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Prämierter Text

"Daddy! I love you"

Von Thomas Delekat

Jossi Mendellevich hörte am Telefon, wie eine Bombe seinen Sohn zerriss. Besuche bei zwei Familien, die ihre Söhne verloren. Am selben Tag, zur selben Zeit - der eine war ein Opfer, der andere der Attentäter.

Jossi steht in Yuvals Zimmer und sieht sich Leichen an. Er betrachtet die Zeitungsfotos vom Linienbus Nummer 37, das Wrack, das Blut und die Porträtgalerie mit allen 18 Opfern, darüber die Schlagzeilen. Es ist heiß, die Zeitungsseiten fächeln beim Blättern ein bisschen Luft durch Yuvals verlassenes Zimmer. Jossi betrachtet die Bilder genau, alles will er wissen. Er schont sich nicht. Erst wenn er alles weiß, überwindet er den Tod. Das glaubt Jossi.

Jossi kann von einem kleinen Foto die Augen nicht lassen, er ist ganz hingerissen davon. Das Bild zeigt ein verrußtes Stück vom Bus und eine Hand. Sie hängt aus einem leeren Fenster, ein Totenzettel dreht sich am Wurzelgelenk. Es ist Yuvals Hand, Jossi weiß es durch die Ärmelbündchen. Yuvals Jacke, Yuvals Hand. Die Hand liegt still, sie hält in einer Geste inne, und zufällig ist es Gottes Fingerzeig, derselbe, den Adam empfängt auf Michelangelos Schöpfungsbild in der Sixtinischen Kapelle. Gottes gestreckter Zeigefinger, Yuvals Hand, genau so. Nur ohne Lebensfunken. An Yuvals Mittelfinger sind zwei Glieder abgerissen. Blut tropft aus dem Stumpf, es trieft und kleckert eine Spur über den Totenzettel. Jossi weint in die aufgeschlagene Zeitung.

Jossi hört Yuvals Stimme, das helle, heisere Timbre, dieses stimmbrüchige Jungenkrächzen. Yuvals Bettdecke liegt noch da, wohin er sie beiseite warf an seinem letzten Morgen. Daneben Grishams "Der Klient", und es markiert ein Lesezeichen den kurzen Moment zwischen Müdigkeit und Schlaf während Yuvals letzter Nacht. Jossi streckt die Hände aus. Das Laken und die Decke, sind sie kalt? Yuvals Schlafwärme, die Bettschwere, Yuvals Geruch! Seine Sweatshirts im Schrank, seine Turnschuhe unterm Bett. Die Schreibtischlampe brennt. Jossi hofft. Das Zimmer atmet wie immer, es lebt noch eine Weile weiter.

Ariel Scharon, der Ministerpräsident, rief an. Jossi fuhr hin zu ihm und sagte, man müsste was mit den Bushaltestellen tun, und Scharon tat was. Jetzt sitzt Jossi in seinem Ford und fährt mal wieder Geisterbahn, er fährt wieder die breite, vierspurige Moriahstraße entlang. "Da drüben, Yuvals Schule", sagt Jossi. Ein Mann mit Schnellfeuerwaffe schiebt an der Bushaltestelle Dienst. Es ist wieder Mittwoch, es ist wieder genau die Strecke, die Stelle, und es ist wieder genau dieselbe Zeit. Yuval war zu spät an seinem letzten Tag, sagt Jossi. Er hatte in der Schule nachgesessen. Er klebte sein Löwenkostüm fürs Schulfest zusammen, und dann nahm er den nächsten Bus.

Der grüne 37er fährt heran, Yuval rein, in der Mitte die freie Bank mit Fensterplatz. Yuval fährt eine Station und noch eine. Die Tür geht auf, Mahmud kommt herein, Yuval sieht ihn nicht, er ist ganz Ohr, er telefoniert mit Jossi, und der erzählt ihm gerade einen Witz. Yuval kichert. Mahmud drückt auf den Auslöser.

Jossi gibt Gas. Er bricht brachial durch die Polizeiabsperrung, er rast über die menschenleere Moriahstraße, den Hügel hinunter, die Senke hindurch, die nächste Steigung wieder hinauf. Auf der Kuppe sieht er das Trümmerfeld. Jossi riecht den Tod, diesen süßlichen Geruch nach verwesendem Fleisch, dieser muffige, erstickende Gestank schwelenden Mülls. Jossi sieht nur Grau. Alles ist grau, das Grün der entlaubten Büsche auf dem Mittelstreifen, die weißen Häuserfassaden mit den zersprengten Fenstern, der kahle Rohrrahmen des Busses, grau die Straße, bedeckt vom dreckigen Gemisch aus Gliedmaßen, Fetzen von irgendwas, von Taschen, Kleidung, vom Wrack, den Glassplittern der Bushaltestelle. Alles grau, alles grau. Kurz bevor das Funknetz zusammenbrach, rief Yuvals Mutter an, sie sagte: "Jossi! Eben kam im Radio, der 129er ist hochgegangen. NICHT DER 37ER! Also mach dir keine Sorgen, Jossi. ER WAR NICHT DRIN!!" Jossi stößt die Autotür auf. Hinter der Stirn, in den Schläfen pocht ein weißes, hartglitzerndes Rauschen. Gleich fällt er um, Panik, Schwindel, Herzkasper. Jossi rennt zum Wrack, er brüllt "Yuval, Yuval", und da schnappen sie ihn schon. Sie schleifen Jossi weg, weg von der Hand, die er nicht gesehen hat, Yuvals lebloser Geste aus dem leeren Busfensterrahmen, Yuvals tropfender Hand unter dem weggesprengten Busdach, unter dem freien, blauen Himmel über dem Grau.

Jossi sitzt zu Hause am Tisch und posiert für ein Foto. Ein Mann von bulliger Statur, vollbärtig, kultiviert, und dennoch mit einer Andeutung davon, er sei notfalls fähig zu einer Gegenwehr von gefährlicher Wucht. Jossi guckt durch die Panoramafenster seines Hauses aufs blau und silbrig gleißende Meer, den Strand von Haifa, er sieht elend aus. Ein außerordentlicher Architekt hätte aus ihm werden können, sein großes Haus ist extravagant, er hat Sinn für Stil und luxurierende Weltläufigkeit. Jossi war Chemiker, jetzt ist er Computeringenieur. Aber davon kümmert ihn nichts mehr, nur noch der Tod, den er von früher kennt, von fern. Seine Großeltern lebten in Polen, sie starben im KZ.

Mehr als 7.000 Leute sind durch Jossis Haus gezogen, eine dreitägige Prozession durchs Wohnzimmer hindurch, eine Karawane aus an- und abfahrenden Kondolenzbussen. Jossi und seine Frau überstanden das erschöpft, betäubt und enttäuscht. Yossi hatte drei Tage lang auf zwei Besucher gewartet: seinen Friseur und seinen Gemüsehändler, beides Alltagsfreunde aus der Nachbarschaft. Sie kamen aber nicht. Er verstehe das, sagt Jossi und spielt den Großzügigen. Es sind Palästinenser mit israelischem Pass. Sie hätten höllischen Ärger gekriegt mit ihren Leuten. Aber sie täten gut daran, ihm nie wieder unter die Augen zu treten.

Yuval ist ein Benjamin gewesen, das späte, letzte Kind. Für Jossi erschien er als der Einzige, der Wahre, als ob seine älteren Geschwister nur Vorläufer gewesen seien. Yuval, sein Augapfel, sein Leben, sein Meisterwerk. Jossi fand, Yuval wüchse über ihn hinaus, Yuval sei mehr als er selbst. Jossi hat einmal zu ihm gesagt, was kein Vater seinem Kind gestehen darf, er sagte zu ihm: Einen wie dich habe ich nicht verdient.

Es ist leer, es ist öd, es ist Sabbat, ein jüdischer Sabbat in Hebron, im moslemischen Palästinensergebiet. Der heiße Wind schiebt hellen Steinstaub und träge Langeweile durch die Straßen an den Hängen. Es ist sehr still in Hebron, keine Passanten, keine Arbeiter, keine Händler, allenfalls ein Sammeltaxi. In der Straße, an der die Kawasmes heute leben, hocken ein paar Jugendliche vor alten Computern in einem Hausflur, es ist ein Internet-Café. Die Kawasmes wohnen im ersten Stock, eine Außentreppe führt hinauf. Sie warten schon im Flur ihrer kahlen, frisch geweißten Wohnung, sie sind verlegen, sie sind schüchtern, sie reichen die Hand, und sie lächeln zu oft. Schadia Kawasme überragt ihren Gatten um ein paar peinliche Zentimeter. Sie setzt sich schnell zu ihm aufs orientalisch gemusterte Sofa. Sie sind aufgeregt. Es ist so tatenlos, so zeitlos, so leblos in Hebron, so trist und tot. Eine Neonröhre an der leeren Wohnzimmerwand, der Boden Kunststeinfliesen. In der Ecke lehnt ein Foto von Mahmud, in monströser Vergrößerung, anderthalb Quadratmeter Fläche vielleicht. Mahmud beim Sportfest, Bild und Rahmen waren eine Siegestrophäe gewesen. Schadia Kawasmes dunkler Mantel umschlingt ihren Hals, umwickelt ihre ganze Gestalt und entlässt erst die Fußknöchel ins Freie. Sie stecken in derben Schnürstiefeln. Ihr blaues Kopftuch wirft einen schmalen Schattenrand übers Gesicht, es sind wache, ungeschminkte Züge. Schadia ist gewandter als ihr Mann. Sie führt das Wort, er schweigt dazu. In seiner Hand dreht eine Gebetskette langsam, stetig ihre Runden. Omran Kawasme spricht selten, und wenn, dann spricht er leise und angenehm, aber immer ein für alle Mal. Ein bescheidener Mensch, ohne Sinn für arabische Eitelkeiten. Er mag keinen Bart in seinem fleischigen, melancholischen Gesicht, er trägt keine Goldringe an den Händen. Hemd und Hose liebt er ungemustert. Er ist irgendein kleines Licht bei der Gemeinde, Abteilung Gerichtsbarkeit. Omran Kawasme schaut seiner Frau von der Seite zu, er hat sie im Griff mit einer stillen Autorität. Sein Schweigen ein Lob, das sie beflügelt. Sie weiß am besten zu sagen, was er denkt.

Mahmud und Yuval begegneten sich nur kurz. Allenfalls drei oder vier Sekunden. Sehr wahrscheinlich haben sie sich sogar gesehen. Aber wahrgenommen haben sie sich nicht. Yuval telefonierte, wie immer im Bus. Alles gut gegangen in der Schule, das sagte er, er sitze jetzt im 37er nach Hause, mach dir keine Sorgen, Daddy - und Jossi, der gerade mit dem Auto fährt, freut sich und brüllt einen Witz gegen den Fahrlärm an, und Yuval muss kichern im Bus, er ist erheitert und gerührt, und er will etwas Nettes zu Daddy sagen, er will sich revanchieren, er merkt, wie künstlich aufgekratzt Jossi immer mit ihm ist, und ihm fällt auf die Schnelle nichts anderes ein als "I love you Dad" zu sagen, seine letzten Worte. Jossi in seinem Auto hört ein Zischen. Ein nachlassendes, absinkendes Pfeifgeräusch, wie letzte Luft aus einem platten Reifen. Jossi denkt, das Telefon ist tot, schon wieder dieses beschissene Mobilfunknetz. Erst Tage später geht ihm auf, dass Yuvals Leben, Yuvals Seele in diesem Zischen aufgegangen und verklungen war.

Mahmud Kawasme sieht niemanden, er ist blind, er sieht nur den grünen 37er-Bus vor sich herfahren, er sieht ihn durch die Windschutzscheibe eines Lieferwagens. An der Bushaltestelle öffnet Mahmud die Wagentür, springt vom Sitz auf die Straße herunter und rennt über die Fahrbahn zum Bus. Es ist kein Sprint, er ist nicht schnell. Der Gürtel hängt schwer und empfindlich um seine Hüften, Sprengstoff, Brennsatz, eine Lage Metallschrott, der in einer Minute fingerdicke Löcher in die Stahlrohrgeländer des Mittelstreifens reißen wird. Mahmud kriegt den 37er gerade noch so. Er nimmt als Letzter die Stufen der Mitteltür, er nestelt die Drähte mit dem Auslöseknopf hervor, die Türen falten sich zischend zusammen, der Bus ruckt an, schert aus, Mahmud hat den Knopf erwischt, er drückt sofort. Er sah nicht die Kinder, er hörte nicht ihr Gekreische, ihre Gesänge, das Schulhofgegacker. Er dachte, das ist Israel oder wenigstens ein Stück davon. Mahmud sah die Kinder nicht, Mahmud wollte Israel töten, stattdessen brachte er Yuval um. Vielleicht hat er auch aufgemerkt und Yuval gesehen, die Kinder, und er hatte gezündet, bevor er denken konnte: Halt!

Mahmud war überhaupt nicht dran, sagt Jossi, er war nicht an der Reihe. Ein anderer sollte sich sprengen, aber der hat im letzten Moment lieber weiterleben wollen, und die Hamas, ein Sauhaufen in organisatorischen Dingen, griff auf Mahmud Kawasme zurück - auf einen, der nicht aus ihren Reihen stammte. Am Tag vor dem Mord rief Mahmud zu Hause an: Er übernachte bei Schwester und Schwager, sagte er. Jetzt gehe er in die Moschee, um zu beten.

Tausende kamen zu Omran und Schadia Kawasme, Tausende kondolierten, und, sagt Omran, fast alle gratulierten auch. Das war kein Trost, sagt Mahmuds Vater, er dachte, was für eine Zumutung ist das. Schadia betrachtet ein Foto von Yuval, das Jossi knipste, drei Tage vor dem Tod. Sie ist ein bisschen weitsichtig, sie hält es am gestreckten Arm, sie schaut Yuval an, reglos, ausschließlich, angespannt und lange. Sie reicht das Foto schweigend zurück und merkt, sie müsste dazu etwas sagen. Sie sagt: "Es waren zu viele tote Kinder vor unserem Haus. Zu viele Leichen, um noch erschüttert zu sein." "Mahmud ...", sagt Omran Kawasme, und es klingt, als räuspere er sich vor einigen offiziellen Sätzen, "Mahmud ...", sagt er, und jetzt kann nur folgen, was alle Eltern aller Selbstmordattentäter offiziell behaupten: dass ein großer Stolz sie über den Tod hinwegtrage, dass der Opfertod ihres Kindes sie glücklich mache. Aber der Dolmetscher sieht entgeistert aus, während Omran Kawasme spricht. "Mahmud war kein Soldat", sagt Omran Kawasme. Er will seinen Sohn keinen Verbrecher nennen, aber er sagt: Niemals, nie hätte Mahmud das tun dürfen, "ein sinnloser Tod", sagt Omran Kawasme. Er hätte Mahmud aufgehalten, notfalls mit Gewalt.

Schadia Kawasme geht in die Küche, sie bringt, was sie haben, ein Blech mit Gurkenstückchen und Tee. Von der Hamas hat sich niemand blicken lassen. Keine Erklärung hinterher, keine Hilfe, kein Zeichen. Mahmud tot, die Wohnung gesprengt, Mahmuds Brüder in Haft. 2.000 Dollar kriegten sie von der Gemeinde für Betten, Stühle, Geschirr, 1.000 Dollar von einer französischen Hilfsorganisation, sagt Schadia Kawasme. Und irgendwo gibt es einen Gewaltmenschen bei der Hamas, der sich jetzt mit Mahmud brüstet, der sich die Bombe auf seine Karriere anrechnen lässt. So sehen Kawasmes das. Sie sind jetzt Außenseiter in Hebron.

Mahmud war 20, ein ehrgeiziger, einzelgängerischer Charakter und der Einzige unter den Jungs auf der Straße, der nie verhaftet wurde. Ein Ass im Schach, ein Leistungssportler dazu, Student im zweiten Semester Informatik. Was Mahmud trieb? - "Das Elend der Besatzung", sagt Schadia Kawasme, "die Genugtuung für verletzten Stolz." Für diesen Schwachsinn mit dem Himmelslohn war Mahmud jedenfalls zu klug. 72 Jungfrauen, die im Jenseits warten! 72! Nach fünfen satt, nach der Zehnten überdrüssig, die übrigen 62 Entjungferungen eine fromme Fron. Mahmud glaubte diesen Mumpitz nicht - höchstwahrscheinlich, gewiss ist es nicht.

Der Busfahrer ist jung. Auf dem Weg zurück nach Jerusalem ist er in jeder Kurve ein Selbstmordattentäter mit Führerschein und 15 Passagieren im Rücken. Die volle Fuhre schlingert und schleudert mit 120 Sachen am Tempo-60-Schild vorbei. Der Kleinbus legt bergab noch ein bisschen zu, zehrt allen Schwung in einer steilen Sichelrundung auf, oben wird ein Dorf sichtbar. Eine palästinensische Siedlung am Hang gegenüber, sie brütet leblos in Staub und Sommerhitze. "Rattattattata" macht der Bus bei der Fahrt an geschlitzten Betonwänden vorbei. Manchmal kommen vom Dorf Granaten geflogen. Die Betonquader am Straßenrand schirmen das Schussfeld bis zur Bergbiegung ab. Ich sitze am Fenster, zwischen zwei Kontrollstationen schraube ich die Wasserflasche auf und sehe dabei die Fotos von Mahmud und Yuval im Rucksack liegen. Yuval mit nasstropfendem Haar, es glänzt in der Sonne wie ein Hirschkäferpanzer. Das junge Gesicht ist frisch vom Salz, vom Wind, er kommt aus dem Wasser, er friert ein bisschen von der Verdunstungskälte. Yuval, blau in blau, Meer und Himmel, und Jossi steht in der Gischt und will ihn fotografieren. Da macht Jossi einen Witz. Yuval kichert. Jossi drückt auf den Auslöser.

Die Welt

Nr. 219 vom 19. September 2003

Bewertung der Jury

Thomas Delekat erhält den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2004 in der Kategorie "Allgemeines" für den Beitrag "›Daddy! I love you‹", erschienen in der Zeitung Die Welt, Berlin, am 19. September 2003.

Wie das Entsetzen beschreiben? Diesen Tag für Tag tödlichen Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, heruntergezoomt auf das Schicksal von Attentäter und Opfer. Diesen Wahn von blindem Fanatismus, der Leben zerstört. Thomas Delekat beschreibt ergreifend seine Besuche in Haifa und Hebron bei den beiden Familien, die ihre Söhne verloren. Der Reporter schildert nicht nur, was er oberflächlich sieht. Er lässt Bilder - grausame Bilder - vor den Augen des Lesers entstehen, er zeichnet Gefühle nach und emotionalisiert - mit einfacher, und darum eindringlicher Sprache. Eine meisterliche, bewegende Reportage.

Kurzbiographie

Thomas Delekat

Geboren am 8. März 1953 in Köln.

Aufgewachsen in Frankfurt am Main, dort auch ein Musikstudium, zugleich Ausbildung zum klassischen Gitarristen.

Während des Studiums erste journalistische Erfahrungen als Freier Mitarbeiter für die Frankfurter Rundschau. 1983 Volontariat bei der Frankfurter Rundschau.

1983 bis 1984 freier Mitarbeiter für den Hessischen Rundfunk (Musiksendungen) und für das Feuilleton der Frankfurter Rundschau. 1984 bis 1997 Opernredakteur bei "Die deutsche Bühne", Köln. Daneben auch Reportagen für die Zeitschrift GEO, die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit u. a.

Von 1997 bis 1998 Feuilleton-Redakteur und -Reporter bei der Hamburger Morgenpost, unter Chefredakteur Mathias Döpfner. Seit 1998 bei der Tageszeitung Die Welt, Berlin, zunächst als Kulturreporter, inzwischen ohne Ressortbindung.