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02. September 1998 | Pressemitteilungen

Zeitungsverleger warnen vor Instrumentalisierung der Presse im Wahlkampf / Theodor-Wolff-Preise in Frankfurt verliehen

Bonn, 2. September 1998

Die deutschen Zeitungsverleger haben davor gewarnt, Journalisten als "nützliche Transporteure" im laufenden Wahlkampf zu mißbrauchen. Die Journalisten müßten den Vorurteilen und der zum Teil billigen Polemik der Parteien widerstehen, erklärte Rolf Terheyden, Ehrenmitglied im Präsidium des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Vorsitzender des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis, bei der Verleihung des renommiertesten deutschen Journalistenpreises heute in Frankfurt. Noch nie sei es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland so schwer gewesen, so Terheyden, über die tatsächlichen Inhalte der Politik zu informieren und auch Gehör zu finden wie im laufenden Wahlkampf. Zwar gehöre Polemik zur politischen Auseinandersetzung, doch gerade Journalisten müßten stets prüfen, von welchem Punkt an Polemik in Verächtlichmachung und Verletzung übergehe.

Terheyden erinnerte bei der Festveranstaltung auch an das Geiseldrama von Gladbeck vor zehn Jahren und an das damalige Fehlverhalten der Medien. Gerade die Presse habe sich damals der Verantwortung gestellt. Aus der Debatte um Gladbeck sei ein gestärkter Deutscher Presserat, das Selbstkontrollorgan der Presse, hervorgegangen. In diesem Zuammenhang unterstrich Terheyden, daß die Selbstkontrolle der Presse funktioniere.

Mit dem Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis wurden sieben Journalisten ausgezeichnet. Der frühere Chefredakteur der Zeitung "Die Welt" - Berlin, Thomas Löffelholz, erhielt den Preis für sein Lebenswerk. Löffelholz stehe für einen liberalen Journalismus ganz im Sinne von Theodor Wolff, dem einstigen Chefredakteur des "Berliner Tageblatts", so die Jury. Der mit 11.000 Mark dotierte Preis in der Kategorie essayistischer/ literarischer Journalismus ging an Sabine Riedel für ihren Beitrag "Sarajevo-Blues" (Frankfurter Rundschau). Frau Riedel beschrieb Menschenschicksale der vom Balkankrieg schwer getroffenen Stadt Sarajevo.

Die mit je 9.000 Mark dotierten Preise in der Sparte "Allgemeines" gingen an: Gerd Kröncke für seine Reportage "Der Mann, den Diana aushält" (Süddeutsche Zeitung, München), ein Beitrag der sich mit dem Thema "Paparazzi" befaßt und eine Woche vor dem Unfalltod der Prinzessin von Wales erschien; Uwe Schmitt für den Beitrag "Wer aus dem Staunen herauskommt", eine subtile Beschreibung des heutigen Japans (Frankfurter Allgemeine Zeitung); sowie Kurt Oesterle für "Die heimliche deutsche Hymne" (Schwäbisches Tagblatt, Tübingen), eine Darstellung der vielfältigen Wirkungsgeschichte des 1809 in Tübingen entstandenen Liedes "Ich hatt einen Kameraden".

Wilfried Massmann und Andreas König erhielten den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie "Lokales". Massmann wurde preisgekrönt für seine Kommentierung "Bielefeld ist nicht Schilda" (Neue Westfälische, Bielefeld), in der er humorvoll politischen Stillstand und Lähmung der Verwaltung in der Urlaubszeit beschreibt. König schildert unter dem Titel "Der gute Mensch aus der Weinbergstraße" (Havelberger Volksstimme) die Ochsentour eines westdeutschen Politikers im ostdeutschen Havelberg. An der Ausschreibung des Journalistenpreises der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis hatten sich 269 Journalisten mit 405 Artikeln beteiligt.

Der unabhängigen Jury zum Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis gehören an: Gernot Facius (stellvertretender Chefredakteur "Die Welt", Berlin), Dr. Helmut Herles (Chefredakteur, "General-Anzeiger", Bonn), Thomas Kielinger, (freier Publizist, Bonn), Herbert Kolbe (Chefredakteur "Emder Zeitung"), Ralf Lehmann (Chefredakteur "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", Essen), Herbert Riehl-Heyse (ltd. Redakteur "Süddeutsche Zeitung", München), Dr. Klaus Rost (Chefredakteur "Märkische Allgemeine", Potsdam), Jost Springensguth (Chefredakteur "Westfälische Nachrichten", Münster), Dr. Monika Zimmermann (Chefredakteurin "Westfälischer Anzeiger", Hamm).

Der Originaltext der Rede von Rolf Terheyden ist abrufbar:
Rede Rolf Terheyden

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