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Scoops und Enthüllungen

Täglich werden von Zeitungen Missstände in Politik, bei Behörden, Institutionen und Unternehmen aufgedeckt. Oft sind es Regionalzeitungen, die journalistische Scoops landen. Diese Leistung ist für eine lebendige Demokratie von unschätzbarem Wert. Zum internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai dokumentiert der BDZV diesen Wert – mithilfe von Beispielen aus den Verlagen. Was hat Ihre Zeitung ans Tageslicht gebracht? Senden Sie Beispiele an Jutta Lütkecosmann, luetkecosmann(at)bdzv.de.

Verdacht auf Subventionsbetrug

Aachener Zeitung

(Quelle: Aachener Zeitung, 3.10.2015)
  • Hintergrund: Die Aachener Zeitung hat bei dem Millionenprojekt Camp Vogelsang in der Eifel einen Verdacht auf Subventionsbetrug aufgedeckt. Entsprechende Recherchen wurden von der Staatsanwaltschaft bestätigt, die Zeitung konnte exklusiv Details veröffentlichen und das Thema über Monate in den Schlagzeilen halten. Aachener Zeitung: „Das Prestigeobjekt hat eine erhebliche Baukostenüberschreitung, die unter der Decke gehalten werden sollte. Es sollen auch, so die Recherchen, Geschäftsberichte gefälscht worden sein, um Subventionen zu erschleichen. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft dauert noch an."
  • Folgen: Diverse Entscheidungen des Aufsichtsrates, personelle Veränderungen, Reaktionen Bund der Steuerzahler, politische Reaktionen.

Zutrittsbeschränkungen für Flüchtlinge in der Freiburger Clubszene

Badische Zeitung (BZ, Freiburg)

(Quelle: Badische Zeitung, 23.1.2016)
  • Hintergrund: Die Freiburger Lokalredaktion und das Online-Portal fudder.de brachten Zutrittsbeschränkungen für Flüchtlinge in Freiburger Clubs und Diskotheken in die Öffentlichkeit. (Linksammlung der auf BZ-online erschienenen Beiträge zum Thema)
  • Folgen: Thomas Fricker, stellvertretender Chefredakteur der Badischen Zeitung: „Wenn die Stadt Freiburg zu einem Runden Tisch lädt, wenn  Diskotheken selbst Initiativen zur verbesserten Integration ergreifen, wenn Inländer und Ausländer gemeinsam um Lösungen ringen, ist schon einiges gewonnen.“ Das Thema fand auch Niederschlag in der ARD-Sendung „Misstrauen, Ängste, Verbote - Kippt die Stimmung gegen Flüchtlinge?“ von Anne Will am 31. Januar 2016.

Todesfall Jens Bleck

General-Anzeiger (Bonn)

(Quelle: General-Anzeiger, 19.10.2015)
  • Hintergrund: In der Nacht zum 9. November 2013 starb der 19-jährige Bonner Jurastudent Jens Bleck nach dem Besuch einer am Bad Honnefer Rheinufer gelegenen Diskothek. Zwei Wochen später wurde seine Leiche 50 Kilometer flussabwärts in Köln gefunden. Die Polizei ging zunächst voreilig von Suizid, dann von einem selbstverschuldeten Unfall des Opfers aus; die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen schließlich ein. Am 19. Oktober 2015 veröffentlichte der General-Anzeiger umfangreichen Recherchen ihres Chefreporters Wolfgang Kaes zu den Ereignissen jener Nacht auf einer Doppelseite. Das Ergebnis der Recherchen legt den Verdacht nahe, dass Jens Bleck Opfer eines Tötungsdelikts wurde.
  • Folgen: Die Ermittlungen der Behörden wurden anschließend offiziell wieder aufgenommen. Ferner erhielt die Zeitung eine Flut von Hinweisen aus der Leserschaft, die zu weiteren Recherchen und weiteren Veröffentlichungen führten. „Wir sind derzeit zuversichtlich, dass der Fall noch im Lauf des Jahres 2016 aufgeklärt werden könnte", vermutet die Zeitung.

Finanzielles Risiko durch Cross-Border-Leasing-Verträge

Heidenheimer Zeitung

(Quelle: Heidenheimer Zeitung, 1.5.2015)
  • Hintergrund: Eine Serie der Heidenheimer Zeitung hat aufgedeckt, wie groß das finanzielle Risiko ist, das aus den 2002/2003 abgeschlossenen Cross-Border-Leasing-Verträge der Städte Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd bis heute resultiert.
  • Folgen: 2. Platz beim Otto-Brenner-Preis

Kaufland/ Spätregenmission/ Korruptionsfall Zovko/Fischer

Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung und Kraichgau Stimme

(Quellen: Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung und Kraichgau Stimme)
  • Hintergründe: Kaufland: Kaufland-Leiharbeiter werden ausgebeutet, mit Subunternehmern wird Mindestlohn unterlaufen (von Christian Gleichauf). Spätregenmission: Kinder werden in der Sekte sexuell missbraucht, Unregelmäßigkeiten bei Spendengeldern und massive Manipulationen durch angebliche Prophezeiungen (von Reto Bosch). Korruptionsfall Zovko/Fischer: Seit 2011 berichten die Stimme-Redakteure Carsten Friese und Helmut Buchholz über lokale Korruptionsfälle. Involviert waren unter anderem ein Bauunternehmer, der Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH (ein städtisches Unternehmen), die alle großen Feste in Heilbronn organisiert, und der Chef des größten Energieversorgers in Heilbronn, die Zeag. Heilbronner Stimme: „Aufgedeckt wurde ein ganzes Netz von Geben und Nehmen, auch gegen die zum Teil erheblichen Widerstände der Betroffenen, die Druck auf das Medienunternehmen ausübten, um die Veröffentlichungen zu verhindern. Auch Mitarbeiter des Heilbronner Rathauses und Polizisten waren in den Fall verwickelt. Am Ende standen Urteile - zuletzt gegen den Zeag-Chef im Juli 2015."
  • Folgen: Kaufland: Die Firma hat zugesagt, ihr Subunternehmer genau zu prüfen. Spätregenmission: Es wurden Angebote geschaffen, wo sich Betroffene betreuen lassen können. Die Spätregenmission hat zugesagt, offener zu werden. Korruptionsfall Zovko/Fischer: Durch die Berichterstattung hat sich die Geschenkelandschaft der gesamten Region verändert. Es gibt nun eine völlig neue Sensibilität, welche Geschenke die Freundschaft erhalten und welche eher den Verdacht nähren, Einfluss auszuüben. Firmen und Rathäuser haben ihre Compliance-Richtlinien überarbeitet.

Das Petry-Interview

Mannheimer Morgen

(Quelle: morgenweb.de)

Hintergrund: Ein Scoop des Mannheimer Morgens ist das vielbeachtete Interview mit der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry, in dem Petry die Schusswaffengewalt gegen Flüchtlinge als letztes Mittel benennt. Es wurde veröffentlicht in den Ausgaben des Mannheimer Morgen am Samstag, 30. Januar 2016. Die Autorisierung des Petry-Interviews zum Nachlesen.
Folgen: Heftige politische Diskussion im In -und Ausland -  bis hin nach Australien - sowie eine ausführliche Auseinandersetzung/Debatte mit dieser Aussage auf vielen Kanälen über mehrere Tage.

Missbrauchsfall am Maristeninternat

Mindelheimer Zeitung

(Quelle: Mindelheiemr Zeitung, 2. März 2010)

Hintergrund: Die Mindelheimer Zeitung, Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen, hat einen Missbrauchsfall am Maristeninternat aufgedeckt. Der damalige Leiter der Einrichtung hatte sich an Kindern vergangen.

Folgen: Der Fall ist nur deshalb öffentlich geworden, weil die Lokalredaktion hartnäckig nachgehakt hatte.

Skandalfall „Pizzafabrik“

Nordwest-Zeitung (Oldenburg)

(Quelle: Nordwest-Zeitung, 8. Februar 2014)
  • Hintergrund: Die Nordwest-Zeitung recherchierte zu einer geplanten Ansiedlung einer Pizzafabrik in Friesland mit angeblich 300 Arbeitsplätzen. Nordwets-Zeitung: „Unsere Recherchen entlarvten Hochstapler, die es auf EU-Fördermittel abgesehen hatten und enthüllten auch weitere angebliche Großinvestitionen in Ost- und Süddeutschland." Dies wurde möglich durch Vorort-Recherchen von NWZ-Redakteuren in drei Ländern (Deutschland, Schweiz, Italien). (PDF zum Nachlesen)
  • Folgen: Der Landkreis Friesland musste einräumen, dass man Hochstaplern aufgesessen war. Die Kosten für die regionale Vorplanung (Flächennutzungspläne, Baupläne, Umweltverträglichkeitsprüfungen) müssen die Steuerzahler übernehmen. Die Redaktion wurde ausgezeichnet mit dem Preis für investigative Recherche der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Ralf-Dahrendorf-Preis.

Dubiose Machenschaften/ Fall Mollath

Nürnberger Nachrichten

(Quelle: Nürnberger Nachrichten, 23.5.2015)
(Quelle: Nürnberger Nachrichten, 7.10.2011)
  • Hintergrund: Leipzig: Der Zusammenbruch der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG) im Jahr 2007 verursachte einen Schaden von gut 360 Millionen Euro. 38.000 Anleger bundesweit haben ihr Geld verloren. Die Nürnberger Nachrichten berichteten 2015 von einem Mehrheitsaktionär aus Nürnberg, der bei dem Skandal eine zentrale Rolle spielte. Fast 100 Millionen sollen allein auf sein Konto geflossen sein. Mollath: Der Fall Mollath sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Einer der ersten Beiträge zum Thema erschien in den Nürnberger Nachrichten und enthielt bereits Fakten, die später zu einem wesentlichen Bestandteil des Wiederaufnahmeantrags der Staatsanwaltschaft wurden. (Rechercheweg zum Nachlesen)

Verkauf einer landeseigenen Kunstsammlung

Rheinische Post (Düsseldorf)

(Quelle: Rheinische Post, 30.12.2014)
  • Hintergrund: Leere Kassen, überfüllte Kunst-Lager: Der 120 Millionen Euro schwere Verkauf von zwei Warhol-Kunstwerken aus dem Bestand eines landeseigenen Casinos in NRW wäre fast zum Dammbruch geworden. Der Verkauf von Staatskunst, in Deutschland seit jeher ein Tabu, galt plötzlich als Option. Wie Recherchen eines Autorenteams der Reihnischen Post um Chefreporter Thomas Reisener noch im Dezember 2014 aufdeckten, wollte die NRW- Landesregierung auch die 400 Werke umfassende Sammlung der ehemaligen Landesbank WestLB verkaufen. Rheinische Post: „Unsere Autoren Annette Bosetti, Bertram Müller und Thomas Reisener haben der Landesregierung einen Strich durch diese Rechnung gemacht." Im ersten Schritt deckten sie mit einem Bericht vom 30. Dezember 2014 den genauen Inhalt und den Umfang der Sammlung auf, den die Landesregierung geheim halten wollte. Der Bericht löste einen bundesweiten Proteststurm gegen die Verkaufspläne aus. Am 7. Januar 2015 bestätigte der Chef der WestLB-Nachfolgerin Portigon gegenüber dem Autoren-Team die Pläne für den Verkauf. Angeblich auf Druck der EU-Kommission. Am 20. Januar 2015 wiesen die Autoren nach, dass das eine Schutzbehauptung war: Die EU-Kommission hatte mit den Verkaufsplänen gar nichts zu tun. Unter diesem Druck verwickelte die Landesregierung sich in Widersprüche und in einen Kompetenzstreit. Mit einem Bericht vom 26. Januar 2015 über das offensichtliche Entgleiten dieses wichtigen Themas riefen die Autoren der Rheinischen Post die Berliner Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, auf den Plan (Bericht vom 23. Februar 2015), die unter anderem die Vorgänge in NRW zum Anlass für schärfere Kunst-Ausfuhr-Verbote nahm. Im Juni erklärte die Landesregierung auf einer Pressekonferenz, dass die Werke nun doch in NRW bleiben sollen. Der Steuerzahler muss sie nun selbst kaufen (Leitartikel vom 23. Juni 2015).
  • Folgen: Im Ergebnis hat die investigative und kritische Berichterstattung der Rheinischen Post die Zerschlagung einer bedeutenden Kunstsammlung aus Staatsbesitz verhindert und dazu beigetragen, dass der Verkauf von Staatskunst in Deutschland ein Tabu bleibt.   

Befristete Kettenverträge/ Havariekommando/ Schummel beim Wahlkampf

Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag

(Quelle: www.shz.de)
(Quelle: www.shz.de)
(Quelle: www.shz.de)
  • Hintergründe: „Schleswig-Holstein am Sonntag“ hat am 3. Mai 2015 aufgedeckt, dass das Land befristete Kettenverträge für angestellte Lehrer ausstellt – im Extremfall bis zu 48 aufeinanderfolgende, befristete Verträge. Nach der Berichterstattung änderte das Land seine Praxis und stellte weitere Lehrer auf Planstellen ein. Außerdem: Das Havariekommando (zuständig für Schiffsbrände und Unfälle auf Nord- und Ostsee) streicht seine Standorte rigoros zusammen. Das bedeutet erheblich verlängerte Anfahrt- und Anflugzeiten an den Ort des Geschehens. Bekannt wurde es durch den Tipp eines Feuerwehrmannes an die Zeitung. Außerdem: Die CDU im Landtagswahlkreis Schleswig-Dithmarschen hat geschummelt: Ein Mandatsbewerber hat seine Kumpels via Social Media aufgefordert, kurzzeitig in die CDU einzutreten, um eine bekannte Landtagsabgeordnete aus dem Amt zu schubsen. Es gelang. Als die Zeitung den Fall aufdeckte, mussten der Bewerber und ein prominenter Kreispolitiker zurücktreten. Unter „Klö-Kux-Clan“ fand die Affäre im Internet reichlich Nachfrage.
  • Folgen: Die beiden CDU-Politiker in Schleswig-Dithmarschen traten von ihren Ämtern zurück, die Entscheidung des Havariekommandos trug Wellen nach Mecklenburg, weil die Standorte Wismar und Rostock ebenfalls betroffen waren. Das Land Schleswig-Holstein schuf zum Februar 2016 insgesamt 80 neue Lehrerstellen, um die Kettenverträge zu beenden.

 

 

NPD-Kreisvorsitzender beim VfR-Strategiegespräch

Schwäbische Post (Aalen)

(Quelle: Aalener Post, 17.8.2015)
  • Hintergrund: Bei einem Strategiegespräch des Fußball-Drittligisten VfR Aalen im Vorfeld der Saison war der Kreisvorsitzende der NPD zugegen. Er hatte im Vorfeld immer wieder Stadionverbote. Seinen Auftritt bei dem Strategiegespräch hat die Lokalzeitung aufgedeckt und öffentlich gemacht. Die Geschichte sorgte anschließend bundesweit für Schlagzeilen.
  • Folgen: Der Aufsichtsratsvorsitzende des VfR ist zurückgetreten. Der DFB hat sich des Falles angenommen und eine Aktion gegen Rechts in Aalen gemeinsam mit dem VfR ins Leben gerufen. Die Schwäbische Post, Medienpartner des VfR, stand aber auch massiv in der Kritk. Tenor: Als Sponsor darf man doch nicht negativ berichten. Schwäbische Post: „Unser Verleger und die Geschäftsführung waren aber immer der Meinung der Redaktion und haben uns den Rücken frei gehalten."

Oldtimerzentrum Car Kult

Solinger Tageblatt

(Quellen: Solinger Tageblatt)
  • Hintergrund: Die Stadt Solingen präsentierte einen Investor, der auf einem städtischen und einem Firmengrundstück ein Oldtimerzentrum (Car Kult) verwirklichen wollte. Das Solinger Tageblatt stellte die Pläne  vor. Später erhielt die Zeitung Hinweise, dass es sich bei dem Investor um einen unseriösen Hochstapler und vorbestraften Heiratsschwindler handelt. Nach ausführlicher Recherche berichtete das Solinger Tageblatt.
  • Folgen: Außer den Solinger Grünen hielten die im Rat vertretenen Parteien zunächst an dem Plan des Verkaufs an den Investor fest und verlegten sich auf die in solchen Fälle übliche Vorgehensweise, lieber den Überbringer der schlechten Nachricht zu köpfen. Im Laufe des Verfahrens und der Berichterstattung legte sich schließlich aber der Regierungspräsident quer und beanstandete den Ratsbeschluss. Der Verkauf kam aber natürlich ohnehin nicht zustande, weil der Mann gar nicht in der Lage war, den Kaufpreis zu zahlen. Ein Jahr danach hat die Zeitung die Affäre noch einmal zusammenfassend aufgearbeitet (hier zum Nachlesen).

Fall Giulia/ Villa Bolz

Stuttgarter Nachrichten

(Quelle: Stuttgarter Nachrichten, 4. 3. 2015)
(Quelle: Stuttgarter Nachrichten, 26. 8. 2015)
  • Hintergrund Entführung in den syrischen Dschihad/ Der Fall Giulia: Es ging um die Entführung einer jungen Frau aus Baden-Württemberg ins syrische Kriegsgebiet. Ihr Schweizer Ehemann, ein Dschihadist, der sich einer Kampfgruppe  angeschlossen hatte, lockte sie nach Syrien und hielt sie monatelang gegen ihren Willen in Frontnähe fest. Die Geschichte entstand in der Recherche-Kooperation der Stuttgarter Nachrichten mit dem Schweizer Fernsehen SRF.
  • Folgen: Nach übereinstimmender Beurteilung durch engste Familienangehörige und durch die Ermittler in Deutschland und der Schweiz trug die Berichterstattung wesentlich zur Freilassung der Frau bei. Außerdem deckte die Berichterstattung neue Details der Verbindungen zwischen den dschihadistischen Szenen in Baden-Württemberg und der Schweiz auf.
  • Hintergrund Schutz für ein Mahnmal/ Die Villa Bolz in Stuttgart: Es ging darum, dass das ehemalige Wohnhaus des von den Nazis ermordeten früheren württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz still und heimlich – also ohne öffentliche Diskussion über den Stellenwert des Gebäudes für die kollektive Erinnerung in der Landeshauptstadt Stuttgart – abgerissen werden sollte. Die Berichterstattung sollte Öffentlichkeit herstellen und die Erinnerung an Bolz lebendig halten.
  • Folgen: Die Berichterstattung hat verhindert, dass das Gebäude aus dem Stadtbild verschwunden ist. Die Persönlichkeit des höchsten Repräsentanten der Weimarer Republik, der den Nazis zum Opfer fiel – rückte in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit, nachdem sie lange wenig beachtet worden war. Stadtverwaltung, Landtag und Staatsministerium sahen sich in der Folge veranlasst, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann entschied am Ende zwar gegen den Kauf der Villa, der Neubau des Staatsministeriums wurde inzwischen aber nach Bolz benannt. Dort wird auch eine Dauerausstellung untergebracht, die an Bolz erinnert. Die Neugestaltung der Fassade der Villa erinnert ebenfalls an deren historische Bedeutung.

Briefwahlfälschung

Volksstimme (Magdeburg)

(Quelle: Magdeburger Volksstimme)
(Quelle: Magdeburger Volksstimme, 14.11.2014)
  • Hintergrund Briefwahlfälschung: Die Ausmaße der Briefwahlfälschung in der Hansestadt Stendal kamen 2015 ans Tageslicht. Dass es Unregelmäßigkeiten bei der Wahl im Mai 2014 gab, war durch Volksstimme-Recherchen unmittelbar im Anschluss aufgedeckt worden. Das Briefwahlbüro der Stadt hatte an Bevollmächtigte mehr als vier der erlaubten Briefwahlunterlagen herausgegeben. In einzelnen Fällen sogar mehr als 30. Dass es diesen Verwaltungsfehler gab, der dann ausgenutzt worden ist, kam erst heraus, als die Volksstimme ein exorbitant hohes Briefwahlergebnis eines einzelnen Kandidaten aufdeckte, das so nicht auf reellem Wege zustande gekommen sein konnte.    
  • Folgen: 2015 musste diese Wahl nicht nur komplett wiederholt werden – einmalig in der Geschichte Sachsen-Anhalts. Zudem wurde deutlich, dass mehr als 1.000 Stimmen gefälscht worden sind – die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Beschuldigte stehen jetzt (April 2016) kurz vor dem Abschluss. Das Innenministerium änderte daraufhin auch die Bestimmungen für Briefwahlvollmachten. Die Recherchen und Beiträge wurden mit dem 3. Platz des Wächterpreises 2015 ausgezeichnet.
  • Hintergrund Fördermittelaffäre: Dass mehrere 100 000 Euro aus EU-Fördermitteln „verschwunden“ sind, kam Ende 2013 ans Licht. Im folgenden Jahr geraten die Aufsichtsbehörden in den Fokus, das  Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) ermittelt, letztlich räumt das Verkehrsministerium des Landes Fehler ein. Die Frage, wer für den Schaden in welcher Höhe haftet – Land, Stadt oder der inzwischen insolvente Sportverein – ist bis heute ungeklärt. Oktober 2013: Es wird bekannt, dass bei der Sanierung einer Sporthalle durch einen Wolmirstedter Taekwondoverein mehrere Hunderttausend Euro aus EU-Fördermitteln „verschwunden“ sind. Der (damalige) Vereinsvorsitzende Zimmermann, zugleich Bauherr und Stadtratsvorsitzender, gerät unter Verdacht, einen Teil des Geldes in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Staatsanwalt und EU ermitteln wegen Fördermittelbetrugs. Auch der Stadt droht Schaden: Sie ist bei der Finanzierung als Bürge für einen Zwischenkredit eingesprungen, den der Taekwondoverein nicht bedienen konnte. Später rücken die Aufsichtsbehörden ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) attestiert dem Landesverwaltungsamt im August 2014,  als Aufsichtsbehörde versagt zu haben, der Vorwurf des Parteienfilzes wird laut. Das Land weist die Vorwürfe zurück, die EU verweigert jedoch die Abrechnung der Gelder. In der Affäre gerät der CDU-Landeschef Thomas Webel, früher Landrat des Bördekreises und heute (der für die Projektkontrolle zuständige) Verkehrsminister des Landes Sachsen-Anhalt, unter Druck, weil er seinen Parteifreund Zimmermann unterstützt und zu diesem Zweck intern Druck auf den Stadtrat ausgeübt haben soll.
  • Folgen: Durch die Berichterstattung wurde deutlich: Hinter dem vermeintlichen Ausnahmefall steckt ein System, aus dem Akteure, die auf verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen miteinander verflochten sind, ihren Vorteil ziehen und dabei gegen fundamentale rechtliche, ethische und demokratische Regeln verstoßen.

Lahn-Dill-Kliniken/ Sanitäter

Zeitungsgruppe Lahn-Dill

(Quelle: Zeitungsgruppe Lahn-Dill)
  • Hintergründe: Die Lahn-Dill-Kliniken sollen mit sieben Krankenhäusern in Wetterau und Vogelsberg einen Verbund unter dem Namen „Gesundheitszentrum Mittelhessen“ bilden. Doch Gutachter haben die sieben Kliniken unter die Lupe genommen und festgestellt: Sie sind unterdurchschnittlich liquide, ohne Zuschüsse des Wetteraukreises „bestandsgefährdet“. Die Zeitungsgruppe Lahn-Dill hat das Gutachten, das bislang unter Verschluss war, eingesehen und ausgewertet. Außerdem: Sanitäter haben den Transport einer lebensbedrohlich erkrankten Patientin von der Dillenburger Klinik bis zu einem wenige hundert Meter entfernten Rettungshubschrauber verweigert. Die Zeitungsgruppe Lahn-Dill berichtete über den Vorfall. Außerdem: Ein Kreisbrandinspektor hatte knapp 2000 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Lahn-Dill-Kreis Verpflegungsgeld für die Teilnahme an Schulungen vorenthalten – insgesamt 12.151 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen erst aufgrund der Berichterstattung in den Zeitungen der Zeitungsgruppe Lahn-Dill eingeleitet.
  • Folgen: Alle drei Themen haben Debatten ausgelöst. Das Rettungstragenproblem ist - selbst nach Gesprächen mit Sozialministerium - immer noch nicht gelöst. Der Klinikverbund geriet nach den Berichterstattungen bei den Kreistagsabgeordneten so in die Diskussion, dass er abgesagt wurde. Der Kreisbrandinspektor musste eine Geldbuße zahlen.