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Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
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Medientage München 2006Printgipfel bei den Medientagen München: Veränderte Bedingungen und neue Produkte im Mittelpunkt
Und dabei solle sich die Branche auch von ungeprüften Gurus, die die Zukunft in düstersten Farben schilderten, nicht kirre machen lassen. Im Gegenteil sei "im Markt noch viel drin", solange bei jedem neuen Angebot gefragt werde: Wem nutzt es? Soll es der Wissensvermittlung oder der Unterhaltung dienen? Und welches Medium wäre dafür das richtige? "Und dann braucht es gute Journalisten, die den ganzen Wahnsinn zusammenführen und für die Nutzer verständlich machen." Reihum abgelehnt wurde in dem von Frank Thomsen, Geschäftsführender Redakteur des "Stern", moderierten Streitgespräch der Begriff der "Krise" am Printmedienmarkt, der noch vor drei Jahren den Printgipfel in München dominiert hatte. "Die Zeitungen sind nicht in der Krise", bekräftigte etwa Michael Grabner. Immerhin erzielten sie in Deutschland eine Reichweite von fast 75 Prozent bei einem ungeheuren Informationsniveau, wie es das sonst in Europa kaum gebe. "Wir haben vielmehr ein Wahrnehmungsproblem!" Das gelte auch für die Aktivitäten der Verlage im Internet. "Wie kann man von Krise sprechen, wenn sich die für Medien aufgebrachte Zeit vervielfacht hat?", fragte auch Johannes von Bismarck, Managing Director Veronis Suhler Stevenson (London), der allerdings die Schlacht am deutschen Onlinemarkt für die Zeitungen verloren gab. Eine ganz andere Tendenz stellte dagegen BDZV-Vizepräsident Rebmann fest. Viele Suchanfragen im Internet beschränkten sich auf die überschaubare Region, und da machten sein Haus und zahlreiche andere, die den lokalen Markt auch im Internet pflegen, schon heute bessere Geschäfte als nationale Portalanbieter. Auch angesichts besserer Wirtschaftszahlen und damit wachsender Anzeigenumsätze sei eine große Renaissance des Printmediums nicht zu erwarten, erklärte dagegen Bernd Buchholz, Vorstand Gruner + Jahr (Hamburg). Die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche erlebe seit Jahren strukturelle Veränderungen. Die Märkte seien gesättigt, es gebe einen Verdrängungswettbewerb der Medien untereinander um Nischen und mit neuen Produkten. Da wundere er sich, erklärte der Zeitschriftenmanager provokativ, dass offensichtlich ein Großteil der Tageszeitungen gut damit leben könne, am nächsten Morgen auf der Titelseite mit der ersten Fernsehnachricht vom Vorabend aufzumachen. Und Gert Edlinger, Geschäftsführer der vor 47 Tagen unter großer Medienanteilnahme auf den Markt gebrachten Tageszeitung "Österreich", setzte noch eins drauf und behauptete, er kenne nur wenige Industrien, die so innovationsfeindlich seien wie die Zeitungen. "Ganz gelassen" reagiere er auf derlei Vorhaltungen, erwiderte Dr. Richard Rebmann, Vizepräsident des BDZV und Verleger des "Schwarzwälder Boten" in Oberndorf. "Mag sein, dass das bis in die späten 90er Jahre richtig war." Doch spätestens mit dem Einbruch am Anzeigenmarkt nach dem Boomjahr 2000 seien die Zeitungen aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht. Mittlerweile sei die typisch mittelständisch geprägte Branche nicht nur auf zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv, sondern gehe auch souverän mit den Chancen um, die Internet und mobile Services eröffneten. Dagegen glaubt Johannes von Bismarck, dass die Branche noch lernen müsse, den Fortschritt der digitalen Vertriebsmedien aufzuholen. Ihm gehe es "um die Konsolidierung der Publizistischen Einheiten". Aus seiner Sicht arbeiteten die deutschen Zeitungsredaktionen sehr stark aus dem Elfenbeinturm heraus, anders als die elektronischen Medien, die sich viel mehr an ihren Nutzern orientierten. Von Bismarck warf den Zeitungen Arroganz vor, weil sie ihre Leser belehren wollten, statt nach deren Wünschen zu fragen. Unfaire Unterstellung, konterte Ulrich Reitz, Chefredakteur der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen. Die Zeitungen müssten sich jeden Tag bei ihren Lesern bewähren. Viele regionale Titel hätten sich mittlerweile zum Beispiel das Konzept des Leser-Reporters zueigen gemacht. Dabei gehe es nicht darum, prominente Persönlichkeiten in möglichst peinlichen Situationen ablichten zu lassen, sondern den Lesern als Themen-Scouts in der Region die Teilhabe am öffentlichen Gespräch in der Zeitung zu ermöglichen. Im Übrigen, stellte Reiz fest, nehme er die aktuelle Zeit in der Branche als innovativ wahr wie seit den Gründungsjahren der Nachkriegspresse um 1948 nicht mehr. Seine Überzeugung: "Wir müssen lernen, nicht mehr in Medien zu denken, sondern in Storys."
19. Oktober 2006 |
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