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18. September 2009 | Allgemeines

Zukunft gestalten – unter neuen Bedingungen

Zeitungskongress: BDZV-Präsident Heinen fordert Leistungsschutzrecht für Verlage/ Kundenwünsche und neue Geschäftsmodelle im Mittelpunkt

Die deutschen Zeitungsverleger erwarten von der künftigen Bundesregierung eine Stärkung der freien Presse. Die Häuser bräuchten gute Rahmenbedingungen, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich der Eröffnung des Zeitungskongresses 2009 vor rund 400 Gästen aus Verlagen, Wirtschaft, Kultur und Politik am 14. September in Fulda.

Dazu zähle auch ein umfassendes Leistungs­schutzrecht, mit dem Fehlentwicklungen im Inter­net korrigiert werden müssten. Es sei „nicht län­ger hinzunehmen, dass auf­wendig produzierte Qualitätsinhalte der Zeitungen von Dritten kom­merziell genutzt werden, ohne dass auch nur ein Cent an die Verlage zurück­fließt.

Der Hessische Innenminister Volker Bouffier betonte in seinem Grußwort, dass Sicherheit und Freiheit nie statisch seien. Das eine müsse immer gegen das andere abgewogen werden. Ohne eine funktionierende Pressefreiheit gebe es keine Demokratie. Die deutschen Zeitungen seien Ga­ranten dieser Demokratie.

Die typische Familie von heute lebe real zu­sammen, medial jedoch getrennt, erläuterte der Hamburger Trendforscher Professor Peter Wippermann in seinem Festvortrag. Die Gesell­schaft zerfalle in Gemeinschaften. Nachrichten und Informationen würden nicht mehr durch ein gleichsam patriarchalisches System vom Em­pfänger über die Verteiler an die Konsumenten verbreitet, sondern über Netzwerke. Für die Me­dien heiße die Herausforderung, eigene Netz­werke zu bilden oder Teil von Netzwerken zu werden. Zeitungen seien starke Marken, doch sollten sie sich auch einmal „ohne Papier“ den­ken.

Auch die gedruckte Zeitung hat keinen Anlass zu Defätismus, sie ist ein funktionierendes Ge­schäftsmodell, darin war sich die anschließende Diskussionsrunde unter Leitung von Hans Werner Kilz (Chefredakteur „Süddeutsche Zeitung“, Mün­chen) einig. Der Leser und seine Zeitung „haben immer schon ein soziales Netzwerk gebildet“, konstatierte Holger Steltzner, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Es ist einfach auch praktisch, morgens eine Zeitung in den Händen zu halten“, bestätigte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Und John C. Kornblum, US-Botschafter a.D., warnte vor gravierenden Veränderungen in Deutschland nach der Bundestagswahl, bei deren Bewältigung die Zeitungen eine wichtige Rolle spielen könnten.

Internetstrategien konsequent verfolgen

Die Zeitungsverleger müssen in Zukunft nach Expertenansicht ihre Aktivitäten von Printbereich stärker als bisher zu Internetprodukten verlagern. „Nur die, die sich am schnellsten an den Wandel anpassen, werden überleben“, prognostizierte beim Fachkongress am 15. September der lang­jährige CEO des norwegischen Medienkonzerns Schibsted, Kjell Aamot, in seiner viel beachteten Keynote. Das 1837 gegründete Familienunter­nehmen Schibsted wurde 1992 in eine Aktienge­sellschaft umgewandelt, ist heute in 22 Ländern aktiv und macht eigenen Angaben zufolge rund 30 Prozent seiner Umsätze und 70 Prozent sei­nes Gewinns mit digitalen Produkten. Man müsse, sagte Aamot, den Mut haben, Internet­strategien kontinuierlich zu verfolgen – auch wenn es zunächst Verluste gebe.

Wenig Zukunft sah Aamot für Paid Content und die Vermarktung crossmedialer Produkte. Das allerdings wollten die Teilnehmer des ZMG-Pa­nels „Crossmedia – Neue Ideen und Vermark­tung“ so nicht stehen lassen. Axel Gleie, Ge­schäftsführer „Neue Osnabrücker Zeitung“; Hans Georg Schnücker, Geschäftsführer Verlags­gruppe Rhein Main (Mainz) und Aufsichtsratsvor­sitzender der ZMG Zeitungs Marketing Gesell­schaft; Christoph Mattes, Geschäftsführer Münchner Zeitungsverlag GmbH; sowie Robert Dunkmann, Geschäftsführer Zeitungsgruppe Ostfriesland (Leer), berichteten vom erfolgreichen Einstieg in lokale Communitys, regionaler Veran­kerung der Onlineangebote und optimierter Ver­marktung. Einig waren sich die Podiumsteilneh­mer in der von Werner Lauff (Düsseldorf) mode­rierten Diskussion allerdings auch darüber, dass die in Deutschland online erwirtschafteten Um­sätze in keiner Weise mit denen von Schibsted vergleichbar seien. „Zehn Prozent vom Gesamt­erlös wären schon ein Topergebnis“, resümierte Manager Schnücker.

Was wollen die Nutzer?

„Was wollen die Nutzer? Wie sieht die Zukunft der Zeitung aus?“ Das waren die zentralen Fra­gen, die ein Dutzend Verlagsvertreter im Rahmen einer Kooperation des BDZV mit dem Creation Center der Deutschen Telekom bei mehreren Sitzungen beantworten wollten. Einige der hier entstandenen rund 200 Ideen stellten beim Zei­tungskongress Silke Springensguth, Geschäfts­führerin DuMont Net (Köln), Thomas Brackvogel, Geschäftsführer Südwest Presse (Ulm), und Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter Kommunikation + Multimedia beim BDZV, in Fulda vor. Der Leiter des Creation Centers, Raimund Schmolze, schil­derte die Aufgabe seines Unternehmens so: „Wir generieren Ideen, keine Wahrheiten – das macht die Marktforschung.“ Erzeugt würden aber auch Einsichten in das Leben des Kunden/der Leser, wie sich das die Verlagsvertreter auf der Bühne vorher nie zu erträumen gewagt hätten. Ihr Fazit: „Am liebsten würden wir unsere Redakteure zu unseren Lesern nach Hause schicken, damit wir sie wirklich kennenlernen.“

Neue Konzepte für den Anzeigenverkauf, die der fortschreitenden Digitalisierung Rechnung tragen, stellte Reiner Mittelbach, Geschäftsfürer der WAN-IFRA, beim Fachtag vor. Und Florian Bauer, Vorstand des Beratungsunternehmens Vocatus AG (München), erläuterte, dass Verlage bei der Festsetzung ihrer Vertriebspreise nicht auf den rational handelnden „Homo oeconomicus“ setzen sollten, sondern besser auf den irrational handelnden Verbraucher, der vorhersagbare Fehler begehe. Sein Rat: „Hören Sie auf, Geld zu verschenken!“.

Der Zeitungskongress 2010 wird am 20. und 21. September in Essen stattfinden.

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