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31. Oktober 1997 | Allgemeines

Zeitungskongreß 1997: Die Zeitung - eine starke Marke

Verleger, Journalisten, Politiker, Marketingexperten und Werbestrategen diskutieren Aufgaben, Herausforderungen und Chancen des Mediums

Zu einer Qualitätsoffensive für die Zeitung hat BDZV-Präsident Wilhelm Sandmann aufgerufen. Die noch intensivere Auseinandersetzung mit dem Produkt, die ständige Beobachtung des Marktes und ein offensives Marketing seien das Gebot der Stunde, erklärte Sandmann vor rund 400 Verlegern, Verlagsmanagern, Journalisten, Werbe- und Marketingleuten sowie Politikern, die am 27. / 28. Oktober zum Zeitungskongreß nach Goslar gekommen waren.

Dieser Appell war zugleich die Botschaft der Podiumsdiskussion "Die Zeitung - Markenartikel oder was?" Ja, die Zeitung ist ein Markenartikel - jede in ihrem Verbreitungsgebiet. Und Zeitungen müssen wie Marken gepflegt werden, so das Fazit der von ZDF-Moderatorin Nina Ruge geführten Runde mit den Chefredakteuren Ralf Lehmann (Westdeutsche All-gemeine Zeitung), Hans-Werner Kilz (Süddeutsche Zeitung), den Verlagsmanagern Achim Twardy (Geschäftsführer der Bild-Gruppe im Axel Springer Verlag) und Dr. Friedhelm Haak (Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgesellschaft Madsack) sowie den Branchenexternen Thomas B. Quaas (Leiter des Geschäftsbereichs Cosmed Inland bei der Beiersdorf AG) und Bernd M. Michael (Agenturchef bei Grey Middle Europe).

 

Wie lebens-, ja sogar überlebenswichtig vernünftige Rahmenbedingungen für das Medium sind, dies kam beim Zeitungskongreß in vielfacher Hinsicht deutlich zur Sprache im Dialog zwischen Presse und Politik. Vor Eingriffen in die Pressefreiheit warnte BDZV-Präsident Wilhelm Sandmann und nannte die Reaktionen nach dem Tod von Prinzessin Diana ein "an-schauliches Beispiel" dafür, wie schnell Politiker über eine Verschärfung des Presserechts nachdenken. Hart ins Gericht ging er mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem immer neue Möglichkeiten einer Expansion eröffnet würden. Hier erhielt er die volle Unterstützung von Bundesforschungsminister Rüttgers, der den Vorstoß der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Internet-PCs mit einer Rundfunkgebühr zu belegen, als "Schnapsidee" bezeichnete und auch die Online-Kooperation von ZDF, Microsoft und NBC in Frage stellte.

 

In einer Resolution warnten die Zeitungsverleger vor einer Zerschlagung des bewährten Pressevertriebssystems. Sie forderten, die "610-Mark-Jobs" nicht anzutasten und den Postzeitungsdienst als Pflichtleistung im neuen Postgesetz zu verankern. Beim Thema "610-Mark-Jobs" erhielten sie Rückendeckung von F.D.P.-Chef Wolfgang Gerhardt und auch von Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder. Dieser überbrachte in seiner Rede beim Festessen in der Kaiserpfalz auch die wichtige politische Botschaft, daß gerade die Lokalzeitungen bei ihrem Engagement im privaten Rundfunk gestärkt werden sollten. Dies war die klare Antwort eines sozialdemokratischen Ministerpräsidenten auf den vom BDZV stark kritisierten Entwurf der EU-Kommission für eine Medienkonzentrationsrichtlinie, deren Umsetzung in nationales Recht für viele kleinere und mittlere Zeitungsverlage das "Aus" im Privatfunk bedeuten würde.

 

Der Zeitungskongreß in Goslar wird allen Teilnehmern in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung bleiben: Hier wurde an historischem Ort der Standort der Zeitungen im künftigen Medienkonzert neu bestimmt; hier wurden Dialog und Streitgespräch in konstruktiv-kritischer Weise gepflegt wie selten zuvor. In Goslar wurde auch ein verbandshistorischer Beschluß gefaßt: der Umzug des BDZV in die Hauptstadt Berlin. Zu all dem kam der Charme einer schönen Stadt mit großer Geschichte und der Charme einer Verlegerfamilie mit langer Tradition, die ihre Gäste von der ersten bis zur letzten Minute des Kongresses verwöhnte.

 

Auf den folgenden Seiten berichten wir über die wichtigsten Ereignisse des Kongresses.

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