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Nominierter Text

Von Khuê Pham

Cyberstalking - Der Feind in unserem Netz

Das erste Mal meldet er sich per Telefon. Als es klingelt, sitzt Caspar Mierau gerade in seiner Berliner Altbauwohnung und hört sich im Radio ein Interview zum Thema "Hass im Netz" an, das er selbst gegeben hat. Er zieht sein Handy heran, entscheidet sich aber gegen das Gespräch: Der Anruf ist anonym.

Es klingelt wieder, er stellt das Gerät auf lautlos. Vielleicht ein Callcenter. Oder jemand aus dem Netz, dem seine Meinung nicht passt. Als Blogger und Medienwissenschaftler ist Mierau Belästigung gewohnt, sie ist für ihn eine hässliche, aber unvermeidliche Begleiterscheinung des Jobs. Dieses Mal ist der Störer penetrant: Das Handy klingelt den ganzen Abend. Am nächsten Morgen zeigt Mieraus Display 22 anonyme Anrufe, darunter zwei um 1.42 Uhr, einen um 3.55 Uhr und einen um 5.31 Uhr. Gleich nach dem Aufstehen ruft Mierau bei der Telefongesellschaft O₂ an und lässt alle anonymen Anrufer sperren.

Wenige Stunden später klingelt es wieder – eine unbekannte Nummer leuchtet auf. Es ist ein sonniger Winternachmittag. Mierau ist gerade mit seiner Frau Susanne im Auto unterwegs. "Ruf doch mal zurück", sagt er, während er den Wagen über die Straßen steuert. Aus dem Freisprecher tönt es: "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Es ist der 12. Januar 2014, und er wird sich später oft an Susannes ungläubiges Gesicht erinnern. Sie ahnen nicht, dass ihnen in den nächsten anderthalb Jahren die Kontrolle über ihr Leben entrissen wird. Dass sie zu Protagonisten in einem Krimi werden, der von der Macht des anonymen Internets und der Schwerfälligkeit des Rechtsstaats handelt.

In den nächsten Tagen wird Caspar Mierau klar, dass er einen Verfolger hat, dessen Waffe die Technik ist. Es kommen weitere Anrufe von Handys, die man nicht zurückrufen kann; oder von jemandem aus dem Hackerclub C-Base, der ebenfalls nicht erreichbar ist; und von der Homezone-Nummer seiner eigenen Frau. Der Pizzadienst liefert Essen, das Mierau nicht bestellt hat. Auf dem Blog seiner Frau, der von Kindererziehung handelt und viele Fotos aus dem Alltag der vierköpfigen Familie zeigt, tauchen verstörende Kommentare auf:

"ich will wieder titten bilder von deiner frau!"

"WIR WOLLEN DIE FRAU MIERAU BEIM STILLEN SEHEN BITTE MIT TITTEN! DIE FRAU MIERAU IST NE GEILE SAU BESTIMMT IST SIE AUCH GUT BEIM FICKEN WENN SIE SCHWANGER IST“

"du kleine ossi fotze zeig mir nackt bilder von deinen kleinen kinder ich möchte deine kinder ficken"

Gegen Mierau selbst erfolgen Hackerangriffe. Facebook, Twitter und Instagram melden ihm, dass jemand in seinem Namen angefordert hat, die Passwörter zurückzusetzen. Sein Blog bricht zusammen, weil ein Unbekannter mit 38.695 automatisierten Passwort-Kombinationen versucht, in das System einzudringen: eine Brute-Force-Attacke. Hacker wenden sie an, um Passwörter zu knacken. Solche Attacken kommen gewöhnlich aus China oder Russland – hinter dieser hier steckt ein deutscher Computer.

Mierau denkt an Hacker, die Gegner mit virtuellen Rachefeldzügen fertigmachen. An Kreditkartenbetrug und Identitätsdiebstahl. An die dunkle Seite des Menschen, die in der Anonymität des Internets aufblüht und Hass verbreitet. Gibt es jemanden, der ihn vernichten will? Aber warum? Und wozu ist er fähig?

Caspar Mieraus Leben findet in Berlin statt, und im Internet. Der Enddreißiger, der sich das Programmieren selbst beigebracht hat, hat weder ein Büro noch eine feste Anstellung; sein Schreibtisch ist ein Laptop, auf dem er zu Hause oder bei verschiedenen Start-ups arbeitet. Sein Hauptkunde ist die Kinoseite Moviepilot, die ihren Nutzern per Algorithmus Filme vorschlägt.

Eine Weile hat Mierau ein einflussreiches Blog über den Aufstieg und Fall der Piratenpartei geschrieben. Heute bloggt er vor allem darüber, wie das Internet unsere Gesellschaft verändert: über den Streit zwischen Taxifahrern und Uber, die Figur des Hackers in Filmen und die ethische Frage, ob man seine Frau per App tracken darf (er findet: ja). "Es gibt kein analoges Leben im digitalen", lautet das Motto seines Blogs Leitmedium. "Leitmedium" steht auch in seinem Pass – als Künstlername. Für Caspar Mierau sind Handy und Computer die Verlängerung seines Selbst. Wer auch immer ihn angreift, weiß das.

Durch die Feindseligkeiten aus dem Nichts gerät Mieraus Weltanschauung ins Wanken. Wie fast alle Netzaktivisten war er überzeugt davon, dass Anonymität etwas Gutes ist. Er glaubte, dass sie Whistleblower und Dissidenten schützt, dass sie ein Ausdruck von Meinungsfreiheit und Demokratie ist. Jetzt beginnt er, an diesen Prinzipien zu zweifeln. Immer, wenn er an den Unbekannten denkt, sieht er einen dunklen Raum, in den von schräg oben ein schwaches Licht fällt. Er zoomt langsam heran und erkennt schattenhaft einen Mann, über einen Laptop gebeugt. Ein Bild, das ihn wütend macht. Er fühlt sich hilflos.

Weil er nicht weiß, gegen wen er seine Wut richten soll, verfällt Mierau in Jagdfieber. Wie ein Detektiv beginnt er, dem Stalker seinerseits hinterherzuschnüffeln. Abend für Abend sitzt er vor seinem Laptop und füllt Excel-Tabellen aus. Jeder Anruf und jede ungewollt gelieferte Pizza wird mit Datum und Uhrzeit protokolliert, jeder Kommentar mit Inhalt und IP-Adresse, also der Kennzeichnung des Absender-Computers, notiert. Die Statistiken visualisiert Mierau in einer bunten Grafik – Rot für Anrufe, Gelb für Blog-Kommentare und Lila für Pizzalieferungen. Manchmal sitzt er bis halb drei morgens am Schreibtisch und brütet über Logdateien.

Mit der Zeit beginnt Mierau, das Muster seines Gegners zu erkennen. Zwischen 10 und 15 Uhr gehen relativ wenige Anrufe ein, der Stalker dürfte also berufstätig sein. Nachts um ein Uhr verschickt er besonders viele Hasskommentare – er ist wohl alleinstehend. Auf feministische Blog-Posts und Fotos mit Kindern reagiert er besonders aggressiv, das deutet auf Einsamkeit oder Beziehungsprobleme hin. Mierau stellt fest, dass der Unbekannte Anonymisierungsdienste wie Tor benutzt, um seine Hasskommentare zu verschicken, davor aber oft mit einer unverschleierten IP-Adresse auf den Blogs herumsurft.

All diese Beobachtungen schickt Mierau in E-Mails an die Polizei, wie Meldungen von der Front. Sein Anwalt hat Anzeige erstattet wegen Stalking, und Mierau will den Täter überführen. Er hat den Verdacht, es könnte sich um jemanden aus dem Hackerclub C-Base handeln.

Stalking galt lange als Prominentenproblem, doch inzwischen kann es jeden treffen. Eine große Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim zeigt, dass elf Prozent der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Nachstellung werden. Meist sind die Täter Expartner, die nicht von ihren Verflossenen lassen können. Andere handeln aus Rache oder Neid. Wie Süchtige denken sie immerzu daran, ihre Opfer zu kontaktieren. Die Verfolgung kann so massiv sein, dass das Opfer Job, Wohnort oder den Namen wechseln muss.

Einen Monat nach dem ersten Anruf bekommt Caspar Mierau Post vom Landeskriminalamt Berlin, Abteilung Cybercrime: Er möge bitte alle Informationen zum Stalker auf eine DVD brennen und vorbeibringen. Mierau wird später von seiner Überraschung über das Revier erzählen: Wände voller Aktenordner passen nicht in seine digitale Welt, ebenso wenig die beiden Windows-Rechner auf den Schreibtischen der Ermittler. Die beiden Beamten, die den Fall bearbeiten, kennen Mierau von seinen E-Mails und haben die IP-Adressen benutzt, um bei O₂ abzufragen, unter welchem Namen die Anschlüsse registriert sind. Daher haben sie einen Verdacht, wer hinter den Angriffen stecken könnte.

"Können Sie so eine Abfrage auch bei pizza.de machen?", fragt Mierau. "Er bestellt in meinem Namen Pizza." Die Beamten haben mit pizza.de oft zu tun, viele Schüler spielen ihren Lehrern Streiche, indem sie falsche Bestellungen aufgeben. "Die sind sehr unkooperativ", antwortet einer der Beamten, "Datenschutz!"

Es gehört zum Selbstverständnis des Bloggers Caspar Mierau, dass er die Speicherung von Daten ablehnt. Hier auf dem Berliner Polizeirevier fällt ihm auf, dass man die Sache auch anders sehen kann. Wäre der Datenschutz in Deutschland nicht so streng, könnten die beiden Polizisten den Stalker vielleicht mithilfe der Pizzabestellungen überführen. Die Vorratsdatenspeicherung, deren Aussetzung Mierau wie die meisten Mitglieder der Netzszene bejubelt hat, wäre für die Lösung seines Falles eine Riesenhilfe gewesen: Sie hätte die Telefonanbieter und Internetprovider dazu verpflichtet, die Verbindungsdaten (wer hat wann und wo mit wem telefoniert, gemailt oder gesimst, wer hat wann und wie lange welche Webseiten besucht) mindestens sechs Monate lang zu speichern. Die Anonymität im Internet wäre quasi beendet. (Später, im Oktober 2015, wird der Bundestag das Gesetz in abgemilderter Form neu verabschieden – die Speicherfrist beträgt nun vier bis zehn Wochen.)

"Wen vermuten Sie hinter den Taten?", wollen die Beamten wissen. "Wahrscheinlich einen aus dem Umkreis der C-Base, aus der Piratenpartei oder dem Chaos Computer Club", antwortet Mierau. Die Beamten sehen einander an: "Kennen Sie einen Frederick Nagel?*"

Mierau nickt. Nagel ist ein Mitglied der C-Base, das er selbst auch schon in Verdacht hatte: An dem Tag, an dem die Anrufe begannen, hatte der flüchtige Bekannte Mieraus Radiointerview im C-Base-Chat kommentiert. Und er kennt sich mit Telefonanlagen aus. Mierau hört gar nicht mehr richtig hin, als die Polizisten sagen, dass es jetzt noch eine Weile dauern könne. Draußen fällt er seiner wartenden Frau um den Hals: "Sie haben ihn!" Mieraus Körper bebt. "Das Schlimmste ist vorbei." Er weint. Und er ahnt nicht, wie falsch dieser Satz ist.

Mierau verbringt nun viel Zeit damit, über Frederick Nagel nachzudenken. Er weiß noch, dass ihm Nagel vor drei Jahren eine E-Mail schrieb, um sich bei der C-Base zu bewerben – Mierau saß damals im Vorstand des Hackerclubs. Sie sprachen über technische Probleme im C-Base-Chat und folgten einander zeitweise auf Twitter. Einmal lud Mierau Nagel wegen einer dienstlichen Sache in die Räume von Moviepilot ein. Es ist die einzige Begegnung, die Mierau noch im Kopf hat: Nagel, Ende zwanzig und überfreundlich. Ein IT-Spezialist, der aus Süddeutschland nach Berlin gezogen war und Anschluss an die Netzszene suchte.

Je mehr Mierau grübelt, desto klarer wird, dass er nichts über Nagel weiß. Ihre Beziehung war eher virtuell. Warum hasst er ihn? Was will er?

Mierau beschließt, den Stalker zu stalken. Mit einem falschen Twitter-Profil bewirbt er sich bei Nagel, der einen geschlossenen Account hat, als Follower. Im Archiv stößt er auf einen Tweet, den Nagel im vergangenen Dezember an ihn geschrieben hatte. Er bezog sich auf einen Kongress des Chaos Computer Clubs: "@leitmedium kommst du zum #30c3?"

Mierau konnte den Tweet nicht sehen, er war damals kein Follower von Nagel. Ein kleines Missverständnis, das im Rückblick Bedeutung bekommt: Wollte sich Nagel mit ihm verabreden? Fühlte er sich zurückgewiesen, als keine Antwort kam? Hatte ihn das Radiointerview daran erinnert, seinen Groll erneuert?

In der Nacht zum Mittwoch, dem 19. März 2014, geht bei Susanne Mieraus Blog ein Kommentar ein von einem Nutzer namens "leitmedium": "hey du ossi fotze pass auf was dein mann sagt sonst bringe ich euch alle um".

Mierau liest die Nachricht am nächsten Morgen und geht sofort ins Schlafzimmer. Seine Frau liegt mit den beiden Kindern im großen Hochbett, das sie sich alle vier teilen. "Es ist so weit", sagt er, "die erste Morddrohung ist da." Sie wissen, dass der Verdächtige in Berlin-Charlottenburg wohnt. Bloß eine halbe Stunde von ihnen entfernt.

Die Mieraus rufen bei der Kita an und erklären, dass ihre Tochter fürs Erste zu Hause bleiben muss, ein Stalker habe sie bedroht. Dem Kind zeigen sie ein Foto von Nagel und warnen: Geh bloß nicht mit diesem Mann mit! Spielplätze bekommen etwas Bedrohliches, weil hinter jedem Baum der Stalker warten könnte. Susanne Mierau beginnt, Busse und U-Bahnen zu meiden. Charlottenburg und die angrenzenden Bezirke betritt sie nicht mehr. Einen Besuch in ihrem Wochenendhaus in Brandenburg bricht sie am ersten Abend ab, weil sie glaubt, Geräusche in der Dunkelheit zu hören. Wenn sie aus dem Haus geht, trägt sie ein Klappmesser in der Handtasche. Falls der Stalker angreift, schwört sie sich, werde ich schneller sein.

Als es eines Nachts um halb zwei klingelt, springt das Paar auf in der Erwartung des Mörders vor der Tür. Doch es ist bloß der Pizzabote, der wieder eine falsche Bestellung ausliefern will. Anderntags informiert Caspar Mierau die Nachbarn und bittet sie, seine Familie vor Fremden zu verleugnen. Dann schraubt er das goldene Klingelschild am Hauseingang ab. Er hatte es seiner Frau zur Hochzeit geschenkt. Das Gefühl, sich im eigenen Haus verstecken zu müssen, ist für ihn die größte Demütigung.

 

Bei einem Treffen im Mai 2014 wirkt das Paar übernächtigt und angespannt. Sie sitzen mit ihren Kindern in der Mitte einer großen Messehalle, um sie herum Menschen mit Laptops und ironischen Sprüchen auf ihren T-Shirts. Die digitale Avantgarde Deutschlands hat sich bei der Konferenz Republica versammelt, um über den Überwachungsstaat, verfolgte Blogger und Sexismus im Netz zu diskutieren.

Susanne Mierau sagt, das Schlimmste seien die Drohungen gegen die Kinder. Sie erzählt, sie habe als Achtjährige mitbekommen, wie ein Klassenkamerad vergewaltigt und umgebracht wurde: "Deshalb machen mich die Morddrohungen so fertig." Sie streicht ihrem einjährigen Sohn über den Kopf und gibt ihm die Brust. Ihre Unruhe versucht sie vor den Kindern zu verbergen, aber es fällt ihr immer schwerer.

Susanne Mierau ist Kleinkindpädagogin, gerade hat sie einen Vortrag über die Online-Community als Ersatz für die Großfamilie gehalten. Heutzutage, erklärte sie, wüchsen Kinder nicht mehr mit der Sippe auf, sondern in kleinen Familien, die oft umziehen. Junge Mütter könnten nicht die eigenen Mütter um Tipps bitten, sondern suchten im Internet bei anderen Eltern Rat.

Ihr eigenes Blog Geborgen Wachsen führt sie wie ein Familientagebuch: Im Stil einer guten Freundin erzählt sie den Lesern, warum sie ihren Sohn öffentlich stillt, wie sie ihrer Tochter Waffeln zubereitet und warum sie auf dem Spielplatz am liebsten Jeans trägt. Wer die Einträge liest und die Fotos ansieht, hat das Gefühl, Susanne Mierau gut zu kennen. Doch die Nähe ist simuliert: Die Kinderfotos, die wie Schnappschüsse wirken, sind meist so aufgenommen, dass man die Gesichter nicht erkennt. Die Blog-Einträge, die wie Erlebnisse aus dem Alltag daherkommen, dienen vor allem zur Verbreitung ihrer Erziehungsphilosophie. Susanne Mierau lebt von Anzeigen, die die Hersteller von Windeln oder Naturkosmetik auf ihrer Seite schalten. Je authentischer ein Blog wirkt, desto erfolgreicher ist es.

Kann es sein, dass der Stalker die simulierte Nähe mit echter verwechselt und sich davon angesprochen fühlt? Ist er neidisch, weil er im Internet das Leben einer Bilderbuchfamilie vorgeführt kriegt?

Viele Bekannte haben den Mieraus vorgeworfen, sie hätten den Stalker selbst provoziert: Müsst ihr wirklich so viele Fotos posten? Seid ihr sicher, dass ihr nicht zu öffentlich lebt? Eine Erzieherin der Tochter hat Susanne Mierau geraten, das Bloggen ganz zu lassen, dann werde auch das Stalking aufhören. Die Mieraus haben dem Kindergarten mittlerweile gekündigt und auch den Kontakt zu allen anderen abgebrochen, von denen sie sich beschuldigt fühlen. Sie wollen ihr Leben, das sie als Leben im Netz verstehen, nicht wegen eines Stalkers aufgeben.

Susanne Mierau ist mit den Kindern schon nach Hause gefahren, als ihr Mann am Abend draußen auf dem Republica-Hof steht und einem Freund von den neuesten Hasskommentaren berichtet. Der Freund wurde eine Zeit lang von seiner Expartnerin belästigt, die immer wieder vor seiner Tür stand, weil sie die Trennung nicht verwand.

"Bei mir ist es schlimmer", sagt Mierau düster.

"Ich würde bei dem Typen mit einem Kasten Benzin vorbeifahren", antwortet der Freund. "Gib mir seine Adresse, ich mach’s für dich!" Er haut mit der Faust in seine Hand.

Caspar Mierau hat schon oft darüber nachgedacht, selbst nach Charlottenburg zu fahren. Nachts, wenn seine Frau aufschreckt, weil sie einen Albtraum hatte, wenn er seine Kinder in der Dunkelheit atmen hört und das Handy wieder stumm einen Anruf meldet, wenn er sich fragt, ob der Stalker wohl morgen seine Drohungen wahr macht – dann malt er sich aus, wie Frederick Nagel sterben wird. Er könnte einen Autounfall haben und an den Verletzungen verenden. Er könnte von der Polizei festgenommen werden und sich in der Zelle erhängen. Er könnte von Caspar Mierau oder einem seiner Freunde umgebracht werden. Die Gewaltfantasien verschaffen ihm Momente der Genugtuung, doch er weiß auch, dass er sie nicht umsetzen wird. "Ich will auf dem Rechtsweg bleiben", sagt er.

An diesem Weg zweifelt er oft. Er ist gewohnt, dass sich die Dinge mit der Geschwindigkeit von Klicks verändern, nun findet er sich in der Rolle des Wartenden wieder. Die Polizei hat Nagels Wohnung im April schon einmal durchsucht, Drogenbesteck gefunden und ein Macbook mitgenommen, doch das Stalking ging weiter. Im Mai erlässt das Gericht eine Gewaltschutzanordnung, die Nagel jeglichen Kontakt zu den Mieraus verbietet, doch das Stalking geht weiter. Im Juli stehen die Beamten abermals vor Nagels Tür und nehmen einen neuen Computer mit, doch das Stalking geht weiter. Nagel bestreitet stets, der Stalker zu sein, doch nach jeder polizeilichen Maßnahme bekommen die Mieraus Nachrichten, die sich offensichtlich auf die Ermittlungen beziehen:

"Was kommt als Nächstes?"

"jetzt hast du es geschafft."

"bitte nicht so danke"

Das Netz ist schnell, die Justiz ist langsam. Mierau hat das Gefühl, als schaue der Rechtsstaat dabei zu, wie seine Familie leidet. Warum, fragt er sich, wird Nagel nicht festgenommen? Erst nach und nach begreift er, dass für eine Inhaftierung andere Gründe vorliegen müssen – zum Beispiel das Risiko, dass der Verdächtige flüchtet oder Zeugen beeinflusst. Morddrohungen per E-Mail reichen nicht aus. Solange sie nicht gewalttätig werden, werden Stalker daher oft nicht festgenommen.

Im Herbst 2014 beschleunigen sich die Dinge: Die Staatsanwältin erhebt Anklage. Und Mieraus Frau gerät wegen Übermüdung fast in einen Autounfall. Der Anwalt der Mieraus wendet sich ans Gericht: So gehe es nicht weiter. Im September wird Frederick Nagel festgenommen. In der einwöchigen U-Haft bekommt er einen Pflichtverteidiger, er legt ein Geständnis ab: Ja, er hat die Mieraus mit Anrufen, Hackerangriffen und Kommentaren gestalkt. Jetzt endlich hören die Angriffe auf.

Die Sonne scheint hell auf die wilhelminische Fassade des Amtsgerichts Tiergarten, als Frederick Nagel Ende Juni 2015 zum ersten Verhandlungstag erscheint. Er schleicht in den Gerichtssaal 862 im dritten Stock, der mit seinem Linoleumboden und den orangefarbenen Zuschauerbänken aus Plastik wie eine Kulisse aus den achtziger Jahren wirkt. Die Richterin thront in der Mitte eines U-förmigen Holztisches, Nagel nimmt auf dem Stuhl ihr gegenüber Platz. Er sitzt zum ersten Mal vor einem Gericht, und er ist nervös. Ein schmaler Mann mit hohen Wangenknochen und glatter, bleicher Haut, der sich für diesen Anlass ein schwarzes Jackett angezogen hat. Außer seinem Anwalt gibt es niemanden, der ihn bei diesem Prozess begleitet.

Die Staatsanwältin erhebt sich und verliest die Statistik seiner Tat: 267 Anrufe mit anonymen oder gefälschten Rufnummern; 211 E-Mails unter Verwendung von Anonymisierungsdiensten; 102 Einträge auf den Blogs; 70 Passwort-Reset-Anforderungen; fünf Online-Pizzabestellungen und ein Brute-Force-Angriff. Fast 2.000 Seiten umfasst die Akte, die in weiten Teilen aus Logdateien besteht. Manchmal, wenn die Staatsanwältin einzelne Kommentare vorliest, zuckt Nagel leicht zusammen. Die Worte, die er wie im Wahn in seinen Computer getackert hatte, wirken, von einem Menschen ausgesprochen, auf einmal anders: sehr real und sehr irre zugleich.

Es wird nicht vollständig klar, wie aus dem Nerd Frederick Nagel ein hasserfüllter Cyberstalker werden konnte. Mit dem ZEITmagazin wollte er nicht sprechen. Auf den ersten Blick hat er eine unauffällige Biografie: geboren in München, aufgewachsen auf der Schwäbischen Alb, Hauptschulabschluss, dann verschiedene Jobs bei verschiedenen IT-Firmen. Er guckt gern DDR-Dokumentationen auf YouTube, postet Graffiti-Fotos auf Facebook und hat auf seinem Xing-Profil angegeben, nicht nur Mitglied bei der C-Base, sondern auch beim Chaos Computer Club und bei den Programmierern von LinuxTag und der Unix User Group Berlin zu sein.

Auch Nagel führt ein Leben in Berlin und im Internet. Auch für ihn sind seine Geräte die Verlängerung seines Selbst. Dass die Polizei seine Computer beschlagnahmt hat, hat ihn im Kern getroffen. Als man ihm alle Geräte abgenommen hatte, stahl er einen Tablet-Computer. Auch dafür muss er sich verantworten.

Für das Gericht ist der Fall relatives Neuland. Stalking, das erst seit acht Jahren ein Strafbestand ist, wird nur selten verhandelt. Im Jahr 2013 wurden 23.831 unterschiedliche Fälle bei der Polizei gemeldet, doch nur zwei Prozent der mutmaßlichen Täter wurden angeklagt, weniger als ein Prozent wurden verurteilt. Die Opfer müssen nicht nur belegen, dass sie über einen längeren Zeitraum auf verschiedene Arten belästigt wurden; sie müssen vor allem beweisen, dass diese Belästigungen ihre Lebensführung auch wirklich schwerwiegend beeinträchtigt haben. Das ist eine recht umstrittene Bedingung des Paragrafen 238 im Strafgesetzbuch – eine Online-Petition, die zu seiner Verschärfung aufruft, hat bereits 85.000 Unterzeichner.

Die Frage ist, ob Frederick Nagel wegen Telefonterror und Hasskommentaren ins Gefängnis wandern wird. Auf Nachstellung stehen bis zu fünf Jahre Haft. Die Mieraus treten in diesem Prozess als Zeugen und Nebenkläger auf.

Als Ursache für das Stalking nennt Nagels Verteidiger Ingmar Pauli einen "stillen" – er meint wohl unausgesprochenen – Streit: Nagel halte Mierau für einen der fähigsten Programmierer Berlins, fühle sich aber von ihm ungerecht behandelt. Die Welt der Hacker ist eine des Wettbewerbs, der Ruf ist alles. Nagel hatte für sich das Gefühl entwickelt, Mierau mache sich über seine technischen Fähigkeiten lustig und rede ihn in der C-Base schlecht. (Im Laufe des Stalkings hatte Mierau tatsächlich weitere Personen aus der Community über Nagel informiert.) Die Welt, zu der Nagel Anschluss suchte, schien ihm durch Mierau versperrt. Deshalb wollte er sich rächen und andererseits beweisen. "Mit der Brute-Force-Sache wollte ich seine Sicherheit testen", erläutert Nagel, und seine Stimme flattert. "Ein Spiel von Computerfreaks, sach ich mal."

Auch von Susanne Mierau, die er nie gesprochen, nie gesehen hatte, fühlte er sich provoziert: "Sie hat ja immer sexuelle Dinge geschrieben, in der Öffentlichkeit stillen und so." Es scheint, als habe er sich von den Blog-Einträgen und Fotos der Mieraus höchstpersönlich angesprochen gefühlt. Als verstehe er seine Angriffe als Antwort auf das, was die beiden im Netz taten und schrieben. Ihr öffentliches Auftreten empfand Nagel, der sich selbst als Datenschützer präsentiert, als leichtsinnig und falsch. Zu den nächtlichen Pizzalieferungen sagt er: Wer die eigene Adresse und Telefonnummer ins Netz stelle, müsse eben mit unerwünschtem Besuch rechnen. Doch als professionelle Blogger sind die Mieraus gesetzlich dazu verpflichtet, eine abmahnfähige Anschrift im Impressum zu veröffentlichen.

Je länger Nagel spricht, desto deutlicher wird, dass er die Scheinwelt der Realität vorzieht. Die Heroinspritzen, die die Polizei bei ihm fand? Habe er benutzt, um Methadon richtig zu dosieren. Erst später gibt er zu, sich Heroin gespritzt zu haben. Das Kündigungsschreiben einer Firma, das die Richterin auf seinem Computer entdeckte? Ihm sei nur wegen einer Outsourcing-Maßnahme gekündigt worden. Erst nach und nach wird klar, dass er wegen zu vieler Fehlzeiten seinen Job verloren hat. Die Beziehung zu Mierau? Habe als "enge Freundschaft" begonnen. Als Stalker habe er sich nie gesehen. Wieso auch? "Alles, was Sie sagen, ist so ambivalent", die Richterin klingt ungeduldig. "Sie sind so schwer zu greifen, aber ich muss mir ein Bild von Ihnen machen!" Sie blättert in ihren Leitz-Ordnern und zieht Fotos von Drogenspritzen heraus und das Schreiben der Firma. Immer wieder konfrontiert sie Nagel mit sehr realen Dingen, die er getan und erlebt hat und die er offenbar nicht wahrhaben will. Der vom Gericht bestellte Gutachter beschreibt Nagel als einen Menschen, der leicht kränkbar ist und die Neigung hat, die Unwahrheit zu sagen.

Unter den Fragen der Richterin beginnt sein Selbstbild zu bröseln. Lange hat Nagel sich mit Anonymisierungstools und schnellen Attacken für unangreifbar und allmächtig gehalten. Er glaubte, sich selbst und seine Probleme im Nirwana des Netzes verstecken zu können. Darüber, welche Folgen seine Hassmails und der Telefonterror haben könnten, hat er nicht nachgedacht. Erst jetzt, in diesem Gerichtssaal, im Angesicht dieser nüchternen Juristin, kommt er offenbar zu sich. Erst jetzt wird ihm bewusst, dass seine Cyberattacken kein Spiel waren, sondern Straftaten. Dass ihm die Anonymität eine Macht zu verleihen schien, die er in Wahrheit nie besaß. Er, der großmächtige und gefährliche Cyberstalker, schrumpft zusammen zu einem armen Kerl mit Drogenproblemen, Geldsorgen und psychischen Ausnahmezuständen.

Vielleicht ist die Welt des Internets für Menschen wie Frederick Nagel besonders verlockend und zugleich besonders schwer zu verkraften. Susanne und Caspar Mierau müssen auf ihn gewirkt haben wie ein Prominentenpaar aus der Netzwelt. Ihr öffentlich inszeniertes Familienleben, ihr Erfolg und ihr Zusammenhalt haben ihm wohl vorgeführt, was in seinem Leben alles fehlt. Neid ist laut dem Psychologen Wolf Ortiz-Müller eines der stärksten Motive für Stalking. "Man will das eigene unbedeutende Dasein aufwerten, indem man dem anderen seine Macht zeigt", sagt der Leiter der Therapieeinrichtung "Stop Stalking". Sie richtet sich an Täter, die lernen wollen, mit Kränkungen besser umzugehen und ihre Impulse zu kontrollieren. Auch Nagel hat "Stop Stalking" nach seiner U-Haft mehrfach besucht, das war die Auflage für seine Entlassung.

Vor Gericht sagt er, dass er nun besser verstehe, welche Auswirkungen sein Tun auf andere hat. "Die E-Mail bleibt im Kopf der anderen", sagt er, aber es klingt nicht, als komme diese Einsicht aus Nagel selbst, sondern wie eine Parole aus der Therapie.

Die Tricks der Hacker wirken hier im Gerichtssaal 862 wie Mythen aus dem Outer Space. Immer wieder muss sich die Richterin technische Details erklären lassen: Was bedeutet es, jemandem auf Twitter zu entfolgen? Was ist ein Newsreader? Und ist die C-Base ein realer Ort? Als Caspar Mierau beschreibt, wie man mit spezieller Software Anrufe von falschen Nummern aus tätigen kann, rollt sie vor Überraschung auf ihrem Stuhl zurück: "So was geht?! Ich war Ermittlungsrichterin und hab Telefonüberwachungen veranlasst, aber das wusste ich nicht!"

Nagels Nervosität steigt, als Susanne Mierau den Raum betritt. Langsam, als taste sie nach jedem Wort, erzählt sie von den Anrufen, den sexuellen Kommentaren und den Droh-E-Mails, nach wenigen Sätzen stockt sie. Stille: "Dann wurde uns Mord angedroht, uns allen!" Sie fällt in sich zusammen und beginnt zu weinen. Caspar Mierau stürzt auf sie zu. "Herr Nagel, verlassen Sie bitte den Raum!", ruft die Richterin, und Nagel erhebt sich ruckartig und schiebt sich an Susanne Mierau vorbei in Richtung Tür.

Draußen läuft er den Korridor auf und ab wie ein unruhiges Tier. Wenn jemand auf den Flur tritt, duckt er sich hinter den Getränkeautomaten. All die hässlichen Kommentare zu Titten, Ficken und Töten, die er abgefeuert hat, holen ihn jetzt ein. Da saß tatsächlich ein Mensch am anderen Ende.

Susanne Mierau, erklärt der vom Gericht bestellte Gutachter später, leide immer noch an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Er hat bei ihr Schlafstörungen, Panikattacken und extreme Paranoia festgestellt. "Traumata", sagt er, "entstehen in Situationen, wo das Opfer mit dem Tode bedroht wird. Bei Frau Mierau wurde das Trauma akkumuliert, weil das Stalking immer weiter eskalierte. Irgendwann wurde es für sie lebensbedrohlich." Die Folgen scheinen Susanne Mierau erst jetzt, da das Stalking überstanden ist, einzuholen. Der Abwehrkampf ist der Erschöpfung gewichen, seit drei Monaten geht sie zu einem Psychotherapeuten.

Er habe sein eigenes Tun nicht begriffen, sagt Frederick Nagel zwei Wochen später, als ihm vor dem Urteil das Schlusswort erteilt wird. "Es tut mir wirklich leid. Ich hoffe, bei Frau Mierau wird schnell wieder alles gut. Und bei der ganzen Familie." Er spricht schnell und abgehackt, sein ganzer Körper ist angespannt. Immer wieder fasst er sich an die Stirn, um den Schweiß abzuwischen. Für ihn ist dieser Prozess ein Realitätsschock. Er steht nicht nur vor den Trümmern seines Selbstbildes, sondern auch vor neuen, sehr analogen Problemen: 9.000 Euro Wiedergutmachung muss er zahlen.

In ihrem Urteil betont die Richterin, man könne die Welt des Internets nicht von der echten Welt trennen. Nagel darf die Mieraus nicht kontaktieren und sich ihnen nur bis auf 200 Meter nähern. Sie verurteilt ihn zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung – ein selten hohes Strafmaß für Stalking. "Ich bin bei der Bewährungsüberwachung nicht geduldig", fährt sie drohend fort. "Beim ersten Verstoß haben Sie einen Termin bei mir gewonnen. Beim zweiten mal wandern Sie direkt ins Gefängnis. Haben Sie das verstanden?"

Nagel nickt: "Hab ich verstanden."

"Dann alles Gute."

"Danke schön."

Er erhebt sich, eilt nach draußen, vorbei an Caspar Mierau, den er acht Monate lang terrorisiert hat, raus aus diesem Amtsgericht, das ihn dafür bestraft hat. Es ist ein herrlicher Sommertag, doch Frederick Nagel will zurück nach Hause. An seinen Computer.

* Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes haben wir den Namen geändert

Mitarbeit Susanne Petersohn

 

Hinter der Geschichte

Die Recherche: Mit jedem Hasskommentar, jeder SMS, jedem Anruf hinterließ der Stalker eine digitale Spur. Mithilfe der Protokolle konnte die Autorin genau rekonstruieren, wann er zum Beispiel Pizza bestellt, die Mieraus angerufen oder sie bedroht hatte.

Dauer: Als das Stalking begann, kontaktierte Caspar Mierau unsere Autorin, die er von ihrer Berichterstattung über die Piratenpartei kannte. Anderthalb Jahre lang traf sie ihn immer wieder. Sie sprach auch mit dem Verteidiger des Stalkers und dem Leiter der Therapieeinrichtung, die er besuchte. Der Stalker selbst lehnte ein Gespräch trotz mehrerer Anfragen ab.

Kurzbiographie

Khuê Pham

Geboren 1983 in Berlin.

Khuê Pham lebte nach dem Abitur vier Jahre in London. Sie durchlief eine Ausbildung an der London School of Economics und der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Seit 2009 arbeitet sie als Politikredakteurin bei der „ZEIT", wo sie unter anderem über den Auf-und Abstieg der Piraten, Wikileaks und andere Netzthemen geschrieben hat. 2012 veröffentlichte sie mit ihren Kolleginnen Alice Bota und Özlem Topcu „Wir neuen Deutschen“ (Rowohlt-Verlag), 2015 wurden die drei mit dem Fortschrittspreis des Debattenmagazins „Berliner Republik" ausgezeichnet.

Khuê Pham pendelt zwischen Hamburg und Berlin; sie twittert und tanzt.