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10. September 1998 | Pressemitteilungen

Optimismus in der Zeitungsbranche Positive Entwicklung im Anzeigenmarkt/ Relativ stabile Auflagen/ Sondersituation in Ostdeutschland/ Warnungen an die Politik

Bonn, 10. September 1998

Die Zeitungsbranche geht mit Optimismus in das vierte Quartal 1998 sowie das kommende Jahr. Vor allem die Entwicklung des Anzeigengeschäfts sei recht zufriedenstellend, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Volker Schulze, bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes heute in Bonn. Zugleich richtete sich der BDZV mit deutlichen Worten an die Politik: Die 620-Mark-Jobs im Bereich der Zeitungszustellung dürften nicht angetastet werden; Werbeverbote und -restriktionen bezeichnete Schulze als Anschlag auf die Meinungsfreiheit und Entmündigung des Bürgers; eine auf EU-Ebene sowie vom Bundesjustizminister vorangetriebene Initiative zur Änderung des Urhebergesetzes kritisierte Schulze als "Enteignung des geistigen Eigentums der Verlage".

Dank einer verbesserten Binnenkonjunktur habe die Menge der gebuchten Anzeigen im ersten Halbjahr 1998 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent zugenommen. Vor allem Stellenanzeigen (+29,2 Prozent) und überregionale Anzeigen (+10,9 Prozent) hätten stark zugelegt. Geringere Zuwächse gab es bei den für die meisten Zeitungshäuser wichtigen lokalen Geschäftsanzeigen (+1,9 Prozent) und beim Kfz-Markt (+1,3 Prozent); die Reiseanzeigen gingen um 4,9 Prozent zurück.

Schulze hob hervor, daß es in der Zeitungsbranche nach wie vor ein erhebliches Gefälle zwischen westlichen und östlichen Bundesländern gebe. So seien die Anzeigenumfänge im Westen um 5,1 Prozent, im Osten um 3,9 Prozent gewachsen. Noch stärker seien die Unterschiede im Vertriebsbereich. So werde das Zeitungsabonnement in Ostdeutschland noch immer weit unter Preis angeboten und liege mit durchschnittlich 24 Mark bei etwa 75 Prozent des Westniveaus (32 Mark).

Auflagenentwicklung

Die Entwicklung der Zeitungsauflagen ist recht stabil. Die Auflage aller Zeitungen (Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen) lag im zweiten Quartal 1998 bei 31,6 Millionen Exemplaren. Dies sind nach Darstellung des BDZV 214.000 Exemplare (0,7 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum. Während in den westlichen Bundesländern 0,29 Prozent weniger Zeitungen als im Vorjahr verkauft wurden, gab es in Ostdeutschland einen Rückgang von 3,09 Prozent. Allerdings sei, so Schulze, die "Zeitungsdichte" in Ostdeutschland noch höher: Statistisch kämen im Osten auf jede verkaufte Zeitung vier, im Westen fünf Einwohner. Während die überregionalen Zeitungen und Sonntagszeitungen im zweiten Quartal zulegten (+1,9 bzw. +1,7 Prozent), hatten lokale/regionale Tageszeitungen und Wochenzeitungen leichte Einbußen (-1,3 bzw. -2,1). Die Kaufzeitungen bewegten sich mit einem Rückgang von 0,8 Prozent im Bundestrend. Die Gesamtauflage der Zeitungen in Deutschland (31,6 Millionen) gliedert sich wie folgt: Lokale/regionale Abonnementzeitungen (17,3 Millionen), überregionale Zeitungen (1,7 Millionen), Kaufzeitungen (6,1 Millionen), Sonntagszeitungen (4,5 Millionen), Wochenzeitungen (2 Millionen).

Umsätze 1997

Ihren Gesamtumsatz aus Anzeigen/Beilagen und Vertrieb konnten die Zeitungen in Deutschland 1997 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent von 18,2 Milliarden auf 18,68 Milliarden Mark steigern. Die Vertriebsumsätze wuchsen um vier Prozent, das Anzeigen- und Beilagengeschäft legte um 1,9 Prozent zu. Der Gesamtwerbeumsatz aller Zeitungsgattungen belief sich 1997 auf 11,6 Milliarden Mark, davon entfielen 10,9 Milliarden Mark auf die Tageszeitungen, die damit als werbeumsatzstärkste Mediengattung wieder an das Wachstum zurückliegender Jahre anknüpfen konnten. Sie verbuchten ein Umsatzplus von 1,8 Prozent, nachdem sie im Vorjahr ein Minus von 0,4 Prozent (10,7 Milliarden Mark) hinnehmen mußten. Die Wochen- und Sonntagszeitungen verbuchten 1997 ein Umsatzplus von 7,5 Prozent (472 Millionen Mark). Im Vorjahreszeitraum hatten diese Gattungen ein Minus von 2,1 Prozent. Die Zeitungs-Supplements mußten 1997 ein Minus von 14 Millionen Mark (-6,3 Prozent) verzeichnen.

Entwicklung der Kosten

Der Umsatzsteigerung in Höhe von 2,7 Prozent 1997 stand eine relativ geringe Kostensteigerung in Höhe von 0,55 Prozent gegenüber. Die deutliche Kostenentlastung war auf gesunkene Papierpreise zurückzuführen. Die größten Kostensteigerungen gab es in den Bereichen Redaktion (+3,7 Prozent) und Anzeigen (+4,2) sowie Verwaltung (+4,3). Trotz gesunkener Papierpreise entfällt der Löwenanteil an den Gesamtkosten nach wie vor auf die technische Herstellung der Zeitungen (37,4 Prozent). Zweitwichtigster Kostenblock ist unverändert die Redaktion (21,6 Prozent), gefolgt vom Vertrieb mit 19,4 Prozent.

620-Mark-Jobs nicht antasten!

Deutliche Worte richtete der BDZV an die Politik: Wer die 620-Mark-Jobs im Bereich der Zeitungszustellung antaste, zerschlage das bewährte System der Zeitungszustellung, erklärte BDZV-Hauptgeschäftsführer Volker Schulze. Die meisten der weit über 100.000 Zeitungszusteller übten diese Tätigkeit als Zweitbeschäftigung aus und seien an einer Sozialversicherungspflicht überhaupt nicht interessiert. Müßten für die Zusteller, die täglich in den frühen Morgenstunden die Leser mit der druckfrischen Zeitung versorgen, Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden, würde dies zu einem drastischen Anstieg der Lohnkosten führen. Entweder müßte der Kleinverdienst der Zusteller geschmälert werden oder die Verlage hätten für ihre Mitarbeiter hohe Versicherungsbeiträge zu tragen. Derartige Mehrkosten wären vor allem für kleinere Verlage nicht zumutbar.

Werbeverbote sind Anschläge auf die Informationsfreiheit!

Ausdrücklich begrüßte der BDZV die Entscheidung der Bundesregierung, gegen das von der EU-Kommission und dem Europäischen Parlament verabschiedete Verbot der Tabakwerbung vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen. Wer für legal hergestellte Produkte und Waren Werbeverbote verhänge, trete die Informationsfreiheit mit Füßen und entmündige die Bürger, sagte Schulze. Zudem werde die wirtschaftliche Grundlage von Unternehmen gefährdet. Längst sei ein "gefährlicher Domino-Effekt" des Tabakwerbeverbots festzustellen: So gebe es auf EU-Ebene Pläne, die Autowerbung einzuschränken, auch wenn dies in Brüssel dementiert werde. Immer stärker werde auch die Front gegen die Werbung für alkoholische Getränke. "Wenn dieser Erosionsprozeß sich fortsetzt, wird der Traum Europa zum Alptraum", so Schulze.

Enteignung der Verlage durch geplante Änderung des Urhebergesetzes!

Scharfe Kritik übte der BDZV an Plänen in Brüssel und Bonn, das Urheberrecht im Zusammenhang mit der Verbreitung sogenannter "elektronischer Pressespiegel" zu verwässern. Es sei beabsichtigt, daß die Zeitungsverlage künftig die Inhalte ihrer Druckwerke und Online-Angebote der Allgemeinheit zur weiteren unbeschränkten Verfügung und Vermarktung überlassen müßten. "Wenn dies Wirklichkeit würde, wäre es eine Enteignung der Zeitungsverlage in ihrer Kernkompetenz, nämlich den redaktionellen Inhalten", sagte der BDZV-Hauptgeschäftsführer. Mit den Gesetzesvorhaben würde ein "systematisches Ausschlachten" aller Zeitungen legitimiert. Dabei sei es das Recht der Verleger, zu entscheiden, in welchem Medium der eigene Zeitungsinhalt veröffentlicht wird. Die Argumente der Zeitungsverleger finden im übrigen ihre Unterstützung durch ein aktuelles Gutachten des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht in München. Das Gutachten wird im Auftrag des BDZV erstellt und Anfang Oktober der Öffentlichkeit präsentiert.

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