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12. Oktober 2009 | Allgemeines

Zu viele Informationen schrecken junge Leute ab

8. Internationale Junge-Leser-Konferenz in Prag

Der Blickwinkel hat sich geändert: Standen bei den vergangenen internationalen Junge-Leser-Konferenzen des Weltverbands der Zeitungen (heute WAN-IFRA) einzelne Zielgruppen prominent im Mittelpunkt, geht es mittlerweile um das große Ganze, den jungen Leser schlechthin. Bei Fragen der Leseförderung und der Gewinnung junger Leser spielen auch nicht mehr die gedruckten Zeitungen die Hauptrolle – das Internet als Vertriebs- und Informationskanal ist gleichberechtigt hinzugetreten bei der „8th World Young Reader Conference“ Ende September 2009 in Prag.

So beschäftigten sich auch gleich zwei der vor­gestellten Studien thematisch mit dem Internet. Unter dem leicht provozierenden Titel „Teens know what they want online – do you? (Teenager wissen, was sie online wollen. Wissen Sie es auch?)“ diskutierte Michael Smith von der News­paper Association of America Foundation eine Umfrage unter amerikanischen Teenagern, wo­nach Zeitungswebsites den jungen Leuten „oft einfach viel zu viele Informationen“ enthalten. Die jungen Leute seien zwar „durchaus interessiert“, hätten jedoch wenig Zeit. Sie empfänden die Websites US-amerikanischer Zeitungen als textlastig und ohne klare Hierarchie der Informati­onen, Fotos würden nicht informieren, der „Nach­richtenjargon“ sei ihnen unverständlich, die Texte lüden nicht zum Lesen ein und es gäbe „keinen klaren Ausstieg“. Vor diesem Hintergrund emp­fiehlt die NAAF, dass Homepages „weniger“ In­halte anbieten sollten. Sie sollten verschiedene Eingangspunkte anbieten und „mehr wie Maga­zine“ aufgebaut sein, leicht zu „absorbieren“ sein und weniger zum Durchklicken auffordern. Eine weitere Erkenntnis: Zu viele Videos halten junge Leser ab (weil sie keine Zeit haben, diese anzu­schauen). Unbedingt empfohlen wurde die Um­wandlung der Inhalte für mobile Endgeräte. Ein Fazit von Paul Smith lautete: Sie sollten die Intel­ligenz Ihrer Leser nicht unterschätzen, und Sie sollten ihre Kenntnisse nicht überschätzen.“

Um die Einstellung zum Internet ging es in einer Umfrage unter Eltern und Kindern, die die Leiterin der Abteilung Medienerziehung im argentinischen Erziehungsministerium, Roxana Morduchowicz, präsentierte. Danach bewegen sich 80 Prozent der befragten Kinder allein im Internet, nur 20 Prozent unter Aufsicht ihrer Eltern. 95 Prozent der befragten Kinder glauben nicht, dass das Internet auch Gefahren birgt. 75 Prozent glauben alles, was im Internet steht. Und 60 Prozent sind der Überzeugung, dass nur Freunde ihre Blogs lesen können. Weiter berichten die Kinder, dass die Inhalte der Gespräche in der Familie sich zu 50 Prozent um Fragen des Ausgehendürfens dre­hen, zu 15 Pro­zent um Inhalte von Fernsehen oder Internet. Die befragten Eltern wiederum ga­ben an, dass sie zu 50 Prozent den Fernsehkon­sum ihrer Kinder kontrollieren, nur zu 15 Prozent auch deren Chats. 90 Prozent der Eltern regulie­ren den Inter­netkonsum ihrer Kinder nicht. Eben­falls 90 Pro­zent glauben nicht an Risiken im Internet. Vor diesem Hintergrund hat das Ministe­rium einen Internetführer mit Basisinformationen herausge­bracht, der den Zeitungen des Landes beigelegt wurde. Ein zweiter Führer beschäftigt sich mit dem Thema „Chats und Blogs“ bei Ju­gendlichen. Der Guide „Internet in the family“ in englischer Sprache kann beim BDZV abgefordert werden.

 

 

 

 

 

Umweltfragen

Umweltaspekte spielen in Aktivitäten, mit denen junge Leser angesprochen werden sollen, immer wieder eine zentrale Rolle. So stellte Wendy Tri­baldos, Koordinatorin für die Schülerpro­gramme der Zeitung „Aprendo“ in Panama, ein gemein­sam mit der panamaischen Regierung unter­nommenes Projekt vor, bei dem ein Redak­teur sämtliche Nationalparks des Landes be­suchte und beschrieb. Seine Erlebnisse sowie Informa­tionen zu Flora und Fauna wurden – an­gereichert mit attraktiven großformatigen Fotos – als acht­teilige Serie der Zeitung wöchentlich bei­gelegt. Das Supplement wendete sich an Kinder ab neun Jahren und war die erste „grüne“ Aktion der Zei­tung. Sie wurde ergänzt durch Workshops für Lehrer, die zum Beispiel lernten, aus verschiede­nen Pflanzen selber Farben anzu­rühren. Die von den Kindern im Schulunterricht mit diesen Farben gemalten Bilder wiederum gingen in einen Wett­bewerb von „Aprendo“ ein. Tribaldos bezif­ferte die zusätzlichen Kosten des Projekts auf 90.000 US-Dollar (61.000 Euro), die von einem Sponsor übernommen worden seien.

Mit einer „grünen Idee“ setzte sich auch die Zeitung „Express & Echo“ aus dem Vereinigten Königreich beim diesjährigen World Young Rea­der Prize von WAN-IFRA durch. Der Titel mit 14½ Redakteuren und 22.000 verkauften Exemplaren täglich hatte im vergangenen Jahr seine Leser aufgefordert, Plastiktüten, die die Umwelt vermüllen, gegen „Green-Bags“ aus Stoff auszu­tauschen. Wie Redakteur Marc Astley berichtete, hätten sich Kinder bei der Aktion deutlich mehr engagiert als ihre Eltern. Vor diesem Hintergrund wandte sich die jüngste Aktion des „Green-Teams“ der Zeitung gleich an die jungen Leser. In einer gemeinsamen Initiative mit den Schulen im Verbreitungsgebiet und der Kommune wurden die Kinder aufgefordert, sich umweltgerecht zu ver­halten. Für jede Aktion bekamen sie ein Baum­blatt, mit dem sie einen kahlen Ast schmücken durften. Für einen solchen Ast mit zehn Blättern wiederum erhielten die Kinder 50 Britische Pfund (54 Euro) in die Klassenkasse, die sie in umwelt­verträgliche eigene Projekte stecken durften. Bis zu 250 Pfund pro Klasse kamen so zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Löwen und Bären

„Die Löwen sind los“ hieß es in einer Sonder­beilage für Kinder, mit der die „Neue Osnabrücker Zeitung“ 2008 einen der Junge-Leser-Preise ein­heimste. Wie Grzegorz Piechota, Redakteur der größten polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“, in seinem amüsanten Vortrag be­richtete, habe ihn diese Beilage animiert, sich für seinen Titel endlich auch einmal einen Löwen zu wünschen. Da dies in Polen allerdings schwer machbar sei, habe die Redaktion schließlich ei­nen Redakteur zur Recherche in die hohe Tatra geschickt, um Bären in freier Wildbahn zu foto­grafieren. Am ersten Tag, so Piechota, habe der Mann ein Foto von Bergziegen geschickt, nur keine Bären. Am zweiten Tag folgte ein Murmel­tier, dann eine Wasseramsel und eine weiße Berganemone – nur kein Bär. „Zum Glück haben wir unsere Leser“, erzählte Piechota weiter. Die hätten ein Foto von Bären aus der hohen Tatra eingeschickt, während der Reporter in seiner Verzweiflung ein selbst gemaltes Bärenbild übermittelt habe. „Grauenhaft“, erinnert sich der Redakteur. Natürlich habe „Gazeta Wyborcza“ sofort die Kinder ihrer Leser aufgerufen: „Bitte malt uns Bären!“ Diese kleine Geschichte ist ein typisches Beispiel dafür, wie die polnische Zei­tung ihre Leserschaft erreicht: „Sagen Sie Ihren Lesern, dass Sie sich einbringen sollen“, fordert Piechota. Fordern Sie sie auf, sich zu melden, wenn Ihr Reporter etwas verpasst hat. „Schreibt uns, zeigt es uns!“ Eine weitere Aufgabe seines Titels sieht Piechota darin, die Generationen mit­einander zu verbinden. So wurden Enkelkinder animiert, Fotos ihrer Großmütter zu machen mit dem Motto „Falten sind schön“. Ein anderer Wettbewerb rief die Leser dazu auf, über „20 Jahre Freiheit“ zu erzählen in Wort und Bild. Da­bei kann sich die „Gazeta Wyborcza“ einer durch­schnittlich sehr jungen Leserschaft rühmen: Mehr als 50 Prozent der Leser der gedruckten Zeitung sind jünger als 40; beim Onlineauftritt sind es sogar mehr als 60 Prozent der Nutzer.

Das hohe Interesse, das pädagogische Ange­bote und redaktionelle Inhalte für Kinder, Jugend­liche und junge Leute in deutschen Zeitungen gedruckt und online genießen, schlug sich auch im Prager Programm nieder: Gleich drei deutsche Titel zählten zu den Gewinnern beziehungsweise den mit einer besonderen Erwähnung ausge­zeichneten Zeitungen beim diesjährigen Interna­tionalen Preis Junge Leser. Es sind: Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ mit ihrem Magazin „Blue“, das monatlich von den jungen Mitgliedern der gleichnamigen Online-Community im Verbrei­tungsgebiet erstellt wird. „Blue“ erreicht gedruckt und online bis zu 90 Prozent der 15- bis 29-Jähri­gen in Osnabrück und Umgebung. Ausgezeichnet wurde ferner das „Hamburger Abendblatt“ für seine „Leseecke“. Hier hatte die Zeitung für alle 240 weiterführenden Schulen in Hamburg Paten gewonnen, die ein oder mehrere Jahresabonne­ments des „Abendblatts“ spendeten. Dazu durften sich die Schulen um „Leseecken“ bewerben, eine Gruppe von dicken gemütlichen Sitzkissen in der „HA“-Hausfarbe Grün. Bereits 55 Mal wurde eine solche Leseecke an interessierte Schulen ver­schenkt. Eine besondere Erwähnung ging ferner an „Welt Kompakt“ als eine „sehr smarte Zei­tung“, die jede neue Technologie nutze, um Social Communitys unter ihren Lesern zu bilden und insbesondere junge Leser zu erreichen.

Alle ausgezeichneten Beiträge des „World Young Reader Prize 2009“ können unter www.bdzv.de/jungeleser2009.html auf der Homepage des BDZV angeschaut werden. Einsendeschluss für den Wettbewerb im kommenden Jahr ist der 10. Juni 2010. Über die Details wird „BDZV Intern“ rechtzeitig informieren.

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