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„Printprodukte dürfen nie ein Gegenprodukt zum Internet werden“

Internationaler Printkongress diskutiert Zukunft der gedruckten und digitalen Zeitung

Wenn es Zeitungen gelingt, sich mehr denn je zu differenzieren und sich von der nahezu unendlichen Anzahl an (kostenlosen) Informationsangeboten im Netz zu unterscheiden, werden sie auch in zehn Jahren noch das informative Grundrauschen der Gesellschaft bilden. Darin waren sich die Teilnehmer des internationalen Printgipfels einig. „Wie können sich Verlage inhaltlich, ökonomisch und strategisch erfolgreich positionieren“ war das Thema dieses von BDZV und ZVNRW (Verband der Zeitungsverlage in Nordrhein-Westfalen) veranstalteten Dauerbrenners beim medienforum.nrw.

 

 

Konstantin Neven DuMont

So vielschichtig das Thema, so vielfältig fielen auch die Zukunftsstrategien der Experten aus Deutschland, Österreich und Großbritannien aus. Doch in einem Punkt waren sich Diskutanten wie die knapp 300 Zuhörer einig, ohne gute Onlineausgaben und Angebote für mobile Endgeräte wird der Zeitungsjournalismus nicht überleben können. Für Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, bedeutet dies: „Printprodukte dürfen nie ein Gegenprodukt zum Internet sein oder werden.“ Eine Einstellung, die auch sein Kollege von der „Rhein-Zeitung“ (Chefredakteur Christian Lindner) teilt: „Das Internet eröffnet uns Optionen, mit dem Leser/dem User in Kontakt zu treten. Es ist das Dialogmedium Nummer eins und wir müssen es uns zu nutze machen.“ So wie man es bereits seit mehr als einem Jahr bei der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ erfolgreich praktiziert. 40 Twitter-Accounts mit annähernd 18.000 Followern unterhält die Redaktion und in sozialen Netzwerken wie Facebook oder „Wer-Kennt-Wen“ haben sich Tausende als Fans der Zeitung bekannt.  

 

v.l.n.r.: Wolfgang Blau, Eugen A. Russ

 Doch hieße die Herausforderung der kommenden Jahre nicht nur guten Online-Journalismus zu produzieren, sondern diesem auch ein funktionierendes Geschäftsmodell zur Seite zu stellen, fasste Christian Nienhaus, Vorsitzender des ZVNRW und Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe (Essen), zusammen. Es müsse Schluss mit der Kostenlosmentalität im Netz sein und das iPhone oder auch das iPad würden die Tür für eine neue „Paid-Content-Welt“ weit aufstoßen. „Denn im Mobilen sind wir es seit Jahren gewohnt, Geld für SMS-Dienste oder Klingeltöne zu zahlen. Warum soll das nicht auch mit journalistischem Content funktionieren“, frug Nienhaus.

 

 

Christian Lindner

Dass dieser dann kostenpflichtige Content aber eine besonders hohe Qualität haben müsse, weil es viele Nachrichten um die Ecke auch für lau gebe, darin waren sich Linder, Blau und Co. einig. „Aber es ist doch auch unser Anspruch, dass wir Qualitätsjournalismus liefern“, betonte Konstantin Neven DuMont (Strategievorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg), um zu ergänzen: „Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir endlich wieder mehr zum Anwalt der kleinen Leute werden und ihre Sorgen und Nöte ernstnehmen.“ Dazu gehöre es, dass regionale Themen im Mittelpunkt der Zeitung stünden, gedruckt oder elektronisch, ergänzte Eugen A. Russ (Geschäftsführer des Vorarlberger Medienhaus). „Nur darf sich dafür eine Redaktion nicht als Druckvorstufenmitarbeiter verstehen, sondern muss raus auf die Straße und dort ihre Geschichten recherchieren und hochwertigen Content produzieren. Denn die Leser zahlen ihre Abogebühren für einzigartige Geschichten“, analysierte Lindner, und forderte die Verlagsentscheider auf, die Redakteure wieder Redakteure und nicht nur Schreibtischtäter sein zu lassen. 


29. Juni 2010  15/2010



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