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19. Januar 2015 | Allgemeines

Zwischen Angst und Solidarität: Reaktionen der Zeitungsverlage auf das Attentat vom 7. Januar 2015

Mathias Döpfner kritisiert das Verhalten der „New York Times“, Valdo Lehari jun. ruft zu bedächtigem Handeln auf

Themen: Pressefreiheit

Viele Zeitungen in Deutschland und der Welt haben sich nach dem grausamen Attentat auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ mit dem Blatt solidarisiert, druckten Karikaturen und Titelseiten der französischen Zeitschrift ab und riefen zum Zusammenhalt auf. Andere mahnten zur Vorsicht. Auch zwei Wochen nach dem Attentat ist „Charlie Hebdo“ in Deutschland präsent - vor mehreren Redaktion in Deutschland stehen noch immer Polizeiwagen, Diskussionen über den Umgang mit Mohammedkarikaturen und die Situation der Pressefreiheit reißen nicht ab. Valdo Lehari jun., Verleger des „Reutlinger General-Anzeigers“, warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner kritisiert das Verhalten der „New York Times“ nach dem Attentat: Die „wohl immer noch beste Zeitung der Welt“ setze nur auf Sicherheit.

  Zeitungskongress 2014 7318Bei der „New York Times" scheine Sicherheit jetzt wichtiger als Freiheit, kritisiert Mathias Döpfner (Foto), Vorstandschef der Axel Springer SE, die weltweit angehsehene New Yorker Zeitung in einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ (Berlin) vom 21. Januar 2015.  Er bezieht sich auf einen Leitartikel, der sich unter der Überschrift „Charlie Hebdo und Meinungsfreiheit" mit der Frage beschäftigt, wie weit die Meinungsfreiheit gehen dürfe und ob es nicht auch für den radikalen Säkularismus – wie für religiösen Fundamentalismus – Grenzen geben müsse.

In dem Artikel heißt es: „Geschmäcker, Standards und Situationen ändern sich, und am besten ist es für Redakteure und Gesellschaften insgesamt, am Ende danach zu urteilen, was geeignet – oder sicher – zu drucken ist.“ (wörtlich: "To judge what is fit – or safe – to print"). Dieser Satz sei die offizielle Bankrotterklärung, so Döpfner, die finale Unterwerfung der Pressefreiheit gegenüber der terroristischen Gewalt. „Denn was in der internationalen Ausgabe der Zeitung erschien, das heißt: Sicherheit ist wichtiger als Wahrheit. Sicherheit ist wichtiger als Freiheit. Und dazu hat schon Benjamin Franklin gesagt: Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren.

Auch spricht Döpfner den Leitspruch der „New York Times an - "All the news that's fit to print" heißt es auf ihrem Zeitungskopf. Das sei ein beherzter Schlachtruf der Unabhängigkeit und redaktionellen Courage, so Döpfner: „Der Spruch sollte nach dem Leitartikel jetzt konsequenterweise umformuliert werden: „All the news that's safe to print".

Link zum Artikel: http://www.welt.de/kultur/article136548388/Die-New-York-Times-erfreut-die-Feinde-der-Freiheit.html

Gegen eine Spaltung der Gesellschaft

Lehari Brüssel IIValdo Lehar jun. (Foto), Verleger des „Reutlinger General-Anzeigers“ und Vorsitzender des Verbands der südwestdeutschen Zeitungsverleger, warnt in einem Interview vor einer Spaltung der Gesellschaft. Der Terrorakt auf die Satirezeitschrift sei ein Anschlag auf die Pressefreiheit, aber auch auf die Religionsfreiheit.

Lehari: „Ich bin jedoch nicht in Sorge um Demokratie und Pressefreiheit, wenn wir die Verfassungsrechte immer aktiv leben und schützen, eine wehrhafte Demokratie und ein Immunsystem für unsere Werteordnung aufrechterhalten. Dazu müssen wir nun aber richtig und bedächtig handeln und dürfen es nicht zulassen, dass die Gesellschaft gesplittet wird. Wir dürfen also den Terroristen nicht auf den Leim gehen, denn sie wollen eine Spaltung der Gesellschaft und unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zerstören.“

Man dürfe und werde jetzt nicht überreagieren. Dieser Grundsatz gelte für das eigene Verlagshaus, für die ganze Branche, aber auch für Gesetzgebung und Justiz. „Wir müssen unsere Werte noch stärker verteidigen und erklären und eventuell noch aktiver werden. Dabei stellt sich auch die Frage, wie wir jene Menschen erreichen, die der Gesellschaft verloren zu gehen drohen. Das ist aber eine so umfassende Aufgabe, die nicht die Verleger und Redakteure alleine machen können. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für alle, die in Verantwortung stehen.“

Link zum Interview: http://www.gea.de/nachrichten/politik/gegen+eine+spaltung+der+gesellschaft.4056526.htm

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