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Rede von Hermann Neusser anlässlich der Preisverleihung des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis am 5. September 2007 in Berlin

Ein herzliches Willkommen auch von meiner Seite hier an diesem un­gewöhnlichen Ort. Ich freue mich, dass wir mit dem Theodor-Wolff-Preis wieder einmal in Berlin sind, und unser Fest einmal mehr ein Treff ist, wo Journalisten, Politik, Medienwirtschaft, Kultur und Wis­senschaft zusammenfinden. Herzlichen Dank, dass Sie unserer Ein­ladung gefolgt sind.

Mein ganz besonderer Dank gilt der Deutschen Presse-Agentur, die in einer großzügigen Geste die Rolle des Gastgebers übernommen hat. Eine der profiliertesten Nachrichtenagenturen der Welt an unserer Seite zu wissen, wenn es darum geht, die Besten des deutschen Zei­tungsjournalismus zu ehren, dies ist sicher eine gute Ausgangslage. Im Übrigen ist es gleichsam eine Familienfeier: Schließlich sind fast alle der gut 350 Zeitungsverlage Gesellschafter der Agentur – unserer Agentur.

Mein ganz ausdrücklicher Dank gilt natürlich auch Ihnen, liebe Preis­träger. Sie haben journalistische Meisterstücke abgeliefert, die über den Tag hinaus wirken. Es sind „Benchmarks“, an denen sich die Qualität im Zeitungsjournalismus messen lassen muss. Und womög­lich mehr als je zuvor brauchen wir diese Qualität, um unser Medium – Print wie Online – fortzuentwickeln, und die Zeitung in die Zukunft zu führen. So unterschiedlich die von Ihnen bearbeiteten Themen und Stoffe auch sind: Sie bestechen allesamt durch Kreativität, eine be­eindruckende Beobachtungsgabe, sprachliche Brillanz. Und sie sind authentisch. Zu dieser Leistung gratuliere ich Ihnen herzlich. Es ist der Glückwunsch aus weit über 300 Verlagen, die den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis mittragen.

Mein Glückwunsch gilt auch den Redaktionen und Verlagen, die hinter diesen  Autoren stehen und damit die Rahmenbedingungen für solch herausragende Arbeiten schaffen. Denn machen wir uns nichts vor: Solche Stücke entstehen nicht einmal so eben in der tagtäglichen Re­daktionshektik, dafür braucht es einfach etwas mehr Zeit und auch Ruhe. Und beides ist ein knappes Gut in unseren Häusern. Umso wichtiger sind die Ressortleiter, Chefredakteure und Verleger, die sol­che Projekte fördern – zum Wohl der Zeitung. Die ausgezeichneten Arbeiten sind so etwas wie ein Kaleidoskop der relevanten Themen in unserer Gesellschaft. Wir werden ja später dazu noch einiges hören.

Neben den fünf ordentlichen Preisen – wenn ich einmal so sagen darf – zeichnen wir in diesem Jahr auch ein Lebenswerk aus und kommen damit zu der wunderbaren Kür unseres Preises: Mit Sibylle Krause-Burger wird erstmals eine Frau für ihr journalistisches Lebenswerk mit dem Theodor-Wolff-Preis geehrt. Wer die brillanten Werke unserer Preisträgerin kennt, der weiß, dass diese Entscheidung unserer Jury keine Frage der Quote war. Verehrte Frau Krause-Burger, Sie haben uns in all den Jahren viele großartige Reportagen, beeindruckende Porträts und Meinungsbeiträge geliefert. Ich kann nur hoffen, dass Ihr Lebenswerk noch weiter wachsen wird und Sie uns noch lange mit Ihren Geschichten fesseln werden.

Es waren insgesamt 345 Autoren, die unserer Ausschreibung gefolgt sind. Die Jury hatte also wieder einmal alle Hände voll zu tun. Dahin­ter standen 93 Verlage. Ich will nicht verhehlen, dass ich mich gefreut hätte, wenn es noch mehr gewesen wären. Eigentlich müssten sich doch alle beteiligen. Denn ich bin überzeugt, dass in jeder Zeitung im Laufe eines Jahres Stücke erscheinen, die auf den Tisch unserer Jury gehören. Freilich können immer nur fünf gewinnen. Doch auch in die­sem Jahr gab es viel, viel mehr preisverdächtige Artikel. Und ich weiß, dass die Jury unter Vorsitz von Uwe Vorkötter wieder temperament­voll über die Besten der Besten gestritten hat.

So viele gute Texte zu lesen, das macht Mut. Und es macht Appetit auf mehr. Und wieder einmal hat sich gezeigt, dass journalistische Qualität gerade auch in kleineren Verlagen und im Lokaljournalismus zu Hause ist.

Elementare Voraussetzung, nicht nur für solch journalistische Meis­terstücke, sondern für Journalismus überhaupt, ist die freie und unge­hinderte Berichterstattung. Es ist gut zu wissen, dass Deutschland eines der ganz wenigen Länder auf der Erde ist, wo die Pressefreiheit grundsätzlich gewährleistet ist. Doch gerade in jüngerer Zeit ist dieses äußerst sensible Gut auch hier bei uns beschädigt worden. Es gab Beschlagnahmeaktionen, Durchsuchungen, Telefonüberwachungen und erst jüngst noch eine Serie von Ermittlungsverfahren gegen Jour­nalisten, die nichts anderes getan haben, als ihrer Arbeit nachzuge­hen. Nämlich zu recherchieren, zu berichten und – wo immer notwen­dig – Missstände zu dokumentieren.

Die Attacken gegen die Presse bereiten mir große Sorge, und ich er­warte mehr Sensibilität von der Politik und auch von den Ermittlungs­behörden. Vor allem brauchen wir klare gesetzliche Regelungen, die solche Entgleisungen, wie wir sie jetzt leider allzu oft erlebt haben, verhindern. Vielleicht ist diese Festveranstaltung nicht der ideale Ort für ein so ernstes Thema. Doch meine Sorge mitzuteilen und sie auch mit Ihnen zu teilen, das liegt mir am Herzen.

Verehrte Preisträger, verehrte Gäste, ich komme nun zurück auf das Ereignis, das uns hier zusammengeführt hat, nämlich die Auszeich­nung der Besten des Jahres 2006.