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Warten auf Beluga

Von Konrad Schuller 

In Wilkowo ist der Belugastör noch heute Stoff für Legenden. Der Fang ist zwar streng verboten, aber bei Schwarzmarktpreisen von bis zu tausend Dollar je Kilo widerstehen nicht

Es bimmelt über dem Fluss, es wummert und dröhnt, was die Glockenstühle hergeben, durch den Morgendunst der Lagunen, über die Inseln, die Kanäle und über das Fahrwasser, aber wenn es nach Walerija geht, können die bimmeln, bis sie schwarz werden. Aus allen Richtungen sind sie unterwegs, in ihren schwarzen Kähnen aus geteertem Holz, die mit ihrem spitzen Bug aussehen wie aus einem Wikingerfilm. Sie kommen von den Schilfbänken und vom toten Wasser, aus den Erdbeerdatschen, den Fischerhütten hinter der Kolchose, immer diesem Bimmeln nach. Walerija denkt nicht daran, die Gummischlappen anzuziehen und mitzuziehen. Ljoba hat Hering gebracht, der muss geputzt werden, Bimmeln hin oder her. Das Messer reißt den Bauch auf, faucht durch die Schuppen, dass es spritzt. Man kann vieles sagen über Walerija, aber nicht, dass sie faul rumsitzen würde.

Eine schöne Frau ist sie, trotz allem, drahtig und blondiert, und wenn sie vorne noch mehr Zähne hätte, würde keiner glauben, dass sie die Vierzig hinter sich hat. Weiß Gott, was sie schon alles erlebt hat. In ihrer unverblümten Sprache, halb im postsowjetischen Gossenslang, halb der lipowenische Dialekt des Deltas, ist sie schnell wie eine Natter und derb wie ein Sergeant von den Grenztruppen, und wenn es ums Arbeiten geht, stellt sie jedes Pferd in den Schatten. Gerade schlitzt sie die Heringe, gespannt und konzentriert auf ihrem Hocker über dem blutigen Bottich, und nur ab und zu macht sie Pause, um sich den Zigarettenrauch aus den Augen zu wedeln.

Sie feiern den heiligen Nikolaj in Wilkowo, im äußersten südwestlichen Zipfel der Ukraine, wo die Donau nach mehr als 2800 Flusskilometern noch einmal in die Weite geht, sich an der rumänisch-ukrainischen Grenze in Hunderte von Armen und Ärmchen teilt, um dann noch einmal 14 Kilometer weiter unten all die Wasser Europas, die sie zwischen Alpen und Karpaten gesammelt hat, zwischen Budapest und Bukarest, den Gletschern des Engadin und den Tümpeln der Walachei, ohne einen Seufzer ins Meer zu vergießen.

Phantastische Skulpturen aus Schrott

Schnell, lautlos, bei Tag und bei Nacht, bringt der Strom hier die Sedimente eines halben Kontinents mit sich, gelöst in warmem Schlamm - die Obsessionen des Balkans, die Verzweiflungen des alten Ostblocks, die Hoffnungen des vereinten Europa. Am Ende, wo dieses Läuten auf den Wassern kaum noch zu hören ist, gießt er dann alles ins Weite, zweihundert Kubikkilometer im Jahr oder fünf Milliarden Tanklastwagen. Draußen im Meer kommt dann alles zur Ruhe. Sand setzt sich ab, aus Schlamm wächst jungfräuliches Land, bis zu vierzig Meter im Jahr: neues Europa, wo gerade noch offenes Wasser war.

Die Boote erreichen die Kirche, die Männer am Steuer, die Frauen an den Rudern - wie immer, seit hier vor zweihundertfünfzig Jahren die ersten Siedler ankamen, "Altgläubige", aus dem inneren Russland, flüchtige Anhänger einer verfolgten orthodoxen Glaubensrichtung, die in den Schilfdickichten des Deltas Zuflucht fanden vor den Scheiterhaufen der Moskauer Zaren. Das Delta lag damals im Einflussbereich der Türken, und die Flussgabelung, an der Wilkowo liegt, war ideal für eine Siedlung.

Der Arm von Kilia, der nördliche Hauptstrom der Donau, teilt sich hier in den Starostambulskoje- und den Otschakowskoje-Kanal, beides mächtige Wasser, die es leicht mit Rhein oder Elbe aufnehmen könnten, und als viertes kommt noch der kleinere Belgorod-Dnjestrowskoje hinzu, ein etwas breiterer Bach, mit Brücken leicht zu überspannen, und wie geschaffen, um rechts und links ein paar goldbekuppelte Kirchlein und ein paar Hütten zu bauen. Die Kirchen erreicht man heute über holperige Straßen aus Betonplatten, die Hütten weiter draußen über ein dichtes Netz von weitverzweigten Kanälen. Im Delta sind die Gassen aus Wasser, die Gehsteige aber sind blanke Bretter auf Holzpfählen, die ohne Handlauf und Geländer oft kilometerweit durch die Sümpfe führen.

Heute sind nicht nur die Zaren Geschichte, sondern auch die Macht, die nach ihnen kam, die Sowjetunion. Wer über das Wasser auf Wilkowo zufährt, wird schon von weitem ihre Leitfossilien erblicken: phantastische Skulpturen aus Schrott, zerfallende Fabrikhallen, Busse, Röhren, Schiffsrümpfe. Sie zeugen davon, dass Wilkowo bis vor nicht ganz fünfundzwanzig Jahren beileibe nicht nur ein verschlafenes Nest im Schilf war. Statt seiner heute etwa 10.000 Einwohner lebten hier 17.000 Menschen.

Die örtliche Fischereiflotte fuhr nicht nur ins Schwarze Meer hinaus, nach Batumi und Suchumi, Odessa und Sewastopol, sondern bis in den Atlantik, in den Indischen Ozean. Die Fischkolchose "W.I. Lenin" verarbeitete nicht nur den Fang der eigenen Kutter, sondern zusätzlich in Kühlzügen herangefahrenen Fisch aus der Ostsee und aus Murmansk am Weißen Meer. Frachtschiffe gingen bis China und Vietnam, Schleppverbände am Fluss bis Regensburg oder Passau.

Das tägliche Brot, die Lotterie und der Jackpot

Heute zerfallen die Ruinen in der feuchten Luft. Die Fischkolchose zerbröselt, die Reparaturwerft versinkt, die Kutter sind weiß Gott wohin verscherbelt worden. Die Fischer aber sind noch da, und weil ein Fischer eben fischen muss, haben sie ihre Kähne aus Großvaterzeiten wieder herausgeholt, diese geteerten Holzungetüme mit schnabelförmigem Bug, die ja sowieso jedem modernen Motorboot überlegen sind - nicht nur, weil sie schlank genug sind, in die schmalste Rinne einzufahren, sondern auch, weil jeder sie flicken kann, wenn sie mal leck sind, weil sie nicht sinken, wenn sie mal kippen, und weil man sich auf Holzplanken, anders als auf einer Bootshaut aus Blech, nicht die Seele aus dem Leib friert, wenn man im Winter mal draußen übernachten muss.

In diesen Kähnen geht es dann hinaus ins Delta, im Winter, im Frühling, im Sommer. Im Fluss gibt es Karpfen und Hechte, Zander und Welse, Butte und Karauschen, aber vor allem gibt es den Hering, der jedes Frühjahr vom Meer hochkommt, um im Fluss seinen Laich abzulegen. Es ist eine Lotterie mit diesem Hering. Manchmal gehen tagelang nur ein paar Dutzend Fische ins Netz, und manchmal, wenn zum Beispiel die Grenzer vom Stützpunkt Ismail nach ein paar Flaschen zu viel wieder einmal ihre Motorboote mitten durch die Netze gejagt haben, fängt einer auch mal gar nichts. Manchmal aber sind es gleich zweihundert Kilo, und wenn der Ljoba dann mit dem vollen Boot landet, kommt Walerija gar nicht mehr nach mit dem Schuppen und Schlitzen.

Ende Mai ist der Hering dann durch. Dann geht es in die Erdbeeren, und im Winter dann ziehen die Männer in Gummistiefeln und wattierten Jacken hinaus ins wässrige Eis der Sümpfe. Schilf für die Reetdächer in Deutschland und in den Niederlanden ist eine neuentdeckte Marktlücke. Das Donaudelta hat die größten zusammenhängenden Schilfgründe der Welt, und ab Dezember wird geschnitten - manchmal mit der "Kombajn", einer Art Mähmaschine mit Schwimmrädern, manchmal aber, wenn die Flächen zu klein sind, auch per Hand mit der Sichel, wie damals, als die ersten Siedler kamen.

Die Expeditionen gehen oft über Tage, die Männer schlafen im Zelt, und zum Wärmen nehmen sie Zigaretten mit, vor allem aber den "Nowak", ihren hausgemachten Rotwein, der hier in jedem Garten wächst. Er schmeckt alles andere als subtil, dafür aber dunkel und kräftig nach schwarzen Johannisbeeren, wahlweise auch nach Stachel-, Him- und Preiselbeeren. Billiger als jeder Wodka, wird er anders als die verzärtelten Weine des Westens nicht endlos im Mund hin- und hergewälzt, sondern in einem Zug gekippt, worin er dann doch wieder dem Wodka gleicht.

Das Schilf ist das tägliche Brot, der Hering ist die Lotterie - und dann gibt es noch das Wort vom "Jackpot". Wer den "Jackpot" knackt, wird reich, er kann sich das Gebiss richten, er kann nach Primorskoje zu den Mädchen, und er muss nie mehr durch den Eiswasserbrei zu den Schilfgründen. Jeder weiß, wie der "Jackpot" aussieht, mit seinen Panzerplatten am schlanken, muskulösen Körper, mit seinem schnurrbärtigen Rammbugmaul, seiner angriffslustigen Torpedoform, manchmal, in Legenden, so lang wie ein ganzes Boot. Im Museum von Wilkowo ist ja schließlich einer zu bestaunen, 300 Kilo ausgestopft hinter Glas: der Beluga.

Das Geld wächst nicht in den Weiden

Der Beluga, lateinisch "Huso Huso", ist seit Jahrhunderten ein Fisch der Legenden. Früher, als es noch keine Dämme gab, zog er vom Schwarzen Meer bis nach Bayern hinauf, um in den Flüssen Mitteleuropas seinen Rogen abzulegen, den sagenumwobenen Beluga-Kaviar. Bis zu hundert Jahre wird ein solcher Fisch, und alte Holzschnitte zeigen ihn als Begleiter von kaiserlichen Flussfahrten.

Der Beluga ist das goldene Fischlein aus dem russischen Märchen. Kaum einer hat je einen gesehen, aber wem einer ins Netz geht, der hat alle Wünsche frei, die ein Fischer in Wilkowo überhaupt erträumen kann. Weil der Beluga fast ausgestorben ist, drohen jedem, der ihn fängt, zwar strenge Strafen, aber aus demselben Grund lockt auch unvorstellbares Glück. Ein Beluga kann bis zu dreißig Kilo Kaviar enthalten, und auf dem Schwarzmarkt gibt es für jedes Kilo bis zu tausend Dollar.

Eigentlich ist er stark und wendig, ein Fischerboot ist kein Gegner für ihn, aber wenn er den Bauch voll Eier hat, ist er schwer und träge, dann kann der letzte Säufer ihn in der Unterhose fangen. Manchmal kommt das vor. Keiner redet dann darüber, aber wenn ein armer Schlucker plötzlich einen Außenbordmotor anschafft oder wenn er seine Frau sitzen lässt und nur noch betrunken durch die Amüsierbuden von Primorskoje zieht, draußen am Meer, wo im Sommer die geschminkten Djewotschkas über die Promenade stöckeln, dann weiß man in Wilkowo, was die Stunde geschlagen hat.

Der Beluga ist Sünde, aber heute feiert man den heiligen Nikolaj, und für die Lipowaner von Wilkowo (so nennen die altgläubigen Siedler sich selbst) ist die Sünde an diesem Tag wie weggeblasen. Mittlerweile sind alle da. Die Glocken läuten über die Anlegestelle, gleich an der Kirche, bei den Resten der alten Fischfabrik, wo sie heute Schilf verpacken. An der Brücke über den Kanal, wo die Plattenstraße nach Odessa beginnt, eine staubige Endlosigkeit durch die Steppen Bessarabiens, liegt die zentrale Trinkbude der Stadt, der "Anker" mit seinen wackligen Tischen, seiner dudelnden Radiomusik und seinem reichlich mürrisch durch ein Wandloch gereichten Bier. Gestern Abend war Walerija noch da, mit frisch aufgelegtem Lippenstift. Sie hat eine Zigarette geraucht, sie hat den Jungs ein wenig zugezwinkert, und sie hat mit vipernschneller Zunge den neuesten Dorftratsch kommentiert. Dann ist sie früh heimgegangen, denn das Geld wächst nicht in den Weiden.

Jetzt kommt alles zum Gottesdienst. Was weiblich ist, hat ein geblümtes Kopftuch auf, wie es sich für rechtgläubige Frauen gehört, die Männer tragen nach altrussischer Sitte das Hemd frei hängend, mit einem Strick gegürtet. Viele der Frauen sind schon im Morgengrauen dagewesen, um das Bankett vorzubereiten. Sie haben Kartoffeln geschält und Zwiebeln gehackt, sie haben Heringe geschnitten, und sie haben hinter der Kirche gewaltige Kessel geheizt, mit Holz, wie früher, für den Fischborschtsch.

Wenn er mittleren Pegel hat, ist es am besten

Jetzt aber, während langsam auch die großen Glocken einsetzen, kommt die ganze Gemeinde. Am "Anker" legen die Boote an, und nur wer sich den Luxus leisten kann, an einer echten, trockenen Straße zu wohnen, kommt mit dem Auto oder mit dem Fahrrad. Sie bekreuzigen sich beim Anblick der Kirche, sie bekreuzigen sich beim Eintritt durch das mit Plastikblumen geschmückte Tor, sie bekreuzigen sich beim Anblick der Ikonen, immer nur mit zwei Fingern, nach guter altorthodoxer Art, weil der Erlöser ja ganzer Gott war und ganzer Mensch, und nicht mit dreien, wie die Neugläubigen.

Einer nach dem anderen ziehen sie ein. Der pensionierte Kapitän Panfil Ilarionowitsch Murtschenko ist da, ein runzliger, energischer Seebär mit seiner ebenso runzligen und energischen Gattin. Früher fuhr er bis zum Kaukasus und in das Asowsche Meer, heute zieht er Gurken und Wein an der Lagune. Während der Kapitän und seine Frau ins Gotteshaus einziehen (er durch das Männertor, sie durch die Frauentüre), hat der Bettler Grigorij Michailowitsch Domaskin, ein Mann mit zerzaustem Bart und olivfarbener Haut, im Hof Position genommen.

Hier zeigt er sich erbötig, für jeden Christenmenschen, der sich seiner durch einen angemessenen Geldschein erbarmt, ein Gebet an die Ikone der Muttergottes zu richten. Sein Töchterchen Olga Grigorjewna, dünn und olivbraun wie er, das Jüngste von elf Kindern, ist zusammen mit ihm in aller Herrgottsfrühe im Bus von Kilia angereist. So ein heiliger Nikolaj bringt eben mehr als die paar Touristen zu Hause, die immer den Esel fotografieren wollen, und so hat sie zum Fest ein beinahe neues Kleidchen angezogen, rot mit Giraffendekor. Als einziges weibliches Wesen weit und breit trägt sie kein Tuch, aber keiner regt sich auf - jeder Stand hat seine Privilegien.

Nur Walerija ist lieber zu Hause geblieben. Die ganzen Leute da in der Kirche, die drücken sich ja nur vor dem Arbeiten, sagt sie. Nicht, dass sie, Walerija, nicht auch Ikonen an der Wand hätte, sie hat sogar mehrere, zwischen dem Wandteppich mit den Hirschen und dem mit der Flamencotänzerin, aber im Grunde, sagt sie, und dieses Argument ist wohl mindestens ebenso wichtig wie das mit den Heringen, hat sie es nicht so mit dem lieben Gott oder er nicht mit ihr.

Wie soll man nicht sündigen in so einer Welt. Sie ist nicht aus schlechter Familie, ihr Vater war Kapitän wie der alte Panfil Ilarionowitsch, aber dann ist ja alles drunter und drüber gegangen, mit der Stadt, mit den Kuttern, mit dem Leben. Von ihren drei Kindern lebt jedenfalls nur noch eins bei ihr. Eine Tochter ist bei ihrem Vater geblieben, eine andere bei der Großmutter, und nur der Jüngste, den sie vom Ljoba hat, ist bei ihr geblieben.

Der Ljoba, mit dem sie jetzt lebt, ist zwar kein Beluga unter den Männern, aber er ist acht Jahre jünger als sie, er ist kräftig, und seine zerschlagene Nase zeugt von Wehrhaftigkeit. Andererseits geht es mit den Zähnen auch bei ihm schon rapide abwärts, und auch sonst ist es nicht immer leicht mit ihm. Wenn er zu wenig getrunken hat, ist er schlechter Laune, und wenn er mal zu viel genommen hat, will er nur noch alle umarmen und küssen und erschreckt sogar die Hunde am Zaun.

Es ist mit dem Ljoba halt wie mit dem Fluss: Wenn er mittleren Pegel hat, ist es am besten. Dann bringt er an manchen Tagen vier Zentner Hering mit, und im Winter, wenn es ins Schilf geht, hält er es mit ein paar Flaschen "Nowak" auch mal fünf Frostnächte im Zelt aus. Wenn er dann wiederkommt und sich im Fluss gewaschen hat, ist alles gut.

Belugas hat man lange keine mehr gesehen

Gerade jetzt ist so ein Tag. Der Fang war nicht schlecht, der Ljoba hat mittleren Pegel, und Walerija putzt Hering, was das Zeug hält: Schuppen ab, Bauch auf, dann die Leber ins linke Einmachglas für den Sonntag, aus der Pfanne mit Zwiebeln, die Eier ins rechte, für die Restaurants in Odessa, die für Heringsrogen gar nicht schlecht zahlen. Noch die Kiemen in den Eimer, fürs Schwein, und ab mit der Ware in einen wasserdichten Topf. Im Bus nach Odessa kennen sie den Fahrer, der nimmt das Zeug für ein paar Hriwna schwarz im Stauraum mit.

Auf dem Kirchhof geht das Bankett zu Ende. Sie hatten in feierlicher Prozession die Kirche umrundet, im Uhrzeigersinn natürlich, nicht wie die Neuorthodoxen gegen die Uhr, sie hatten auf hohen Stangen die Ikonen mit sich geführt, sie hatten im Wechselgesang die endlose Liturgie der Altgläubigen zelebriert, die Frauen im Sopran, die Männer im Bass, und sie hatten den Popen die Hände geküsst, alle, sogar das Bettelmädchen ohne Kopftuch.

Dann hatten sie sich an die langen Tische mit den bunten Plastiktischtüchern gesetzt, und während die Popen sangen, hatten die Frauen aufgetragen, was die Kessel so hergaben: den Fischborschtsch mit Roter Beete, Kohl und Möhren, die Fischklopse, den Karpfen in Knoblauchsud sowie den Hering, wahlweise geräuchert oder gesalzen. Als Nachtisch gab es Rosinenreis mit gedörrten Aprikosen und Vanillezucker.

Abends ging es dann wieder auf den Fluss. Der runzlige alte Kapitän kaufte seiner Kapitänsfrau an der Anlegestelle noch ein Eis, dann verschwand ihr Boot in der Dämmerung, sie an den Rudern, er hinten am Steuer, wie immer, seit es Männer und Frauen gibt.

Schnell, still, in tausend Armen, rollt der Fluss hinunter. Bayern und das Burgenland, Donauwörth und Debrecen, Transsilvanien und Transkarpatien, hier im Delta wird alles eins. Belugas aber hat man lange keine mehr gesehen. Der Ljoba sagt zwar, wenn ihm mal einer ins Netz geht, dann wird die Walerija schon merken, was es heißt, wenn eine alte Frau einen jungen Mann hat, dann lässt er sich die Zähne richten und geht zu den Djewotschkas in Primorskoje, aber Walerija, die gerade Hering schabt, braucht bei solchen Sprüchen nicht einmal die Zigarette aus dem Mund zu nehmen. "Red du nur. Bis so einer wie du einen Beluga fängt, kriegst du längst keinen mehr hoch." Schrapp, sind die Schuppen ab, platsch, sind die Kiemen im Eimer.