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Zum Karikaturenstreit

Die Abbildung des Propheten Mohammed in zwölf Karikaturen durch die dänische Zeitung "Jyllands Posten" hat - mit einiger Verzögerung - eine Auseinandersetzung rund um den Erdball ausgelöst, was Pressefreiheit bedeutet, wo das Stilmittel der Karikatur an die Grenzen geht, welchen Wert religiöse Überzeugungen für den Einzelnen haben - und wie sich diese Überzeugungen und Werte im vorgeblichen Kampf der Kulturen von jeweils interessierter Seite instrumentalisieren lassen.

So hat der Deutsche Presserat am 10. Februar 2006 den Vorschlag zur Ausarbeitung eines Europäischen Pressekodex zurückgewiesen. In einem Interview mit der englischen Zeitung "Daily Telegraph" hatte der EU-Innen- und Rechtskommissar Franco Frattini einen solchen Verhaltenskodex angeregt, mit dessen Hilfe religiöse Gefühle besser geschützt werden sollten.

Im Zusammenhang mit dem Karikaturenstreit sei es wichtig, über die Verantwortung der Presse, aber auch über die Pressefreiheit zu reden", hieß es dazu beim Selbstkontrollgremium der deutschen Presse. Der Presserat verfüge über einen Kodex, in dem es auch eine Regelung zum Umgang mit religiösen Gefühlen gebe: Ziffer 10 des Pressekodex regelt, dass "Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren" sind.

Im Übrigen existieren, auch darauf wies der Deutsche Presserat hin, europaweit vergleichbare Einrichtungen der Selbstregulierung mit entsprechenden Verhaltenskodizes.

 

"Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten."

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Artikel 19

 

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 5

 

***

 

"Wir bedauern die iranischen Reaktionen auf diese Karikatur, wir bedauern ihre Auswirkungen, hier und anderswo. Wir können sie uns nur mit mangelnder Vertrautheit mit der innenpolitischen Debatte in Deutschland erklären. Selbstverständlich wollten weder Klaus Stuttmann noch der Tagesspiegel die Integrität der iranischen Fußballer in Frage stellen. Wie kämen wir dazu? Schon aus der Tradition dieser Zeitung heraus, schon wegen der Tatsache, dass der Tagesspiegel seit 60 Jahren für Frieden und Verständigung eintritt, ist eine Unterstellung abwegig, wir hätten anderes gewollt."

"Der Tagesspiegel", Berlin

 

"Ich kritisiere in meinen Zeichnungen beispielsweise die Politik von Hamas, aber nicht den Religionsgründer Mohammed, der hat damit nichts zu tun. Wenn ich eine Karikatur gegen christliche Fundamentalisten in den USA machen würde, würde ich auch nicht Jesus mit Weiß-ich-was zeichnen. ... Man darf karikieren, was anderen heilig ist. Sonst könnte ich gar nichts mehr zeichnen. Irgendetwas ist irgendjemandem immer heilig. Und im Zeitalter der Globalisierung wird es immer schwerer. Vor ein paar Jahren hatte ich es im Gefühl, wem man was zumuten kann. Jetzt geht eine Zeichnung im Nu über den Erdball, und die Kulturen haben ganz andere Humorauffassungen. Das wird wirklich kompliziert."

Klaus Stuttmann, Karikaturist Tagesspiegel, Leipziger Volkszeitung

 

Aus "Der Tagesspiegel", Berlin

Karikaturisten erklären Solidarität

Mit Bestürzung haben wir von den einschüchternden E-Mails und Anrufen, ja sogar Morddrohungen erfahren, denen sich Ihr Zeichner Klaus Stuttmann aufgrund seiner Karikatur vom letzten Freitag ausgesetzt sieht und die allem Anschein nach dem Protestaufruf eines iranischen Sportmagazins folgen.

Im Fall des gegenwärtigen Streites um, Mohammed-Karikaturen galt schon, dass Reaktionen, die zu Gewalt auffordern oder sich ihrer bedienen, absolut intolerabel waren; hier aber gingen die Drohbriefschreiber noch einen Schrittweiter, denn die betreffende Zeichnung hat keine religiöse, sondern eine sehr weltliche, dazu rein innenpolitische Zielrichtung und operiert mit der Ironie, ein Szenario darzustellen, das eben gerade nicht der Realität entspricht. Diese Ironie wurde entweder nicht verstanden oder aber bewusst übersehen und fehlinterpretiert, um als Trittbrettfahrer des Karikaturenstreits die Stimmung weiter anheizen zu können. Und selbst wenn die Zeichnung missverständlich wäre: Dürfen wir von nun an - nach dem Propheten - auch die iranische Fußballnationalmannschaft nicht mehr karikieren, ohne um unsere Sicherheit fürchten zu müssen?

Gerade aber dies zeigt, auf welch gefährlichem Weg wir uns befinden, wenn wir hinnehmen, dass die Tabuzonen der Satire und Meinungsäußerung je nach politischem Kalkül und Interesse (denn um nichts anderes handelt es sich dabei) willkürlich immer stärker ausgeweitet werden. Als Karikaturisten haben wir die Aufgabe, alle Probleme und Konflikte, die die Öffentlichkeit und somit auch uns bewegen, zu kommentieren, seien sie politischer, gesellschaftlicher oder auch kultureller Art. Und wir bedienen uns dabei jener Mittel, die eine Karikatur per Definition erst zur Karikatur machen: nämlich der Kritik, Polemik, Übertreibung und Ironie. Würden wir durch den Druck von außen oder auch durch die eigene ihm vorauseilende Selbstzensur ständig wachsende Zugeständnisse bei der Wahl der Themen oder der Mittel machen müssen, so wären wir, so wäre das Medium Karikatur bald am Ende. Umso mehr und einhelliger begrüßen wir es, wie deutlich und offensiv Sie Ihrem Zeichner den Rücken stärken, denn Sie verteidigen damit auch unser Recht, frei und unzensiert zu arbeiten. Wir alle sind darauf angewiesen, dass die Redaktionen unserer Zeitungen sich in einem ähnlichen Fall ebenso verhielten. Klaus Stuttmann ist einer der erfahrensten und besten Karikaturisten Deutschlands, und er verteilt seine Kritik ohne ideologische Beschränktheit auf alle, die es verdient haben: Er hat die Kirche ebenso kritisiert wie die politischen Parteien, er hat Karikaturen ebenso gegen islamistischen Terror gezeichnet wie gegen den Krieg im Irak, und er wird auch in Zukunft hoffentlich die Möglichkeit und geistige Freiheit haben, sich beispielsweise mit dem iranischen Atomprogramm auseinander zu setzen, wenn es ihm geraten scheint. Klaus Stuttmann verdient und erhält unsere, seiner Kollegen, Solidarität.

Es unterzeichnen

Gerd Bauer, Harm Bengen, Gabor Benedek, Peter Butschkow, Thomas Richter Eigenhufe, Klaus Espermüller, Ulf Graupner, Greser + Lenz, Burkhard Pritsche, Pepsch Gottscheber, Utz Peter Greis, Horst Haitzinger, Walter Hanel, Dieter Hanitzsch, Barbara Henniger, Wolfgang Horsch, Tom Körner (Tom), Erik Liebermann, Eckart Löser, Rolf Henn (Luff), Dirk Meissner, Gerhard Mester, Til Mette, Burkhard Mohr, Ioan Cozacu (Nel), Andreas Nicolai, Thomas Plaßmann, Ari Plikat, Marlene Pohle, Andre Poloczek, Bernhard Prinz, Albert Radl, Tassilo Rau, Peter Rüge, Stephan Rürup, Andreas Rulle, Heiko Sakurai, Diana Sasse, Gerhard Schlegel, Karlheinz Schönfeld, Reiner Schwalme, Berndt A. Skott, Peter Thulke, Jan Tomaschoff, Jürgen Tomicek, Ernst Volland, Goetz Wiedenroth, Freimut Wössner, Yavou

 

***

 

Zahlreiche Politiker, Journalisten und Karikaturisten haben sich in den vergangenen Tagen zu Wort gemeldet. Der BDZV dokumentiert hier eine Auswahl:

 

Der Weltverband der Zeitungen (WAN) und das Weltforum der Chefredakteure (WEF) haben am 20. Februar gegen die Woge der Unterdrückung protestiert, die Redakteuren und anderen Journalisten in arabischen und muslimischen Staaten entgegenschlug, weil sie im aktuellen Karikaturenstreit Karikaturen mit der Darstellung Mohammeds veröffentlichten. In Schreiben an die Regierungen von Algerien, Jemen, Malaysia und Jordanien sowie Russland forderten die Organisationen die Freilassung inhaftierter Journalisten und die Freigabe der verbotenen Zeitungen und Zeitschriften. Die Originalpressemitteilung finden Sie nachstehend:

World's Press Protest Arrests, Closures Over Mohamet Cartoons

The World Association of Newspapers (WAN) and World Editors Forum (WEF) have protested against a wave of repressive action against editors and other journalists in Arab and Muslim countries who have published the cartoons of Mohamet at the centre of the current controversy.

In letters to the governments of Algeria, Yemen, Malaysia and Jordan, together with that of Russia, the Paris-based WAN and WEF have called for the release of jailed journalists and the reopening of banned publications. The organizations said that governments should not interfere with editorial decisions and that the arrests and closures violated the right to freedom of expression.

"While appreciating that the cartoons have caused offence to many Muslims, we respectfully remind you that the decision as to whether or not to publish such material is an editorial decision and not one with which the State should interfere," said the letters.

In Algeria, Kamel Bousaad, Director of the weekly Panorama and Berkane Bouderbala, Director of the weekly Essafir were arrested, and their publications closed, after they printed the cartoons that were first published in Denmark.

In Yemen, the Editor-in-Chief of the Yemen Observer, Mohammad al-Asaadi, and two journalists from al-Hurriya -- the Managing Editor, Abd al-Karim Sabra and a reporter,  Yehiya al-Abed -- were jailed. An arrest warrant has been issued for Kamal al-Aalafi, the editor-in-chief of al-Rai al-Aam.  The publishing licenses of all three newspapers have been revoked.

In Malaysia, the government closed the regional daily Sarawak Tribune for publishing the cartoons on 4 February and declared it an offence for anyone to publish, produce, import, circulate or possess the caricatures. In Russia, authorities in Volgograd closed Volgograd-Info after the Gorodski Vesti newspaper published a cartoon in which caricatures of Christ, Moses, Buddha and Mohammad were featured. The four religious figures were eated in front of a television set that showed two groups of men about to fight. "We never taught them that!" the caption read. WAN and the WEF had earlier protested to the Jordanian government against the jailings of Editors Jihad Momani of the weekly Shihan and Hisham Khalidi of al-Mehwar, for re-publishing the cartoons. The editors have subsequently been released on bail.

 

"Meinungsfreiheit gehört zu den europäischen Werten und Traditionen. Ich sage ganz klar: Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar."

José Manuel Barroso, Kommissionspräsident Europäische Union

 

"Religiöse Empfindungen sollten nie zum Ziel von Gehässigkeit und Spott werden."

Thomas Rachel, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU (EAK)

 

"[... die] Mohammed Karikaturen [sind] ungeschickt, überflüssig, geschmacklos, aber sie sind natürlich zulässig. Nach dem Wertesystem des europäischen Kulturkreises - und der ist maßgebend - sind sie nicht verwerflich; auf keinen Fall dürfen sie verboten werden. Eine andere Frage ist, wie man solche Darstellungen ethisch wertet. Da sage ich: Ich halte die Mohammed-Karikaturen zwar für harmlos, aber nach meinem Geschmack sind sie überhaupt nicht. Sie richtigen sich pauschal gegen den Islam. Es gehört sich aber nicht, etwas darzustellen, wenn man damit rechnen muss, dass pauschal Personen oder eine Religion beleidigt werden."

Rolf Henn (Luff), Karikaturist, in der "Allgemeinen Zeitung", Mainz

 

"Es gibt eine neue Generation von Muslimen, die Toleranz falsch versteht. Die jungen Fanatiker sollen doch einmal die Qualität des Lebens in Freiheit mit der Lebensqualität ihrer Eltern in arabischen Staaten vergleichen! Doch was geschieht? Sie prügeln die Schwester, weil sie vor der Ehe gespatzelt hat. Und jetzt verbieten sie uns die Pressefreiheit. Wissen die nicht, wie viele lustige Bilder ich über Jesus gemalt habe? Ich darf zeichnen, was ich will! Das ist meine Freiheit, die Freiheit der Kunst. Vor 20 Jahren haben mich die Skins bedroht, sie haben mir die Reifen aufgestochen. Und jetzt fühle ich mich wieder bedroht. Von jenen, für deren Rechte ich mit dem Stift gekämpft habe."

Manfred Deix, Karikaturist, in "Die Zeit"

 

"Ich verstehe die ganze Aufregung [  ] nicht. Es handelt sich um einen Karikaturenwettbewerb zum Propheten Muhammed. Und dieser Wettbewerb hat am Ende sehr negative, aber auch positive Darstellungen produziert. Jetzt nutzen die Regierungen arabischer und islamischer Länder die Karikaturen aus, um zu zeigen, dass die Regierungen islamisch sind und den Propheten verteidigen. Sie geben vor, mit dem beleidigten Glauben der Menschen zu sympathisieren, um deren Sympathie zu bekommen."

Amr Selim, Karikaturist, Ägypten

 

"Es spitzt sich auf eine Frage zu: Gibt es überhaupt ein ‚Ja, aber' in der Karikatur? Meines Erachtens nicht. Die Karikatur ist genötigt, an Grenzen heranzugehen, Tabus zu erkennen, sie aufzugreifen und sie zur Diskussion zu stellen. Damit leistet sie den entscheidenden Beitrag zur Meinungsbildung, lehrt Toleranz und demokratisches Verständnis ... Der [Autor] muss erkennen, was er auf die Feder nehmen kann, will, möchte und für notwendig erachtet. Wir sehen ja auch, was die Karikatur verbrochen hat. Zum Beispiel im Dritten Reich, wo sie sich beteiligt hat an der Judenhetze. Aber trotzdem darf niemand eine Linie ziehen und sagen: Da ist Schluss."

Berndt A. Skott, Karikaturist, "Kölner Stadt-Anzeiger"

 

"Ich habe drüber nachgedacht, am ersten Tag habe ich spontan gesagt: Ich hätte das gemacht, aber je länger ich drüber nachdenke, ich weiß ja gar nicht, wie der Mann aussieht. Ich glaube, ich hätte so eine Zeichnung nicht gemacht. Und man muss sehen, das ist eine ganz andere Mentalität, eine ganz andere Welt."

Walter Hanel, Karikaturist Kölner Stadt-Anzeiger

"Der Konflikt ist uns Karikaturmachern doch längst über den Kopf gewachsen; ist zu einer weltpolitischen Affäre geworden. Es sei, sagt der Iraner Rafsandschani, eine ‚organisierte Strategie gegen Muslime'. Und der englische Außenminister empört sich: Die Karikaturen seien ‚beleidigend und respektlos' - als ob wohlwollende und respektvolle Karikaturen irgendeinen Daseinszweck hätten...."

F.W. Bernstein, Karikaturist, in "Die Welt"

 

"... Freiheit garantiert die Qualität von Satire und Karikatur. Wer versucht, Grenzen zu setzen, muss gestoppt werden, egal ob er Hitlerbart oder Turban trägt."

Manfred Deix, Karikaturist , in "Die Welt"

"Auch wenn ich der Meinung bin, dass es nicht nötig war, Mohammed zu karikieren, sollten andere Karikaturisten dieses Recht natürlich haben. Wobei sie sich lieber Mohamedaner vornehmen sollten: Das, was Khomeni dem Salman Rushdi antun wollte, betrifft uns Künstler und Westler ebenso wie die Untaten von Osama bin Laden ..."

Robert Gernhardt, Karikaturist, in "Die Welt

 

"Wir halten uns an kein Bilderverbot. Es geht bei den besagten Karikaturen in erster Linie nicht um Kritik an Mohammed, sie wenden sich auch nicht gegen den Islam oder sprechen dem moslemischen Glauben die Existenzberichtigung ab, das wäre ja auch dumm. Sie verweisen lediglich auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen der religiösen Friedenslehre und den terroristischen Gewaltexzessen, die in Mohammeds Namen begangen werden... Es darf nicht sein, dass wir christlich geprägten Abendländer von unseren hart erkämpften aufklärerischen Standards, dem Schutz individuellen - auch religionsfernen - Glücksstrebens oder der Meinungsfreiheit abrücken um eines faulen Friedens willen! Das zu verdeutlichen und zu diskutieren, ist dringend notwendig und eine zentrale Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit und der Medien."

Achim Greser und Heribert Lenz, Karikaturisten, in "Die Welt"

 

"Wer beleidigt den Islam mehr? Ein Ausländer, der den Propheten darzustellen sucht, wie er von seinen Anhängern in aller Welt beschrieben wird, oder ein Muslim in einem Sprengstoffgürtel, der Selbstmord in einer Hochzeitsfeier in Amman oder anderswo begeht?"

Jihad Momeni, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung "Al-Shihan"

 

"Wer wegen einer unangemessenen Mohammed-Karikatur mit Bombe im Turban mit Bombendrohung reagiert, gibt denen Recht, die dieses Bild für eine Beschreibung des Islam halten. ... Muslime müssen genau so wie die christlichen Kirchen und Juden Kritik und Satire ertragen."

Volker Beck, Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag

 

"... Aus dem alten Gotteslästerungsparagrafen wurde deshalb 1969 ein strafrechtlicher Appell zum Anstand in der religiösen Auseinandersetzung. Die Strafandrohung heute ist an die Bedingung geknüpft, dass die Beschimpfung ‚geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören'. ... Kann es wirklich sein, dass es von der Militanz der Anhänger einer Religion abhängt, ob Gotteslästerung bestraft wird oder nicht? Dann wäre es in deutschen Gerichten künftig so, dass die Beleidigung des christlichen Gottes und der Heiligen straflos bliebe, weil sich die Christen heutzutage kaum noch militant aufführen. Die Beleidigung Allahs und Mohammeds wäre dagegen strafbar, weil die Muslime gewalttätig protestieren."

Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik, "Süddeutsche Zeitung"

 

"Das Getöse um die dänischen Mohammed-Karikaturen zeigt, dass sich die Welt gründlich verändert hat. Und es macht sichtbar, dass die Zeit einfacher Wahrheiten vorbei ist. Freiheit von Presse, Meinung und Satire ist nicht verhandelbar. Es wäre Unfug, wenn die Verunglimpfung von Glaubensinhalten des Christentums, des Judentums, des Hinduismus oder anderer Religionen ‚Meinung' wäre, Spott über den Propheten aber todeswürdiger Frevel oder Delikt. Es gibt indessen Probleme, die sich in der Praxis nicht dadurch lösen lassen, indem man auf Grundrechte pocht oder Tribunale einsetzt, wohl aber durch gesunden Menschenverstand, Rücksicht auf die Gefühle Andersdenkender, guten Geschmack und altmodische Höflichkeit."

Rudolph Chimelli, Korrespondent, "Süddeutsche Zeitung"

 

"Wir respektieren zutiefst freie Meinungsäußerung. Es ist ein sehr wichtiges Gut, vor allem in der arabischen Welt. Aber diese Zeichnungen enthalten keine Informationen, offenbaren keine Meinung. Sie sind einfach nur verletzend."

Wadah Khanfar, Fernsehdirektor Al-Dschasira

 

"Wir drucken diese Karikaturen, weil eine Dokumentationspflicht besteht. Weil sich die Leser ihre eigene Meinung bilden sollen. Und wir drucken sie auch, weil es zur Pressefreiheit gehört, sich dem Druck radikaler Moslems nicht zu beugen."

Bascha Mika, Chefredakteurin "taz - die tageszeitung"

 

"Ich persönlich würde in ‚Bild' keine Karikaturen drucken, die bewusst religiöse Gefühle verletzen."

Kai Diekmann, Chefredakteur "Bild-Zeitung"

 

"Auf keinen Fall würde ich die Karikaturen alle abdrucken, höchstens eine als Beleg für eine Geschichte."

Helmut Markwort, Chefredakteur "Focus"

 

"Die Reaktionen sind doch weniger eine Reaktion auf diese Karikaturen, als dass sie ein Grundgefühl widerspiegeln: Man hat den Eindruck, mit den Muslimen kann man alles machen. ... Natürlich spiegeln die Reaktionen eine irrationale Verschiebung. Es gibt doch viel wichtigere Themen in der arabischen Welt. Stattdessen regt man sich dort nun über diese Karikaturen auf."

Aktham Suliman, Korrespondent Al-Dschasira

"Gewiss, es gibt rote Linien. Wenn sich durch den Spott über religiöse Dogmen als inneres Motiv ein Rassismus zieht, der eine ganze Ethnie, Minderheit oder Kultur stigmatisiert, dann hört sich die Satire auf - dann erfüllt sie ganz schnell den Tatbestand der Verhetzung. Man hat es hierzulande einst in dieser Disziplin zu großer Meisterschaft gebracht. Bei den Karikaturen, die der Jyllands-Posten abdruckte, ist dies aber nicht der Fall. Die sind teilweise von spitzer Ironie - wie jene, in der der Prophet eine Reihe noch kokelnder Selbstmordattentäter aus dem Himmel verweist mit dem Hinweis ‚Halt, uns sind die Jungfrauen ausgegangen'. Einzelne sind auch von plumper Härte. Aber die Darstellung des Propheten, der statt eines Turbans eine glimmende Bombe am Kopf trägt, muss sich eine Religionsgemeinschaft schon gefallen lassen, in deren Reihen es eine nicht verschwindende Minderheit gibt, die glaubt, mit Sprengstoffgürteln und Fleischermessern in einen Dschihad gegen Ungläubige und vom Glauben Abgefallene ziehen zu müssen."

Robert Misik, "taz -die tageszeitung"

 

"Es gibt Konflikte, in denen man vieles falsch machen kann und kaum etwas richtig. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen ist so einer. Es wäre einfacher, wenn es ‚nur' um die Verteidigung der Pressefreiheit ginge. Er ist so kompliziert, weil er auf allen Seiten für Zwecke missbraucht wird, die mit Pressefreiheit einerseits und Respekt vor religiösen Gefühlen andererseits so gut wie nichts zu tun haben. ... Gerade in dieser vorurteilsbehafteten Dümmlichkeit stellen die Zeichnungen tatsächlich eine Diffamierung des Islam dar. Wer so etwas mit erkennbarem Genuss an der Selbststilisierung zum Retter der Pressefreiheit transportiert, tut dieser Freiheit nicht unbedingt einen Gefallen, da er ihren Missbrauch verteidigt statt ihres verantwortlichen Gebrauchs."

Stephan Hebel, "Frankfurter Rundschau"

 

"Wir hoffen, die islamische Welt versteht, dass Meinungs- und Pressefreiheit ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft sind, den wir nicht aufgeben können. Gleichzeitig fordere ich die Medien auf, mit dieser Freiheit in verantwortungsvoller Art und Weise umzugehen."

Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Bundesrepublik Deutschland

 

"Wir lassen nicht zu, dass die iranische Regierung die Deutungshoheit über die Pressefreiheit in Deutschland erlangt."

Michael Konken, Bundesvorsitzender Deutscher Journalisten-Verband