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Ihr kleines Geheimnis

Von Peter Münch

Die Israelis haben nie gesagt: Ja, wir besitzen Atomwaffen. Sie haben es aber auch nie bestritten. Wer sich auf die Suche nach der Bombe macht, wird in die Wüste geschickt.

Dimona – Das Geheimnis ist nicht zu übersehen, es stehen ja überall die Warnschilder in der Wüste. „Anhalten verboten“, „Fotografieren verboten“, „Kein Zutritt“. Als Erstes ist ein Wachturm zu erkennen, hoch oben auf der braunen Hügelkuppe, dann der endlos lange Zaun mit all den Kameras, und schließlich, ganz hinten im flimmernden Sonnenlicht, ein hochaufragender Schlot und das silberne Halbrund des Reaktors. Wo der Weg rechts abzweigt von der Staatsstraße Nummer 25 zum „Negev Nuclear Research Center“, da wehen die israelischen Flaggen, und jemand hat den Davidstern auf einen Stein gepinselt. Den Patriotismus darf man zeigen. Alles andere bleibt verborgen. Am stählernen Tor stehen Soldaten. Das ist das Ende der Reise. Oder der Anfang einer Spurensuche.

Wer sich dem Geheimnis nähern will, der muss in Dimona beginnen, denn in Dimona hat alles angefangen. Hier liegt das Zentrum der israelischen Atomforschung, hier wird die Bombe gebaut – wenn es denn die Bombe gibt. Denn Israel hat nie zugegeben, im Besitz von Atomwaffen zu sein. Abgestritten hat es das aber auch nie. Das kleine, bedrohte Land macht ein Mysterium um die große, bedrohliche Waffe. Wer darüber redet, der lebt gefährlich und kann als Spion im Gefängnis landen. Wer darüber schreibt, auch als deutscher Korrespondent, muss seinen Text dem Militärzensor vorlegen. Natürlich gibt es Bücher zum Thema und Zeitungsartikel, doch all das sind Debatten im kujonierten Konjunktiv. Wenn keiner Klartext spricht, fragt vielleicht auch irgendwann keiner mehr nach – so sieht seit fast fünfzig Jahren die amtliche israelische Atompolitik aus.

Doch die iranische Bombe hat auch die israelische Bombe wieder ins Gespräch gebracht. Den ganzen Mai über wird auf einer Konferenz bei den Vereinten Nationen in New York darum gerungen, dass auch Israel endlich den Atomwaffensperrvertrag unterschreibt. Ägypten und die anderen Araber fordern obendrein eine „nuklearwaffenfreie Zone“ im Nahen Osten, und US-Präsidenten Barack Obama hält all das erklärtermaßen für gute Ideen. Es wächst der Druck auf die Regierung in Jerusalem. Doch wie immer dreht sie sich weg, hört nichts, sieht nichts, sagt nichts. Die Bombe, das ist in Israel das große Tabu. Und wie perfekt der Umgang mit diesem Tabu organisiert wurde, auch das lässt sich nirgends besser beobachten als in Dimona.

Man muss lange durchs leere Land fahren, bis man die Stadt erreicht. Sie liegt mitten in der Wüste, ach was, sie ist Wüste: 600 Meter über dem Meeresspiegel, 34 000 Einwohner, lange Reihen von braunen Häusern, die sich in den braunen Boden ducken. David Ben Gurion, der Gründervater des jüdischen Staates, hatte Dimona in den fünfziger Jahren für Einwanderer anlegen lassen. „Entwicklungsstadt“ nannte man so etwas früher. Textilfabriken wurden gebaut und Schulen, Straßen angelegt und ein paar Springbrunnen zur Erbauung. Eine demonstrativ normale Stadt soll dieses Dimona sein, wozu zum Beispiel auch eine Städtepartnerschaft mit dem schönen Andernach am Rhein gehört. Heute leben hier die, die nicht reich genug sind für Tel Aviv und nicht fromm genug für Jerusalem – Russen, Jemeniten und eine Kolonie der „Black Hebrews“ aus den USA, die hier in der Abgeschiedenheit der Wüste sogar die Polygamie praktizieren dürfen. Und gewiss leben hier auch viele jener 2700 Menschen, die – natürlich unbestätigten Berichten zufolge – im Nuklearen Forschungszentrum arbeiten sollen. Aber über die Bombe will hier keiner reden. Mit der Bombe hat das alles nichts zu tun.

Doch zur selben Zeit, als die Stadt gebaut wurde, ließ Ben Gurion 15 Kilometer südlich die Arbeit am Nuklearzentrum beginnen – getarnt zunächst als Textilfabrik. Die Welt sollte nichts bemerken, Frankreich half hochheimlich beim Bau eines 26-Megawatt-Reaktors, Zentrifugen wurden geliefert und Uran wurde angereichert. Am Werk war ein Trupp von jungen Wissenschaftlern – angeführt von einem jungen Politiker namens Schimon Peres, dem späteren Friedensnobelpreisträger und heutigen Präsidenten Israels, den man auch den „Vater der Bombe“ nennen könnte.

„Wir waren Pioniere“, sagt Uzi Even, der in den alles entscheidenden sechziger Jahren in Dimona gearbeitet hat. Heute ist er 70 Jahre alt, ein freundlicher Chemie-Professor, der hemdsärmelig in einem kleinen Büro der Universität von Tel Aviv sitzt und als Erstes fragt: „Wie haben Sie mich gefunden?“ Schwer war das allerdings nicht, denn zwischendurch war Uzi Even auch einmal Politiker. 2002 kam er für die linke Meretz-Partei ins Parlament, und weil er sich als erster Knesset-Abgeordneter offen zu seiner Homosexualität bekannte, hat er vielleicht eine gewisse Erfahrung mit dem Tabubruch. Jedenfalls sagt er: „Weil ich in Dimona gearbeitet habe, habe ich das Wissen und die Verpflichtung, darüber zu reden.“ Aber alles, was er weiß, kann er nicht sagen. „Ich bewege mich auf einer schmalen Linie zwischen dem, was erlaubt ist und was nicht erlaubt ist“, sagt er.

Über den Geist von damals kann er sprechen, über die Motive, die Hoffnungen und über die Angst. „Die Erinnerung an den Holocaust war noch frisch, und Israel war physisch bedroht von seinen arabischen Nachbarn“, sagt er. „Alle von uns arbeiteten im Negev in dem Bewusstsein, dass so etwas nie mehr passieren darf.“ Moralische Fragen hätten sie „nur im Hinterkopf“ gehabt, „wir wollten etwas tun, das unser Überleben sichert.“ Druck und Drohungen hat es von allen Seiten gegeben, erinnert sich Uzi Even. „Viele Länder, auch die USA, haben versucht, uns aufzuhalten.“ In dieser Situation sei das Schweigegelübde, die Atom-Omertà, die beste aller Optionen gewesen, glaubt er. „Doch was 40 Jahre gut für uns war, ist nicht gut für die nächsten 40 Jahre.“

Er plädiert dafür, das Schweigen zu brechen, die Zweideutigkeit aufzugeben, offenzulegen, was ohnehin schon längst von Experten vermutet wird. Die Verteidigungsanalysten von Jane’s Defence Weekly in London zum Beispiel gehen davon aus, dass Israel die sechstgrößte Atommacht auf Erden ist: mit 100 bis 300 nuklearen Sprengköpfen, dazu Boden-Boden-Raketen vom Typ Jericho sowie Cruise Missiles, die von den in Deutschland gebauten Dolphin -U-Booten aus abgefeuert werden könnten. Even meint, heute habe die stille Abschreckung dieses potentiellen Potentials ausgedient – spätestens, seitdem Iran als ein neuer Faktor im nahöstlichen Nuklearspiel aufgetaucht sei. Obendrein sei der Dimona-Reaktor mit mehr als 40 Jahren Laufzeit mittlerweile alt und gefährlich. Doch ein neuer Reaktor und auch der Weg zur friedlichen Nutzung der Atomenergie seien Israel verbaut, solange es sein Atomprogramm nicht offenlege. Abrüsten freilich will auch Even nicht, dazu sei die Lage ringsherum viel zu gefährlich. Doch ein Ende dieser vielzitierten Politik der „nuklearen Ambiguität“, glaubt er, „kann unser Beitrag sein, die Spannungen in der Region abzubauen.“ Der Vorschlag eines Friedensfreundes ist das, doch der Professor weiß: „Ich bin eine einsame Stimme.“

Dan Meridor jedenfalls entlockt ein solcher Vorschlag aus der Gelehrtenstube nicht einmal ein kleines Blinzeln. Starr blickt er geradeaus und sagt: „Das ist ein sensibles Thema, und es sollte alles so bleiben, wie es ist.“ Meridor hat ein Pokerface, und auf dem Kopf trägt er einen Haarhelm von der Art, der in Deutschland einst als Münte-Frisur bekannt wurde. In der israelischen Regierung amtiert er als stellvertretender Ministerpräsident. Offiziell ist er „Minister ohne Geschäftsbereich“, zuständig ist er für alles Inoffizielle, also für Geheimdienste und Atomfragen.

Meridor sitzt in Jerusalem auf einem Podiumvor einem halben Dutzend Mikrofonen, und wenn er gefragt wird zum Atomwaffensperrvertrag, zur nuklearwaffenfreien Zone oder zum möglichen neuen Druck aus Washington, dann sagt er Sätze wie: „Wissen Sie, von Zeit zu Zeit wird dieses Thema von interessierten Staaten aufgebracht. Wir haben immer einen Weg gefunden, damit umzugehen. Ich hoffe, dass es diesmal nicht anders wird.“ Nächste Frage, ähnliche Antwort.

Dabei gibt es einen Bereich, in dem Meridor nur allzu gern über Atomwaffen Auskunft gibt – wenn es um Iran geht nämlich. „Eine schöne Frage“, sagt er dann lächelnd auf Deutsch, und wird nicht müde, Geheimdienst-Erkenntnisse preiszugeben über den Stand des Projekts. Von Spionage in fremden Ländern verstehen die Israelis viel, und wer will es ihnen verdenken, dass sie auf allen nur möglichen Wegen Informationen sammeln über Teherans Tun – um sie dann bekanntzumachen und die Welt zu warnen. Doch der Gegensatz könnte größer nicht sein zur Geheimhaltung im Innern, und man sollte dazu am besten den armen Mordechai Vanunu befragen, der als „Atomspion“ schmerzliche Berühmtheit erlangte.

Vanunu hatte neun Jahre lang als Kontrolleur in Dimona gearbeitet – und dabei heimlich Fotos und Dokumente über die Anlage gesammelt. Mitte der achtziger Jahre reiste er mit den Unterlagen im Gepäck nach Australien. Dort konvertierte er zum Christentum, und er nahm Kontakt auf zur britischen Sunday Times , der er seine Informationen anbot. Die Zeitung spendierte ihm ein Flugticket nach London – und am 5. Oktober 1986 berichtete sie mit seinen Bildern und seinen Informationen groß und breit über Israels Atomprogramm.

Damals hat die Welt erfahren, dass in Dimona jedes Jahr 40 Kilogramm Plutonium produziert werden, und Israel seit Mitte der sechziger Jahre Kernwaffen baut. Doch als die Geschichte auf den Markt kam und einschlug wie eine Bombe, war Vanunu schon in eine vom israelischen Geheimdienst aufgestellte blonde Falle getappt. Nach einem römischen Rendezvous mit einer Schönen namens Cindy wurde er nach Israel verschleppt, wo ihm wegen Hochverrats der Prozess gemacht wurde. Erst 2004 kam er nach 18 langen Jahren aus dem Gefängnis frei.

Seitdem kann man ihn manchmal sehen, als einsamen Menschen – am Pool des Andromeda-Apartmentkomplexes in Jaffa oder in einer Kirche in Jerusalem. Man kann sich sogar mit ihm fotografieren lassen, und er lächelt tapfer in die Kamera, schließlich ist er als „heiliger Mordechai“ weltweit zu einem Schutzpatron der Friedensbewegten geworden. Aber wer ihn anspricht, bringt ihn in Gefahr. „Wir treffen uns in Berlin, nicht hier“, sagt er dann. Dabei weiß er, dass er so schnell dorthin nicht kommen wird. Denn aus der Haft kam er mit strengen Auflagen: Er darf das Land nicht verlassen; er darf sich keiner Botschaft nähern und keinem Hafen und keinem Flughafen; und er darf nicht mit Ausländern sprechen. Am nächsten Sonntag, das sagt er noch, muss er wieder für drei Monate ins Gefängnis. Im Dezember hatte man ihn zusammen mit einer Ausländerin erwischt. Eine Liebesbeziehung, sagte sein Anwalt. Doch mit einem Verräter kennt Israel wenig Gnade.

Einen Geschmack davon hat auch Avner Cohen bekommen, obwohl der nun wirklich kein Spion ist, sondern ein international bekannter Historiker, der in seiner israelischen Heimat und in den USA an den angesehensten Universitäten geforscht hat. „Es ist bei mir ganz anders als bei Vanunu“, sagt er, „und trotzdem hatte ich Angst. Auch mir drohte eine Anklage wegen Spionage.“

Avner Cohen forscht seit 20 Jahren zum Atomthema, und er hat das Standardwerk dazu verfasst: „Israel und die Bombe“, ein 470 Seiten dickes wissenschaftliches Buch mit mehr als tausend Fußnoten. Detailliert hat er darin herausgearbeitet, wie Israel in Dimona in den sechziger Jahren an der Bombe bastelte, wie es das Programm verschleierte und gegen amerikanischen Druck verteidigte, bis US-Präsident Richard Nixon und Israels Premierministerin Golda Meir 1970 schließlich eine heimliche Übereinkunft trafen: Washington toleriert und deckt Israels Atompläne, solange sie nicht offiziell werden. Bis heute hat das Gültigkeit.

Die Welt und die Wissenschaft verdanken der Studie von Avner Cohen viele neue Erkenntnisse. Doch jene, die das alles schon wussten, reagierten äußerst gereizt. „In dem Augenblick, als ich angefangen habe, Interviews zu führen zu dem Thema, haben überall die Alarmglocken geläutet“, sagt Cohen. Er lebt jetzt in den USA, aber nun kommt er wieder häufiger nach Israel. „Ich habe immer noch das Gefühl, hierher zu gehören“, sagt er, „irgendwie“. Doch ein paar Jahre war er draußen, ausgegrenzt und ausgestoßen.

Avner Cohen sitzt in einem Hotel im arabischen Ostteil von Jerusalem vor einer Cola light und berichtet so gelassen von all den Nachstellungen und Einschüchterungsversuchen, wie dies wohl nur ein streng rationaler Wissenschaftler tun kann. Am Anfang waren die Anrufe von den Leuten des Malmab. Malmab, das ist der Sicherheitsdienst des Verteidigungsministeriums, vielleicht der geheimste aller israelischen Geheimdienste, denn hier wird auch über das atomare Geheimnis gewacht. Die Anrufer fragten, was er weiß, woher er das weiß, warum er das wissen will. Einen Aufsatz, den er in Israel zum Atomthema veröffentlichen wollte, blockte der Militärzensor ab. Auch beim Obersten Gerichtshof kam Cohen mit einer Beschwerde nicht weiter. Doch statt aufzugeben, beschloss er, nicht nur einen Aufsatz, sondern ein Buch zu schreiben – und zwar von den USA aus.

„Sie konnten das Buch nicht stoppen“, sagt er, „aber sie konnten mich stoppen.“ 1998 wurde es veröffentlicht, und jahrelang traute er sich nicht zurück in die Heimat, er wurde gewarnt, er fühlte sich wie im Exil, und eines Tages hat er beschlossen: „So geht das nicht weiter, ich fliege nach Israel, ich muss das lösen.“ Am Flughafen haben sie ihn schon erwartet, 50 Stunden insgesamt dauerten die Befragungen. Sie wollten ihn an einen Lügendetektor anschließen – das hat er abgewehrt. Sie wollten sein Archiv in den USA sichten – „lächerlich“ findet er das noch heute. Am Ende ließen sie ihn laufen ohne Anklage, und Cohen forschte weiter. Im September erscheint sein neues Buch, natürlich in den USA: „Das schlecht-gehütetste Geheimnis“ heißt es, und wieder geht es um Israels Balanceakt mit der Bombe.

Cohen hat viel Aufmerksamkeit bekommen, weltweit. Doch eines hat er nicht erreicht. „Ich hatte gehofft, ich würde in Israel eine Debatte anstoßen. Aber die Leute wollen nicht darüber debattieren.“ Er hält das für gefährlich und warnt vor einem „schwarzen Loch in der Demokratie“. Doch auch er bleibt eine einsame Stimme. Für die Regierung ist das praktisch, denn sie muss sich in atomaren Fragen zu nichts erklären – schon gar nicht zu jenen Gerüchten darüber, dass in Krisensituationen der Einsatz der ultimativen Waffe diskutiert worden sei. 1973 zum Beispiel, als Israels Existenz in den ersten Tagen des Jom-Kippur-Kriegs auf der Kippe stand. Oder 1991 im Golfkrieg für den Fall, dass Iraks Diktator Saddam Hussein seine auf Tel Aviv abgefeuerten Scud-Raketen mit Chemie-Sprengköpfen bestückt hätte.

Beweisen lässt sich das natürlich nicht, wo sich doch nicht einmal die Existenz der Bombe beweisen lässt. Doch manchmal reicht es ja schon, wenn der Gegner einen solchen Schritt für möglich hält. „Die Furcht vor dem Unbekannten“, so sagt es Ephraim Asculai, „ist immer größer als die Furcht vor dem Bekannten.“

Asculai weiß das aus Erfahrung, fast 40 Jahre lang hat er für Israels Atomenergie-Kommission gearbeitet. Er hat dafür gesorgt, dass Dimona ein Geheimnis in der Wüste geblieben ist. Nun gehört er mit seinen 75 Jahren zum Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv, und er sieht überhaupt keinen Grund, an der Politik der Zweideutigkeit etwas zu ändern. „Wenn etwas nicht kaputt ist, soll man es auch nicht reparieren“, rät er. Und die Bombe, pardon, die mögliche Bombe, habe als Abschreckung doch bestens funktioniert. Israel braucht also gar nicht zu betonen, dass es Atommacht ist. Es reicht, wenn die Feinde das befürchten – und ab und zu daran erinnert werden.

So gesehen hat letztlich auch Avner Cohens Buch und sogar der Verrat des Mordechai Vanunu den israelischen Interessen gedient. Denn dieses Spiel hat mehr als einen doppelten Boden. Transparenz gilt es um jeden Preis zu verhindern, doch ein paar verschwommene Blicke in den Abgrund sind durchaus von Nutzen. Am Ende hat das wohl auch der Militärzensor in Tel Aviv so gesehen, der diesen Beitrag unverändert hat passieren lassen.

Süddeutsche Zeitung Nr. 115 vom 21. Mai 2010