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01. Juli 1999 | Allgemeines

Zeitungen weltweit im Aufwind

WAN-Kongreß: Mehr Anzeigen, steigende Auflagen und neue elektronische Geschäfte

Die Zeitungen blicken optimistisch in die Zukunft. "Es gibt klare Anzeichen dafür, daß die Zeitungen nach einem harten Jahrzehnt wieder stärker werden und in vielen Fällen den Abwärtstrend umkehren oder bremsen konnten", erklärte der Generaldirektor des Weltverbands der Zeitungen (WAN), Timothy Balding, anläßlich des 52. Weltkongresses der Organisation am 14. Juni 1999 in Zürich.

In vielen Ländern steige wieder die Auflage, die Anzeigenerlöse nähmen teilweise stark zu und die Verlage nutzten die elektronischen Medien für zusätzliche Geschäfte. Die Zahlen bewiesen, daß Zeitungen ein Medium blieben, an dessen Reichweite und Einfluß andere Informationsanbieter nicht herankämen. Die neue Studie des Weltverbands, die auf dem Jahreskongreß präsentiert wurde, zeigt, daß die Auflagen 1998 in vielen Ländern nach Jahren des Rückgangs wieder gestiegen sind. Dazu gehörten beispielsweise Kanada und Finnland. In der Europäischen Union halbierte sich gegenüber 1997 die Einbuße in den Verkaufszahlen auf 0,7 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren ging in Deutschland die Auflage der Zeitungen um 3,5 Prozent leicht zurück: Das ist weniger als in Italien und in Großbritannien. In Portugal und Österreich haben die Verkaufszahlen zwischen 1994 und 1998 zugenommen. Die Gesamtzahl der Tageszeitungen in allen EU-Staaten ist in diesem Zeitraum nur minimal auf 1.120 Titel gefallen. Eine ausführlichere Beschreibung der Situation in Europa und weltweit folgt in einer der nächsten Ausgaben von "BDZV-intern".

Geradezu spektakulär waren, wie der WAN mitteilte, vielfach die Zuwächse der Anzeigenerlöse. Die Einnahmen in Europa, Nordamerika und Asien hätten 1998 die höchsten Werte der achtziger Jahre übertroffen. Selbst in den Vereinigten Staaten erhöhten sich die Anzeigenerlöse im Vorjahr um 4,6 Prozent und waren damit um fast 20 Prozent größer als 1994. In Irland, Griechenland und den Niederlanden gab es im vergangenen Jahr zweistellige Zuwachsraten. Deutschland lag mit 5,6 Prozent Plus im Mittelfeld.

Im Fachprogramm während des dreitägigen Weltkongresses der Zeitungen und dem angeschlossenen Forum der Chefredakteure ging es in erster Linie um die Marktbehauptung gegenüber elektronischen Wettbewerbern und das Erschließen neuer Märkte. So läßt sich beispielsweise aus der Sicht Michael Goldens, stellvertretender Vorsitzender der New York Times Company, eine breite Leserschaft erreichen, wenn das traditionelle Printprodukt mit Internetkompetenz verbunden wird. Ähnlich argumentierten auch andere nordamerikanische Zeitungsverlage, die mit hohen Investitionen versuchen, das Internet als Markt für sich zu erschließen. Gewinne würden, wie die Verlagsvertreter aus den USA einräumten allerdings im Internet noch nicht erwirtschaftet.

Über Internetaktivitäten der Schweizer Verlage berichteten Marco de Stoppani (Verlagsleiter "Neue Zürcher Zeitung), Ernst Graf (Direktor Publicitas) und Kurt W. Zimmermann (Marketingdirektor TA Media). Wie zuvor schon die Amerikaner machten Sie ihre Auffassung deutlich, daß die Presse mit ihrer starken Position im Informations- und Werbemarkt, mit ihrer hohen Innovationskraft und ihrer Kooperationsfähigkeit über beste Voraussetzungen verfügt, um auch im Internet eine führende Rolle spielen zu können. Gutes Beispiel sei die von rund 50 Zeitungsverlagen betriebene Kooperation SwissClick, die den größten Schweizer Rubrikenmarkt im Internet repräsentiere.

Um redaktionelle Inhalte und ihre Kosten ging es in einem Vortrag von Michael Grabner, Geschäftsführer der Georg von Holtzbrinck-Gruppe mit dem Titel "Die multimediale Redaktion: die dritte Revolution in der ökonomischen Entwicklung in der Tageszeitung". Laut Grabner erforderten die hohen redaktionellen Basiskosten, steigende Investitionen in die Inhalte und der große Wettbewerbsdruck neue Wege bei der Vermarktung. Dies könne beispielsweise durch Mehrfachverwertung der redaktionellen Produkte in verschiedenen Medien, Zusatzangebote (Datenbanken, regionale und nationale Agenturen) und Kooperationen geschehen. So werde sich die "mediale Wertschöpfungskette" künftig verlängern; Aufgabe der Zeitungsverleger müsse es sein, dabei mehr Stufen als bisher abzudecken und sich zu "medialen Dienstleistern zu wandeln".

Eröffnet wurde der 52. Weltkongreß der Zeitungen mit einem Aufruf zur Verteidigung der Pressefreiheit. WAN-Präsident Bengt Braun erinnerte die 1.100 Teilnehmer aus 88 Ländern daran, daß ein freiheitliches Mediensystem stets wachsam verteidigt werden müsse. Braun überreichte auch die "Goldene Feder der Freiheit" an der iranischen Autor und Journalisten Faraj Sarkuhi, der damit vom Weltverband für sein vorbildliches Eintreten für die Pressefreiheit geehrt wurde. Unter dem Schah-Regime wie später unter der Herrschaft der Mullahs habe Sarkuhi bei Gefahr für sein Leben und das seiner Familie für das freie Wort gekämpft.

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