sich als Opfer.

Abdirashid Muuse, der gefangene Pirat, sagt: Seit der Staat Somalia Anfang der neunziger Jahre zusammenbrach und im Krieg versank, habe es niemanden mehr gegeben, der die reichen Fischgründe vor der Küste schützen könne. »Wir waren nur einfache Fischer und sahen die ausländischen Flotten, die alles wegfischten.« Trawler aus Europa und Asien plünderten die Schwärme vor Somalia, mit Schleppnetzen am Boden zerstörten sie das reiche Leben unter Wasser. »Wir wurden zornig«, sagt Abdirashid Muuse. Irgendwann fingen die Fischer an, Fischtrawler zu attackieren. Abdirashid Muuse sieht sich als »Beschützer der Meere«. Die Wut bestimmt seit Jahren sein Leben.

An der Plünderung der Küstengewässer gibt es kaum einen Zweifel, Experten der Vereinten Nationen haben das schon 2005 dokumentiert, 700 ausländische Schiffe fischten damals illegal in somalischen Gewässern. Über den Giftmüll, der vor Somalia angeblich versenkt wurde, weiß man weniger, doch es hat immer wieder alarmierende Signale gegeben. Zum Beispiel nach dem Tsunami, der auch Somalias Küste traf. Durch ihn sollen heimlich versenkte Container mit toxischem Material aufgebrochen sein. Küstenbewohner klagten über schwere Atemwegs- und Hauterkrankungen. Europäische Firmen und die italienische Mafia sollen in den Müllskandal verwickelt gewesen sein. Doch wie der Sprecher des UN-Umweltprogramms, Nick Nuttal, in Nairobi sagt, ist die Gegend zu unsicher, um das Ausmaß des Desasters zu untersuchen.

Immer mutiger wurden die Fischer, immer gefährlicher ihre Attacken. Über die Jahre entwickelte sich daraus ein lukratives Geschäft, in das immer mehr Gangster investierten. Heute ist die Piraterie und das organisierte Verbrechen Alltag hier. Das Los der Fischer dürfte manch einem Piratenboss gelegen kommen, um die Überfälle als Selbstverteidigung zu rechtfertigen. In Puntland stoßen sie dabei auf offene Ohren, viele Leute glauben, dass die Welt nichts anderes im Sinn habe, als die Meere vor Somalia leerzufischen. Selbst ihre Marineflotten seien nur gekommen, um die Trawler zu schützen. So sieht man das hier.

Immer wieder ist im Westen behauptet worden, dass die Piraten auch jenseits von Somalia ein dichtes Netzwerk aufgebaut hätten, mit Informanten in großen Häfen, die Routenpläne und Frachtpapiere ausspionieren und nach Puntland funken. Doch das Muster der Attacken weckt Zweifel. Es sieht eher so aus, als würden die meisten Seeräuber einfach ihr Glück versuchen. Oft haben sie kein klares Ziel. Kürzlich hat eine Gruppe sogar nachts ein bewaffnetes Versorgungsschiff der französischen Marine angegriffen. Ein grober Irrtum, der kaum für gute Planung spricht. Sie holen sich also, was sie kriegen: Frachter, Tanker, Yachten. Doch mit den Marinepatrouillen wird die Jagd immer schwieriger.

Auch an Land haben es die Piraten nicht mehr so einfach wie früher. Sonst könnte Jamaal Mohammed Said gleich von Bosaso aus zu seinem nächsten Beutezug aufbrechen. Aber das ist ihm zu gefährlich, weil es hier zu viele gibt, die den Piraten Schwierigkeiten machen. Da sind zum einen die religiösen Führer und die Ältesten der Clans. Zu ihnen zählt auch Mohamed Maah Olow. Die Piraten, schimpft er, zerstörten die guten Sitten. Sie protzten mit ihrem Geld, sie tränken Alkohol und hielten sich »zur Entspannung« viele Frauen. »Das verstößt gegen den Islam«, sagt der Clan-Älteste. Immer wieder hört man Geschichten von Saufgelagen in Hotels und betrunkenen Piraten, die mit jungen Frauen im Arm herumtorkeln. Das kommt nicht gut an in streng muslimischen Kreisen. Aber weil die Banditen so viel Geld besitzen, haben sie viele Anhänger. Es ist schwer, sie zu isolieren.

Eine Fahrt durch die steinige Wüste, östlich von Bosaso: Links liegt das Meer, vorne ein größerer Gebirgszug, dessen ockerfarbene Felsen an manchen Stellen bis ins Wasser reichen. Dazwischen weite Strände, die auf den ersten Blick verlassen wirken. Doch dann ist hinter der Kurve auf einmal ein weißer Pickup zu sehen, mit montiertem Maschinengewehr. Unten am Wasser liegt ein blaues Boot. Und oben, in den Felsnischen, kauern bewaffnete Männer in Camouflage: die Piratenjäger von Puntland. »Das war früher ein Seeräubernest«, sagt der Polizeichef der Einheit. Seine Leute hätten es vor drei Monaten ausgehoben. Nun halten sie Wache, damit niemand mehr heimlich in See sticht. Allerdings haben die Jäger nur eine Nussschale mit Außenbordmotor. Moderne Patrouillenboote sehen anders aus.

Der Sicherheitsminister von Puntland kennt die Nöte seiner Polizisten. Abdulahi Said Samanter empfängt zum Gespräch in seiner kleinen Festung am Strand. Der ältere Herr im braunen Anzug hat in Rom Jura studiert, er kennt die Welt da draußen – und seine eigene. Er wünscht sich, dass künftig gar keine Lösegelder mehr bezahlt würden, das mache die Banditen immer stärker. »Wir kämpfen schon lange gegen die Piraten.« 300 hätten sie gefasst. Für diesen Feldzug brauche seine Polizei aber auch Hilfe von außen, er habe nicht genügend Ausrüstung und Boote. »Mit internationaler Unterstützung können wir das Problem in drei bis vier Monaten beseitigen.« Das habe er schon auf drei Piraterie-Konferenzen vorgebracht, in Nairobi, im Jemen und in Kuala Lumpur. Aber auf Unterstützung warte er noch immer.

Den Verdacht, dass Kräfte in der Regierung in die Piraterie verwickelt sein könnten, weist er zurück. In Bosaso hört man diese Gerüchte trotzdem immer wieder. Deshalb hätten die meisten Seeräuber nichts zu befürchten, sagt ein Insider, der lange in der Schiffsbranche gearbeitet hat. »Wenn sie diese Leute verhaften, dann bedeutet das Krieg.« Es ist eine verworrene Gefechtslage, die es wahrscheinlich macht, dass die Piraten nicht so schnell unterzukriegen sind.

Oder doch? Angeblich bekommt die Regierung nun Rückendeckung von einem mächtigen Seeräuberboss namens Boyah. Er ist eine Berühmtheit in Puntland, baumlang, eine Legende. Ein Treffen ist schon vereinbart. Aber dann gibt es Probleme. »Meine Worte kosten Geld«, lässt Boyah ausrichten. 4.000 Dollar fordert er für das Interview. Vielleicht war er doch schon zu lange Pirat. So platzt das Treffen.

Wenn es stimmt, dass Boyah die Seiten gewechselt hat, dann muss er jetzt seinen eigenen Schülern das Handwerk legen. Wie er das anstellen will, hat er bislang nicht verraten. Man könnte ihn fragen, aber die Antwort wäre vermutlich unbezahlbar.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Nr. 265 vom 17. November 2009

Bewertung der Jury

Arne Perras erhält den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis 2010 in der Kategorie »Allgemeines« für seinen Beitrag »Die Räuber«, erschienen in der Süddeutschen Zeitung, München, am 17. November 2009.

Ein Stück mit einem berühmten Titel: »Die Räuber« von Arne Perras, das ist eine beziehungsreiche Anspielung auf Friedrich von Schiller. Bei Perras geht es um eine aktuelle, um eine globalisierte Gaunergeschichte: Ein Besuch bei modernen Piraten am Golf von Aden. Der Autor bietet klassische Reportage-Kunst von hoher thematischer Relevanz. Das ist hautnah erlebte und meisterhaft erzählte Zeitgeschichte. Und es ist eine spannende Reise in eine Welt, die nur vermeintlich nichts mit uns zu tun hat. Die treffsicher recherchierten Hintergründe lassen schließlich globalere Zusammenhänge erkennen. Und so ist der süffig geschilderte Alltagskrimi vom Horn von Afrika auch ein Stück Aufklärung über Ursache- und Wirkungszusammenhänge, die mit unserem Leben hier in Europa zu tun haben.

Kurzbiographie

Arne Perras 

Geboren am 31. März 1967 in Würzburg.

Studium der Literatur und Geschichte in München und Oxford, wo er sich mit afrikanischer, asiatischer und lateinamerikanischer Geschichte befasste. 1999 Promotion über Imperialismus in Ostafrika. Autor einer Biographie des Kolonial - eroberers Carl Peters, Oxford University Press, 2004.

Erste Erfahrungen als Reporter während des Kroatien-Kriegs, ausgedehnte Reisen nach Lateinamerika, Südostasien und Afrika. Volontär, Redakteur und Parlamentskorrespondent der Nürnberger Nachrichten. Ab 2000 im außenpolitischen Ressort der Süddeutschen Zeitung, München. Seit 2006 ist er deren Afrika-Korrespondent und lebt mit seiner Familie in Kampala, Uganda.

Verheiratet mit der Fernsehjournalistin Susanne Perras. Sie haben zwei Kinder, Tochter Mara, neun, und Sohn David, sechs Jahre alt.