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Rede von BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich des Empfangs zum 80. Geburtstag von Professor Alfred Neven DuMont am 23. April 2007 in Berlin

Lieber Herr Prof. Neven DuMont, es freut uns, dass Ihre langjährige Arbeit an der Spitze unseres Verbandes uns diese Gelegenheit gibt, Ihren 80. Geburtstag zu feiern und damit auch Ihr bisheriges Lebenswerk zu würdi­gen. Dies ist allerdings alles andere als eine Pflichtübung, zu der uns der Kalender nötigt. Denn auch ohne ein Verbandsamt würde es uns, den deutschen Verlegern, gut anstehen, Sie als eine, ja vielleicht als die profi­lierteste Verlegerpersönlichkeit dieser Zeit zu ehren und Ihren Weg noch ein Stück deutlicher in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Sie sind Ihren Wurzeln als Journalist immer treu geblieben Die Aufbaujahre beim „Kölner Stadt-Anzeiger“, die Neugründung des „Express“ waren wohl die entscheidenden Bewährungen. Sie haben damit anderen und sich selbst bewiesen, dass Sie zu bedeutenden publizistischen und verlagswirt­schaftlichen Erfolgen fähig sind.

Ihre journalistische Herkunft zeigt sich auch darin, dass Sie Ihre Meinung sagen, offen und öffentlich. Ob es um grundsätzliche Fragen der gesell­schaftlichen Entwicklung geht, um die vermeintlichen oder tatsächlichen Niederungen der Kölner Kommunalpolitik oder um aktuelle medienpoliti­sche - und verbandspolitische - Weichenstellungen. Sie mischen sich ein, wenn es Ihnen nötig oder wünschenswert erscheint. Sie tun dies im Be­wusstsein der Autorität, die Sie beanspruchen können und die Sie beans­pruchen. Sie tun dies, ohne dabei darauf zu schielen, wem Ihre Position schmeicheln mag, und Sie ärgern sich, nicht wenn Sie Widerspruch erhal­ten, sondern wenn Ihre Mahnung ohne Folgen bliebe. Dies ist allerdings in der Regel nicht zu erwarten. Ihre Aktennotizen sind in Ihrem Haus legen­där. Und die prägende Kraft des Herausgebers hat Ihr langjähriger Mitar­beiter Reinhard Munkes so beschrieben, dass Sie - ich zitiere - „sich in Ih­rer Meinungsbildung der Redaktion gelegentlich einen Schritt vorauseilen sähen“.

Auf der anderen Seite ist der Journalist Alfred Neven DuMont Unternehmer im großen Stil. Seine Verlagsgruppe zählt zu den großen und zu den ex­pansiven Zeitungshäusern in unserem Land. Journalistische Leistungskraft endet dort, wo die Finanzkraft fehlt. Dafür zu sorgen, dass die Zeitungstitel des Unternehmens wirtschaftlich gesund sind und gesund bleiben, ist unabdingbare Voraussetzung für Unabhängigkeit und Qualität der Redak­tionen. Beide Seiten des verlegerischen Berufes beherrschen Sie, Herr Prof. Neven DuMont, den Journalisten und Publizisten wie den Kaufmann. Und damit stehen Sie für die positive, beides umfassende Ausprägung des Verlegerbildes in einer von dramatischen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen herausgeforderten Zeitungswelt.

Diese Verlegerqualitäten und darüber hinaus Ihr Gestaltungswille und die Bereitschaft, sich immer auch über das eigene Haus hinaus zu engagieren, haben Sie zwangsläufig in unseren Verband und an dessen Spitze geführt. 1970 wurden Sie in das Präsidium des BDZV gewählt, kurz nachdem die Kollegen in NRW Sie an die Spitze des Landesverbandes berufen hatten. Ein später Blick in die Satzung zeigte, dass diese beiden Ämter nicht zur gleichen Zeit ausgeübt werden dürfen. Sie entschieden sich für den Bun­desverband, rechtzeitig, um in einer der wichtigsten medienpolitischen Dis­kussionen der bundesrepublikanischen Geschichte größten Schaden von den Zeitungen abwenden zu können. Die Bestrebungen zur Beschneidung der inneren Organisationsfreiheit der Zeitungsverlage durch ein Presse­rechtsrahmengesetz oder später durch einen von Teilen der sozialliberalen Koalition geforderten Tarifvertrag setzten die Unabhängigkeit und Hand­lungsfähigkeit der deutschen Zeitungshäuser aufs Spiel. Gemeinsam mit Rudolf Augstein als dem Vertreter der Zeitschriftenkollegen haben Sie unermüdlich Überzeugungsarbeit für die notwendige Freiheit der Presse geleistet und schließlich Verständnis für unsere Grundposition gefunden. Das war das Ende des Entwurfes eines Presserechtsrahmengesetzes.

Von 1980 bis 1984 standen Sie dem BDZV als Präsident vor. Zwei The­men, die den Verband damals beschäftigten, begleiten uns bis zum heuti­gen Tag. Zum einen ging es um das Aufkommen neuer elektronischer Me­dienangebote, und dabei medienpolitisch vor allem um das Kräfteverhältnis privater Anbieter, so auch der Zeitungen, zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Zum anderen begründete der BDZV unter Ihrer Füh­rung das Projekt „Zeitung in der Schule“, das sich nach einem Pilotlauf in Düren bundesweit etablierte und über die Jahrzehnte hinweg in immer neuen Ausprägungen zu einer bildungspolitischen Erfolgsgeschichte entwi­ckelte.

Im Mittelpunkt Ihres Schaffens, sehr geehrter Herr Prof. Neven DuMont, stehen seit nun mehr als 50 Jahren Tageszeitungen. Bei allem Wachstum des Unternehmens ist M. DuMont Schauberg ein ganz ausgesprochenes Zeitungshaus geblieben. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ als eine der führen­den deutschen Regionalzeitungen, der „Express“ als fast die einzige erfolg­reiche Zeitungsneugründung des letzten halben Jahrhunderts. Ein großer Schritt führte Sie dann nach Halle. Sie waren unter den ersten, die nach dem Fall der Mauer in der zerfallenden DDR antraten, und Sie identifizieren sich persönlich bis zum heutigen Tage mit der „Mitteldeutschen Zeitung“, wie kein anderer westdeutscher Verleger dies in den neuen Bundesländern tut.

1999 kam die „Kölnische Rundschau“, meine „Kölnische Rundschau“, in den Verlag M. DuMont Schauberg, zum wirtschaftlichen Vorteil für die Köl­ner Zeitungen und zum Erhalt von journalistischem Wettbewerb. Dabei war es für Sie ein Novum, dass gerade die Abstinenz von publizistischem Ein­fluss wesentliche Geschäftsgrundlage war und sein musste.

Und gerade in den letzten 12 Monaten hat Ihr Haus zwei weitere wichtige Zeitungsengagements besiegelt. Mit der „Frankfurter Rundschau“ steigt MDS in den Markt der überregionalen Qualitätszeitungen ein. In wenigen Wochen werden Sie das Blatt mit einem völlig neuen Konzept dem Markt vorstellen.

Fast noch faszinierender aber ist Ihre Beteiligung an einem der anerkann­testen israelischen Zeitungshäuser, an der Haaretz-Gruppe. Im Jahre 2006 war es M. DuMont Schauberg, also ein deutscher Verlag, der von Verleger Amos Schocken als Partner für den weiteren Ausbau seines Unternehmens gewählt wurde. Ihr lebenslanges Interesse an der Aussöhnung mit Israel und an der Schaffung der Voraussetzungen für dauerhaften Frieden, Herr Prof. Neven DuMont, hat damit wohl seinen schönsten Lohn erhalten.

Wir würden Alfred Neven DuMont nicht gerecht, wenn wir nicht Stellung bezögen zu einigen drängenden medienpolitischen Fragen. Die Sache un­serer Presse ist auch die Sache unserer Freiheit. Deutschland gehört ohne jeden Zweifel zu den erschreckend wenigen Ländern der Erde, in denen die Pressefreiheit gewährleistet ist. Dabei spielt es auch keine entscheidende Rolle, ob wir in einem internationalen Ranking einmal auf Rang fünf oder einmal auf Rang 20 auftreten. Manchem von Ihnen mag es gelegentlich auch übertrieben erscheinen, wenn der eine oder andere Vorfall als mögli­che Einschränkung der Pressefreiheit diskutiert und teils scharf kritisiert wird.

Doch bitte verwechseln Sie mahnende Stimmen, die auf längerfristige Trends und Gefahren hinweisen, nicht mit gelegentlichen übertrieben hys­terischen Aufschreien. Wir warnen mit großem Ernst vor einer um sich greifenden Gedankenlosigkeit in Teilen der Politik und mehr noch in vielen Behörden, wenn es darum geht, die Strafverfolgungsinteressen des Staa­tes und den Bestand der Pressefreiheit gegeneinander abzuwägen. Die Presse fordert keine sachfremden Privilegien und schon gar keine rechts­freien Räume, sondern verlässliche Rahmenbedingungen im Kern Ihrer Ar­beit. Und wenn es eine Kernaufgabe unserer Redaktionen gibt, dann ist es die Kontrolle der Arbeit staatlicher wie nichtstaatlicher Institutionen und, wenn es dazu kommt, die Aufdeckung eventuellen Fehlverhaltens. Wer das Vertrauen unserer Informanten in die Verschwiegenheit unserer Mitarbeiter gefährdet, zerstört unsere Arbeitsgrundlage. Deshalb werden wir hier auch bei vermeintlich unbedeutenden Angriffen auf den Schutz der Pressefreiheit vehement für unsere Sache eintreten.

Die wichtigste betriebswirtschaftliche Herausforderung der nächsten Jahre liegt für unsere Zeitungshäuser in der Ausrichtung auf eine moderne, zu­nehmend von elektronischen Verbreitungswegen geprägte Medienwelt. Es gilt, Qualitätsjournalismus auf einer zunehmenden Zahl von Kanälen zu un­seren Lesern zu bringen, professionelle Standards aufrecht zu erhalten, aber zugleich ein immer höheres Tempo mitzugehen. Unsere Verlage stel­len sich darauf ein und werden ihre elektronischen Angebote zügig weiter ausbauen. In unserer mittelständisch geprägten Branche geschieht dies vielfach in Kooperation mehrerer, oft benachbarter Verlagshäuser. Hierbei dürfen uns nach unserer Überzeugung keine überzogenen wettbewerbs­rechtlichen Schranken behindern. Es muss angesichts dramatischer struk­tureller Veränderungen möglich sein, durch sinnvolle Kooperationen, aber auch durch Fusionen zu angemessenen und leistungsfähigen Betriebsgrö­ßen zu kommen. Politik und Verlagsbranche sehe ich gleichermaßen ge­fordert, ohne voreilige Festlegungen eine sachgerechte und vielfaltssi­chernde Fortentwicklung des Pressefusionsrechts zu diskutieren, lieber gründlich und ohne zu großen Zeitdruck, aber mit dem Ziel substantieller und langfristig befriedigender Ergebnisse.

Berlin, 23. April 2007