Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

13. Januar 2019 | Pressemitteilungen

Aussichten 2019 - Neujahrsgruß von BDZV-Präsident Dr. Mathias Döpfner

BDZV-Präsident Dr. Mathias Döpfner hat am 13. Januar in seinem Neujahrsgruß an die Verleger, Herausgeber und Geschäftsführer der BDZV-Mitgliedsunternehmen die politische Agenda für das Jahr 2019 beschrieben. Wir dokumentieren das Schreiben im Folgenden.

Dr_Mathias_Doepfner_Andreas_H_Bitesnich_2013_0391_35cm@300dpi.jpgDas vergangene Jahr wird für unsere Branche als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem der Hochstapler Claas Relotius aufgeflogen ist. Er schrieb im SPIEGEL, davor aber auch in vielen anderen Zeitschriften und in Zeitungen. Eine Zäsur für uns alle. Die üblichen Appelle, „noch journalistischer, noch strenger, noch aufrechter“ – sie reichen nicht mehr aus. Denn Relotius ist ein Produkt unserer Branche. Er hat die Anleitung für Journalismus, mit dem man spielend Preise gewinnt, gelehrt, vorgelebt bekommen. Und dann eine Geschichte nach der anderen exakt nach Vorgaben fabriziert: Der richtige „Sound“, das richtige „Thema“ und, am wichtigsten, die „richtige Haltung“.

Seine Taten sind von vielen Medien erstaunlich zurückhaltend aufgeklärt worden. Wir aber müssen das System hinterfragen, das ihn möglich machte und zum Vorbild für noch jüngere Kollegen werden ließ. Eine Welt, in der Klang und der Rhythmus einer Geschichte wichtiger sind als ihr Inhalt. Eine Welt, in der Recherche nachrangig ist, solange sich das Ergebnis liest wie eine Kurzgeschichte. Und eine Welt, die dieses Ergebnis dann auszeichnet.

Wie können Journalisten Medien und Politik kontrollieren, wenn es ihnen im eigenen Haus, in der eigenen Branche nicht gelingt? Schreiben, was ist. Zu diesen drei Worten müssen wir alle zurück. Es wird eine Lektion in Demut. Und ein langer Weg. Wir müssen ablegen, was die Branche lähmt: Selbstzufriedenheit, Besserwisserei, Nachgiebigkeit mit politisch Gleichgesinnten, unfaire Kritik gegenüber jenen, die anders denken als man selbst; Auszeichnungen, wenn überhaupt, dann für echte Rechercheleistungen. Nicht für schön gedrechselte Sätze, deren Wahrheitsgehalt zweifelhaft ist.

Dies tritt nun neben die großen Aufgaben, vor denen wir als Branche und Verband ohnehin schon stehen. Wirtschaftlich ist die Lage herausfordernd wie nie. Damit wird 2019 zu einem medienpolitischen Schicksalsjahr. Wir wollen und müssen an unsere Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen. Die Einigung mit den Öffentlich-Rechtlichen war ein Meilenstein. Und nach zähem Ringen konnten wir zum Beispiel wichtige Fortschritte beim Verlegerrecht sowie bei der Mehrwertsteuer auf digitale Presseerzeugnisse erzielen.

Drei Ziele sind im kommenden Jahr besonders wichtig für uns:

Allen voran die Sicherung der Zeitungszustellung. Wir liefern Journalismus bis nach Hause. Seit Jahren auch digital, inzwischen vor allem auf mobile Endgeräte, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Gleichzeitig möchte ein erheblicher Teil unserer Leser auch im Jahr 2019 die gedruckte Zeitung lesen, sich in Texte und Bilder auf Papier vertiefen. Wer glaubt, dieses Erlebnis ließe sich durch Smartphones und andere Endgeräte für jeden der heutigen Leser 1:1 ersetzen, unterliegt einer Digitalisierungsillusion. Vielmehr werden viele Leser auf die Tagespresse oft ganz verzichten, wenn diese nicht mehr wie gewohnt morgens früh als gedrucktes Exemplar im Briefkasten landet. Sie werden damit auch auf einen wesentlichen Teil demokratischer Teilhabe verzichten. Weiße Flecken auf der Deutschlandkarte dürfen wir nicht zulassen. Das Zustellnetz der deutschen Tageszeitungen ist ein nicht zu unterschätzender Demokratieverstärker. Es ist eine wertvolle Infrastruktur. Und es ist in existenzieller Gefahr. Denn die über Jahrzehnte bewährte Zustellung in jeden Haushalt ist gerade auch aufgrund staatlicher Entscheidungen nicht mehr wirtschaftlich aus den Erlösen der Verlage finanzierbar. Die Sicherung der Zeitungszustellung wird in der Verbandsarbeit deshalb der entscheidende Kraftakt 2019. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen, und das werden wir tun.

Darüber hinaus benötigen wir einen robusten Schutz unserer digitalen journalistischen Produkte. Gedruckt und digital werden Zeitungen, wem sage ich das, mit ungeheurem, ja scheinbar unvernünftigem Aufwand hergestellt. Noch sind die gedruckten Ausgaben der sichere Pfeiler unseres Nachrichtengeschäfts. Wer allerdings glaubt, dass die gedruckte Zeitung unsere digitalen journalistischen Inhalte auf längere Sicht wird querfinanzieren können, unterliegt einer Analogillusion. Wir wissen: Unsere Zukunft liegt im Digitalen. Ich bin fest davon überzeugt, dass rein journalistische Produkte in der digitalen Welt einen Boom erleben werden. Zwei Voraussetzungen sind dafür jedoch unerlässlich: Zum einen müssen die Menschen für diese digitalen Inhalte zahlen – dazu sind sie jüngsten Studien zufolge zunehmend bereit. Zum anderen müssen diese digitalen journalistischen Produkte gegen Ausbeutung durch kommerzielle Unternehmen geschützt werden – darum geht es beim Urheber- und Verlegerrecht, um das auch im Jahr 2019 intensiv gestritten werden wird. Das wird der zweite Schwerpunkt der Arbeit des BDZV im vor uns liegenden Jahr sein. Denn das Presseverlegerrecht ist Motor für Innovationen im digitalen Journalismus.

Und wir möchten – Aufgabe Nummer drei – künftig auch den vielen digitalen journalistischen Unternehmungen mehr noch und sichtbarer als bisher eine Plattform bieten. Das gilt für die journalistischen Produkte unserer Mitglieder genauso wie für journalistische Digitalunternehmen, die keinem Zeitungsverlag angehören. Denn wir alle verfolgen die gleichen Ziele. Wir möchten intelligente neue Geschäftsmodelle für journalistische Produkte entwickeln, mit Daten dabei weiterhin verantwortlich umgehen und gleichzeitig die medienpolitische Grundlage für den Erfolg unserer Produkte schaffen. 

Zusammengefasst heißt das: Als Branche müssen wir uns auf unsere Kernaufgaben zurückbesinnen. Und uns die Glaubwürdigkeit wieder verdienen, die in den vergangenen Wochen verloren gegangen ist. Denn nur so können wir die Populisten und Feinde der Pressefreiheit in ihre Schranken weisen. Das ist unsere Verantwortung. Doch wir lassen uns auch nach dem Fall Relotius nicht als „Lügenpresse“ verunglimpfen. Wir fordern weiterhin beharrlich den physischen und ideellen Schutz unserer Journalisten von Politik und Rechtsstaat ein. Und wir kämpfen auch künftig für faire Rahmenbedingungen. Denn wir machen Journalismus möglich, wir machen Presse, privatwirtschaftlich verfasst, politisch relevant und professionell. Das ist der Markenkern unserer Branche und unseres Verbands auch in der digitalen Welt. Das ist unsere große Chance, das ist unsere Aufgabe.  

Auf ein erfolgreiches Jahr 2019!

Herzliche Grüße

Mathias Döpfner

zurück