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12. Juni 2008 | Allgemeines

Internationaler Printkongress von BDZV und ZVNRW

Zeitungsverleger fordern: ARD und ZDF dürfen nicht zu Verlegern von Onlinezeitungen we

„Ob die Zeitungshäuser in Zukunft mit neuen Geschäftsfeldern, insbesondere Onlinezeitungen, Einbußen an Lesern und Werbung kompensieren können, hängt nicht nur vom journalistischen und verlegerischen Können ab, sondern auch von den medienpolitischen Rahmenbedingungen“, resümierte Clemens Bauer, Vorsitzender des Zeitungsverleger Verbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und der Geschäftsführung der Mediengruppe Rheinische Post (Düsseldorf), am 10. Juni 2008 beim Internationalen Printkongress von ZVNRW und BDZV anlässlich des medienforum.nrw in Köln.

Unzufrieden zeigte sich Bauer mit den beabsichtigten Änderungen im 12. Rundfunkstaatsvertrag. Ohne wirtschaftliche Risiken zu tragen erhielten die öffentlich-rechtlichen Sender den Status von Online-Vollanbietern und da­durch eine gleichwertige dritte Geschäftssäule. Das Internet dürfe aber nur Unterstützungsfunktion für deren Hauptaufgabe haben, die Bevölkerung mit Fernsehen und Hörfunk zu versorgen. Daraus leite sich die weitere Forde­rung ab, dass die öffentlich-rechtlichen Internetangebote dann generell un­zulässig seien, wenn sie als elektronische Presse, gleich ob sendungsbe­zogen oder nicht sendungsbezogen zu qualifizieren seien. Sollte mit elekt­ronischer Presse nur das E-Paper, also die elektronische Presse im Netz gemeint sein, würde dieser Teil der Regulierung völlig ins Leere laufen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte dann zum Verleger von Onlinezei­tungen werden.

v.l.n.r.
Lars Hinrichs, Chairman of the Executive Board, Xing AG, Hamburg,
Katharina Borchert, Geschaeftsfuehrerin, WAZ NewMedia GmbH & Co. KG,
Clemens Bauer, Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung, Mediengruppe Rheinische Post Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbh/Vorstandsvorsitzender, Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen e.V. (ZVNRW), Duesseldorf,
Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf,
Dr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender, Styria Media AG, Graz, Oesterreich,
Stefanie Luedecke, Geschaeftsfuehrerin, QUALITY CHANNEL GMBH, Hamburg,
Andreas Krautscheid, Minister fuer Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Duesseldorf,
Dr. Tonio Kroeger, Geschaeftsfuehrer/CEO, DDB Group Germany GmbH, Berlin,
Panel - Verlagsindustrie im Umbruch - trategien, Produkte, Geschaeftsmodelle, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, Rheinparkhallenv.l.n.r. Lars Hinrichs, Chairman of the Executive Board, Xing AG, Hamburg, Katharina Borchert, Geschaeftsfuehrerin, WAZ NewMedia GmbH & Co. KG, Clemens Bauer, Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung, Mediengruppe Rheinische Post Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbh/Vorstandsvorsitzender, Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen e.V. (ZVNRW), Duesseldorf, Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf, Dr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender, Styria Media AG, Graz, Oesterreich, Stefanie Luedecke, Geschaeftsfuehrerin, QUALITY CHANNEL GMBH, Hamburg, Andreas Krautscheid, Minister fuer Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Duesseldorf, Dr. Tonio Kroeger, Geschaeftsfuehrer/CEO, DDB Group Germany GmbH, Berlin, Panel - Verlagsindustrie im Umbruch - trategien, Produkte, Geschaeftsmodelle, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, RheinparkhallenErheblichen Bedenken brachte Bauer gegen die beabsichtigte Formulie­rung vor, die lokale Berichterstattung in diesen Angeboten sei nur „flächen­deckend“ unzulässig. Diese sei „löchrig wie ein Maschendrahtzaun“, da sie „flächenhaft“ angeboten werden könnten. Je stärker die öffentlich-rechtli­chen Sender ihre Sendegebiete regional und ballungsraumbezogen diffe­renzierten, desto mehr sei dieses Verbot wirkungslos. Damit würden die Sender zu wirtschaftlichen Konkurrenten der Lokalteile der Zeitungen. Da sich die Tauglichkeit der neuen Begriffe und Regelungen erst in der Praxis zeigen könne, schlug Bauer vor, in einer Überprüfungsklausel ein mit Ver­tretern von ARD, ZDF und den Verlegerverbänden besetztes Gremium ein­zurichten, dass den Ländern regelmäßig über deren Durchführung berich­tet.

Zur Beteiligung der Verlage im lokalen und regionalen Rundfunk in Nord­rhein-Westfalen stellte Bauer fest, dass der Medienwandel beim Gesetzge­ber noch nicht angekommen sei. Die Digitalisierung habe die Einstiegsbar­riere für den Marktzugang gesenkt und damit die Zahl der Akteure erhöht. Die immer noch bestehenden „Schranken der digitalen Vorzeit“ seien des­halb nicht mehr gerechtfertigt. Der ZVNRW-Vorsitzende forderte die Lan­desregierung auf, den heimischen Zeitungen Mehrheitsbeteiligungen an Rundfunkunternehmen zu ermöglichen. Dann sei es auch wirtschaftlich verantwortbar, hohe Investitionen einzugehen und lokale elektronische Me­dien neu zu entwickeln. Einer angeblich befürchteten zu großen Einfluss­nahme stehe der Rundfunkstaatsvertrag mit seinem gesetzlichen Instru­mentarium entgegen. In Nordrhein-Westfalen könnten viele anspruchsvolle Arbeitsplätze für Journalisten und Medienkaufleute neu entstehen „wenn endlich die medienrechtlichen Bremsklötze beseitigt würden“, versicherte Bauer.

v.l.n.r.
Joerg Howe, Leiter Konzernkommunikation, Arcandor AG, Essen, 
Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf,
Bernd Hilder, Chefredakteur, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 
Panel - Print-Arena - Was geht, und was geht nicht, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, Rheinparkhallenv.l.n.r. Joerg Howe, Leiter Konzernkommunikation, Arcandor AG, Essen, Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf, Bernd Hilder, Chefredakteur, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, Panel - Print-Arena - Was geht, und was geht nicht, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, RheinparkhallenZuvor hatte der nordrhein-westfälische Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Andreas Krautscheid, versichert, dass die Länder bei der anstehenden Änderung des 12. Rundfunkstaatsvertrags „sehr darauf aufpassen“ würden, keine Verzerrung im Wettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privatwirtschaftlich agierenden Medien zu erzeugen. Der Vorstandsvorsitzende der Styria Media AG (unter anderem „Die Presse“) und Präsident der IFRA, Horst Pirker, entwickelte seine Theorie von den „drei Leben“ der Zeitung. Bisher habe es sie vor allem als verkaufte Zeitung gegeben, mittlerweile existierten auch sogenannte Hybrid-Modelle (Beispiel „Die Welt“ und „Welt kompakt“), und dann gebe es auch noch die Gratiszeitung (Beispiel „The Standard“, Hongkong, gegründet 1949, gratis seit 2007). Sein Fazit: Die Tageszeitung hat auch auf Papier noch lange nicht ausgespielt!

In der anschließenden Diskussion stellte der Geschäftsführer der Agentur DDB Deutschland, Tonio Kröger, fest, dass die Entscheidungen der Verlagsbranche im Moment „eher taktisch, nicht strategisch und nicht offensiv“ motiviert seien. Aus seiner Sicht gehe es nicht um ein Verlängern der Wertschöpfungskette rund um die Frage, wie der Status quo bewahrt werden solle, sondern „um einen mutigen Schritt nach vorne, um Contentlieferer für alle zu werden“. Lars Hinrichs, Vorstandsvorsitzender des Community-Portals XING, hielt es für nicht erstaunlich, dass digitale Innovationen derzeit vor allem außerhalb der Verlage entstehen und dazu gekauft werden müssen. Es sei einfacher, etwas Neues zu erfinden, „wenn man auf der grünen Wiese ist und nicht den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“, erläuterte er. Eine solche grüne Wiese mit „allen Freiheiten und ein bisschen Geld zum herumexperimentieren“ wünschte sich die Chefredakteurin von derWesten.de (Essen), Katharina Borchert, für die Verlage. Und Stefanie Lüdecke, Geschäftsführerin des Onlinevermarkters Quality-Channel, empfahl, nach dem „redaktionell getriebenen“, einzigartigen Content für die Onlineauftritte der Zeitungen im Internet zu streben. Einfach Nachrichten abbilden könnten alle, das Besondere und Einzigartige ziehe aber auch das besondere und hochwertige Publikum an.

v.l.n.r.
Sven Goessmann, Chefredakteur, Rheinische Post, Duesseldorf,
Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf,
Jochen Wegner, Chefredakteur, Focus online, Muenchen,
Panel - Print-Arena - Dinosaurier oder Zukunftsmedium, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, Rheinparkhallenv.l.n.r. Sven Goessmann, Chefredakteur, Rheinische Post, Duesseldorf, Werner Lauff, Unternehmensberater/Publizist, Duesseldorf, Jochen Wegner, Chefredakteur, Focus online, Muenchen, Panel - Print-Arena - Dinosaurier oder Zukunftsmedium, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, RheinparkhallenIn zwei kurzen Streitgesprächen ging es danach um die Frage, „was geht – und was geht nicht“ im Widerstreit von Presse und PR. Jörg Howe, Leiter Unternehmenskommunikation Arcandor, behauptete, schon froh zu sein, wenn die regionale Presse über Wirtschaftsthemen berichte. Der Raum sei zugunsten von Boulevardthemen und Lifestyle-Berichten geschrumpft. Das sah Bernd Hilder, Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“ und Mitglied des Deutschen Presserats, naturgemäß ganz anders. „Wer berichtet mehr über regionale Wirtschaft als gerade die regionalen Zeitungen?“, fragte er. Seine Anforderung an einen guten Wirtschaftsredakteur: Er muss hinter der Region stehen und darf sich nicht instrumentalisieren lassen.

Dr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender, Styria Media AG, Graz, Oesterreich,
Panel - Verlagsindustrie im Umbruch - Strategien, Produkte, Geschaeftsmodelle - Programmtrends fuer die konvergente Zukunft, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, RheinparkhallenDr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender, Styria Media AG, Graz, Oesterreich, Panel - Verlagsindustrie im Umbruch - Strategien, Produkte, Geschaeftsmodelle - Programmtrends fuer die konvergente Zukunft, 20. medienforum.nrw, 09.-11- Juni 2008, Koelnmesse, Rheinparkhallen„Es gibt keine Branche wie unsere, die sich so selbst kasteit“, beschied Sven Gösmann, Chefredakteur der „Rheinischen Post“ (Düsseldorf), im zweiten Streitgespräch die Frage, ob Zeitungen „Dinosaurier oder Zukunftsmedium“ seien. Gösmann ließ das Beispiel aus den USA - mit erschreckend niedrigen Reichweiten insbesondere bei jungen Lesern – nicht gelten. „Wir müssen ja nicht alle Fehler der USA nochmal machen. Meines Erachtens haben die Zeitungen dort an Qualität gespart, als es schwieriger wurde.“ Eine große Zeitung wie die „Sacramento Bee“ bringe heute keine Außenpolitik, keine Kultur mehr, nur noch „Homeland“ und Service. „Natürlich geht damit ein Verlust der Glaubwürdigkeit einher“, so der Chefredakteur. Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus online, hingegen zeigte sich überzeugt, dass die Zeiten, an denen „einmal am Tag ein Ausdruck der redaktionellen Leistung erzeugt wird“, vorbei seien. Die Leute wollten heute „Magazinjournalismus im Minutentakt“. Moderiert wurde der gesamte Printkongress beim 20. medienforum.nrw von Werner Lauff. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von „BDZV Intern“.

Rede von Clemens Bauer beim Internationalen Printkongress/ Medienforum NRW am 10. Juni 2008 in Köln

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