Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

24. Februar 2010 | Digitales

Zeitungsverlage arbeiten an App-Strategien

Refinanzierung über Werbung oder Bezahlinhalten

Erste Verlage haben eigene Apps gestartet und experimentieren derzeit mit Inhalten und Funktionen. Viele Verlage sind in den Startlöchern. Dabei schwanken die Strategien zwischen Gratis- und Bezahl-Applikationen. Zumindest mittelfristig wollen die meisten Verlage Geld damit verdienen.

Obwohl Smartphones bislang in Deutschland nur einen Marktanteil von 14 Prozent erreichen, dominieren sie schon jetzt das multimediale Konsumverhalten. Im Vergleich zum vergangenen Jahr wuchs die Zahl der deutschen Smartphone-Besitzer, die kostenpflichtige Downloads (Applikationen, kurz: Apps) nutzen, um 52 Prozent auf rund sieben Millionen. Zu diesem Ergebnis kommt der Mobile Kompass 2009 des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW).

Bei den Apps handelt es sich um kleine Programme, die auf Smartphones installiert werden können und bei Aufruf Anwendungen ausführen: vom Nachrichtenüberblick über die Wasserwaage bis zum Navigationssystem. Eine kostenpflichtige App kann dabei mit wenigen Klicks ausgewählt und nach Eingabe des Passworts bezahlt werden. Die Summe, die üblicherweise zwischen 79 Cent und einigen Euro liegt, wird dann über die bei Apple hinterlegte Kreditkarte abgebucht. Apple kassiert als Zwischenhändler 30 Prozent der Umsatzsumme, der Rest geht an die Entwickler. Die Downloads im App-Store haben nach Angaben von Apple zum Jahresende 2009 die Drei-Milliarden-Grenze überschritten. Die Zwei-Milliarden-Grenze wurde bereits im September 2009 geknackt, im April 2009 lag die Anzahl der Downloads noch bei einer Milliarde. Dynamik bringt zudem Apples neuer Tablet-PC, das „iPad“. Sämtliche iPhone-Apps sollen auch auf diesem Gerät genutzt werden können. Um an den Erfolg der Apps anzuknüpfen, haben alle wichtigen Anbieter nachgezogen: Nokia mit OVI, Google mit Android Market, RIM mit Blackberry App World und Microsoft mit Skymarket. Die Umsatz-Aussichten sind vielversprechend: Die Marktforscher von Gartner haben errechnet, dass 2010 ein Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar aus dem Verkauf von Apps erzielt werden könnte. Mit Werbung wären weitere 0,6 Milliarden möglich.

Kostenlos oder Bezahl-Apps? - Zeitungsportale setzen auf Mischmodelle

Der Run auf die Apps hat längst auch die Verlage elektrisiert. Fast jede Woche kommen neue Apps von Medienmarken hinzu. Die einen sind kostenlos, werden als Marketinginstrument gesehen, sollen sich über Werbung refinanzieren und den Traffic ankurbeln. Die anderen setzen auf Paid Content, denn iPhone-Nutzer zeigen die höchste Bereitschaft für digitale Inhalte zu bezahlen, wie eine aktuelle Untersuchung der Medienrechtsfirma Olswang zeigt. Den Anfang machte die Axel Springer AG, die im Dezember 2009 kostenpflichtige iPhone-Applikationen für Bild.de und Welt Online auf den Markt brachte. Einen Monat nach der Einführung wertete der Verlag den Start als Erfolg. 100.000 mobile Nutzer hätten vom Einführungsangebot für Bild und Welt Gebrauch gemacht und waren bereit, dafür zu bezahlen. Über die exakte Verteilung der Downloads auf die einzelnen Marken macht der Verlag keine Angaben. Der Preis für die Bild-App in der Einführungsphase liegt bei 0,79 Euro inklusive einer PDF-Version der aktuellen Print-Ausgabe. Der eigentliche Preis soll später bei 1,59 Euro pro Monat liegen beziehungsweise 3,99 Euro inklusive der E-Paper-Version der Tageszeitung. Springers „B.Z.“ gibt es bereits seit Oktober 2009 für einmalig 0,79 Euro. Für diesen Preis erhält man neben den regulären Nachrichten auf Wunsch weitere Inhalte wie Fotostrecken oder Lokalnachrichten zum per GPS ermittelten Standort. Im Frühjahr 2010 erfolgt die Umstellung auf ein monatlich erneuerbares kostenpflichtiges Angebot.

sueddeutsche.de mit zwei iPhoneApps

Anfang Januar startete der Süddeutsche Verlag eine iPhone-App für Sueddeutsche.de – jeweils eine kostenfreie und eine kostenpflichtige (dafür aber werbefreie) Version. In der kostenpflichtigen Version gibt es einen Push-Notification-Service. So erhalten die Nutzer Nachrichten zu ihren Lieblingsthemen, auch wenn die App geschlossen ist. Die erweiterte „Gold“-Variante kostet 1,59 Euro für 30 Tage (kein Abo), ist dafür aber werbefrei. Die Angebote von Bild.de und Sueddeutsche.de befinden sich bereits unter den Top25 der meistgekauften Apps. Nach Brancheninformationen seien FAZ.net sowie Zeit Online ebenfalls an dem App-Thema interessiert und würden eigene kostenpflichtige Service-Angebote planen.

Eine kostenpflichtige App für das iPhone hat kürzlich auch die „Rheinische Post“ (Düsseldorf) veröffentlicht. „Fortuna für Fans“ heißt das Angebot (einmalig 79 Cent), das mit aktuellen Nachrichten, Statistiken und Live-Ticker über den Fußballverein Fortuna Düsseldorf aufwartet. Die WAZ-Mediengruppe (Essen) möchte ab Sommer kostenpflichtige Apps anbieten. Wie Geschäftsführer Bodo Hombach ankündigt, sollen die Apps einen starken lokalen Bezug aufweisen.

Kostenlose Apps von Regionalzeitungen

Seit dem 5. Oktober 2009 gibt es das kostenlose Nachrichten-App „mein ST“ in Apples App Store. Damit ist das „Solinger Tageblatt“ die erste deutsche Zeitung, die ein redaktionelles Angebot im App Store anbietet. Realisiert wurde die Applikation mit dem Dienstleister alfa. Mittelfristig rechne man sich Chancen aus, Bezahlmodelle zu etablieren. Als weitere regionale Zeitung bietet derzeit die „Wilhelmshavener Zeitung“ eine iPhone-Applikationan. Das kostenlose App liefert täglich die aktuellen Nachrichten aus Wilhelmshaven und Friesland.

Wirtschaftszeitungen erkennen App-Potenzial

Auch die Wirtschaftzeitungen haben das Potenzial von Smartphone-Apps erkannt. Die „Financial Times Deutschland“ („FTD“) aus Hamburg hat sich allerdings gegen den Trend für eine kostenlose iPhone-App entschieden, die seit Anfang Februar 2010 im Apples App-Store runtergeladen werden kann. Sie bietet neben aktuellen Nachrichten und Analysen auch personalisierte Börseninfos sowie Wissenstests und Bildergalerien.

Das „Handelsblatt“ (Düsseldorf) ist bereits seit Anfang November 2009 mit einer eigene Applikation auf dem Markt. Hier lassen sich Nachrichten ebenso nach Vorlieben filtern. So lässt sich ein Dax-Chart nicht nur im Hochformat, sondern nach einer 90-Grad-Drehung im breiteren Querformat spielend leicht darstellen. Schon seit mehreren Monaten bietet das „Handelsblatt“ zudem eine Applikation zur optimierten Darstellung der Internetinhalte auf einem Blackberry-Smartphone an. Außerdem können hier persönliche Profile angelegt werden, inklusive einer Alarmfunktion, die den Nutzer dann informiert, wenn es neue Nachrichten zu bevorzugten speziellen Themen gibt. Bislang sind diese Apps kostenfrei. Es werde aber auch an kostenpflichtigen Modellen gearbeitet.

Seit Ende Dezember 2009 können Nutzer des Anzeigennetzwerks „markt.gruppe“ auch mit ih­rem iPhone auf Wohnungs- und Autosuche ge­hen. Zusammen mit seinen acht Onlineportalen und mehr als 150 regionalen Tageszeitungspart­nern hat die markt.gruppe das kostenlose App „Anzeigen“ entwickelt. Die iPhone-Nutzer haben bei „Anzeigen“ die Wahl: Entweder gezielt lokal, regional, bundesweit oder anhand des aktuellen Standortes nach passenden Angeboten zu su­chen oder die neuesten Treffer zu individuell erstellbaren Suchaufträgen automatisch ange­zeigt zu bekommen.

Branchenlösungen in Sicht

Die dpa entwickelt derzeit eine Branchenlösung für regionale Tageszeitungen. Meinolf Ellers, Chef der dpa-infocom setzt dabei auf Apps, die dem Nutzer in der lokalen Lebenswelt Services anbieten. Im ersten Quartal 2010 will die Agentur ihr Konzept vorstellen. Das Software-Haus Markt.IT hat im Dezember in der BDZV-Arbeitsgruppe Elektronisch Publizieren/Multimedia sein Konzept für eine Gemeinschaftslösung vorgestellt. Wie in einem Kiosk sollen Nutzer dort einzelne Artikel der beteiligten Verlage kaufen oder ganze Themenchannels abonnieren. Vor diesen Bemühungen um finanzierbare Angebote der Verleger sorgte die Ankündigung der ARD, eine Tagesschau-App auf den Markt zu bringen, für scharfe Reaktionen. Der BDZV kritisierte das Vorhaben der ARD scharf. Damit drohe der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Sender, ein neues Geschäftsfeld der privatwirtschaftlich organisierten Presse bereits im Ansatz zu zerstören. Der Springer-Verlag sprach in einer Pressemitteilung von „nicht tolerierbarer Marktverzerrung“.

Probleme mit Apps

Ein kritischer Punkt für die Verlagsbranche: Apple hat die alleinige Kundenbeziehung und verdient an jedem Download mit. 30 Prozent der Erlöse streicht das Unternehmen ein. Zudem muss jede App zunächst einen Antrag auf Aufnahme in den App-Store von iTunes stellen. Apple entscheidet, wann es losgehen kann. Wer gegen Apple-Regeln verstößt, fliegt raus. Jüngst wurde die App von stern.de gesperrt, weil sich darin erotische Bilderstrecken befanden. Eine weitere Befürchtung ist, dass eine App das Angebot kannibalisiere, das über mobile Browser angesteuert werden kann. Bei der Masse an Apps (mehr als 130.000), die mittlerweile bei iTunes angeboten werden, drohen Zeitungsmarken zudem unterzugehen. Wer neben dem iPhone auch andere Smartphones mit Apps bedienen will, muss alles neu programmieren. Die Systeme sind bisher nicht standardisiert und kompatibel. Deshalb sehen Experten einen Trend in Richtung Web-App. Eine Web-App hätte den Vorteil, dass sie auf vielen verschiedenen Geräten funktioniert. Ein weiterer Knackpunkt ist die Messung von App-Anwendungen. Die App-Nutzer werden in der ersten Reichweiten-Messung der mobile facts, die für Herbst 2010 geplant ist, fehlen. Die Studie will analog zu den Internet Facts die mobilen Reichweiten erheben. Als Grund gelten technische Hindernisse. Auch die Informationsgemeinschaft zur Verbreitung von Werbeträgern (IVW) weist die Klickzahlen von Smartphone-Applikationen bislang nicht aus. Der IVW-Organisationsausschuss Online befasst sich jedoch mit der Thematik. Jörg Bungartz, Leiter Prüfverfahren und Technik bei der IVW stellt eine Erfassung für Ende 2010 in Aussicht. Lädt ein Nutzer eine PDF-Version der aktuellen Print-Ausgabe herunter, müsste der Download im Grunde ebenfalls zur verkauften Auflage gezählt werden können. Doch die Erfassung nach IVW-Regularien ist nicht möglich, weil die Daten bei Apple liegen und nicht zur Verfügung gestellt werden.

zurück