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28. Mai 1999 | Pressemitteilungen

630-Mark-Gesetz: Vertriebsexperten warnen vor Kollaps bei Zeitungszustellung

Bonn, 28. Mai 1999

Die Vertriebsleiter der deutschen Zeitungen haben eindringlich an die Bundesregierung appelliert, das 630-Mark-Gesetz unverzüglich zu ändern. Andernfalls drohe ein Zusammenbruch der Zeitungszustellung, erklärten die Vertriebsleiter bei einer Krisensitzung in Darmstadt. Die Zahl der Kündigungen von Zustellern, die nicht mehr bereit seien, unter der neuen Abgabenlast Zeitungen auszutragen, steige täglich weiter. Nur mit einem extremen Einsatz und zum Teil sogar logistischen Notprogrammen könnten die Verlage die Zeitungszustellung aufrecht erhalten. Deshalb sei es ein "böser Zynismus", wenn verantwortliche Politiker und Gewerkschaftsvertreter behaupteten, die Zustellung funktioniere auch unter dem neuen Gesetz einwandfrei. "Wir leben mit Provisorien, die ganz schnell beseitigt werden müssen, indem das Gesetz endlich geändert wird", erklärte der Vorsitzende des Vertriebsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Rudi Frank.

Mit großer Sorge sehen die Vertriebsleiter den bevorstehenden Sommermonaten entgegen, die wegen der Urlaubszeiten grundsätzlich von personellen Engpässen bei der Zustellung geprägt sind. Statt die Grenzen der Belastbarkeit von Verlagen und Zustellern weiter zu testen, sollte der Bundesarbeitsminister jetzt endlich handeln, so die Vertriebsleiter. Die in den vergangenen Tagen in Teilen der Regierungskoalition diskutierte Vorstellung, Beschäftigungen bis zu 30 Stunden monatlich nicht unter die Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zu stellen, lehnten die Vertriebsleiter als völlig unzureichend ab. Jeder Zusteller sei durchschnittlich zwei Stunden täglich unterwegs, deshalb müßten 50 Stunden monatlich von den Abgaben freigestellt werden. Als "völlig realitätsfern" bezeichneten die Vertriebsexperten Vorstellungen, nach denen die zweistündige Zustelltätigkeit durch Vergrößerung der Zustellbezirke in Teilzeitjobs umgewandelt werden könnte. Der Abonnent erwarte seine Zeitung spätestens zum Frühstück und nicht erst gegen Mittag oder am Nachmittag.

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