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Rede von Hermann Neusser anlässlich der Preisverleihung des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis am 10. September 2008 in Köln

Ein herzliches Willkommen auch von meiner Seite hier an diesem charmanten Ort, im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums. Ich freue mich, dass wir den Theodor-Wolff-Preis erstmals in Köln verleihen - und dass unser Fest einmal mehr ein Treff ist, bei dem Journalisten, Politik, Medienwirtschaft, Kultur und Wissenschaft zusammenfinden. Herzlichen Dank, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind.

Mein ganz besonderer Dank gilt dem Verlag M. DuMont Schauberg und der Verlegerfamilie Neven DuMont, die so großzügig die Rolle des Gastgebers übernommen haben.

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte ich die Bedeutung dieses Verlagshauses mit langer Geschichte und imponierender Gegenwart – für Köln, für Deutschland und über die deutschen Grenzen hinaus – hier schildern. Sie, lieber Herr Neven, haben ja gerade für uns den großen Bogen über die wichtigsten Ereignisse und Herausforderungen geschlagen, denen sich die Zeitungsbranche wie jedes einzelne unserer rund 350 Verlagshäuser stellen musste und muss.

Dabei haben Sie als ein zentrale Kriterium für den bisherigen wie den künftigen Erfolg unseres Mediums die Qualität der redaktionellen Leistung betont, die wir im Wettbewerb mit all den anderen und stetig mehr werdenden Medien nicht nur halten, sondern die wir noch weiter ausbauen müssen.

Und damit bin ich nun auch schon bei dem eigentlichen Anlass unserer heutigen Zusammenkunft, nämlich bei der Freude und dem Privileg, sechs Damen und Herren mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragende journalistische Leistungen auszeichnen zu dürfen.

Sie, liebe Preisträger, haben journalistische Meisterstücke abgeliefert, die über den Tag hinaus wirken. So unterschiedlich die von Ihnen bearbeiteten Themen und Stoffe auch sind: Sie bestechen allesamt durch Kreativität, eine beeindruckende Beobachtungsgabe, sprachliche Brillanz. Und sie sind authentisch.

Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass gleich drei von Ihnen in Ihren preisgekrönten Artikeln aus persönlicher Betroffenheit berichten. Caroline Emcke erinnert sich an die Ermordung ihres Patenonkels Alfred Herrhausen durch die RAF. Stephan Hermsen schildert die ersten Jahre des Lebens mit seiner Tochter Rebecca, die mit einer Behinderung zur Welt kam. Und Mark-Joachim Obert findet das Personal für seine Sozialreportage geradewegs vor seiner Haustür, in der Trinkhalle gegenüber.

Ihre Stücke eint aber auch, dass das Persönliche über sich hinausweist ins Allgemeine. Auf diese Weise ermöglichen Sie es Ihren Lesern, ein Stück mitzugehen, Ihre Reflexionen und Erfahrungen mit Ihnen zu teilen, die diese selbst nie gemacht hätten und nie machen werden.

Sie können das, meine Damen und Herren, im Übrigen selbst nachlesen. Beim Hinausgehen erwartet Sie ein Büchlein mit allen Texten, die wir heute Abend hier auszeichnen. Dann können Sie auch noch einmal nachlesen, welche unbequemen Fragen Thomas Kistner stellt, wenn es um Doping im Fußball geht. Und ich hoffe, dass viele Lehrer, Ausbilder, Kommunalpolitiker nachlesen werden, was Miriam Opresnik und Özlem Topçu ein Jahr lang über die Ansichten und Lebensaussichten junger Migranten in Deutschland herausgefunden haben. In beiden Reportagen stecken nach meinem Empfinden nicht nur viele mühselige Recherchen, sondern auch Handlungsoptionen. Auch das macht die Qualität von Zeitungstexten aus.

Wir werden heute Abend noch mehr darüber von den Autoren selbst hören. Zunächst aber möchte ich Ihnen, liebe Preisträger, zu dieser Leistung herzlich gratulieren. Es ist der Glückwunsch aus weit über 300 Verlagen, die den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis mittragen.

Mein Glückwunsch gilt auch den Redaktionen und Verlagen, die hinter diesen Autoren stehen und damit die Rahmenbedingungen für solch herausragende Arbeiten schaffen. Denn machen wir uns nichts vor: Solche Stücke entstehen nicht einmal so eben in der tagtäglichen Redaktionshektik, dafür braucht es einfach etwas mehr Zeit – in Hamburg sogar ein ganzes Jahr – und dazu braucht es auch Ruhe. Beides ist ein knappes Gut in unseren Häusern. Umso wichtiger sind die Ressortleiter, Chefredakteure und Verleger, die solche Projekte fördern – zum Wohl der Zeitung. 

Es waren insgesamt 357 Autoren, die unserer Ausschreibung gefolgt sind. Die Jury hatte also wieder einmal alle Hände voll zu tun. Dahinter standen 103 Verlage. Ich gestehe, dass ich mich gefreut hätte, wären es noch ein paar mehr gewesen. Eigentlich müssten sich doch alle Häuser beteiligen! Denn ich bin überzeugt, dass in jeder Zeitung im Lauf eines Jahres Stücke erscheinen, die auf den Tisch unserer Jury gehören. Freilich können immer nur fünf gewinnen. Doch auch in diesem Jahr gab es viel, viel mehr preisverdächtige Artikel. Und ich weiß, dass die Jury unter Vorsitz von Werner Schwarzwälder wieder sehr temperamentvoll über die Besten der Besten gestritten hat.