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Nominierter Text

Von Christian Althoff

Der Gerüchte-Check

Bielefeld (WB). Sozialamtsmitarbeiter, Ehrenamtliche, Kräfte von Hilfsorganisationen: Viele Menschen, die mit Asylbewerbern arbeiten, müssen sich in ihrem privaten Umfeld mit Gerüchten auseinandersetzen, die über Flüchtlinge erzählt werden. Was ist dran? Hier kommt Teil 8 des Gerüchte-Checks:

Das Gerücht: "Die Stadt Halle hat eine Wohnung für Flüchtlinge gemietet. Das Angebot der Vermieterin, Möbel zur Verfügung zu stellen, hat die Stadt mit dem Hinweis abgelehnt, Hygiene-Vorschriften erlaubten es nicht, für Flüchtlinge gebrauchte Möbel zu verwenden."

Die Tatsache: "Das Gerücht entspricht nicht der Wahrheit. Solche angeblichen Hygiene-Vorschriften kenne ich nicht", sagt Hermann Bußmeyer vom Sozialamt der Stadt Halle.

Das Gerücht: "In Spenge hat es einen sexuellen Übergriff auf ein Mädchen durch einen 18-jährigen Afghanen gegeben, was die Polizei verschweigt."

Die Tatsache: "Ein Flüchtling hat auf offener Straße ein 13-jähriges Mädchen, das auf dem Weg von der Schule nach Hause war, auf die Wange geküsst", sagt Michael Albrecht, Sprecher der Polizei im Kreis Herford. "Die Mutter hat uns alarmiert, und wir haben den Mann vorläufig festgenommen. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet." Im Polizeipressebericht tauchte die Tat allerdings nicht auf, was zu Ärger und Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung führte. Albrecht: "Wir haben den Fall in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Bielefeld nicht öffentlich gemacht, um das 13-jährige Opfer zu schützen."

Das Gerücht: "In Paderborn müssen Menschen, die Dienstleistungen im Zusammenhang mit Flüchtlingen erbringen, Geheimhaltungserklärungen unterschreiben, damit von den Geschehnissen nichts an die Öffentlichkeit dringt."

Die Tatsache: "Bestandteil un¬serer Arbeitsverträge ist, dass Mitarbeiter Daten über Menschen, die uns anvertraut sind, geheim halten müssen", sagt Christian Schlichter, Sprecher der Malteser in der Erzdiözese Paderborn. Das sei schon immer so gewesen. "Aber natürlich dürfen unsere Mitarbeiter von ihrem Alltag in der Flüchtlingsarbeit erzählen, wenn sie keine Namen nennen, und das tun sie auch. Meistens sind das positive Geschichten. Das merken wir, wenn sich Leute bewerben, weil ein Malteser ihnen von seiner Arbeit berichtet hat."

Das Gerücht: "In Philippsburg haben Flüchtlinge Polizisten und Wachleute angegriffen und einen Polizisten schwer verletzt."

Die Tatsache: Die Deutsche Presse-Agentur berichtete am 4. August, dass drei betrunkene Asylbewerber in einer Flüchtlingsunterkunft in Philippsburg Wachleute angegriffen haben. Mehrere Polizisten waren nötig, um die drei Männer zu bändigen. Dabei verletzte ein 20-jähriger Asylbewerber einen Polizeibeamten schwer.

Das Gerücht: "In Steinhagen haben Flüchtlinge Nachbarkindern ihr Spielzeug gestohlen."

Die Tatsache: "In der Nacht zum 3. Dezember ist aus einem Vorgarten Spielzeug verschwunden, darunter ein Trampolin. Die Sachen wurden am nächsten Tag vor einer Asylbewerber-Unterkunft gefunden. Wie sie dort hinkamen, wissen wir nicht", sagt Corinna Koptik, Sprecherin der Polizei im Kreis Gütersloh.

Das Gerücht: "In den Bielefelder Erstaufnahme-Einrichtungen machen nicht mehr Putzfrauen sauber, sondern Putzmänner. Vorausgegangen sein sollen sexuelle Übergriffe."

Die Tatsache: "Nach Auskunft des Leiters der Zentralen Ausländerbehörde werden weiterhin Putzfrauen beschäftigt. Von sexuellen Übergriffen ist uns nichts bekannt", sagt Gisela Bockermann, Sprecherin der Stadt Bielefeld.

Das Gerücht: "In Löhne haben Asylbewerber gespendete Matratzen, die die Stadt gesammelt hat, nicht angenommen, weil Christen darauf geschlafen haben."

Die Tatsache: "Wir sammeln keine alten Matratzen. Flüchtlinge bekommen günstige, neue Matratzen. Den geschilderten Vorgang gab es nicht", sagt Peter Köhn, Leiter des Sozialamts in Löhne.

Das Gerücht: "In einer Flüchtlingsunterkunft in Hagen haben Flüchtlinge eine fast neue Edelstahlküche rausgeschmissen, weil darin vorher Schweinefleisch zubereitet wurde."

Die Tatsache: "Ein solcher Fall ist uns nicht bekannt. In den Notunterkünften wird gar nicht gekocht, denn die Flüchtlinge werden von einem Caterer versorgt", sagt Karsten-Thilo Raab, Sprecher des Oberbürgermeisters in Hagen.

Das Gerücht: "In Bad Driburg haben Asylbewerber eine alte Frau auf den Boden geworfen und ihr die Tasche aus der Hand gerissen."

Die Tatsache: "Ein Raub oder eine ähnliche Tat hat in der geschilderten Form in Bad Driburg nicht stattgefunden", sagt Hauptkommissar Andreas Hellwig, Sprecher der Polizei im Kreis Höxter.

Das Gerücht: "Restaurants finden keine Köche mehr, weil Köche, die für Flüchtlinge kochen, 28 Euro pro Stunde bekommen und damit viel mehr als in der Gastronomie."

Die Tatsache: "Caterer, die Flüchtlinge versorgen, finden nicht genug Köche und buchen deshalb Köche bei Leiharbeitsfirmen. Diese Firmen verlangen bis zu 30 Euro pro Stunde, aber die bekommt der Koch natürlich nicht", sagt Thomas Keitel, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Ostwestfalen-Lippe.

Das Gerücht: "In Bad Oeynhausen-Eidinghausen haben Flüchtlinge von der Stadt neue Fernseher geschenkt bekommen. Die Flüchtlinge haben sie verkauft, als defekt gemeldet und Ersatz gefordert."

Die Tatsache: "Wir verschenken keine Fernseher. Wir würden allenfalls ein Gerät, das ein Bürger spendet, weitergeben", sagt Volker Müller-Ulrich, Sprecher der Stadtverwaltung.

Das Gerücht: "Im Klarissenkloster in Paderborn sind Kreuze abgenommen worden, um Gefühle der jetzt dort lebenden Flüchtlinge nicht zu verletzen."

Die Tatsache: "Wir haben die Kreuze aus den Zimmern genommen, damit sie nicht wegkommen. Fest montierte Kreuze haben wir aber an Ort und Stelle gelassen", sagt Thomas Throenle, Sprecher im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn.

Kurzbiographie

Christian Althoff,

Jahrgang 1962, arbeitete in jungen Jahren als freier Mitarbeiter beim „Herforder Kreisblatt“.

Nach dem Abitur 1982 absolvierte er ein Volontariat beim „Mindener Tageblatt“ und war anschließend Redakteur in der Lokalredaktion. 1987 wechselte er als Redakteur zur „Bild-Zeitung“, 1990
ging er zum „Westfalen-Blatt“ nach Bielefeld. Dort arbeitete er anfangs als Polizeireporter in der Lokalredaktion, aber auch als Landesreporter für das Schwesterblatt, die damals gegründete „Thüringer Tagespost“, in den neuen Bundesländern und in Berlin. 1993 wechselte er in die Nordrhein-Westfalen-Redaktion des „Westfalen-Blattes“ und ist seit 2005 Chefreporter der Zeitung.