Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
Markgrafenstraße 15
10969 Berlin
Tel.: 030 726 298 / 0
Fax : 030 726 298 / 299

Zur Lage der Zeitungen in Deutschland 2004

Von Anja Pasquay

Die tägliche Zeitungslektüre gehört in Deutschland dazu. Gut drei Viertel der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (75,7 Prozent) lesen regelmäßig eine Tageszeitung, das sind 49 Millionen Männer und Frauen. Bei den lokalen und regionalen Abonnementzeitungen liegen die Leserinnen mit 65,2 Prozent sogar ganz leicht vor den Lesern (63,1 Prozent). Dagegen werden Kaufzeitungen und überregionale Abonnementzeitungen stärker von Männern (27,3 Prozent beziehungsweise 7,0 Prozent) als von Frauen (17.9 Prozent beziehungsweise 4,1 Prozent) genutzt.

 

Nach Altersgruppen betrachtet, erreichen die Tageszeitungen ihre höchste Reichweite traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern, nämlich zwischen knapp 85 und gut 78 Prozent. Von den über 70-Jährigen greifen fast 84 Prozent regelmäßig zur Tageszeitung, und bei den 30- bis 39-Jährigen sind es gut 71 Prozent. Zwar wird von den jüngeren Altersgruppen im Vergleich weniger und weniger regelmäßig Zeitung gelesen, doch liegen auch hier die Reichweiten auf einem hohen Niveau: Von den 20- bis 29-Jährigen werden 61,5 Prozent durch die Zeitung erreicht, bei den 14- bis 19-Jährigen sind es immerhin fast 52 Prozent.

 

Um das Interesse insbesondere der Jugendlichen und jungen Leute an der Zeitung zu wecken und zu halten, haben in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Verlage weit über 100 eigene redaktionelle Angebote für junge Leser entwickelt. Seither veröffentlichen die Zeitungen zum Beispiel regelmäßig Jugendsupplements mit ausführlichen Veranstaltungshinweisen oder spezielle Jugendseiten und offerieren diverse auf diese Zielgruppe zugeschnittene Internetaktivitäten. Gerade durch die Verknüpfung mit interessanten Online-Angeboten hoffen die Verlage, den internet-affinen Nachwuchs auch mit den Qualitäten der gedruckten Zeitung vertraut zu machen.

 

Gesamtumsatz geht zurück

 

2003 mussten die Zeitungen beim Gesamtumsatz aus Anzeigen, Beilagen und Vertrieb im Vergleich zum Vorjahr deutliche Verluste verkraften, er ging von 9,42 Milliarden Euro auf 8,90 Milliarden Euro zurück (-5,4 Prozent). Davon entfielen 8,40 Milliarden Euro auf die Tageszeitungen, die damit Einbußen von –4,84 Prozent erlitten.

 

Die schwache Konjunktur des Jahres 2003 wirkte sich bei den Zeitungsverlagen erneut besonders negativ aus. Das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Deutschland ging erstmals in zehn Jahren preisbereinigt um 0,1 Prozent zurück (nach + 0,2 Prozent 2002), wie schon im Vorjahr lagen die Zeitungsunternehmen noch deutlich unter diesem Wert. Vor allem das Anzeigengeschäft, bis zum Jahr 2000 mit durchschnittlich zwei Dritteln Hauptumsatzträger, brach nach –12,06 Prozent im Jahr 2002 erneut um –10,08 Prozent ein; die Vertriebsumsätze stiegen leicht um 0,45 Prozent, konnten die Verluste jedoch nicht wettmachen. Einen so starken Rückgang der Umsätze wie in den vergangenen drei Jahren hat es bei den Zeitungen in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gegeben.

 

Entwicklung des Anzeigengeschäfts

 

Mit einem Werbeumsatz von 4,45 Milliarden Euro im Jahr 2003 (-9,7 Prozent) bleiben die Tageszeitungen mit Abstand der größte Werbeträger. Die Werbeumsätze der Wochen- und Sonntagszeitungen gingen von 268 auf 225 Millionen Euro zurück (-15,9 Prozent); die Zeitungssupplements werden nicht mehr eigens ausgewiesen. Der Gesamtwerbeumsatz aller Zeitungsgattungen belief sich auf 4,68 Milliarden Euro (-10,08 Prozent). Der Werbemarkt in Deutschland schrumpfte erneut: Der durchschnittliche Umsatzrückgang aller Werbemedien lag 2003 bei –4,3 Prozent. Der Anteil der Zeitungsbranche am Gesamtwerbeaufkommen fiel von 26 Prozent auf 25 Prozent, 2000 war er noch leicht auf 29 Prozent angestiegen.

 

Die Regionalzeitungen in West- und Ostdeutschland kamen 2003 bei ihren Anzeigenumsätzen auf zusammen 3,62 Milliarden Euro. Die Anzeigenumfänge gingen von Januar bis Dezember 2003 um –6,7 Prozent zurück: Dabei lagen die Zeitungen im Westen (-6,6 Prozent) nur unwesentlich besser als die im Osten, die –7,1 Prozent Umfangverluste verkraften mussten. Von der insgesamt negativen Entwicklung der Nettoanzeigenumfänge waren nicht alle Anzeigensparten in gleichem Maß betroffen: Während die Stellenanzeigen (-35,8 Prozent) erneut überdurchschnittlich verloren, verzeichneten überregionale Anzeigen (-3,2 Prozent), Kfz- (-9,5 Prozent), Immobilien- (-9,2 Prozent), Veranstaltungs- (-8,8 Prozent), Reise- (-0,9 Prozent) und Sonstige Anzeigen (- 1,3 Prozent) ein Minus um oder deutlich über dem Durchschnittswert; lokale Geschäfts- (+1,0 Prozent) und Familienanzeigen (+0,4 Prozent) lagen sogar im Plus.

 

Im ersten Halbjahr 2004 sind die Umfänge bezahlter Anzeigen der lokalen und regionalen Abonnementzeitungen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um –1,9 Prozent gesunken. Positiv behaupten konnten sich die lokalen Geschäftsanzeigen (2,5 Prozent) und die Sonstigen Anzeigen (2,6 Prozent). Alle übrigen Sparten schlossen nach Umfängen von Januar bis Juni 2004 mit Verlusten ab: überregionale Anzeigen (-8,7 Prozent), Kfz-Markt-Anzeigen (-2,8 Prozent), Immobilien- (-1,3 Prozent) und Stellenanzeigen (-11,2 Prozent) ebenso wie Familienanzeigen (-5,3 Prozent), Reise- (-4,2 Prozent) und Veranstaltungsanzeigen- (-4,0 Prozent).

 

Die Entwicklung des Geschäfts mit Prospektbeilagen verlief 2003 ähnlich unbefriedigend wie das übrige Anzeigengeschäft; es gab Verluste von –4,0 Prozent. Im ersten Halbjahr 2004 fiel das Minus beim Beilagenaufkommen im Vergleich zu dem entsprechenden Vorjahreszeitraum mit –1,7 Prozent Verlusten etwas gemäßigter aus.

 

Auflagen gehen leicht zurück

 

Die Zeitungen in Deutschland haben eine Gesamtauflage von 28,19 Millionen Exemplaren pro Erscheinungstag (IVW: II. Quartal 2004). Davon entfallen auf die alten Bundesländer 24,79 Millionen, auf die neuen Länder knapp 3,4 Millionen Exemplare. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal bedeutet dies ein durchschnittliches Auflagenminus von 570.550 Exemplaren (-2,0 Prozent).

 

Während die Zeitungen im Westen –1,8 Prozent (-447.001 Exemplare) an Auflage verloren, ging der Verkauf im Osten um -3,5 Prozent (-123.549 Exemplare) zurück. Insgesamt beliefen sich die Verluste per saldo bei den lokalen/regionalen Zeitungen auf –2,14 Prozent, bei den überregionalen Zeitungen auf -0,06 Prozent, bei den Kaufzeitungen auf –2,50 Prozent, bei den Sonntagszeitungen auf –3,48 Prozent. Leichte Zuwächse verbuchten dagegen die Wochenzeitungen mit +2,99 Prozent oder gut 56.000 Exemplaren.

 

Die verkaufte Auflage aller Zeitungsgattungen gliedert sich in gut 22 Millionen Tageszeitungsexemplare, 4,16 Millionen Sonntagszeitungen und gut 1,9 Millionen Wochenzeitungen. Bei den Tageszeitungen entfallen 15,4 Millionen Exemplare auf die lokalen und regionalen Abonnementzeitungen, gut 1,6 Millionen auf überregionale Blätter und gut fünf Millionen auf die Kaufzeitungen.


30. August 2004



Aktuelle Seite: Home /Markttrends & Daten /Wirtschaftliche Lage