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Liberal und standhaft - im Dienste der Leser

Liberal und standhaft - im Dienste der Leser

Jost Springensguth, Mitglied der Jury für den Theodor-Wolff-Preis, zum Lebenswerk von Dr. Thomas Löffelholz

Ressortleiter, die nicht schreiben können, sind ihm ein Greuel. Mit dieser Einstellung hinterläßt Thomas Löffelholz eine Mahnung für den Berufsstand. Die Zukunft der gedruckten Presse liegt in der Kunst des Schreibens und nicht allein im Organisationstalent eines leitenden Redakteurs, der sich als Redaktionsmanager versteht. Als Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung und der Tageszeitung Die Welt, deren Herausgeber er zugleich bis Mitte 1998 war, hat Löffelholz gezeigt, daß mit der entsprechenden Gewichtung der eigenen Talente in der Redaktionsleitung herausragende Tageszeitungen gemacht werden können. Dahinter steckt seine Freude am gut geschriebenen Stück, ohne die offensichtlich das Journalistenleben für ihn nicht lebenswert ist.

Löffelholz kann schreiben. Die Jury für den Theodor-Wolff-Preis hat mit der Auszeichnung des Artikels »Vom Segen der Nachtsitzung«, erschienen am 25. /26. März 1972 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, seine Begabung und seine Fähigkeit schon damals erkannt. Mitte 1998 steht er mit der Pensionierung am Ende seiner beruflichen Funktionen - sicher nicht seiner journalistischen Arbeit. Die Jury für den Theodor-Wolff-Preis hat in diesem Jahr entschieden, sein Lebenswerk auszuzeichnen. Sie unterstreicht damit, daß Thomas Löffelholz zu den herausragenden Persönlichkeiten im deutschen Journalismus gehört.

Als Chefredakteur hat er den Beweis geliefert: Auch Regionalzeitungen sin Qualitätszeitungen. Zu den Begriffen, auf die der Preisträger allergisch reagiert, gehört die Bezeichnung Provinzjournalismus. Die Maximen seines Handelns: Eigenes Können entscheidet über die Leistung und nicht die Auflage oder der bekannte Name einer Zeitung. Die Nähe zum Leser ist entscheidend für die Themen einer Regionalzeitung. Die Qualität der einzelnen Beiträge hat darunter nicht zu leiden. Löffelholz ist überzeugt, daß mit Design und Optik allein keine gute Zeitung zu machen ist. Sie sollte übersichtlich aufgemacht sein, aber den Leser durch Inhalt und Sprache fesseln.

Der Leitartikel von Thomas Löffelholz ist in der Regel ein Genuß - allein durch die Klarheit, durch sachlich abgesicherte Argumente auf den Grundlagen eines gesunden Menschenverstandes sowie einer hohen Allgemeinbildung. Dahinter steckt eine liberale Haltung im besten Sinne des Wortes, die in keine Schublade des Parteienspektrums paßt. Demokratische und freiheitliche Überzeugung veranlassen Löffelholz, politische Irrwege nach links und rechts unmißverständlich mit Argumenten zu versperren.

Thomas Löffelholz wirkt mit derselben Vehemenz in den eigenen Berufstand hinein, wenn es um Werte und Maßstäbe geht. Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit gehören zur journalistischen Ethik, die im Kampf um Auflagen und Einschaltquoten manchmal auf der Strecke zu bleiben drohen. Die Elle, an der Politiker, Persönlichkeiten der Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbände gemessen werden, muß nach seiner Überzeugung auch Maßstab im Journalismus bleiben. In diesem Sinne hat sich Thomas Löffelholz während der Debatte unter den Chefredakteuren der deutschen Regionalzeitungen im Nachgang der Amigo-Affäre kompromißlos an die Spitze gesetzt.

Der Brüsseler Korrespondent Thomas Löffelholz schrieb 1972 in dem Artikel, mit dem er die Auszeichnung mit dem Theodor-Wolff-Preis errang: »Europa ist - weiß Gott - nicht einfach zu verstehen«. Als Korrespondent, Redakteur für Politik und Wirtschaft, als Chefredakteur und Herausgeber hat er einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, daß viele Leser auch schwierige Zusammenhänge auf verständliche Art und Weise erfassen konnten.

Begründung der Jury

Thomas Löffelholz, Chefredakteur der Zeitung "Die Welt" (Berlin), erhält den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis 1997 als Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Löffelholz stehe für einen liberalen Journalismus ganz im Sinne von Theodor Wolff, dem einstigen Chefredakteur des "Berliner Tageblatts", urteilte die Jury.

Kurzbiographie

Thomas Löffelholz

Geboren am 7. November 1932 in Wiesbaden.

Die frühen Jahre waren lebhaft, denn es war Krieg. Er wuchs deshalb an vielen Orten auf, dreizehn Schulwechsel belegen das. Trotzdem: Abitur im Juni 1949 in Aschaffenburg. Er wäre damals gerne Germanist geworden, aber Dr. Wagner, der Deutschlehrer, beurteilte seine Bemühungen um die Sprache im Abituraufsatz mit »Mangelhaft«.

So kam er an die Juristerei - Staatsexamen in Marburg 1953 - und die Nationalökonomie (Diplomvolkswirt 1957). Dazwischen ein Abstecher in die Soziologie und nach Amerika (Wisconsin State University 1954/55).

Nach der Promotion zum Dr. jur. mit einer Arbeit über »Die Rechtsphilosophie des Pragmatismus« wurde er dann - Deutschnote hin, Deutschnote her - Journalist: Von 1959 bis 1964 in der Wirtschaftsredaktion der Stuttgarter Zeitung, danach war er bis 1973 deren EWG- und später NATO-Korrespondent in Brüssel. Von dort berichtete er auch für den Hessischen Rundfunk und - von 1968 an - für die Hannoversche Allgemeine Zeitung.

Zehn Jahre lang (1973 - 83) leitetete er das Bonner Büro der Stuttgarter Zeitung. 1983 wurde er Chefredakteur des Blattes in Stuttgart. 12 Jahre später (1995) stellte er sich als Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt noch einmal einer neuen Herausforderung. Im Juli 1998 trat er in den Ruhestand.

Er war in Brüssel und Bonn lange Jahre Vorstandsmitglied journalistischer Organisationen und in seinem letzten Jahr in Bonn Vorsitzender des Deutschen Presseclubs.

Löffelholz erhielt für seine journalistische Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1972 den Theodor-Wolff-Preis in der Sparte »Politik« für einen Hintergrundartikel über die Arbeitsweise der Europäischen Gremien; den Karl-Bräuer-Preis (1981); Ludwig-Erhard-Preis (1984) und den Franz-Karl-Maier-Preis (1992) für einen Leitartikel über die »Bonner Republik«.