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Prämierter Text

Ein Schiff mit Kurs Gerechtigkeit

Von Stefan Ulrich

Wenn Stefan Wäspi all das Elend für ein, zwei Stunden hinter sich lassen will, dann fährt er an den Strand. Dort läuft der Schweizer Staatsanwalt jenen schmalen, feuchten Streifen zwischen Meer und Land entlang, wo der Fuß beim Joggen weder von Wellen erfasst wird noch im trockenen Sand versinkt. Zur Linken blickt er auf die Dünen von Den Haag, zur Rechten auf die See. Der Rhythmus von Schritt, Atem und Herzschlag lässt die Stimmen vom Balkan verstummen. Und jenes steinerne Schiff mitten in Den Haag, auf dem der Jurist seine Arbeitstage verbringt, verschwindet vor seinem inneren Horizont.

Ein Geisterschiff: Der spitze Bug teilt die Eisenhouwerlaan und die Johann de Witt Laan im Kongressviertel der holländischen Hauptstadt. Ein hoher, massiver Eisenzaun umgürtet den ockergelben, lang gestreckten Ziegelbau wie eine Reling, und hinten, am breiten, stumpfen Heck trennt eine steinerne Balustrade ein Freideck ab. Darüber recken sich, steuer- und backbords, zwei turmartige Aufbauten, die an Kriegsschiffe erinnern. Bis tief in die Haager Nächte hinein leuchten in den Büros die Computerschirme. Hunderte von Männern und Frauen arbeiten hier, am Internationalen Jugoslawien-Tribunal, abgeschirmt von der Stadt und ihren Menschen unter der blassblauen Flagge der Vereinten Nationen. Sie wirken an dem, was Wäspi "unsere Mission" nennt. Ihr Endziel heißt Gerechtigkeit. Doch bis dorthin ist es eine Fahrt ins Ungewisse - ohne Kompass, ohne Karten und knapp an Treibstoff.

Kevin Cullen lässt sich von all dem die Laune nicht verderben, obwohl er in einem Betrieb arbeitet, in dem sich alles um Völkermord und Kriegsverbrechen dreht. Aufgeräumt erzählt der graugelockte Ire von dem Jazz-Konzert, das er am Abend besuchen möchte, als wolle er beweisen, dass er geschafft hat, was er anderen noch beibringen muss: die strikte Trennung von Arbeit und Freizeit - im Interesse des Seelenheils. Dieses Seelenheil ist bedroht bei den Menschen am Tribunal. "Die Leute versuchen, sich durch ihre Professionalität zu schützen", sagt Cullen, der Betriebspsychologe, der Kummeronkel des Gerichts. Aber der Schutz hat Grenzen. "Viele wurden nie trainiert, mit den Auswirkungen dieser Arbeit auf ihr Gefühlsleben umzugehen."

Wann die Belastungsgrenze erreicht ist, lässt sich nicht vorhersagen. Irgendwann ist es soweit. Dann klappt ein Ermittler, der schon 1.000 Fotos verstümmelter Leichen begutachtet hat, beim 1.001. Bild zusammen. Oder es bekommt die Übersetzerin, die die qualvollen Schilderungen von zehn Frauen ohne Stocken in die Gerichtssprachen Englisch oder Französisch übertragen hat, bei der elften Zeugin plötzlich Weinkrämpfe. Vor kurzem sind auch zwei Richter kollabiert. Und dennoch: Alle, die man in den schmalen Büros und auf den breiten Fluren des Gerichts trifft, versichern mit leuchtenden Augen: " Es ist der beste Job meines Lebens".

"Wir sind mehr oder weniger Überzeugungstäter", sagt ein Beamter des Tribunals, und das mag erklären, warum viele hier wie besessen arbeiten. Hildegard Uertz-Retzlaff etwa sitzt täglich zehn bis zwölf Stunden über ihren Fällen - an sieben Tagen die Woche. In Urlaub ist die aus Düsseldorf stammende Oberstaatsanwältin seit Jahren nicht mehr gefahren, und daran wird sich auch in diesem Sommer nichts ändern, denn von September an soll sie die Anklage im Kroatien-Teil des Milosevic-Prozesses führen. Dann wird die ganze Welt auf die 51 Jahre alte Frau mit den grauen, kurzen Haaren schauen. Wie sie ihr inneres Gleichgewicht bewahrt? Ein trauriges Lachen: "Ich weiß nicht, ob ich das bewahrt habe. Das Tribunal frisst einen auf. Noch kann ich das aushalten - aber wer weiß, wie lange."

1993 war dieses Versuchsprojekt in einer Nacht- und Nebelaktion durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gestartet worden. Der Rat wollte irgendetwas tun, angesichts der Kriegsgräuel auf dem Balkan, um dem Druck der Weltöffentlichkeit nachzugeben. Doch er verpasste es, das Schiff richtig auszustatten. Nur das hehre Fernziel war klar: Ahndung der schlimmsten Verbrechen auf dem Balkan, Aussöhnung der Völker durch Gerechtigkeit. Wie es erreicht werden sollte, blieb unbestimmt. Mit geringem Budget, ohne Infrastruktur, ohne Angeklagte und mit nur wenig Unterstützung durch die Staatenwelt schien das Projekt dem Untergang geweiht zu sein.

Dann geschah etwas Erfreuliches, das Freund und Feind überraschte: Das Gericht erschuf sich selbst, dem Papiertiger wuchsen Zähne. Die Menschen aus aller Welt, die es nach Den Haag verschlagen hatte, nahmen, was sie bekamen - ein altes Versicherungsgebäude - und bauten es zu einem High-Tech- und Hochsicherheitsgericht aus. Sie gaben sich Regeln, etwa eine Verfahrensordnung, bauten Untersuchungsteams und Opferschutzprogramme auf, verhandelten mit Staaten, organisierten die Reisen von Zeugen und Anwälten, kümmerten sich um die Vollstreckung der Haftstrafen - sie übernahmen all die Aufgaben, die auf nationaler Ebene unterschiedlichste Behörden wahrnehmen.

Schließlich gingen die ersten Angeklagten ins Netz. Es begann mit Dusko Tadic, einem eher kleinen Licht unter den Weltverbrechern, und es ist derzeit bei der Symbolfigur für zehn Jahre Kriegstreiberei auf dem Balkan angelangt: bei Slobodan Milosevic. Spätestens seitdem er im Gerichts-Gefängnis im nahen Seebad Scheveningen sitzt, wird das Tribunal ernst genommen. Wer es früher belächelte, auf dem Balkan und anderswo, lernt es heute fürchten; und wer es einst verachtete, dürfte es heute hassen. Das Schiff hat mächtig an Fahrt aufgenommen, und mittlerweile haben rund 1.248 Männer und Frauen aus etwa 82 Staaten darauf angeheuert. Es gibt viele Matrosen an Bord - Wachleute, Schreibkräfte, Rechercheure, Ermittler, Verwaltungsbeamte, Zeugenschützer und Rechtsanwälte. Es gibt Kapitäne wie die forsche Chefermittlerin Carla Del Ponte und den honorigen Gerichtspräsidenten Claude Jorda. Und es gibt Helden: "Wir dürfen nie vergessen: Die wahren Helden sind die Zeugen", sagt Kevin Cullen, und niemand wird ihm widersprechen wollen.

Ohne die mutigen Zeugen vom Balkan könnte das Gericht einpacken. Erstaunlich viele überlebende Opfer habe sich entschlossen, nach Den Haag zu kommen, um hier in den Abgrund ihrer Geschichte zu schauen, um Auge in Auge mit ihren Peinigern Zeugnis zu leisten. Eine dieser Heldinnen ist Shureta Berisha, eine Albanerin aus Suva Reka im Kosovo. 41 Jahre soll sie jung sein - doch das Leben hat sie vorzeitig altern lassen. Zögernd, mit unsicherem Schritt betritt die schwarz gekleidete Frau den Gerichtssaal Nummer Eins, wankt zum Zeugenstand in der Mitte. Die beiden Bildschirme im Zuschauerraum, der durch Panzerglas abgetrennt ist, zeigen sie in Nahaufnahme: kurze schwarze Haare und eine randlose Brille in einem stillen, bäuerlichen Gesicht, in dem jemand für immer das Licht ausgeknipst hat.

Shureta Berisha spricht leise und konzentriert, so als müsse sie die Sätze einzeln der Vergangenheit entreißen. Sie schaut nach vorne zu den drei Richtern aus Jamaika, Großbritannien und Korea in ihren schwarz-roten Roben. Wie so viele Zeugen meidet sie den Blick nach links hinüber zur Anklagebank, auf der in diesem Prozess ein herrischer, selbstgerechter Slobodan Milosevic sitzt. Shureta Berisha war verheiratet. Sie hatte vier Kinder. Das Älteste war 16 Jahre, das Jüngste 22 Monate. An einem einzigen Tag hat sie alle verloren.

An jenem Tag, Ende März 1999, kurz nach Beginn der Nato-Intervention im Kosovo, jagten serbische Polizisten ihren Mann auf die Straße und schossen ihm in den Rücken. Die Zeugin stand dabei, zwei ihrer Kinder an den Händen. Später wurde sie mit ihren vier Kindern und anderen Menschen in ein Café gepfercht. 20, 30 Minuten lang hätten die Serben mit automatischen Waffen in den übervollen Raum geschossen. Wie Hagelkörner schlugen die Salven auf die Leiber ein. Auch die Zeugin wurde getroffen, fiel zwischen die anderen Körper. Dann Stille. Die Männer ließen ihre Waffen sinken. Auftrag ausgeführt.

Drinnen im Raum ein Stöhnen und Röcheln, die Geräusche des Sterbens. Die Zeugin sieht ihre Tochter Herolinda mit fünf, sechs Schüssen im Körper auf dem Boden liegen: "Es war schrecklich, es war grauenhaft", sagt Shureta Berisha, und ihre Worte klingen klein und hilflos. Die Albanerin stellte sich tot. Sie hörte, wie einer der Serben rief: "Macht die Lastwagen fertig und bringt die Leichen so schnell wie möglich weg." Die Zeugin wird mit den Toten auf die Ladefläche geworfen. Unterwegs lässt sie sich herunterfallen, wird von Landsleuten gefunden, flieht über die Grenze nach Albanien. Das Gesicht der Zeugin ist noch stiller geworden. Auch im Raum ist es still. Es ist, als seien all die blank polierten Pulte, die marineblauen Sessel, die Aktenwägen, Computerschirme, Videokameras und selbst die blauen Fahnen der Vereinten Nationen verschwunden. Es ist, als habe sich dieser sachliche, saubere, luftige Gerichtssaal aufgelöst, um einer anderen Realität Platz zu machen: dem balkanischen Schlachtfeld. Als die Frau den Zeugenstand verlässt, wirkt ihr Schritt leichter, ihre Gestalt jünger: Sie hat es geschafft.

"Die meisten Zeugen haben schreckliche Angst, wenn sie zu uns kommen", sagt Danielle Cailloux, eine lebhafte, herzliche Belgierin, die die Zeugenschutzabteilung leitet. "Aber sie wollen im Namen ihrer Familien sprechen, die sie verloren haben. Sie wollen, dass die Welt erfährt, was geschehen ist. Das ist ihnen wichtiger als Strafe, als Rache. Und am Ende, nach der Aussage, sind die meisten von ihnen erleichtert."

Die Menschen, mit denen Danielle Cailloux und ihre 40 Mitarbeiter zu tun haben, kommen aus einer anderen Welt, sie kommen von den blutigen Rändern Europas, und für viele ist es die erste richtige Reise ihres Lebens. Die Ermittler des Tribunals haben sie aufgestöbert in ihren Dörfern, in Ruinenstädten und Flüchtlingslagern. Manche sind im Haager Winter im bloßen Hemd angereist, andere sind in erbärmlichem körperlichen und seelischen Zustand. "Wir kaufen ihnen dann Mäntel, gehen mit ihnen zum Doktor, zum Zahnarzt", erzählt die Belgierin. Schließlich sollen die Zeugen in einem menschenwürdigen Zustand vor Gericht erscheinen. Behutsam müssen sie auf das vorbereitet werden, was sie im Prozess erwartet - zum Beispiel ein gnadenloses Kreuzverhör durch Slobodan Milosevic. Die meisten sind hinterher stolz, dass sie es geschafft haben.

Ähnlich beschreibt das ein Mann, der die Welt des Tribunals aus anderer Perspektive erlebt - vom Podest des vorsitzenden Richters. "Es gehört hier zu den bewegendsten Augenblicken, wenn ein Opfer nach zwei, drei Tagen seiner Aussage erzählt, er habe nie im Leben daran gedacht, einmal vor einem Richter angehört zu werden", sagt Wolfgang Schomburg. Er wurde letzten Herbst von den Vereinten Nationen für das Jugoslawien-Tribunal auserkoren. Ein dreiviertel Jahr später wirkt der frühere Berliner Justizstaatssekretär und BGH-Richter abgearbeitet, todmüde und glücklich. Er lässt sich in das petrol-blaue Ikea-Sofa seines Büros zurückfallen, schlägt die Beine übereinander und sagt mit leiser, dunkler Stimme, die klingt, als ob ein Tonband langsamer abläuft: "Ich würde sofort wieder hierher kommen. Es ist die Krönung. Einen spannenderen Arbeitsplatz kann man sich nicht vorstellen."

In seinen Nachbarbüros arbeiten Richter aus China und Guinea. In seiner Kammer hat er einen Beisitzer aus Malta und einen aus Sambia. Schomburg streitet mit Richtern aus Frankreich, der Türkei und Amerika darüber, was Folter ist und debattiert mit Kollegen aus Marokko und der Ukraine über eine diffizile Zeugenaussage. Manchmal muss er zwischen französischsprachigen und englischsprachigen Kollegen übersetzen, und dennoch hat er die Erfahrung gemacht, dass "wir alle eine gemeinsame Rechtssprache sprechen. Wir teilen die logische, die geradezu klinische Denkweise. Daher gibt es kein Verständigungsproblem."

Längst wird in den drei Gerichtssälen in zwei Schichten verhandelt - vormittags und nachmittags. 32 erstinstanzliche Urteile wurden bereits gefällt, gegen zehn Angeklagte laufen gerade die Verfahren, etwa 30 warten in Haft oder Haftverschonung auf ihren Prozess. Und noch sind nicht alle Hauptkriegsverbrecher gefasst. Vor allem die Bosnien-Schlächter Radovan Karadzic und Ratko Mladic sind noch flüchtig. Doch das Netz zieht sich zu. Werden sie gefasst, werden Wolfgang Schomburg und seine zwei Beisitzer über sie richten. Dann wird der Druck weiter zunehmen. Und die 70-Stunden-Arbeitswoche des Berliners wird wahrscheinlich nicht mehr reichen.

Dabei bietet das Gerichtsgebäude nichts, was dem Stressabbau förderlich wäre. Die Kantine ist abgebrannt, der Sandwich-Stand im Keller trostlos. Immerhin haben sich die 120 am Gericht allgegenwärtigen Wachleute in diesem Keller ein Fitness-Center eingerichtet - auf eigene Kosten. Und dann gibt es ja Kevin Cullen, den Kummerdoktor. "Wir haben ein Burn-out-Problem", sagt Christian Rohde. Als Abteilungsleiter in der Kanzlei gehört er zu den Topmanagern des Tribunals. Er kümmert sich um die Untersuchungshäftlinge, prüft die Kostenrechnung der Strafverteidiger und sorgt überhaupt aus dem Hintergrund dafür, dass dieses komplexe, multinationale Gebilde namens Weltjustiz funktioniert.

Sein Job bringt es mit sich, dass Rohde nahezu alle kennt, die in diesem durch Zäune, Kameras, Polizisten und Sicherheitsschleusen geschützten, verwinkelten Gebäude arbeiten. "Es sind viele junge, dynamische, hochmotivierte Leute dabei", sagt der schlaksige, unprätentiöse Jurist Rohde. Die Motivation der Frauen und Männer am Tribunal? Natürlich sei es auch das Geld. Rund doppelt so hoch sei das Gehalt wie bei einem vergleichbaren Job in Deutschland. Doch die meisten treibe die Idee: "Ich möchte etwas Gutes tun und etwas, das Bedeutung hat." Geschichte wird gemacht, hier in Den Haag - das spornt sie alle an. Bei allen Selbstzweifeln über den Sinn des ganzen Unterfangens glauben die Menschen vom Tribunal doch daran, dass sie die Wegbereiter sind für den entstehenden ständigen internationalen Strafgerichtshof, der einmal weltweit über die schlimmsten Verbrechen richten soll.

Und haben sie es nicht weit gebracht? Die Gerichtssäle, die sich hinter der eleganten Lobby öffnen, sind klar, hell und funktionell. Von hier aus gehen die Bilder des Tribunals hinaus in alle Welt. Doch erst dahinter erahnt man die Mühen des Alltags: kleine stickige Technikräume, bis zur Decke vollgestopft mit Elektronik für das Gerichts-Fernsehen und die Übersetzung. Kleine, karge Aufenthaltszellen, in denen die Häftlinge während der Verhandlungspausen warten. In einer steht noch ein Plastikbecher schwarzen Kaffees und ein Aschenbecher voller Zigarettenkippen neben dem freigeschalteten Telefon - Slobodan Milosevic wartete heute morgen hier.

Wider Erwarten hat es das Geisterschiff geschafft, weder in Untiefen zu versanden noch auf hoher See zu versinken. Bis heute hält es Kurs zwischen Geschichte, Politik, Recht und Gerechtigkeit. Deshalb kehrt auch Stefan Wäspi nach seinem Auslauf am Strand gerne wieder auf die Justiz-Galeere zurück. "Es ist das beste, was ich je gemacht habe", sagt er, bevor er hinter den Schleusen des Tribunals verschwindet.

Süddeutsche Zeitung

Nr. 180 vom 6. August 2002

Bewertung der Jury

Stefan Ulrich erhält den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 2003 in der Kategorie "Allgemeines" für den Beitrag "Ein Schiff mit Kurs Gerechtigkeit", erschienen in der Süddeutschen Zeitung, München, am 6. August 2002.

Stefan Ulrich wagt sich in das komplizierte Geflecht des Internationalen Jugoslawien-Tribunals in Den Haag. Ein Gericht mit seinen Staatsanwälten, Verteidigern, Richtern, Angeklagten und einem Heer von Zeugen, das belastet durch das Entsetzen über die Kriegsgräuel auf dem Balkan Gerechtigkeit sucht. Mit sprachlicher Genauigkeit, die Distanz schafft, zeichnet Ulrich eindringlich das Leid der Menschen in kurzen Schlaglicht-Szenen nach und setzt es gegen die Kühle der Justiz. Eine bewegende journalistische Arbeit.

Kurzbiographie

Gezeichnet: ul

Geboren am 19. Oktober 1963 in Starnberg.

Nach dem Abitur Studium der Rechtswissenschaften in München und Freiburg. 1993 bis 1994 Zweites Staatsexamen und Promotion zum Presserecht. Erste journalistische Erfahrungen bei der Süddeutschen Zeitung, München, und der Badischen Zeitung, Freiburg.

Während seines Volontariats bei der Süddeutschen Zeitung (1994 bis 1996) arbeitete er unter anderem als Gerichtsreporter in München. 1996 Wechsel in die Nachrichtenredaktion der Süddeutschen Zeitung. Während dieser Zeit begann er, über völkerrechtliche und völkerstrafrechtliche Themen zu schreiben. Seit 1998 ist er Redakteur im Ressort Außenpolitik, wo er als Blattmacher und Autor arbeitet. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Vereinte Nationen, internationale Beziehungen, Völkerrecht, internationale Gerichte, Europäische Union und Italien.