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07. April 2009 | Digitales

Zukunftsfähigkeit der regionalen Zeitungshäuser sichern

BDZV-Fachtag „Total Lokal” mit 70 Teilnehmern

Websites mit hyperlokalen Inhalten sind in Deutschland noch ein junges Phänomen. Dabei geht es um Internetangebote, die lokale Nachrichten und Services aus einem engen geographischen Gebiet abdecken.

Nachrichten aus meiner Straße, Tipps für den Einkauf um die Ecke oder Veranstaltungsinformationen finden eine immer größere Resonanz bei Nutzern und Werbekunden. Rund 70 Teilnehmer informierten sich im Februar 2009 in Köln bei der von Holger Kansky moderierten Tagung über die Chancen in diesem neuen Geschäftsfeld.

Neue Wege der Zusammenarbeit notwendig

Nach Ansicht von Frank Meik, Geschäftsführer der MW Verlagsgesellschaft, gibt es bereits einen intensiven Wettbewerb im hyperlokalen Geschäftsfeld. Um sich hier zu behaupten, sei es wichtig, dass die Preisgestaltung und der Verkaufsaufwand stimmten. Die Kombination von Print und Online biete dabei echte Wettbewerbsvorteile für die Verlage.

DSC 2798Problematisch sei, dass Nutzer nicht bereit seien, für Online-Inhalte zu zahlen, und überregionale Bannerwerbung im lokalen Raum nicht greifen könne. Deshalb seien innovative Werbekonzepte gefragt. Kleinräumiges Regionalmarketing sei der Schlüssel zum Erfolg. Hyperlokale Onlineangebote müssten auch Funktionen bereithalten, die sie bislang nicht haben. Notwendig sei eine systematische Aufbereitung der lokalen Geschäftswelt. Hinzu komme eine entsprechende Visualisierung und sehr gute Suchfunktionen. Meik empfahl den Verlagen, neue Wege schnell auszuprobieren und bei ausbleibendem Erfolg wieder abzubrechen. Lösungen sieht er darin, sich von bestehenden Strukturkosten zu lösen und gemeinsame Plattformen mit anderen Verlagen voranzutreiben.

BDZV-Report: „Hyperlokale Fallbeispiele“

total lokal minKatja Riefler, Geschäftsführerin RiSolutions, demonstrierte die Spielarten hyperlokaler Online-Angebote anhand internationaler Fallbeispiele. Eine Reihe von Zeitungen experimentiere mit journalistischen Produkten für eine kleine Gemeinschaft. Sowohl etablierte Verlage wie die Schweizer „Jungfrauzeitung“ als auch Neugründungen wie „Bluffton Today“ in North Carolina setzten auf dieses Konzept. Die Verlage seien davon überzeugt, dass derartige journalistische Produkte ein breites Publikum erreichten, Anzeigenkunden anlockten und dass das Publikum diese Inhalte nicht selber erstellen könne und wolle. Im Kontrast dazu funktioniere das Konzept der Bürgermedien mit einem Printprodukt. Engagement und Beteiligung der Bürger seien für den Erfolg entscheidend und keine Selbstverständlichkeit. Hyperlokale Printprodukte aus Beiträgen der Mitglieder einer Community seien bei entsprechender Qualität für Verlage eine kostengünstige Möglichkeit, Inhalte zu erhalten, die Anzeigenkunden als Werbeumfeld angeboten werden könnten. Inzwischen gebe es auch einen hohen Anteil an hyperlokalen Internetangeboten, die keine eigenen Inhalte erstellten. Diese Angebote führten Informationen aus anderen Quellen zusammen und präsentierten sie in neuer Form, aggregierten also fremde Inhalte. Mit Vorliebe eingebunden werden dabei kostenlos zugängliche öffentliche Quellen wie beispielsweise Polizeiberichte. Riefler betonte, dass es beim Thema Hyperlokal nicht allein um Technik oder Inhalte gehe, sondern um die Zukunftsfähigkeit der regionalen Zeitungshäuser. Katja Riefler ist auch Autorin eines BDZV-Reports zu hyperlokalen Online-Angeboten, der voraussichtlich im April 2009 erscheint.

Intelligente Suche mit Ortsbezug

Nutzer suchen konkrete Antworten und sauber strukturierte Informationen. Dieses Bedürfnis zu befriedigen, ist Ziel der Web 2.0-Suchmaschine WeFind, die Helmut Hoffer von Ankershoffen, Vorstand WeFind AG, beim Fachtag präsentierte. WeFind startete Ende November 2008 und umfasst die intelligente Suche in Spezialgebieten. Sucht der Nutzer zum Beispiel nach „Masern“, erhält er Artikel mit Hintergrundinformationen zu dieser Krankheit aus Wikipedia, passende News, Meinungen von Blog-Autoren und Treffer weiterer assoziierter Spezialgebiete. Dazu wurden Spezialsuchmaschinen entwickelt und von Kooperationspartnern in WeFind integriert. So durchsuchen und filtern beispielsweise Nachrichten- und Blog-Suchmaschinen über tausend News-Portale und Blogs. Eine Umkreissuche, die so genannte Geo-Suche, liefert zudem Suchtreffer in der Umgebung des Suchenden. Gibt der Nutzer „Naturheilverfahren in 10435“ ein, findet WeFind automatisch Ärzte, deren Fachgebiet Naturheilverfahren beinhaltet und deren Praxis sich in Berlin, Prenzlauer Berg befindet. Für das iPhone ist eine standortbezogene Geo-Suche mobil verfügbar. Bei der Eingabe des Suchwortes „Merkel“ findet der Nutzer eine Liste aktueller Nachrichten und Blogeinträge, eine Beschreibung der Politikerin in Wikipedia und bei Einschränkung auf den aktuellen Standort das Bundeskanzleramt inklusive Entfernungsangabe und Kartenansicht.

Crossmediales Online-Branchenbuch

Der Branchenbuch-Markt umfasse in Deutschland ein Volumen von ca. eine Milliarde Euro und sei durch wenig Wettbewerb gekennzeichnet. Aus diesem Grund sei das „Hamburger Abendblatt“ mit dem Branchenbuch in eine Produktart aus dem Verzeichnismedienbereich eingestiegen, erläuterte Jochen Herrlich, General Manager Online beim „Hamburger Abendblatt“. Mit dem Branchenbuch sollen kleine und mittelständige Kunden für Onlineprodukte begeistert und auch für Anzeigen in der gedruckten Zeitung gewonnen werden. Der Verzeichniseintrag für den Kunden erfolge ganzjährig in einem lokalen Umfeld. Hinzu komme eine Zeitungsanzeige im thematischen Umfeld der Branche sowie eine Google-Optimierung. Dem Werbekunden werden drei crossmediale Pakete angeboten, die sich durch ihre Anzeigengröße unterscheiden. Die Preise bewegen sich dabei zwischen 198 und 798 Euro. Das Produkt besteht aus einem Top-Listing auf der Website sowie einer einmaligen Print-Anzeige im redaktionellen Branchenumfeld. Zum Verkauf der Einträge werden eigene Online-Handelsvertreter sowie ein Call Center eingesetzt. Perspektivisch sollen auch Print-Verkäufer Branchenbuch-Einträge verkaufen. Die Branchenbuch-Software wurde von Stadtbranchenbuch.com exklusiv erworben und für die eigenen Anforderungen weiterentwickelt. Die Branchendaten werden von 11880.de bezogen und regelmäßig aktualisiert.

Local History

Die „Stuttgarter Zeitung“ hat gemeinsam mit dem Stadtarchiv eine Geschichtswerkstatt im Internet eröffnet. Chefredakteur Thomas Faltin erläuterte das Projekt „Von Zeit zu Zeit“. Seit September 2008 können Leser ihre Bilder, Erlebnisberichte und Videos aus dem 20. Jahrhundert auf einer eigenen Website veröffentlichen. Ziel sei es, „das kollektive Gedächtnis der Stadt zu vergrößern“. Seit dem Start präsentiere die Redaktion auf dem Portal schon mehr als 5.000 Fotos und Texte. Ein Bummel durch die Geschichte der Stadt sei ohne Weiteres möglich - vom Einblick ins bürgerliche Wohnzimmer um 1900 bis zur Sonnenfinsternishysterie im Jahr 1999. Bilder und Texte sind über Themenseiten, Karten und Zeitleisten abrufbar. Chronisten-Profile sind ebenfalls auf der Website hinterlegt. Faltin konnte berichten, dass über das Portal eine Chronistin nach 60 Jahren einen Jugendfreund wiedergefunden habe. Die Geschichtswerkstatt sei auch in der „Stuttgarter Zeitung“ präsent. Auf zehn Doppelseiten habe die Zeitung das Jahrhundert besichtigt. Und täglich werde ein "Bild des Tages" der Leser gedruckt. Im Lauf der Zeit soll eine Geschichte von unten entstehen. Das Stuttgarter Stadtarchiv archiviere sämtliche Bilder und Berichte und mache sie Historikern zugänglich.

Mit dem Handy auf Schnitzeljagd

total lokal2 minÜber Handy-Spiele mit lokalem Fokus informierte Jörn Rehse, Geschäftsführer des Unternehmens Orbster. Bei dem Spiel „GPS Mission“ können die Besitzer eines GPS-fähigen Handys lokale so genannte Missionen erfüllen. Dabei müssen die Spieler an einem Ort Checkpunkte ablaufen, dort eventuell Handy-Fotos schießen und können gleichzeitig virtuelles Gold aufsammeln. Auch die Erstellung eigener Missionen ist möglich. „Über das Spiel können die Nutzer zum einen neue Orte auf eine andere Art entdecken und zum anderen Fremden zeigen, wo sie bereits waren.“ Rehse sieht mehrere Möglichkeiten, das Angebot zu monetarisieren. Interessant seien die Branded Missions. So könnte etwa eine Coffeeshop-Kette eine eigene Mission gestalten und die Nutzer über einen Gutschein zum Besuch der örtlichen Filiale motivieren. Auch das Anbieten von kostenpflichtigem Premium-Content, wie etwa den besten Joggingstrecken einer Stadt, sei denkbar.

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